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prft durch energisches Dagegenstommen der Fohrgäste wieder in Gang gebracht worden.

Das Glanzstück unserer gemeinsamen schlechten Streiche lieferten wir, als wir einst mit einem Schlage das ganze Dorf, in dem wir unser Leben fristeten, durch einen Schwindel in Aufregung versetzten. Den Gedanken gab mein m diesen Sachen erfinderischer Freund, die Ausführung übernahm ich. Unser Dörflein besaß nämlich trotz seiner respektablen Größe immer noch keinen Durnverein, und das wurmte uns junge, sportliebende Leute natürlich sehr. Wir beschlossen daher, einen diesbezüglichen Wink mit dem Za-unpfahl zu geben. DaS taten wir denn auch, indem wir in die meistgelesenste Zeitung unseres Dorfes einen Artikel einrücken ließen, dessen Inhalt verriet, daß am letzten Sonntag in der Schenke „Zum blauen Ochsen" ein Turnverein gegründet worden iväve. Natürlich zählten wir gleich sämtliche Vorstandsinitglieder auf. Da fungierte eine als größter Faulenzer und Radaumacher be­kannte Persönlichkeit als erster Vovsitzender, zum Schrift­führer machten wir einen, der kaum seine drei Kreuzel zivecks Andeutung seines werten Namens machen konnte; für den Kassiererposten schien uns ein auf der Trunkenbaldliste thronender Mitbürger ganz besonders geeignet zu sein, und zum Beisitzer bestimmten wir ein Männchen, das bereits ver­schiedentlich „gesessen" und daher eine sehr nützliche Bor- iibung - für das Sitzen hatte. Zum zweiten Beisitzer wurde — und da» lixtr das schrecklichste — der ehrenwerte H,rr Ge­meindevorsteher gewählt, der sich durch diesen Platz wohl nicht sehr geschmeichelt fühlen mochte. Nach meinem jetzigen Dafürhalten hätten wir ihn doch wenigstens zum ersten Por- sitzenden machen sollen, wenn nicht gar zum Ehrenmitglied! Einem alten Leiermarm, einem würdigen Genossen des „Kassierers", muteten wir zu, 'daß er am kommenden Sonn­tag einen hochinteressanten Vortrag über „Die Bedeutung des Volksturnens" halten sollte!

Das Ganze war ja, wie gesagt, ein schlechter Bubenstreich, hatte aber einem durchschlagenden Erfolg. Dar ganze Dorf mit Umgebung stand vor Lachen Kopf. Freilich fahndete, wie wir beiden Sünder zu nuferem größten Schrecken hörten, die Polizei eifrig nach dem oder dem Übeltätern und nur unserem guten Glück haben wir es zu verdanken, daß man uns nicht Gelegenheit bot, ebenfalls „Beisitzer" zu werden. Im übrigen fei zu unserer Entlastung gesagt, daß der „Kassierer" am jenen! Tage geschworen haben soll, nie mehr einen Tropfen Branntwein zu trinken, ja, er soll seinen Schwur sogar ge­halten haben! (NB. Die Geschichte ist heute schon lange ver­jährt, einen Strick kann man also meinem Freunde >nd mir daraus nicht mehr drehen.)

So kam der Weltkrieg. Wir wunden beide demselben Regiment, derselben Kompagnie zugeteilt. Irgendwo in Galizien war's. Da wir beide meisterhaft die polnische Sprache beherrschen, wurden wir öfters als Patrouillen vor­geschickt. Eines Abends befanden wir ums wieder auf einem solchen Stveifzug und kamen an eine verlassene Bauernhütte, im der wir eine ganze Anzahl auf dem Boden an gehäuft er Kleidungsstücke vorfanden. Rasch entschlossen, nahmen wir eine Umwandlung mit unserem Äußeren vor, und zwar wählte mein Freund die Tracht einer Bäuerin, was ihm allerliebst zu Gesichte stand, während ich die Rolle des nebenher stampfenden Gatten erkor. Im Hofe befand sich eine etwa vier Meter lange Grube, die mit jener in der Landwirtschaft zwar sehr geschätzten, aber nicht eben sehr wohlriechenden Flüssigkeit angefüllt war. Ein lose aufgelegtes Brett diente als Steg. Vorsichtig gingen wir hinüber und pürschten uns langsam Weiler. Plötzlich donnerte ums ein „Staj" entgegen, und im Nu waren wir von etwa zehn Russen umringt. Ein Entweichen war unmöglich und ich konnte Ernst nur die Worte zuflüstern: „Jetzt kohl' dich raus!"

„Gdoscie? — Wer seid ihr?" fragte uns der Anführer der russischen Patrouille, ein junger Leutnant. Mein Freund, sl>L8 die schöne Bäuerin, trat möglich nahe zu dam Frager W>d mit verführerischem Augenaufschlag redete sie den L«ut- mmt an: „Aber Panie, warum liegt ihr denn draußen hier in der argen Kälte, wo es doch drüben in unserer Hütte so schön warm ist! Kamm mit mir, Herr!" schmeichelte sie rmd schmAetzte sich dicht an ihn, das heißt fein Opfer.

Dem Russen mochte es in der Röhe deS vvwneintlicherr Frauenzimmers recht warm gswmchsn fein, und er konnte nicht wkdeiftehan. Zutraulich umfaß de er die Taille feines Begleiter», und mrn ging es fangfom vorwärts. Feagemd jah ich meinen Freund an. Er sagte nur die Buchskciben I, a, u, ch, e, und ich »erstand ihn. An der obenerwähnten

Grube angekommen, betrat mein Freund als erster die Brücke, ihm folgte der Leutnant und dicht hinter diesem seine zehn Mann. Ernst lief schnell hinüber, sah sich um, und als er bemerkte, daß alles schön über der Grube schwebte, rief er: „Hopp!", wir bückten uns, faßten die beiden Enden deS Brettes und elf Russen stürzten mit ebenso vielen Flüchen in das duftende Naß. Wir nahmen nun unsere Revolver und liehen sie alle hübsch nacheinander hevauSkriechen. Waffen — die Gewehre waren ihnen bei dem Sturz ins Ungewisse ent­fallen — hatten sie nicht, so daß sie vollkommen in unser« Hand gegeben waren. Übrigens schienen sie mit ihren, Schicksal gar nicht unzufrieden zu sein. Wir geleiteten unsere Beute zu unserem Lager, wo die nicht gerade mit „Eau de Cölogne" parfümierten Gesellen mit Freuden ausginommeu wurden. Das Schwindeln meines Freundes hatte uns hiev das Leben gerettet und brachte, was wohl wichtiger ist, elf Russen als Gefangene ein. (Zeus. Mz.)

aus der ttriegszeit.

Verbandsplätze und Kriegslazarette im Altertum. Deik

wir durch Mommfen cumd andere moderne Forscher .ms ge­wöhnt haben, unsere Anschauung der antiken Welt von allge­meineren Begriffen und bis dcchin häufig etwas summarisch züsammengetragenm Vorstellungen abzulösen, sind wir in .der Kenntnis aller Lebenserscheinungen, von der Lebens- führung der einzelnen, den verschiedenen Klassen angehörigen Personen bis zu de» reichgegliederten sozialen lund staatlichen Einrichtungen, weit vorgeschritten. Der naheliegende Ver­gleich mit .entsprechenden modernen Zuständen und Gebilden läßt unsere Bewunderung für die organisatorische Kultur jener Zeiten nur wachsen und legt unserem technisch sehr souveränen Zeitalter auch darin Besinnung und Beicheiden- heit nahe. Es erscheint uns verständlich, daß im Altertum der letzte organisatorische Ausbau der Verwundetenfürsorgs im Kriege den Römern Vorbehalten blieb, die fast immer in Kriege größten Stils verwickelt waren und dementsprechend ein großartiges System der Fürsorge für Soldcrt und Veteran, denen. Soldatentum Lebensberuf war, ausgebildet hatten. Die Höhe wissenschaftlicher Kenntnis in der Wund- beharidlung war dagegen bei den Griechen, wie Oberstabs­arzt Dr. W. Habeülittg im nächsten Höft der „Deutschen! Medizinischen Wochenschrift" ausführt, eher bedeutender, um so mehr als Griechenland der Mittelpunkt der Forschung auch zur Zeit feiner Abhängigkeit blieb. So wissen toir au» Ausgrabungen der letzten Jahre auf der Insel Kos, daß dort eine Arzteschule mit dem Asklepiostempel verbunden bestand, deren Mitglieder dank dem Ruhme ihrer Schule bei vielen Kriegszügen als Feldärzte erbeten wurden und deren Ver- drvnste uns auf Mavmortafeln überkommen sind. Die erst« Schilderung einer geregelten Versorgung der Verwundeten gibt Homer in Verbindung mit den Kampfszenen um Troja; die im Gebrauch ihrer Glieder gehemmten Verwundeten weA» den auf den leichtbeweglichen Streitwagen zu den „schwarzen Schiffen" in ihre Zelte verbracht, um dort die erste Stärkung und Pflege bis zur Ankunst des Arztes zu erhalten. Mehrer«« meist alten Männern im Heere, die von den häufig ebenfalls mit chirurgischen Dingen vertrauten Heeressühvern unte» stützt wurden, war diche Aufgabe anvertraut. Die Behand­lung beschränkte sich auf das Freilegen, Baden und Aussaug«, der Wunde, Auslösen des Pfeiles, ivas häufig der Unter­stützung deS Messers bedurfte, Beruhigung der aufgewühlten Gewebe durch schmerzstillende Heilfalben und Wurzeln u«4» auf Anlegen wollener Verbände. Die Spartaner befaßen eine Vorschrift des Lykurg, die den Ärzten eines Heeres bestim-nte rückwärtige Plätze zuordnete, um die Hilfe schnell und gleicE- mäßig zu gewähren. Sklaven und Heloten versahen den Lrägerdienst. Das Wegschaffen der Verwundeten aeschaG selbst auf größeren Strecken, wie aus -kenophon zu ersehen tH auf den' Schultern der kräftigsten Kameraden, um der« Kranken möglichste Schonung angedeihen lassen zu können, Di« eigentliche Pflege bis zur Wiederherstellung scheint da- (jegen ausschließlich der häuslichen Sorgfalt überwiesen loore den zu fein, da besonderer KvamckenaUstalten in Griechen» icmd keine Erwähnung geschieht. Di« römische Re»»bkÄ kannte, «in Zeichen der jWitßan Zucht und der fast grausam«, Här.ds selbst gegen ihre eigen«» Bürger während dieser .Zeitz, I weder bessüders vorbsr-eitete Verbandsplätze noch auch diel