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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag, 6 . Januar 1916. flbfltö*RU$C)Q()C. kkr. 8. - 64. Jahrgang.

Lebhafte ArtillerielSmpse im Westen.

Zwei feindliche Flieger abgeschossen. Erfolgloser französischer Luftangriff auf Douai.

Der Tagesbericht vom 6. Januar.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Jan. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz^

An der Front fanden stellenweise teilweise lebhafte Artilleriekämpfe statt. Die Stadt Lens wird vom Feinde fortgesetzt beschossen. Nordöstlich von L e M e s ni I wurde der Versuch eines feindlichen Hand- aranatenangrifss gleich vereitelt. Ein gegnerischer Luftgeschwaderangriff auf Douai blieb er- f o l g l o s. Durch deutsche Kampfsliegcr wurden Zwei englische Flugzeuge a b g c s ch o s s e n, das eine durch Leutnant B o e l k e, der damit das siebente feindliche Flugzeug außer Gefecht gesetzt hat.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Eine im Walde südlich von Jakob st adt vor­gehende Erkundungsabteklung mußte sich vor überlege­nem feindlichen Angriff wieder zurückziehen. Bei Czartorhsk wurde eine vorgeschobene russische Postierung angegriffen und geworfen.

valkankriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Um Griechenlands Souveränität.

Es ist so gekommen, wie es kommen mußte. Ein englischer Staatsmann hat einmal der russischen Politik nachgesagt, daß sie ihre Anmaßung genau so weit treibe, wie cs die Zaghaftigkeit des Gegners gestatte. Nun, Engländer und Franzosen haben in dieser Bezieh nng von dem dritten ini Bunde gelernt, und sie wenden diese Methode in ihren letzten Folgerungen auf die bedauernswerten Hellenen an, die man wie Heloten behandelt, als, wie es in dem be­schlagnahmten Briefwechsel der englischen Bennien in Athen hieß, „die elendesten Köter, die man sich vor­stellen kann" und die „sicher nichts anderes als einen guten Tritt" verdienen.

So kann es denn kaum noch wundernehmen, .daß der Verhaftung der Konsuln des Vierbundes und der eines neutralen, des norwegischen Vize- konsnls, in Saloniki die Verhaftung griechischer Untertanen gefolgt ist, während die Antwort der Entente ans den Protest wegen der Verhaftung der Konsuln noch ausstand. Es ist in frischer Erinne­rung, daß die Engländer und Franzosen von der grie­chischen Regierung die Übertragung der Polizei­gewalt in Saloniki forderten. Auf die Ablehnung jenes, einem souveränen Staate gegenüber unerhörten Verlangens hat der Ober-kommandierende Sarrail, der sich anscheinend als Oberkommandierender nicht nur von Salonfti, sondern von ganz Griechen­land fühlt, damit geantwortet, daß er die Polizei­gewalt, daß er die gesamte politische Gewalt in Salo­niki kurzer Hand an sich riß. Heute ist Saloniki in Wahrheit nicht mehr griechisches, sondern Entente- Gebiet, und das ist deutlich zum Ausdruck gebracht worden, als man die Konsuln der fremden Staaten wider alles Völkerrecht verhaftete, uni sie über Frank­reich nach der Schweiz abzuschieben. Das hat sich noch schrofter gezeigt, als man sogar vor der Verhaftung griechischer Untertanen ans griechischem Gebiet nicht zurückschreckte.

Ein stärkerer Streich ist kaum je gegen einen souveränen Staat geführt worden, und der Konstant!- nopeler „T a n i n" bemerkt ganz zutreffend, die Truppenznsammenziehungen und die Befestigungs- Maßnahmen sowie die Ankunft des serbischen Königs in Saloniki deuteten an, daß die Verbands Mächte sich endgültig in Saloniki niederlassen wollten, .welches sie an Stelle von Athen als .Hauptstadt eines von ihnen regierten Griechenlands setzen möchten. Das Borgoheu .der Entente gegen Griechenland ist so un­erhört, daß es die Frage nahelegt, was sie mit die- Vabanque-Spicl erreichen wollen? Anscheinend doch, Griechenland auf die eigene Seite zu zwingen. Zwei­fellos hat inan zunächst diese Wficht verfolgt Deshalb besetzte man Saloniki, um mit Hilfe des V e n i z e l o §’ und seiner Anhänger die herrschende Regierung, ja so­gar, wie ein Mitglied der englischen Marinekommtssion in dem beschlagnahmten Briefwechsel offen ausge­sprochen hat. den König selbst zu stürzen. Als dieser Anschlag mißlungen war und das königs­treue Kabinett Skuludis bei den Karnmerwahlen die Mehrheit erhielt, glanbte man die Situation noch retten zu können, indem man die Bulgaren zu

einem Vorstoß nach Saloniki reizte, unr auf diesem Wege die alte bulgarisch-griechische Eifersucht um Salo­niki zugunsten der Entente auszunutzen. Nachdem auch dieser Trick durch die griechisch-bulgarische Eini­gung über die neutrale Zone und die unterdessen schon viel weiter gedichene Verständigung durchkreuzt wurde, scheint bei den Herren in Saloniki die Wut über ihre Mißerfolge den Sieg über die gesunde Ver­nunft davongetragen zu haben. Die Behandlung, welche man dem souveränen griechischen Staatswesen seitdeim hat angadeihen lassen ist nur so zu verstehen, daß man entweder mit Hilfe des Verräters Venizelos immer noch einen Staatsstreich wagen zu können glaubt, um so doch noch die Griechen zu .Süldnerdiensten zu zwingen, oder daß man sie wirklich, wie sich lder eng­lische Gcfandtschaftssekretär W. E. ausdrückte, für „die elendesten Köter, die man sich dorstellen kann", hält.

Wir sind überzeugt, daß beide Auffassungen sich als falsch erweisen werden. Wie das Volk sich durch die Wahlen für den König erklärt hat, so ist ihn: vor allem auch das Heer treu, das in ihm den Feldherrn sieht, mit dessen Waffenruhm gerade die Angliederung von Saloniki samt dessen südmazedonischeni Hinterland un­trennbar verknüpft ist. Freilich wissen die Griechen, daß es der Entente auf Gewaltsinaßregeln nicht an­kommt, daß sie versuchen wird, die angedrohte Ab­sperrung der Küste Lurchzuführen, um Griechenland nach berühmtem Muster auszuhuuge.ru. Aber die Griechen können doch nicht übersehen, daß sie in dem englisch-französischen Heere ein unter Umständen recht wertvolles F a u st p f-a n d haben. Wenn es ihnen aber an der Entschlossenheit gebricht, der französisch- englischen Unterdrückung mit den Waffen in der Hand zu begegnen, so gebietet es ihnen doch mindestens die Klugheit, den Mittelmächten und Bulgarien, die vor den Toren Griechenlands stehen, zu erklären: „Wir fchcn uns außerstande, euch und dem schwer ver­letzten Völkerrecht Genugtuung zu verschaffen, holt sie euch selber!" Wenn das Hellenenvolk noch irgend einen Wert auf feine Selbständigkeit, auf die Wahrung seiner Souveränität legt, daun .müßte es die Feinde der Entente als Befreier begrüßen, als die Bringer jener Freiheit, die sie selbst zu er­kämpfen sich außerstande zu fühlen scheinen.

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Eine Negierunaskriese in Griechenland.

Sr. Budapest, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. J-n>s. Mn.) Der Sofioter „Villaz"-Berichtcirstatter meldet: Athener Be­richten zufolge tagt der Min ist er rat feit den Saloniki er Verhaftungen stHufagen in P e r m a n e n z. Der König empfing außer den Ententevertretern auch die Diplomaren der Zentralmächte. Laut glaubwürdiger Meldung sind im Zusammenhang mit der Affäre auch.innerhalb der Regie­rung verschiedene Schattierungen aufgetaucht. Man geht so wert, anzunehmen, daß die Regierung vielleicht nicht in ihrer jetzigen Zufammensetzumy unverändert fortbestehen könne. Einzelne Minister wünschen nämlich eine diplo­matische Erledigung der Salönikier Affäre und auch weiterhin Festhalten au der Neuitrchlität. Andere wün- schcin jedoch die strengste Vergeltung des Attentates, welches gegen die griechische Souveränität begangen worden ist. Diese halten entgegen den gemäßigten Ministern einen bewaffneten Eingriff Griechenlands für un­abwendbar. Auch Skuludis ist für eine gemäßigte Politik und wenn er auch im diplomatischen Auftreten einen ener­gischen Ton befürwortet, ist er doch gegen die Aufgabe der Neutralität. Der Minister des Innern Gunaris vertritt den Standpunkt, man müsse alles aufbieten, um die Neu­tralität mit Ehren aufrecht erhalten zu können, andererseits schreckt er auch vor einem energischen Auftreten nicht zurück, und wenn der Verstoß nicht anders h.eigelegt werden könne, hält Gunaris einen Appell an die Waffen für un- abweislich berechtigt und notwendig. In parlamentarischen Kreisen hofft man noch, daß eine Regierungskrise ver­mieden werden könne, hält aber für den Fall der Demission des Kabinetts Skuludis die Ernennung eines Kabinetts Gunaris für sicher.

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GrafTisza über die Verhaftung Ser Konsuln.

W. T.-B. Budapest, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Im Mgeord- netenhaus richtete Graf Andrassy eine Interpella­tion an die Regierung wegen der Verhaftung der Konsuln der Mittelmächte. Redner wies darauf hin, daß der Vorwand, unter dem die Entente sich in Griechenland eingenistet habe, hinfällig geworden sei, denn von der Unterstützung Serbiens sei niemals ernst die Rede gewesen. Es scheine, daß die Entente griechisches Gebiet nur besetze, um gewissermaßen ein Faustpfand zu haben, das. die Entente bei Friedensschluß verwerten wollte. Redner fragte, was der Ministerpräsident gegenüber dem Rechtsbruch, den die Entente in Saloniki verübte, zu veranlassen beabsichtige. Ministerpräsident Gras T i S z a antwortete, er wünsche auf die Interpellation im Einvernehmen mit dem Minister dcS Äußern sofort Aufklärung zu erteilen. Er sagte: Diese neuer­liche brutale Rechtsverletzung schließt sich würdig der langen Reihe von Rechtsbrücheu an, die die Ententemächte seit Be­

ginn des Kriegs verübt haben. Vielleicht zeigt der jüngste Fall noch eine Steigerung. Der Ministerpräsident führte weiter aus: Wir sind im Recht, wir sind auch in der Lage, diesem Verführen gegenüber Maßregeln zu ergreifen. Am richtigsten erteilen wir eine entsprechende Antwort, wenn wir uns durch weitere Siege den endgültigen Triumph sichern, damit wir bei der endgültigen Abrechnung Genugtuung für alle Verbrechen verschaffen können. Wie abstoßend auch dieser Zwischenfall erscheinen mag, so ist er eigentlich der Ausbruch ohnmächtiger Wut, dessen Tragweite für uns verblaßt gegenüber der Bedeutung, die der Vorfall für Griechenland besitzt. In erster Reihe war die Ver­haftung der Konsuln eine brutale Verletzung der griechischen Souveränität. Die griechische Regierung hat ganz korrekt di« notwendigen Maßnahmen getroffen, um den Zustand zu be­endigen, de: einen Faustschlag gegen feine Souveränität be­deutet. Griechenland ist entschlossen, einen Zustand zir schassen, in dem es seine Verpflichtungen gegen die Staate» erfüllen kann, mit denen cS in Freundschaft lebt. Wir wür­digen vollkommen die s ch w i e r i g e L a g e, in der Griechen­land sich befindet und die durch den brutalen Gewaltakt der ihre Übermacht Mißbrauchenden geschaffen worden ist. Wir erwarten, daß die griechische Regierung auch im weiteren Verlaus der Angelegenheit eine entsprechende Haltung beobach­ten wird, und wir sind bereit, Griechenland in den Bestre­bungen zur Wahrung seiner Neutralität wirksmne Unter­stützung zu gewährleisten. (Allgemeine lebhafte Zuftim» mung.l Die Antlvort wurde zur Kenntnis genommen, weitere französische ViSttersiimmen zur Verhaftung ver Konsuln.

W. T.-B. Paris, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Der „TempS" schreibt zur Verhaftung der Konsuln in Saloniki: Ihre Persönlichkeiten interessieren die Alliierten wenig. Von dem Augenblick an, wo ihnen ihr Spionagebetrieb unmög­lich gemacht war, scheint es kein großer Nachteil zu sein, wenn man die unwillkommenen Gäste ihrem Vaterland w i e d e r g i b t. Wir werden in aller Ruhe die Folgen des Vorkommnisses abwarten und mit Genugtuung gesehen haben, wie die Alliierten mit dem notwendigen Nachdruck den festen Entschluß bekräftigen, Saloniki zu halten und dort alle Maßnahmen zu treffen, die ihre Sicherheit erfordert. Griechenland kann gegen die Anwesenheit der alliierten Truppen, die es selbst rief und welche seine besten Wachttruppen (!) bilden, nichts mehr machen. Die Auf­gabe Salonikis würde direkt die Folge haben, daß Griechen- lond in Abhängigkeit von den Mittelmächten und von seinem furchtbaren Nachbarn geriete.

Französische Bestätigung der energischen Protestnote Griechenlands.

Genf, 6. Jan. (Zeus. Aln.) Die Havas-Agentur meldet aus Athen: Die schriftliche Protestnote gegen die Verhaf­tung der griechischen Staatsangehörigen in Saloniki wurde den Gesandten des Vierverbamdes am 3. Jamugr überreicht. Die sehr energisch gehaltene Note fordert die' Freilassung der verhafteten Personen,. Der Protest! wurde von den griechischen Gesandtschaften den Regierungen! der Ententemächte ebenfalls mitgeteilt.

Die Verbündeten in Saloniki.

Die englische Artillerie beginnt sich einzuschicßen.

W. T.-B. London, 6. Fan. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Reiuterschen BuroäUs aus Saloniki begann sich , die englische Artillerie in Saloniki einzuschießon. Den Be- ^wohnern der Stadt wurde mitgeteilt, es würden Schieß» Übungen abgehalten.

In Erwartung eines Angriffs der Mittelmächte»

Die unbequemen Briefe der englischen Gesandtschafts­angehörigen.

Br. Lugano, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mir.) „Corrieve della Sera" meldet aus Athen, daß in Saloniki und Athen alles von der Sorge vor dem militärischen Vor­gehen der Mittelmächte erfüllt sei, da ein mächtiger Angriff von Norden her zu drohen scheine. Während die Voniz elos-Press e die Deutschen angreist, schreibt das Regierungsblatt „Embrvs": Ob die Engländer und Franzosen Konsuln verhaften, ob sie griechische Unter­tanen einsperren, Bomben werfen oder Kirchen schänden, ob ihre Soldaten Frauen vergewaltigen — Venizelos und feilte Freunde wissen immer eine Rechtfertigung dafür. Da einige Blätter die in Deutschland bereits bekannten, bei der Gefangennahme des Obersten Rapier an Bord der „Speiser" gefundenen, für Griechenland beschimpfenden Briefe abdruckeih erklärt der englische Gesandte sie kaltblütig für gefälscht „vie Kanaille Europas".

Neue Mitteilungen aus dem aufgefangenen Briefwechsel.

W. T.-B. Wien, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Zu den bereits erfolgten Veröffentlichungen aus dem Briefwechsel der von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot ausgefangenen Korrespondenz von Mitgliedern der englischen Gesandtschaft und der britischen Militärmission in Athen sei noch ein Passus nachgetragen, der sich in einem Briefe eines c n g - lisch« n Offiziers befindet. Derselbe schreibt ain 2. Dez. aus Athen an den Oberstleutnant Sir F. im Londoner Kriegsministerium: „Ich bin wegen eines Angriffes unserer heutigen Feinde nicht besorgt. Was ich stirchte, ist die g r i c « chische Verräterei. Wir düvfen nicht vergessen, dM