Drite %» Morgen-NusgaVe. ErfteZ Satofti ^ptj^lns&fßflü 1 «LomrerRag, 6 * Januar 1916 * jtfr. 7 .
Ein englisch s§ Veitzbuch über den „Varrarong"-Z»H.
Tnsland verweisert die Sühne Ser feigen Mordtat!
Lr. Lau-, 5. Jan. (Eig. DraHtöericht. Zens. Bln.) „Reuter meldet amtlich: Die englische Regierung hat ern Weißhuch über die Mitteilung bezüglich des „B»rral,ns"-FaSes herausgegeben. Minister Grcy sagt m semer Antwort auf die deutschen Anklagen, daß me englrsche Regierung mit großer Genugtuung, jedoch nicht, ohne Überraschung wahrgenommen habe, welche Besorgnis und welcher Eifer die deutsche Regierung plötzlich an den Tag lege, um die Achtung vor den Grundsätzen einer zivilisierten Kriegführung und eine angemessene Bestrafung derjenige», die die Grundlatze verletzen, zu erzwingen. Aber es handle sich frci- lrch m diesem Falle um ein Ereignis, bei dem nicht deutsche,sondern die Engländer die Missetäter wären. Die englische Regierung ist im allgemeinen der Ansicht, daß rem Grund vorliegt, die Untersuchungen von Handlungen, indenen das Völkerrecht übertreten wurde, zu beschränken. Sie hebt jedoch hervor, daß es der Gipfelpunkt der Dummheit wäre, wenn sie den ,,BarraIong"-Fall als Einzelfall einer besonderen Untersuchung unterwerfen würde. Auch wenn die Anklage, die in diesem Falle von deutscher Seite erhoben werde, sich auf Tatsachen stützte, was die englische Regierung bisher noch nicht anzunchmen gewillt ist, so wurde dennoch die Tat des Kapitäns des „Barralong" unbedeutend erscheinen im Vergleich zu Handlungen, die von den Kommandanten deutscher Unterseeboote begangen wurden. Grch führt drei Ereignisse zur See auf, die sich während der 24 Stunden zutrugen, ,n welchen sich der Fall mit der „Barralong" ereignete, und zwar betrifft das erste Ereignis den Untergang der „Arabic", die von einem deutschen ll-Boot.ohne Warnung versenkt worden sei, ohne daß cm Versuch gemacht wurde, die Besatzung und die Fahrgaste zu retten. Dadurch seien 47 Nichtkämpfcr getötet worden.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt 'dazu: Es ist natürlich etn ganz unhaltbarer krummer Trugschluß, derl be- wußteu; JJloTb, die zynische Hinmetzckl-ung ohne
leoen mmtareschen Sinn u-nid Zweck auf eine Linie zu stellen Mit dm bedauerlichen, aber unvermeidlichen Unglücksfällen, denm sich neutrale Fahrgäste auSfehm, welche es in dieser Zeit für erlaubt, halten, sich den als Franktireurs ge- ' friegfülir-enbcc Staaten anMvert^cruen.
• Versuch, so völlig ungleichartige Dinge
emander gleich zu stellen und so die trügerische Voraussetzung für ettmr «äfw&en Trugschluß zu ziehen, mutz von vorn- herem Mmckgow-refen werden. Der englische Bescheid bringt ,'n Erinnerung, daß am 28. November 1915 die doutsche Regierung der amerikanischen Botschaft zu Berlin eme Den-sthrist über die britische Mordtat des „Barralong" ickMswckte, derm^ Schluß lautet: Es kann aus Grund des vorstehenden Materials keinem Zweifel unterliegen, daß d er K o mma ndant des „Bamalong" der ihm unterstellten Mmmschaft .den Bsschl übergeben hat. hilf- und wehr- ^. ose fr friiifyfre <5teleutc mtfyt zu G-eftrngenen zu machen, sondmn fe°ge ^ zu ermorden, sowie daß seine Mannschaft dm Beftyl befolgt, und sich dadurch des Mordes schuldig gemacht hat. Die deutsche Regierung teile diese Tat der britischm Regierung mit und erwarte, daß sie daraufhin mtsprechend vorgehm werde. Sie erwarte in kürzester Frist eine Äußerung der britischen Regierung, daß , e . t Tt ^^l»hren zur Sühne des empörenden Vorfalls ein- geleitet hat. Demnächst erwarte sie eine eingehende Äußerung über das Ergebnis des nach Möglichkeit zu beschleunigenden ^ertzahvms, um sich selbst davon überzeugen zu können, daß die Tat durch eine ihrer Schwere mtsprechmde S t r a f e g e - ahndet worden ist. Sollte sie sich in dieser Erwartung *”/wen. so würde sie sich zu schwerwiegendm Ent- schcretzungen wegen Vergeltung des ungesühnten Verbrechens gmötigt sehen. Heute wissen wir. daß die engttsche Regierung garnichtdarandenkt, in kürzester ^rist das Verfahren zur Sühne einzuleiten und den Leuten
vom „Barralong" die geforderte, der Schwere ihrer Tat entsprechende Strafe angedeihen zu lassen. Wir dürfen nunmehr also annehmen, daß die deutsche Regierung den Augenblick für gekommen sieht, wo sie sich nach ihren Worten „zu schwerwiegenden Entschließungen wegen Vergeltung des ungesühnten Verbrechens genötigt sieht." (Das erwarten auch wir. SchrM.)
Die Bergarbeiter von Südwates gegen die Dienstpflicht!
Eine ernste Drohung mit einem Grubenstreik.
W. T.-B. London, 5. Jan. (Nichtamtlich.) Der Präsident des Bergmaunsverbandcs von Südwnles, Winston, teilte in einer Rede mit, die er in Ponty- poole hielt, daß der ausfnhrende Ausschuß des Verbandes einstimmig die Entschließung gegen die E i n f ü h r nn g der Wehrpflicht annahm. Winston sagte: Ich weiß, was ich sage. Wenn sich die Politiker nicht v o r s e h e n, bringen sie das Kohlenrevier von Südwales zum Stillstand und die britische Flotte hat dann keine Kohlen; die Politiker haben die Folgen zu tragen.
Ein englisches Weißbuch über die Blockade gegen den deutschen Handel.
W. T.-B. London, 5. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ein Weißpapier des Auswärtigen Amtes enthält eine lange Erklärung über die Maßregeln, welche ergriffen worden sind, um Deutschlands Handel zur See abzuschneiden. Es wird darin betont, daß alles mögliche getan worden sei, um den Neutralen Unannehmlichkeiten zu ersparen. Das Weißpapier gibt einen Überblick über die Erfolge der britischen Politik. Volle Informationen waren nicht zu bekommen, aber der Ausfuhrhandel Deutschlands sei ziemlich z e r st ö r t. Was die Einfuhr betreffe, so glaube man, daß einige der wichtigsten Artikel, wie Baumwolle und Gummi, seit vielen Monaten aus Deutschland ausgeschlossen seien. Andere, wie Öle und Milchprodukte, seien, wenn überhaupt, nur zu Hungerpreisen zu haben. Die britische Blockade könne nicht verhindern, daß einige Artikel Deutschland erreichen würden, aber es sei bis zu einem Grad von Erfolg gekrönt, der von bcrufener Seite hier und in Deutschland ftüher für u n - möglich gehalten wurde. Me Wirksamkeit der Blockade steige täglich, Man müsse hinzufügen, daß diese Erfolge ohne eine ernstliche Reibung mit den neutralen Regierungen erzielt wurde. Das Weißpapier faßt die Lage folgendermaßen zusammen: 1. sei Deutschlands Überseeausfuhr fast ganz lahmgelegt. Ausnahmen seien in den Fällen gemacht worden, wo die Anweisung, die Ausfuhr von Gütern nicht zu gestatten, den Neutralen geschadet haben würde, ohne Deutschland Schaden zuznfügen. 2. Würden alle Güterfrachten nach neutralen Ländern, die an Deutschland grenzen, sorgsam untersucht, um die Güter, die für den Feind bestimmt seien, zu entdecken. Wo Grund für die Annahme vorhanden sei, daß eine einzige solcher Bestimmungen vorliege, würden die Güter vor ein P r i s e n g e r i ch t gebracht und in zweifelhaften Fällen zurückgehalten, bis genügend Garantie gegeben sei. 3. Würden auf Grund von bestehenden Abkommen mit kauf, m ä n n i s ch e n Körperschaften in den verschiedenen neutralen Ländern, die an Deutschland grenzen, strenge Garantien von den Importeuren verlangt und so weit möglich, der Handel mit dem neutralen Lande eingeschränkt. 4. Sei durch ein Abkommen mit den Schisfahrtslinien und durch die strenge Anwendung des Mittels, Bunkerkohlen zu verweigern, ein großer Teil der neutralen Handelsflotte, die mit Skandi- navien und Holland Handel treibt, betvogen worden, Bedingungen zu- zustimmen, die verhindern sollen, daß von diesen Schiffen Güter verfrachtet werden, welche den Feind erreichen. 5. Wird jeder Bcr- such gemacht, Kontingente für die Anfuhr nach neutralen Ländern fcstzusehen, wodurch erreicht wird, daß die Neutralen nur so viel erhalten, als sie normalerweise für ihren Bedarf benötigen.
Die Meinungsverschiedenheiten im englischen riadinett.
Die den Verbündeten gegenüber übernommenen Verpflichtungen.
W. T.-B. London, 5. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" sagt in einem Leitartikel, die neue Bewegung im Kabinett habe einen noch ernsteren Eharakter als die Meinungsverschiedenheiten, die in der letzten Woche beigelegt wurden. Das Matt wendet sich gegen die Forderung McKennas und Runcimans und sagt: Wir sind gegenüber nmisevsn Verbündeten gewisse Verpflichtungen eingegangen oder machten ihnen wenigstens gewisse Mitteilungen, wie viel Divisionen wir in voller Stärke aufrecht erhalten wollen. Wir haben diese Divisionen nicht nur zu
schaffen, sondern auch die Abgänge zu eryäagm. Wir h abe n ferner unsere übrigen normalen und militärischen A uf g ab en aatf anderen Gebieten zu erfüllen. Wir können unsere Zrrle nicht einschränken, ohne bei denen, die an unserer Seite fechten, die schlimmsten Besorgnisse zu erwecken. Deshalb ist eine neue Bewegung im Kabinett höchst unglücklich und schädlich. Sie setzte in der kritpfchsten Periode desKmegeS ein und muß, wenn sie vorwärts geht, eine äußerst 'chädliche Wirkung auf den Verlauf des Krieges in diesem Jahre mr»- üben. — Die „Times" sagt in einem zweiten Leitartikel, die Nation wiege sich in einer falschen Sicherheit über die Arbeiterschwierigkeiten. Das Blatt erklärt die amtlichen! Berichte über die neuerlichen Verhandlungen Lloyd Georges mit den Arbeitewführern für irreführend. Die Stimmung unter den Arbeitern habe sich in einzelnen Bezirken eher verschlechtert und es bestehe keine Gewähr, daß die Arbeiter sich cm die Abkommen kehren würden, die ihre Führer mit der Regierung abgeschlossen haben.
klsqulth teilt Sir John Simons Riicktritt mit
W. T.-B. London, 5. Fan. (Nichtamtlich. Reuter.) Asquich teilte im llnterhause mit, daß Sir John Simon zurückgetreten sei. Die Anwesenheit McKennas auf der Regierungsbank scheint daraus hinzuweisen, daß sein Rücktritt nicht bevorstcht.
Einberufung weiterer. 4 Derby-Gruppen.
W. T.-B. London, 5. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Meldung des Reuterschen ^Bureaus wird die Nachricht, daß noch vier Derby-Gruppen aufgerstfen werden sollen, bestätigt. Es handelt sich um Unverheiratete von 23 bis 26 Jahren.
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Neuer Zulauf kanadischer Freiwilliger.
Br. Rotterdam, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Lin.) Aus Torronto wird gemeldet: Aus den Auftuf Bordens, eine halbe Million Kanadier zu dem überseeischen Dienst zu werben, erfolgte in Kanada am Neujahrstage ein ungemein starker Zulauf. Man nimmt an, daß sich in Torronto etwa 30 000 Freiwillige melden werden.
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Die Folgen unserer U-Bootserfolge im Mittelmeer.
Da« Steigen der Lebensverficherungsprämie» für di« Reisenden.
Br. Rotterdam, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die „Times" berichtet, daß die LebensversichernngSprSmie« für Reisende an Bord von Schiffen, welch« dnrch da» Mittel« m e e r nach Indien fahre», infolge der lü-Boot-ngriffe von 7zz aus 30 Schilling für 100 Pfund für die einzelne Reis« sich erhöhten.
Amerika und die Bewaffnung der „persia"
Br. Haag, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus Washington: Die Regierung der Vereinigten Staaten wird sich wahrscheinlich auf den Standpunkt stellen, daß Schiffe, die sich vor Unterseebooten schützen wollen, keine Geschütze an Bord führen dürfen, die den Zweck haben, Angriffe auf Unterseeboote zu machen. Mehrere Blätter weisen darauf hin, daß die Anwesenheit eines Unterseebootes nicht zweifelsfrei festgestellt worden sei und daß die amerikcmische Regierung de», halb nicht in der Lage sei, diplomatische Schritte zu unternehmen^
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Tin französischer LAgenbericht Sber die NSmpfe bei Soium.
W. T.-B. Konstantinopel, 6. Jan. (RichtmtttKch. Draht-
bericht.) Die Agence Milli meldet: Der Bericht de» svanzö- sischeu Mariueministeriums vom 27. Dez. behauptet, daß ein französischer Kreuzer während einer ErknnLmngSfochrt in der Bucht von Soluim eine türkische Batterie zerstört habe, und daß das Dampfboot „Paris" in der Nähe der Küste auf zwei ottamanffche Unterseeboote feuerte und sie zur Flucht zwang. Tatsächlich besteht die Batterie, deren Zerstörung behauptet wird, aus zwei, den Engländern bei Solum abgeuommenen Geschützen. Aiuf diese in gedeckten Stellungen befindlichen Kanonen feuerte der Kreuzer etwa 30 Schuh ab, ohne eine Wirkung zu erzielen. Das Unterseeboot, das von dem Dampfboot zur Flucht gezwungen worden fern soll, ist diesem französischen Fahrzeug tatsächlich in der Bucht von Sölum begegnet, verfolgte eS bis zur Bucht von Towruk und stellte die Verfolgung erst ein, altz daS Dampfboot in den Hasen von Towruk flüchtete. Der amtliche fvanzösischS Bericht ist also gänzlich erfunden.
Kriegsfahrten unter dem Halbmond.
IV.
Nun sollte ich den türkischen Soldaten in seiner eigentlichen Tätigkeit an der Front kennen lernen. Der Kommandeur der schweren Artillerie auf Gallipoli, Oberst W., mein o ^ Artillerieschulkarnerad, ließ es sich nicht nehmen, mir persönlich seine HauptartilleriesteNingen zu zeigen, die von ihren beherrschenden Höhen aus den besten Überblick über das ganze Kampfgebiet gewährten. Diesem Umstand und den erschöpfenden Erklärungen dieses um die Verteidigung der Dardanellen so überaus verdienten Offiziers hatte ich es zu verdanken, daß ich mir schnell ein klares Bild von der Lage schaffen konnte. Auf unseren gemeinsamen Ritten zur Front gab es Jntevefsantes und Anregung in Hüll« und Fülle, und rhnen ^verdanke ich viele tiefe Eindrücke, die ich empfangen. In frühester Morgenstunde meist ritten wir fort. Herrlich ist die Sonne aufgegangen und prachtvoll klar und durchsichtig die Luft. Bon ferne her grollt das Artilleriefeuer zu uns herüber, und ein Flieger zieht wett von uns seine Kreise. Zum Greisen nahe liegen unsere Stellungen auf hohem Berges- lamm vor uns; die äußerst klare Luft und die zwischen chnen urck, u«s liegenden noch unsichtbaren tiefen Taleinschnitte lassen die Entfernungen so nahe erscheinen. Aus der ersten vovliesendai Höhe angelangt, sehen wir seitwärts rn der Ferne das blaue Meer auftauchen, aus dem sich die schroffen Felsmassen der Inseln Jmbros und Samothraki erheben. Mehrere lief« TAer durchreiten wir, vorüber an zerstörten Dörsak», aus der«, Trtmunern die schlanken Minarets in strahl«^eni Weiß in den blauen Himmel hineinragen. Welch Hama«»g»tib zur Verteidigung geschaffenes Gelände! Das La«d fettst, meistens bedeckt von niederem Gebüsch, ist anscheinend nicht allzu fruchtbares Heideland, ab und zu ein Weingarten. In großem Bogen zicht sich die Straße hin, häufig Gcanatlöcher zu beiden Seiten aufweisend, bis zur vordersten StellMg. überall Wegweiser, die die abzweigenden Sto* dGvch»«. zahlreiche werdende Schaf- und Wnder-
Herden. Nunmehr kehren sie zur Ruhe zurück. Wir sind inzwischen von den Pferden abgestiegen und gehen zu Fuß weiter nach vorn. Eine große Anzahl von Gräbern war dort angelegt, mit Feldsteinen umgeben und mit Blindgängern aller Kaliber geziert; auch deutsche Kampfgenossen liegen darunter, wie es uns vereinzelte Kreuze auf den Gräbern <m- zeigen. Noch nie vorbei hat man Ungläubige und Mohammedaner auf einem Friedhof nebeneinander beigefetzt! Nicht weit mehr haben wir zu gehen, und wir treffen auf einen Truppenverbandplatz, versteckt in einem Seitental liegend und geschützt durch die Flagge des Roten Halbmondes. Wir kommen nach kurzer Zeit an eine Stelle, an der mehrere kleine Wege und Treppen in den Fels eingehauen sind, die zu den Schützengräben auf dem vordersten Abhang des Berges führen. Hier machten sich schon die feindlichen Gewehrkugeln bemerkbar, aber sie können uns in den gedeckten Wegen nicht erreichen. Aber welche Arbeit, welche Zeit und Energie muß das gekostet haben, die Gräben, Treppen, Wege in den steinigen Fels hineinzuarbeiten! Als Handwerkszeug hat, wie Exzellenz Liman mir bei Gelegenheit erzählte, meist das in den eroberten englischen Schützengräben gefundene Material gedient! Wie denn überhaupt die Engländer auf diese tragikomische Weise die Hauptlieferanten aller möglichen Kriegs- bsdarfsartikel für die tapferen Türken gewesen sind! Gewehre, Munition, Draht, Werkzeuge, Stiefel, Mcke, Konserven — alles in bester Beschaffenheit und Güte, fiel den Türken in die Hände und diente ihren eigenen Zwecken. Besonders nächttiche Unternehmungen von Schteichpatrouillen, die vorsichtig an die Gräben herankrochen, die Besatzung niedermachten und mit aller Art Beute dann zurückkamen, machten den Türken viel Spaß. Ganze Truppenteile, die schon lange rn der vordersten Lime gelegen hatten und abgelöst werden sollten, haben deshalb gebeten, nicht abgelöst zu werden. Alle Truppen sind natürlich tief eingegraben, für größere stteserven Unterstände angelegt und in die Felswände einge- sprengt. Wir haben nun den Beobachtungsstand eines Artilleriekommandeurs erreicht. Von diesem Posten aus bieiet sich dem Beschauer ein wundervolles Bilo dar. Natürlich sind es in erster Linie die feindlichen Gräben und Stellungen, die unsere Bttcke auf ftch-ztehM. Eure «nferer Batterie beschießt
gerade eine feindliche Batterie, und Schutz auf Schuß fährt in die feindliche Linie. Von unserer Beobachtungsstelle aus gehen die Beobachtungen telephonisch an die weiter rückwärts und ganz verdeckt aufgestellte Batterie, und die daranfihin gemachten Korrekturen haben den Erfolg, daß die feindliche Batterie bald zum Schweigen gebracht wird. Am Meere»» stranid, greifbar vor uns, liegt eine weiße Stadt von Zelten, über der die Genfer Flagge weht. Do-Hinter, nahe der Küste, eine große Anzahl weißer Lazarettschiff,. Die überaus rege Tätigkeit, die zwischen diesen Schiffen und der Lazarettstadt herrscht, beweist, welch große Verluste die Feinde haben müssen. Direkt unter dem Feuer der türkischen Geschütze liegend, werden sie dennoch streng von diesen respektiert, strenger wie von manch stolzer „Kultur".Natwn. Weit dahinter dehnt sich die Weite des Ägäischen Meeres, des Golfes von Saros aus, unterbrochen von steilen Eilanden, die dem Feind als Basis dier>en. Auf der blauen Flut nah und fern viele, viele Schiffe — finstere, gewaltige Dreadnoughts, schlanke Kreuzer, schwerfällige Transportschiffe, alle umkreist von einer Schar schneller Zerstörer und Wachtboote. die nach ll-Booten ausspähen. Alle aber klüglich außerhalb der Reichweite unserer Artillerie. Einen glänzenderen Anblick aber, ein heitereres Gesichtsfeld, mehr und mächtigere Zerstörungsmaschinen gleichzeitig auf einem Raum zusammengedrängt und für das Auge faßlich, kann keiner der vielen Kriegsschauplätze, auf denen Deutschland mit seinen Verbündeten um feine Existenz ringt, aufweifeni Und alles das liegt schimmernd und gleißend in der herrlichen Sonne des Südens-, in der berauschenden Farbenpracht aller Effekte des Meeres, des Landes und des Himmels vor einem! Kein schöneres, kein ftiedlicheres Mld könnte es geben, wenn die rauhe Wirklichkeit seinen Reiz nicht jäh zerstittte! Unterdessen haben wir auch die feindlichen Schützengräben genau beobachtet. Sie find mit dem bloßen Auge von hier oben aus ganz deutlich zu fetten, ober in dem Gesichtsfeld des Scherenfernrohrs liegen sie derartig nahe vor uns, daß nur selbst die Bewegungen einzelner Schützen genau beobachten können. Noch viel genauer kann man das natüMch von unseren vordersten Schützengräben aus. Ich bin wieder» hott und längere Zeit in diesen gewesen, denn gerade hi« kann W«n die bsjtrn Studien über den türkischen ^nihnlni
