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Sette S.

Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

Miesbaderrer Tnykiatt.

»griechische Regierung auss energischste gegen die Vor- Haftung der Konsuln in Saloniki protestiert. Der Aes-mdte ierklärte, dre griechische Regierung trachte mit alle» oer- Mügbaren Mitteln danach, der Note Geltung zu der- schaffen. Die griechische Regierung sei von dem a u f r! ch - ttigen Wunsche durchdrungen, jedem Mißverständnis mit den (Mittelmächten unbedingt auszuweichen und Das gute Verhältnis dauernd ausrecht zu erhalten. Die offene k Erklärung des Gesandten hat in den Regierungskreisen Sofias rden besten Eindruck gemacht.

. In der Note der griechischen Regierung an die Vertreter Englands und Frankreichs heißt es nach der „N. Fr. Pr." noch: Die königliche Regierung, gestützt aus ihre Souveränität, ..ist berechtigt, trotz der stärkeren Macht, der sie gegen- > übersieht, zu verlangen, daß sofort die nötigen Besohle erteilt wecken zur Vorsorge für die Sicherheit der er- wähnten Personen bis zu deren Übergabe an die kö. glich griechischen Behörden. Außerdem ist die königliche Regierung ermächtigt, zu verlangen, daß Befehle erteilt werden, !datz die von den Alliierten sestgLnommenen Personeil a:r die ^griechischen Behörden ausgeliefert werden, welch letztere sie in Obhut und Schutz nehmen wecken, und zu ^verlangen, daß Vorsorge getroffen wick, daß die KcmsulatS- :Wappen geachtet werden.

RSnig Konstantin Aber di« bulgarisch- griechischen Beziehungen.

Rotterdam, 6. Jan. (Jens. Bln.) In der Unter- ireidung mit dem Korrespondenten des „Daily Vhronicle" erklärte der König von Griechenland über die Haltung Bulgariens: Falls die Bulgaren die grie­chische Grenze überschreiten sollten, woran er ü b r i- N ens nicht glaube, sei er überzeugt, idaß sie sich jauch wieder friedlich zurückzieh en .würden, so- bald ihre Operationen gegen die Verbündeten b e- iendet seien. Die Beziehungen zwischen Bulgarien Lind Griechenland seien ausgezeichnet. Der König erklärte schließlich, er könne nicht verstehen, welche Ziele die.Verbündeten mit ihrem Verharren in Saloniki verfolgten. Der König begriff ihr Vorgehen, so lange die Möglichkeit vorhanden war, Serbien zu helfen, da aber das jetzt ausgeschlossen sei, sei ihr Verbleiben durch nichts mehr gerecht­fertigt. Es würde sicher den Interessen der Ver- bündetn mehr dienen, wenn die französischen und eng­lischen Truppen Saloniki räumten und nach dem' Kriegsschauplatz übergesührt würden, wo ihre Anwesen- heit notwendiger sei. Dann würden auch die Truppen der Mittelmächte zurückgezogen werden, und die Bal- kanfvage würde sich selbst lösen.

Das türkisch-bulgarische Grenzabkommen in der Sabranje.

w. T.-B. Sofia, 5. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Mel. düng der bulgarischen Telcgraphenagentur: Die Regierung hat dem Bureau der Sobranje daL neue türkisch-bulgarische Übereinkommen, betreffend die Berichtigung der Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien, übermittelt.

Der „Temps" über die verschobene Ministerkrisis in Griechenlaud.

Br. Genf, 5. Jan. (Gig. Drahtbericht. Zens. Bin.) In einem aus Saloniki datierten Bericht über die poli­tische Lage Griechenlands führt der „Temps" aus, daß die M i n i st e r k r i s i s, die nach den Wahlen auszu­brechen drohte, nur bis zum Wiederzusammentritt des Parlaments verschoben ist. Rhallis erklärte seinen Freunden, daß er infolge der in den Gunaristi- ischen Blättern erschienenen Kommentare über den Erfolg der Gunaris-Partei nicht mehr mit dem gegen­wärtigen Kabinett zusammenarbeiten könne. Skuludis habe den Wunsch ausgedrückt, sich aus Gesundheits- rücksichten zurücktzuzichen, um so mehr, da gegenwärtig die Bildung emes parlamentarischen .Ministeriums möglich sei. Kunduriotis und Dragumis hielten sich die Entscheidung bezüglich ihrer künftigen Mitwirkung vor. Sie werden von der Bildung des neuen Kabinetts und dem Gange der sich überstürzenden Ereig­nisse abhängen.

J Der englische Rreuzer „Hatal** das lvpfer einer englischen Unterseemine.

I-. Berlin, 5. Jan. (Eigne Meldung. Jens. Bin.) Bisher war man hier noch nicht sicher, ob die im Ausland ausge­sprochene Vermutung, der englische Kreuzer „Natal" wäre vielleicht doch von einem 17-Boot versenkt wocken, irgend welche Grundlage habe. Heute können wir aber den Eng­ländern mit Bestimmtheit versichern, daß sie diesen schmerz­lichen Verlust einer eigenen Unterseemine verdan­ken, über deren vorzügliche Beschaffenheit und Anlage sie jetzt auf eigene Kosten unterrichtet wurden, nachdem schon so viele neutrale Schiffe über loSgeriffene englische Minen aufge­flogen sind. Obschon von jüngsten Erfolgen deutscher O-Boote au Englands Küsten wohl alsbald wieder Neues berichtet wer­den wick, können wir sagen, daß sich keines in der Nähe der „Natal" befunden hat.

Die neu zu erwartenden Anfragen der Union wegen der Amerikaner auf der „persia".

Br. Rotterdam, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Times" wird aus Washington gemeldet, daß Staats­sekretär L a n s i n g dem Präsidenten Wilson neue Noten vor­legen wird, die an Österreich-Ungarn, Deutschland, die Türkei und Bulgarien gerichtet wecken sollen, und worin die amerikanische Regierung fragen wick, ob die Ver­bündeten hinsichtlich der Bürgschaft zur Sicherung ame­rikanischer Leben auf der See der gleichen Auffassung seien. Jene Noten sind die Folge von Nachrichten, daß das Untersee­boot, das den Dampfer „Persia" versenkte, ein türkt- s ch e s war. Man argwöhnt, daß ein neuer Angriff vielleicht von einem bulgarischen Unterseeboot ausgeführt wecken könnte. Die amerikanische Regierung glaubt nämlich, daß sämtliche feindliche Unterseeboote, gleichgültig, welche Flagge sie führen, von deutscher Herkunft und mit Deutschen bemannt seien. Der Berichterstatter glaubt nicht, daß eL wegen der „Persia"-Angelegenheit zu einem Krieg kommen wick.

Sofortige Vernehmung der geretteten „persta"'f>aflagiers.

Sr. Amsterdam, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Reuter meldet aus Washington: Staatssekretär Lansing gab den amerikanischen Konsuln in Mexandrien, Kairo und Malta die drahtliche Auffockerung, die geretteten Passagiere der „Perfia" sofort zu vernehmen und ihm einen drahtlichen Auszug aus ihren Nachrichten zu über­mitteln.

Acht Tage Unterfeebootarbeit.

Der Wert der im Mittelmeer versenkten Dampfer.

Rotterdam, 8. Jan. (Jens. Mn.) „Shipping Gazette" in London schreibt, daß der Wert der in den letzten acht Tagen im Mittelländischen Meer versenkten französischen, englischen und japanischen Postdampfer 3v bis 35 Millionen Mark beträgt.

Der französische ärger über den U-Vvotkrieg im Mittelmeer.

Neue hefttge Ausfälle gegen Griechenland.

W. T.-B. Bern, 5. Jan. (Nichtamtlich.) In einem Leit­artikel. der in den schärfsten Ausdrücken den deutschen Handelskrieg im Mittelmeer bespricht, fockert der „TempS", daß keine halben Maßregeln ergriffen wecken Das Blatt sagt, alle Mittel, um das Mittelmeer von diesen See­räubern, die es besudeln, zu reinigen, muffen unverzüglich zur Anwendung kommen, ob es sich um ein feindliches Küstenland oder ein befreundetes handelt. Man darf nur noch gemeinsamen Plänen Vorgehen oder nach Kriegsbrauch. Die Besetzung Catellorrzo ist der erste Schritt auf diesem Wege, dessen Berechtigung General Sarrail dem Berichterstatter des „Corrieve della Sera" anläßlich der Verhaftung der Konsuln auf Grund des KriegsbrvuchS nach­gewiesen bat. Die G r i e ch e n, die nicht als naiv gelten, wer­den sich gewiß nicht einbilden, daß die Deutschen und die Bul­garen, wenn sie nicht zu einem Angriff auf die Miierten schritten, etwa aus Rücksicht auf König Konstantin darauf ver­zichtet hätten, sich in dem Hafen einzurichten, der mit Recht als Tor des oberen Mittelmeers gilt. Wir gehören allerdings nicht zu denen, die behaupten, daß Griechenland ganz ohne unsere Schuld in die gegenwärtige kritische Lage geraten ist. Aber selbst angenommen, daß die Jrrtümer der

Was die Berliner rum fleischlosen Tag sagen.

f Von Alfred Vrntt.

v Der Satz von den Zeiten, die sich ändern, hatte wohl rwch niemals so viel Gültigkeit wie in dieser alles Herkommen, alle .Gewohnheiten und angeblich grundsätzlichen Überlieferungen umstotzenden Kriegszeit. Und was hat sich nicht alles ge­ändert feit jenem denkwückigen 1. August 19141 . . Die Söhne und Familienväter, denen so gar nichts mehr von kampfesfrohein alten Germanentum anzumerken gewesen war, hantieren mit Gewehr und Degen, als hätten sie nie­mals in BureauS gesessen und friedfertige Spazierstöcke oder noch friedlichere Regenschirme getragen. Damen, die in den Hotels Pariser oder sonstwie ftemdländijche Modevorführun­gen besuchten, gehen wieder mit der Einkaufstasche aus den Markt und stehen daheim selbst vor den brodelnden Koch- töpfen. Die „Dandys", die in karierten Anzügen und ..ame­rikanischen" Schuhen umhergingen, kleiden sich in einfaches feldgraues Tuch und begnügen sich gut und gern mit den plumperen, aber solideren Militärstiefeln. Die Trinker fleeren um 9 Uhr abends ihr letztes Gläschen, und die Nacht- ibummler, die urwerbeflerlich schienen, bequemen sich mit immer stärker werdendem Gefallen, „schon" um 1 Uhr die heimatlichen Penaten aufzusuchen. Ja, die Berliner lvurden in ihren Gewohnheiten wahrhaftig nach und nach um- und umgestülpt, und sie besinden sich nicht minder wohl dabei. Am einschneidendsten ober waren die vielfachen Veränderungen in der Magenfrage, bei deren stillschweigender Lösung das Publikunl nicht zum wenigsten durch Vernunft, Entgegen- kommen und gute Laune mitgewirkt hat. Was kein einge­fleischter Berliner sich hätte träumen lösten, ist Wahrheit ge- wocken, und das Merkwürdigste ist, daß man sich nicht einmal Wer etwas wundert, so selbstverständlich ist das allgemeine fPfkchtbewußtsein, daß man sich in dieser Zeit unbedingt fügen inuß. Und da man es gerne tut, wird der schöne Gang der Ordnung durch kein Mrtzverguügcu getrübt. Mit .einem

Schlage verschwanden die früher so selbstverständlichen Schrippen und Knüppel von den Tischen der Gasthäuser, und die vielbesprochene Brotkarte ist unö bereits ein so gewohnter treuer Begleiter geworden, daß man im Frieden wieder wird umlernen müssen, um, der Kriegsgewohnheit zum Trotz, ohne Karte mutig nach den Brötchen zu greifen. Und nun ist zu all den verschiedenen . . .-losen Tagen auch der fleischlose Tag gekommen. Eine solche Umwälzung unbetrachtet lassen, hieße die Weltgeschichte mißachten. Darum habe ich auf meinem Gang durch Berlin durch West und Ost, Nord und Süd, in HctelS und Restaurants, in Gasthäusern und KasfeeS und Kriechen, und auch auf der Straße, zu erfahren gesucht waS die Berliner zu den fleischlosen Tagen sagen. WaS ich in Gesprächen vernommen und zufällig belauscht, sei hier der Wahrheit gemäß wiedergegeben.

Ein Hotelbesitzer: „Die Einführung der fleischlosen Tage hat unsere Betriebe in keiner Weise gestört. Der Speisezettel der großen Berliner Hotelunternehmungen ist selbst zur Kriegszeit so groß und reichhaltig, daß unsere Küche auch ohne Verwendung von Fleisch eine ebenso große Anzahl von Ge­richten hcrzuftcllen vermag wie im tiefsten Frieden. Das Küchenpersonal uruh eben etwas umlernen — das ist alles. Im übrigen sind die bisher „neuerfundenen" Gemüsespeisen bereits so erfolgreich gewesen, daß von einer Unzufriedenheit unserer Gäste auch nicht die leiseste Spur zu merken ist. Eher konnte man sogar das Gegenteil behaupten. Geschäftlich hat die neue Verordnung keinerlei Änderungen rm Gefolge Die Einnahmen an den fleischlosen Tagen unterscheiden sich in keiner Weise von denen der gewöhnlichen Tage."

Ein Arzt: „Vom Standpunkt der allgemeinen Gesundheit sind die fleischlosen Tage irur zu begrüßen. Gerade in den Großstädten ist der allgemeine Fleischverbrauch im Verlauf der letzten Jahrzehnte derart gestiegen, daß man in den wohl­habenden BevölkerungSkreisen ruhig von einem Übcrgennß sprechen kann. Das Fleischeffen ist sozusagen zu einer schlech­ten Gewohnheit geworden, auf die zahlreiche moderne Krank- heitserscheniungen zurückzuführen sind. Zwei fleischlose Tage in der Woche sind auch den kräftigsten und körperlich ange­strengtesten Menschen nur von Nutzen. Bei Heranwachsenden

Mittwoch, 8. Januar 1916. Nr. v.

Entente noch größer seien, gibt das Griechenland da« Recht, aus Zorn oder aus Groll den Mächten indirekt Hilfe zu leisten, die sich mit ihrem Erzfeind verbündet haben, die ge­zwungen sind, den Ehrgeiz der Bulgaren und Tücken zu be­kämpfen? Zum Schluß heißt es: Die Mittelmächte be­anspruchen für sich das Recht, die Gebote der Menschlichleit mit Füßen zu treten. Die Ententemächte sehen ihr« verbreche­rischen Methoden als Mordtaten cm, die sie außerhalb der Gesetze stellen. Sie sind berechtigt, zu fordern, daß die Länder, die ihnen das Leben verdanken und deren Zukunft von ihrem Sieg abhängt, sich nicht den Vergeltungsmatznah- men in den Weg stellen, die diese Mocktaten fordern.

Der Urieg der Türkei,

ver amtliche türkische Bericht.

W. T.-B. Konstantinopel, 6. Jan. (Nichtamtlich.) DaS Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfrvnt wurden alle Versuche der bei Ali Gharki ausgestellten feindlichen Ab­teilungen, den Truppen bei Kut-el-Amara zu Hilfe zu kouunen, , zurückgcwiesen.

An der KaukasnSfront am linken Flügel tarih setzendes Infanterie- und Artilleckefeuer. Sonst nicht» van Bedeutung.

An der Dardanellenfront schleuderte in der Nacht zum 3. Januar rin Torpedoboot einige Grschoffe in der Richtung auf A r i - B u r u n und zog sich dann zurück, »« Sedd-ül-Bahr beschoß unsere Arttllerir bis zum Morgen die Stellungen des Feindes und ein Lager zwischen Sedd-ül-Bahr und Tekke-Burun. In dieser Nacht beschaffen ein Kreuzer und am 3. Januar zwei Kreuzer wirkungslos eine Zeitlang unsere Stellungen. Unsere Artillerie traf zwei­mal einen Kreuzer. Nachmittags eröffnete die feindliche Artillerie plötzlich das Feuer gegen unser Zentrum und d-u linken Flügel. Unsere Artillerie erwiderte kräftig, brachte die feindliche Artillerie zum Schweige», zerstörte einen bedeutenden Teil der feindlichen Schützengraben und verhinderte einen Transport. Am Bormittag beschaffen unsere Küstenbattcrien zeitweilig die L a n d u n g s st e l l e n bei Sedd-ül-Bahr und Tekke-Burun, zwangen zwei Transport- schiffe von der Landungsstelle zu entfliehen und verursachten in der Nähe der Landungsstelle einen Brand, der den ganzen Tag andauerte.

Der deutsche vorschutz-Antrag von der türkischen Kammei angenommen.

W. T.-B. Konstantinopel» 5. Jan. (Nichtamtlich.) Die Kammer nahm in dringlichem Woge dem Gesetzentwurf an, duirch den die Regierung ermächtigt wick, in Deutschland einem Vorschuß bis zu 20 Millionen Pfund in deutschen Schatzscheinen crufzu nehmen, gegen deren Hinterlegung die Verwaltung der osmanffchen öffentlichen Schulden Kaffen- scheine mit ZtvvngSkurs wird ausgeben können, die ein Jahr nach der Beendigung des Krieges in Konstantinopel rück, zahlbar sein sollen.

Der Urieg gegen Rußland.

Menschikow als Verteidiger der Revolution

Stockholm, 5. Jan. (Zens. Bln.) In der „ffdowoje Wrairrja" richtet der russische Publizist Menschikow eine vernichtende Kritik gegen die letzten Erklärun­gen, die der Minister des Innern, Chwostow, gegenüber den Pressevertretern getan. Merrschrköw sagt unter anderem, mit der bloßen Erklärung der ,-Rückkehr zur Festigkeit und starken Macht" könne man ein 180-Millionen-Reich nicht mehr beruhigen; so etwas sei höchstens geeignet, einen Teil der Bevölke­rung zu erschrecken. Beruhigen und befriedigen könne nur noch eine Politik der Taten mit bald ersicht­lichen und segensreichen Wirkungen. Me Regierung sei das ausfüihrende Organ der Wünsche des Walkes, das keine prahlenden Worte, sondern Taten erstrebe. Wenn die Minister das Reden und das Aussprechen von Meinungen, Absichten und Wünschen allein dom Volk überlassen und sich selbst zu einer erfolgreichen praktischen Tätigkeit angetrioben hätten, dann wäre die jetzige unzufriedene und nervöse Stim­mung bereits durch die Gefühle der Dankbarkeit und Sicherheit und des Vertrauens abgelöst, dann hätte keine revolutionäre Werbearbeit, kein pro-

Kindern, ja gerade bei diesen, gilt vom ärzllichen Standpunkt das gleiche, übrigens bedeuten die fleischlosen Tage für die große Dtasse des Volkes durchaus keine besondere Krregs- neuerung. In den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung, mehr noch auf dem Lande, wo der allgemeine Gesundheitszustand bekannllich viel besser ist als in der Großstadt, ist es allge­mein gebräuchlich, mindestens zwei- dis dreimal in der Woche kein Fleisch zu genießen."

Eine Hausfrau: „Die fleischlosen Tage bedeuten für jeden bürgeckichen Haushalt eine bemerkenswerte Verein­fachung und Verbilligung. Zudem ermöglicht der groß« Vor- rat an den verhältnismäßig billigen verschiedensten Büchsen- gemüsen jederzeit eine größere Abwechslung in der Kost. Für kinderreiche Familien sind, bereits nach der kurzen Erfahrung, die Gemüsetage in jeder Beziehung außerordenttich vorteil- haft. In vielen Fällen, wo man schon lange immer mehr fleischlose Kost eingeffihrt hatte, bedurfte e§ nur des allgeurei» neu öffentlichen Anstoßes, um die langgehegte und praktisch er­wogene Absicht mit einem Schlag in die Tat mnzusetzen." .

Der Besitzer eines großen Bierlokals: „Der erste fleisch­lose Tag wurde von meinen Gästen mit Spannung und Humor ausgenommen. Nicht an einem einzigen Tisch wurde eine Klage laut. Selbst die verstocktesten und schwierigsten Stammgäste fanden Gefallen an der neuen Gemüsekost. Ge­schäftlich kann ich nur wünschen, daß jeder Tag in der Woche fleischlos märe. An den beiden ersten Tagen wenigstens war der Andrang der Besucher, die die Neugier plagte, so groß, daß ein solcher Wunsch jedem, der an diesen Tagen eine öffent­liche Speiseanstalt besuchte, verständlich erscheinen wick. Jeder wollte sich persönlich von den Geheimnissen der neuen Küche überzeugen. Aber wenn auch der erste Ansturm der Neugieri­gen vorbei ist, kann man eine ungestörte Abwicklung des Ge­schäfts als absolut sicher bettachten."

Der Küchenchef eines vornehmen Weinrestaurants: Jtne fleischlosen Tage werden die Kochkunst in hohem Matze för- dern. Die sich ewig gleichbleibende Verwendung der wenigen üblichen Fleischnrten ließ kaum eine Neuerung im Küchen- wesen zu. Die zeitweise Beschränkung aus Gemüse, Fische, Muscheln und andere Schattiere wick dir Phantasie und die