Einzelbild herunterladen
 

inehventeLS gefährlich assib tödlich, wenn sie von denen Un­erfahrnen gemacht; ja, wenn sie auch noch so wohl präparieret, dennoch bedenklich wären und etwas Schlimmes hinter stch liehen. Ich machte ihnen weitlänftig das Argument, datz unsere ersten Eltern, Adam und Eva, von einem Baum die Sünde in das ganze menschliche Geschlecht gebracht. Von der Sünde käme der Tod und alle Krankheiten des Menschen, nach der Schrift. Run Christus, unser Heil und Seligkeit, als der »echte Samariter und Arzt zu helfen, habe nach der ewigen Vorsehung Gottes am Hotz des Kreuze« muffen leiden und sterben, uns dadurch wiederum von den Sündenwunden zu heilen, auch so viel Kraft und Vermögen in die Bäume, Wurzeln und Kräuter geleget, datz ich dafür halte: Wann wir die erste Erkenntnis vor dem Fall noch hätte« (und nutzt verloren), die Kräuter, Mumen und Stauden in ihrer rechten Zeit und Stunde zu kollizieren, wir würden damit große Miracula erweisen. Wie man teils itzo noch an einigen, un» gelehrten Leuten mit höchster Verwsmderung siehet, was sie tun." Auch an fich selbst brachte er diese Philosophie zur Anwendung. Datum berichtet er, als er Anno 1786 mit der brande liturgischen Artillerie als Feldscher die Belagerung der Festung L>fen mitmachte und von der roten Ruhr befallen ward, „so heftig, datz jedermann, ich selbst, meinte: ich mützle an dieser schmerzhaften Krankheit sterben. Ich lag im Zelt, mit alten Lumpen und Säcken bedecket. Keine Arznei wollte Helsen. Konnte gar nichts effen, obwohl sonst Schmal-Hons Mter vielen regierte. . . . Nun, ich log so da in meinem Zelt und erwartet mein seelig Ende. War sehr matt und schwach; ganz verlaffen und hatte keinen, der «in'n Trunk Wasser, so ich teuer bezahlen mutzte, holete. Da ging ohngefähr ein Musketier vorbei, der hatte ein hölzern Spietzchen mit saueren Gurken. Ich rüste und schrie: „Freund, geb' mir auch lv.,S, ich will's bezahlen!" Allein er wollte nicht; sagte: „Wollt ihr tvas haben, holt's im kaiserlichen Lager an der Donar." Ich raffte mich zusammen: alle Kräfte bot ich auf; so großen Aschetit zu den Gurken hatte ich. Mehr kriechend als gehend kam ich zu den Marketendern an der Donau, welche ganze Fatzvoll hatten. Ließ mir erst vor fünf Uugrisch bald einen Hut voll gÄen, welchen ich mit solcher Begierde aufatze, d-'tz ich noch vor zwei Ungrisch forderte. Da ward es mir gar kalt im Leibe. Und ich machte mich wieder auf die Heimreise »ach dem Lager, gänzlich vermeinend, eS würde nun metn Letztes sein. Kam ins Zelt. Da war einer von meinen Kameraden, welcher mich fragte: wo ich gSoesen, indem er vermeinet, mich nicht wieder zu finden. Ich saget« ihm, waS geschehen. Nun, sagte er, das ist der Nagel zur Sterbekiste, mache dich nun fertig." Ich legte mich und bat ihn, «ich zv- zichecke«. So er auch tat, so gut er konnte. ... Sobald ich mich geleget, bin ichfiriMchlaf verfallen. Da er gemeinet, uh wär tot. Und habe sechs bis acht Stunden geschlafen. Da war cs, als wäre ich neu geboren. Der Schmerz hatte auf­gehöret; die Hitze war weg, in Summa, ich wurde gesund. Das ließ ich mir ein di6. sein: was die Natur mit Beg-cr suchtz ist ihre Arznei! — Es hat zwar dies seine Raison; weil die Krankheit sehr hitzig und alle Teile velancierentde, die eingemachten Gurken aber kühlend und adstringierend. Doch mag ich dies Rezept nicht in mein Rezeptbuch schreiben, ttte jener Doctor: Sauerkraut vor das Fieber!"

Kricgsfilm» in England und Frankreich. Dar Filmwesen ist. wie die Londoner Blätter berichten, in England und Frankreich durch den Krieg noch mehr als früher in den Vordergrund des all­gemeine» Interesses gerückt worden. Während man früher aus er­zieherischen und volkswirtschaftlichen Gründen daS Umsichgreifen der FilmS «inzuschränken suchte, wird der Film jetzt sogar durch sein« alten Gegner, die Schulbehörden und die Geistlichkeit, gefördert. Der Krieg, der jede, besonders jene der Öffentlichkeit allgemein zu­gängliche Erscheinung aus neue Weise beleuchtet und durch neue Ver- Wendungsmöglichkeiten bereichctt Hatz mußte auch die Propaganda. Möglichkeit der Films greifbar machen. Daß diese Ausnutzung der Frlmbühnen gerade in Frankreich und England besonders stark be­trieben wird, hat seine Hauptursache in den Verhältnissen und der Halmng des Publikums in den beiden Ländern. Während i» Deutschland die Opferfreudlgkeit und das unbedingte schrankenlose Pflichtbewußtsein in höchstem Maße auSgebtldet sind, so daß eine Propaganda im Reiche vollkommen überflüssig erscheintz ist in Frank- »eich und England «ine fortgesetzte kriegerisch« und nationale Reklametatigkeit sehr vonnöten. Darum wird der Kinematagraph dort In weitestgehendem Maße in die Dienste der Kriegführung ge- stellt. Die gesteigerten Anforderungen, die durch diese Berhältniff« '«« die Films gestellt werden, und die Zunahme der Erzen gimgs.

menge haben die Zahlen in der englischen Filmstatrsttk stark enrpor- schnellen kaffen. So sollen — wenigstens wird dies in der „Times" behauptet — ganz große Films in der Äostenhöhe bis zu einer Million Mark erzeugt worden sein. In England wird die Film- kriegsreklome besonder? durch das Richtvorhandensein einer allge­meinen Wehrpflichtgesetzes hervorgrrufen, und sie ähnelt in ge. wiffem Sinne dem Reklameapparat der Werbekommissionen. Selbst­verständlich muffen auch diese Films — was Handlung, Pracht, Spiel und Unterhaltung betrifft — dem Geschmack des breiten Publikums entgegenkommen, da sie sonst nutzlos wären und in keiner Weise zur Erreichnng des gewünschten Zwecks beitragen würden. Darum hat auch die englffche Regierung der Unterhaltungssucht der Londoner Bevölkerung in dieser Hinsicht «her Vorschub gelefftet, als daß sie ermahnend oder einschränkend anstrat. Der kostspieligste und größte aller während des Krieges in England erzeugten Films ist wohl das Sensations- und Koloffafftück „Die Geburt der Ration", das monatelang in ollen größeren enzlffchen Filmtheatern vorgefühtt wurde und auch heute »och in London und viel«: anderen Städten gezeigt wird. Mit einem großen Reklomeapparat wurde auch der Film Cabrris von d'Annunzio i» Szene gefetzt, der den unvergleich­lichen Ruhm des alten Rom vor Augen führen soll. Daß die eng­lischen Fabrikanten der süßlichen Liebesgeschichten und Kitschliteratnr unter der Maske nationaler Tätigkeit dies« Gelegenheit nicht vor- übergeheu lasten, ohne die Filmkonjunltur aus chre Weise anszn- nützev, versteht sich von selbst. In Frankreich macht das Wchrpfücht- shstem die rollenden Werbebilder überflüssig. Dagegen sucht man die allgemeine Stimmung durch den Kinematographen nach Kräften zu unterstützen, wobei man nicht vergißt, die angebliche Barbarei der Deutschen durch — natürlich iu Frankreich erzeugte und gestellte — Hintrrtreppensilms zu „beweisen". Eine wichtige Rolle spielt der Film in Frankreich als Propagandamittrl in ftaatswirtschastlichen Dingen. So soll er vor allem dazu dienen, den hartnäckigen fran­zösischen Sparern den Beutel zu lockern und dem im Wollstrumpf verwahrten Gold de» Weg nach der Banqur de France zu weisen. Der jüngste Film dieser Art stellt, wie einem ausführlichen Bericht des „Daily Chronicle" zu entnehmen tst, eine Reklame für die neue französische Kriegsanleihe dar. Zn diesem Zweck wurde aus Staats- kosten ein besonderes Filmprodukt hergestcllt. Dieser Staatsfilm, der m allen französischen Städten obgcrollt wird, besteht aus zehn Teile». Der erste Teil zeigt die versammelte Kammer und de» Senat bit Augenblick der Annahme der Anleiheoorlage; der zweite den organisatorischen Anleiheapparatz der dritte den amtlichen Aus­weis, der jedem an der Anleihe Beteiligten ausgehändigt werde» soll, die übrigen Teile führen ine populärsten Zeichnungen und Bilder vor, die irgcudwte ans die Anleihe Bezug baden.

Das Gespenst der Meere. Das folgende, für die Herr­schaft der deutschen Unterseeboote und die peinliche Soge der meerbeherflschenden Alliierten bezeichnende StimmungsÄ:ltz aus einem französischen Hasen findet fich im „Journal": „Zwei Arten von Handelsschissen befcchren jetzt nachts di-c Meere: strahlend erleuchtete und gespensterhaft verhüllte. In der etrrsetzenden Dunkelheit des Winterabends, am der Eui- fcchrtbucht eines französischen Hafens sehen wir täglich daS gleiche Schauspiel. Das Dunkel senkt fich herab, der Regen schlägt auf das Steinpflaster. Plötzlich ertönt vom Meere auS ein langgezogeueS, gellendes Signal. Es ist eine Sirene: das Zeichen, datz ein Schiff einfährtz Doch vergebens sperrt man die Angen aus, um den ankormnenden Dampfer zu er­blicken. Man fieht nichts. Alle Lichter — mit Ausnahme der roten umd blauen Laterne an Back- umd Steuerbord — sind verlöscht. Kein Lichtschimmer zeichnet den Schiffskörper über den dunklen Wellen an. Der Name des Schiffes ist sorgsam abgekvatzt, die Bezeichnung des Heimathafens ist mit schwarzer Farbe überdeckt. Es ist ein Stück schwarzer Nacht, das mtt Dampfkraft daß nächtliche Meer befährt. ES ist ein Handels- dampfer der Alliierten. . . . Kurze Zeit darauf ertönt wieder der heulende Schrei der Sirene. Ein Schiff fährt aus, dem offenen Meere entgegen. Ader diesmal strahlt der Schifts- rumpf in hellem Lichter-glanz. Alle Lampen leuchten, vom Heck bis zum, Bug feiert der elektrische Lichtstrvm ein Fest der Leuchtkvaft. An den Bordwänden umd an der Brustwehr der Kommandobrücke find weithin sichtbare farbige Transpa­rente angebracht, die in Rieseiübuchstaben den Namen des Schiffes, die Nationalität und den Heimathafen verkünden: Lofote, Norwegen, Malmö. DaS ist ein neutraler Dampfer. Die einen leuchten, um sich zu schützen, die anderen tauchen in Dunkels verhüllen ihre Herkunft zu denselben Zwecke. Draußen aber, irgendwo unter dem Schaumkämme« der S«, kreuzt ein unsichtbares Unterseeboot."

Serentwortltch für Me Schristteituo,: B. ». Niillkotorf Io «ie»b»»eo. — ®tu# unt Serie, der S Schellenberssitzen Üst-Buchdiuckerki in Me»b«dr«.