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Dienstag, 4. Ianuar 1916.

Abend-Ausgabe.

Nr. 4. . 64. Jahrgang.

Oer Nrieg.

Der Tagesbericht vom 4. Januar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Jan. (Amtlich.)

Auf allen Kriegsschauplätzen keine Ereignisse von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Auch der norwegische Generalkonsul verhaftet.

W. T.-B. Athen, 4. Jan. (Nichtamtlich. Van f ern Be­richterstatter des W. T.-B.) General Sarrail lietz den nor­wegischen Generalkonsul in Saloniki, Seefeldor, verhaften.

Dem ersten großen Gewaltakt von ausschlaggebender poli­tischer Bedeutung ist bald eine zweite Tat gefolgt, die aidjt nur die Mißachtung der griechischen Hoheitsrechre in drastischster Weise zum Ausdruck bringt, sondern auch deutlich bezeugt, daß den Engländern und Franzosen überhaupt kein Neutraler mehr etwas bedeutet. Bemächtigten sich die militärischen Eindringlinge im ersten Falle der Konsuln u>nd Taufender von Untertanen feindlicher Länder, so ergreifen sie jetzt sogar den Generalvertreter einer absolut neutralen Macht auf ebenfalls neutralem Boden, um an­scheinend weiterhin zu beweisen, daß sie sich durchaus als Herren in dem bisher strikt neutralen Griechenland füblen. Von den zuerst in Frage gekommenen Regierungen sind be­reits die schärfsten Proteste etngegangen, nunmehr wird ein solcher ohne Zweifel auch von seiten der norwegischen Regierung erfolgen; denn obgleich gerade Norwegen selbst nicht im Gerüche stehen mag, der Entente gegenüber feind­selig gesonnen zu sein, so wird es doch diese Beleidigung nicht uugetadelt vorübergehen lassen können. Vielleicht nimmt es sich ein Beispiel an seinem skandinavischen Schivesternstaat Schweden, das dem englischen Gewaltübergriff in der Päket- beförderung sehr bald die einzig richtige Gcgenmaßregel folgen lietz.

1000 weitere Verhaftungen von Bürgern des Vierverbandes.

W. T.-B. Athen, 4. Jan. (Nichtamtlich. Von dem Be­richterstatter des W. T.-B.) Die Alliierten ließen in Saloniki 1009 Untertanen der feindlichen Mächtegruppe ver­haften. Das rücksichtslose Auftreten Sarrails und die Mißachtung der griechischen Rechte rufen in der ganzen Öffentlichkeit große Erbitterung hervor. Die Be­drückungen, die sich die Bcrbandsmächte erlauben, werden immer unerträglicher. — Nach einem Telegramm des Mai­länder „Eorriere" nahm bas Kommando der Verbündeten an­geblich ans Grund der Ergebnisse der Untersuchung der Kon- sulararchivc 39 weitere Verhaftungen vor. Französische Gen­darmen drangen auch während der Vorstellung in das Tdeon- Varicte ein, um eine österreichische Geigerin sestzu- nehmen, was einen kleinen Tumult hervorrief.

Die Gefangenen auf dem Wege nach der Infel Mudros.

Rücksichtslose Haussuchungen in den Konsulaten.

Br. Sofia, 4. Jan. (Zens. Bin.) Rach weitere» Berichte» Bll der französische Kreuzer „P a t r i c", an dessen Bord sich die gefangenen Konsul» befinden, nach der Insel lRudros abgedampft sein. Bestimmte Nachrichten über den Bcr- f l e i b und das Schicksal der Verhastete« sind nicht eingelausen. der spanische Konsul in Saloniki soll den vorläufige» Schutz der stressenden fremden Untertanen übernommen haben. Die Eng­länder sollen bei ihren Haussuchungen in den Konsulaten rück- ' i ck, t s l o s vorgegangcn sein. Sie habe» die Stahlschränte irbrochen, suchten aber vergeblich nach den Chisfrierbücher», da diese von den Konsuln in Erkenntnis der nahenden Gefahr bereits am 26. Dezember verbrannt worden stnd. Tie Lächerlichkeit des Dorwandes, den Frankreich und England sich für ihren Handstreich aussuchten, nämlich den Flirgerangriss auf das Militärlager in Saloniki, erhellt am besten ans der langen Vorbereitung, die den Konsuln bekannt war. Mit dem deutschen Konsul Walter wurde auch der Konsulatsekretär Dämmers verschleppt.

Die Entrüstung in der türkischen Presse.

_ W. T.-B. Konstantinopel, 4. Jan. (Nichtamtlich.) Die gesamte Presse spiegelt die tiefe Entrüstung wider, welche die Festncchme der Konsuln -und Konsularbeamten der Türkei und der Verbündeten durch die Truppen des Generals Sarrail hier heworgerufen hat. Die Blätter bezeichnen das Vorgehen einstimmig als verächtlich. Eine solche Feigheit und ein solcher Räuberstveich seien unwürdig der' beiden Grotzmächte, die auf diese Weise die elementarsten Grund­sätze nicht nur tzes Völkerrechts, sondern auch der Mensch­lichkeit mit Füßen treten. — Der „Ottomanische Lloyd" zieht einen Vergleich zwischen der heuchlerischen Entrüstung, mit der England zu Krfegsbeginn seine Stimme gegen die Ver­letzung der Neutralität Belgiens erhoben hat und der jetzigen Haltung Englands, die das Maß der an Griechenland ver­übten Gewalttätigkeiten voll mache. — Die Blätter betonen namentlich, daß es jetzt an dem in seiner Würde und in seinen Souveränitätsrechten beleidigten Griechenland sei, die Vierverbandsmächte zur Ordnung zu rufen und ihnen zu verstehen zu geben, daß es die Verletzung der Gastfreund­schaft der unter seinem Schutz sichenden Vertreter befreun­deter Mächte nicht zwlastg.

Die Gattin des deutschen Konsuls wird das Schicksal ihres Mannes teilen.

Genf, 4. Fan. (Jens. Bln.) Wie Magrini dem „Secolo" meldet, ersuchte die Gemahlin des dsutjchenKonsuls Walter, die xor Zeit der Verhaftung des Konsuls in Monastir weilte, den französischen General Sarrail, das Schicksal ihres Latten teilen zu dürfen. Ihr Wunsch wurde erfüllt.

Der Eindruck der neuen Gewalttaten in Bulgarien.

W. T.-B. Sofia, 4. Jan. (Nichtamtlich. Bulgarische Telegraphen-Agentnr.) Die Enthüllungen über die kriege­rischen Vorbereitungen Serbiens gegen Bulgarien schon vor der bulgarischen Mobilisierung, die sich aus den beschlag­nahmten Papieren des verhaftüen ehemaligen englischen Militärattaches in Sofia, Obersten Rapier, ergeben haben, so­wie die in diesen Papieren enthaltenen geringschätzigen Bemerkungen über Griechenland und die hellenische Nation haben in Verbindung mit der neuerlichen gewalt­samen Verletzung der griechischen Oberhoheit in Saloniki einen gewaltigen Eindruck in allen politischen Kreisen Bulgariens h.'rvorgeruscn. Besonders groß war der Eindruck in der Sobranje, wo am Abeird Ilbgeordnete aller parlamentarischen Gruppen ohne Unterschied der poli­tischen Richtung in den Wandelgängen offen die Haltung be­sprachen, die Griechenland gegen die demütigenden Maß­nahmen Frankreichs und Englands einnehmcn werde. Die allgemeine Überzeugung ging dcchin, daß sich in Athen die Lage für den Vierverband immer schwieriger gestalte. Es sei möglich, daß Griechenland aus seiner Neutralität nicht heranstveten werde, aber aus jeden Fall seien die Brücken zwischen ihm und dem Vierverband abgebrochen.

Bulgarische Genugtuung über das selbstbewußte Vor­gehen der griechischen Negierung.

Br. Sofia, 4. Jan. (Erg. Drahtbericht. Zeus. Bln.) In Sofia erregt es große Genugtuung, daß die griechi­sche Regierung so energisch gegen die Verhaftung der Konsuln protestiert hat. In hiesigen politischen Kreisen wird angenonmren, daß die griechische Regie­rung sich diesmril nicht rnit den: bloßen Protest begnü­gen wende. Der seDstbewußte Ton des griechischen Einspruches lasse darauf schließen, daß die griechische Regierung kein Mittel unversucht lassen werde, um dem Vierverband zu beweisen, daß sie die Hoheitsrechte Griechenlands nicht antasten läßt. Die bulgarische Re­gierung wird ihrerseits die notwendigen Schritte zur Lage tun.

vie griechische Negierung noch ohne Antwort auf ihren Protest.

Berlin, 4. Jan. (Zenff. Bln.) Der „Voss. Ztg." zufolge berichtet der „Corrwre della Sera" aus Athen, die grieclische Regierung habe noch keine Antwort dex VisrverbandSu ächte auf ihren Protest wegen der Verhaftung der Konsuln er­halten. Sie wurde bloß dahin beschicken, daß nran erst auf die Erklärungen des Generals Sarrail warte, die bald eindröffen müßten. Auch der amerikanische Konsul, unter dessen Schutz die österreichischen, bulgarischen, türkischen -und deuffchen Untertanen sich gestellt, habe vergebens darum ersucht, das Konsulatsgebäude fteizugeben.

3u den griechiftb-bulgarischen Beziehungen.

I-. Berlin, 4. Jan. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Vor einigen Tagen hatten wir die aus Sofia verbreitete Meldung angezweifelt, nach der der Ministerpräsident Radoslawow gesagt haben sollte, Griechenland Hab: ihm sein Einver­ständnis mit dem bulgarischen Einmarsch auf griechisches Gebiet gegeben. Jetzt schränkt ein neues Telegramm aus Sofia diese Meldung dahin ein, daß zwar nicht Radoslawow, Wohl. aber dem bulgarischen Gesandten in Athen die Zustimmung ausgesprochen worden wäre. Auch daftir liegt keine Bestätigung vor, man hat immer noch der Frage Rechnung zu tragen, daß die Regierung in Athen noch vor­handene Volks st röm ungen zu beruhigen suchen mutz.

Bulgariens wirtschaftliche Mahnahmen im besetzten Gebiet.

Der gestiegene bulgarische Kredit.

Br. Budapest, 4. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „A Nap" meldet: Die bulgarische Regierung hat zur Aus- uutzung der Waldungen in den von den bulgarischen Truppen besetzten Gebieten Serbiens besondere Fachleute erinannt. Die bulgarischen Behörden planen die Wiederaufnahme (er Be­triebs der serbischen Kohlenbergwerke. „Utro" weist darauf hin, daß der Kurs der bulgarischen Lewa in den ätzten Tagen eine stürmisch auswärts gehende Besserung er­fahren hat. Vor zehn Tagen noch mußte man für 100 rumä­nische Lei noch 120 Lewa bezahlen. Seit gestern sind Lei und Lewa gleichwertig im Kurse.

Bönig Konstantins feste Neutralität.

„Der Schwager des Kaisers — der Neffe dcS Königs von England."

W. T.-B. London, 4. Jan. (Nichtamtlich. Reuter.) Der Sonderberichterstatter des „Daily Ehroniclc" itt Athen hatte eine Unterredung mit dem König. Dieser sagte, er könne England rwch immer nicht begreifen. Es sei ihm gleich­gültig, ob er angegriffen werde, aber er verlange, daß man ihm gegenüber ehrlich handle. Boshafte Kritiker hätten -daraus hingLiviesen, daß er der Schwager des Kaisers

sei, sie vergäßen aber, daß er auch der Neffedes Kön: gS von England sei. Er habe sein Wort gegeben, wohl­wollende Neutralität emzuhalten, so werde es auch geschehen. Weder seine Ansichten noch Versprechungen seien irgendwie geändert worden. Sem« Pflicht gegen­über dem Lande sei offenbar, daß er dafür sorgen müsse, daß Griechenland neutral bleibe. Er sei überzeugt, daß Grie­chenland am besten gedient fei, wenn es sich vom Kriegs fernh^lte.

König Konstantin läßt sich nichts Vortäuschen.

Br. Rotterdam, 4. Jan. (Eig. Draihtbericht. Zens. Bin.) Zu der „Reuter"-Depesche über die Unterredung des „Daily Ehroniclc"-Berichterstatters mit dem König von Griechenland ist ein wichtiger Satz nachzutragen. Der König sagte, er könne als Soldat nicht cinsehen, daß der Glaube der Alliierten an einen zerschmettern­den Endsieg durch die bisher errungenen Erfolge ge­rechtfertigt werde.

vie Erklärung bes griechischen Gesandten

in Sofia.

W. T.-B. Sofia, 4. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der griechische Gesandte Raum erklärte dem Ministerpräsi­denten Radoslawow, Griechenland habe energisch gegen die Festnahme des bulgarischen Konsuls protestiert und werde keine Verletzung seiner Neutralität und Souveränität mehr dulden. Radoslawow nahm die Erklärung mit Genug­tuung entgegen und sprach die Hoffnung aus, daß Griechen­land und Bulgarien weiterhin ein freundnachbarliches Ver­hältnis bewahren werden.

König Peters Ankunft in Saloniki.

Der wahre Grund des Gewaltaktes. Französische

Stimmen zu dem Vorfall in Saloniki.

Br. Genf, 4. Jan. (Zens. Bln.) Über die mögliche Dauer der Athener Verhandlungen wegen des künftigen Aufenthaltes der vier Salonikier Konsuln, welche gegenwärtig an Bord eines französischen Transportdmnpfers mit Gefolge notdürftig untergebracht sind, erteilte Briands Presse­bureau nur vage Andeutungen. Für Sarrail und den britischen General sei die Angelegenheit damit er­ledigt, daß dem am Montag unter dem .Schutze französischer und englischer Truppen Salonikier Boden betretenden Serbenkönig jene Genugtuung widerfuhr. Alles übrige mögen die Dipllmiaten regeln. „Echo" und „Journal" zählen für die Fest­nahme der Salonikier Konsuln ein halbes Dutzend Be­weggründe aus, darunter den, daß dem in Saloniki erwarteten Serbenkönig die Luft rein gemacht weiden muß. Sarrails unzweideutige Ausübung des Herrenrcchtcs bezweckte, Venizelos den Rücken zu stärken und über das deutsch-bulgarische Ver­hältnis zur Athener Regierung Klarheit zu gewinnen. — Der „Echo"-Berichterstatter will dem deutschen Kon­sul bei der Verhaftung gemischte Gefühle vom Gesicht abgelesen haben.

König Peters Aufenthalt vor Saloniki.

W. T.-B. Athen, 4. Jan., (Nichtamtlich. Docchrbvricht.f Reuter wird aus Saloniki gemeldet, König Peter von Serbien trabe ersucht, die Truvpcn, die zu fernem Empfang bereitgestellt wurden, zurückzuziehen, da er nicht die Absicht habe, zu landen. Man glaubt, daß er einen offiziellen Empfang vermeiden wollte.

Ministerwechsel im serbischen Kabinett.

Br. Genf, 4. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der serbische Ministerpräsident P a sch i tsch und die übrigen Mit- glicker des Kabinetts reichten beim Prinzregenten ihr Rück­trittsgesuch ein, um diesem angeblich völlige Handlungsfreiheit zu lasten. Prinz Alexander nahm das Gesuch der Minister nicht an, mit Ausnahme des des Krtegsministers, der durch General Begidar Territsch ersetzt wurde. Der „Information" zufolge nahm die serbische Regierung ihren Sitz in Saloniki,

Essaö-patthas „Kriegserklärung" an Gefterreich-Ungarn.

Eine neue fürchterliche Gefahr für den Vierbund.

Sr. Lugano, 4. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Essad-Pascha hat Österreich-Ungarn den Krieg erklärt.

vas AchiNeron auf Korfu besetzt?

Köln, 4. Jan. (Zens. Bln.) Laut „Köln. VolkSztg." müdet „Glornale d'Jtalia" ans Athen: Die Engländer be­nachrichtigten die griechffche Regierung, idah sie das Achrlleion aus Korfu besetzten, um dort ein Lcyarett fiir verloundete Serben einzurichten.

Eine ähirliche Meldung, die von einer teilweisen Zer­störung des Achilleions wissen wollte, ging schon einm.rl als Nachricht durch die Welt, inutzte aber bald fiir unrichtig er. klärt werden.

Iusammenstotz zweier onglischer Militärzvfte.

W. T.-B. Budapest, 4. Jan. (Nichtamtlich.) „A; Est" meldet aus Athen: Auf der Stzrtion Salamis auf der Linie Salon iki-Dedeagatsch erfolgte ein Zusammen- st o ß zweier englischer Militärzüge, wobei eine große Anzahl Soldaten das Leben verlor. Nenn Wagen wurden gänzlich zertrümmert. In Saloniki Aäubt man an einen Anschlag.