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Dienstag, 4. Januar 1916.

Morgen • Ausgabe.

Nr. 3. . 64. Jahrgang.

Der Urieg.

Die russischen Durchbruchsversuche an der bessarabischen Zront wieder gescheitert.

830 neue Gefangene.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

XV. T.-B. Wien, 3. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 3. Januar, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

An der bessarabischen Front wurde auch gestern den ganzen Tag über erbittert gekämpft. Der Feind setzte alles daran, im Raume von Loporoutz unsere Linie AU sprengen. Alle Durchbruchsversuche schotterten am tapfe­ren Widerstand unserer braven Truppen. Die Zahl der eingebrachten Gefangenen beträgt drei Offiziere und 850 Mann. An der Serethmün- d u n g, an der unteren Strypa, am Kormin und am Styr wurden einzelne russische Vorstöße abgc- wiescn. Zahlreiche Stellen der Nordostfront standen unter feindlichem Gcschützfeucr.

Italienischer Rriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Südöstlicher Rriegsschauplatz.

Bei M o j k o v a c wurde eine montenegrinische Ab­teilung, die sich an das Norduscr der Tara vorwagte, in die Flucht gejagt. Die Lage ist unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant.

Der Gewaltakt in Saloniki.

Angesichts der gewerbsmäßigen Art, mit welcher der Viervevband in diesem Weltkriege das Völkerrecht mit Füßen tritt, hätte man sich über >das neueste Verbrechen wider Völker- und Menschenrecht, über die Verhaftung der vier Konsuln des Vievbundes in Saloniki (Deutsch­land ist dort, wie gemeldet, durch den Konsul Walter und den Kanzlerdragoman Dr. Schwörbel vertreten) am Ende kaum noch gewundert, wenn nicht dieser Völkerrechtsbruch wieder Hand in Hand ginge mit einem Neutralitätsbruch, der in seiner Schamlosigkeit doch eine Art Rekord darstellt. Es ist kennzeichnend, zu welchen fadenscheinigen und lächerlichen Begründungen General Sarrail .greifen muß, um seinen Gewaltakt zu begründen. Die Entente besetzt widerrechtlicher- und gewalttätigevkoeise neu­trales Gebiet und unternimmt von dort aus kriegeri­sche Maßnahmen, während sie sich selbst offenbar als Tabu ansieiht, da man einen Ausflug feindlicher Flieger nach dem französisch-englischen Lager in Saloniki als Vorwand für dre Verhaftung der fremden Konsuln aus neutralem Gebiet, also für eine ganz flagrante Verletzung der griechischen Souveräni­tät nimmt.

Nach dem Vorwand hatte man schon einige Zeit gesucht, denn die englische und französische Presse hatte längst die Entfernung der feindlichen Konsuln aus Saloniki gefordert, die dort angeblich Spionage trie­ben. Zu diesem: Zweck hatte ja die Diplomatie der En­tente von Griechenland die Überlassung der Verwal­tung, d. h. also der Polizeigewalt in Saloniki gefordert. Die Abweisung dieses unerhörten Verlangens hat der Oberkommandierende der Okkupationsarmee — denn das ist sie — damit beantwortet, daß er die Polizei- gewalt an sich ritz, sie in einem brutalen Völkerrechts- bruch offen zinm Ausdruck brachte. Die Griechen aber merken es jetzt, daß, wenn man dem Teufel den Finger reicht, er die ganze Hand nimmt. Der Minister­präsident Skuludis hat sich unlängst beschwert, daß die Griechen in der letzten Zeit wie ein unterworfe­nes Volk behandelt worden seien. Darüber werden sie sich nicht Wundern können, nachdem sie jetzt aus der auf dem Dampfer „S p c t s a i" von den: östcrreichisch- ungarifcherr Unterseeboot beschlagnahmten Post erfahren haben, daß sie, wie aus dem Briefe des Sekre- tärs der enalischen Gesandtschaft in Athen ersichtlich ist, in den Augen der Engländer als „die elendesten Köter, die man sich vorstellen kann", gelten, und daß sie, wie es in eine>m anderen Schreiben heißt, „sicher nichts anderes als einen guten Tritt" verdienen.

Sache der Griechen wird es jetzt sein, zu zeigen, ob sie wirklich die ihnen von den Engländern zngeschrie- bene Rolle der elendesten Köter, die einen guten Tritt verdienen", spielen wollen. Was sie von ihren Be­drückern noch zu gewärtigen iiaben, geht aus dem Schreiben des anderen Sekretärs der enalischen Ge- sandtschaft in Athen hervor, wonach cs „am besten wäre, den König von seinem Thron zu verjagen und

Venizelos zum Präsidenten der hellenischen Republik auszurufen", übrrgens ein königstreuer Mann, der „nichts derartiges wie Könige bestehen" lassen, also auch seinen eigenen Monarchen „verjagen" will. Das hier enthüllte Planchen ist keineswegs neu. Die „Times" hatte schon vor längerer Zeit das Rezept zur Vertreibung des Königs Konstantin verschrieben. Es fragt sich nur, ob die Griechen warten wollen, bis man es ausführt, bis inan sie samt und sonders als Könige behandelt und aus Griechenland einen Vasallen­staat, aus Saloniki ein neues Gibraltar-Calais macht.

Die griechische Regierung hat sich zu einem P r o- teft gegen die Verhaftung der Konsuln, .aber eben nur zu einem Protest aufgerasst. Wird sie es dabei bewen­den lassen, wenn die Entente darüber wie über die bis­herigen Proteste zur Tagesordnung übergeht? Gunaris, der über die Mehrheit in der neuen Kammer verfügt, hat vor einrgen Tagen erklärt: „Die Neutralität

werde nur solange aufrechterhalten werden, als die Integrität und Souveränität Griechen­lands respektiert werde. Wenn sie verletzt werden sollte, werde Griechenland auf seine selbst- gewählte Zurückhaltung verzichten". Ist dieser Augenblick jetzt nach der neuesten Verletzung der Neutralität, der Integrität rnrd der Souveränität Griechenlands -noch rricht gekonrmen?

Wenn aber Griechenland sich außerstande sieht, diese zu schützen, ans Furcht vor den Drohungen der Entente oder in der Erkenntnis seiner Schlväche, so läge es in seinem allereiaensten Interesse, den Mittel­mächten den Weg nach Saloniki nicht nur freizugeben, sondern ihnen diesen Weg nach Kräften zu ebnen, um auf diese Weise die ungebetenen Gäste loszuwevden, die nicht nur in Saloniki, sondern in Griechenland wie die Herren schalten. Wenn die Hellenen nicht end­lich, ldieser Helotenrolle müde, sich gegen den „guten Tritt" für ,-die elendesten Köter" wehren, so sind sie unrettbar der Gefahr ausgesetzt, zwischen zwei Mühlen zu geraten. Das Wort aus dem Briefe eines Beamten des englischen Dienstes in Saloniki sollte eine ernste Warnung für sie bedeuten: „Wie die Sachen setzt stehen, scheinen wir einen Balkanstaat nach dem anderen ins Verderben zu stürzen."

*

Griechenlands scharfer Einspruch.

XV. T.-B. Athen, 3. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbcricht.)

In der scharfen Protestnote, welche die griechische Regierung wegen der Ereignisse in Saloniki an die Regierung des Bier- vcrbands gerichtet hat, heißt cs u. a., daß Griechenland sich genötigt sehe, gegen die flagranteste und unmensch­lichste Verletzung der griechischen Souveräni­tät Einspruch zu erheben, die mit vollständiger Miß­achtung der traditionellen Regeln des diploma­tischen Asylrechts und der elementarsten Cour- i o i s i e erfolgt sei.

Oie englisch-französischen Generale verweigern dieHerausgabe der besetzten ttonsulatsgebäude.

XV. 1.-8. Bern, 3. Jan. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Das „G i o r n a l e d'J t a l i a" meldet, der griechische Präfekt in Saloniki forderte im Aufträge seiner Regierung die Übergabe der Konsulats- gebände der Zentralmachte. Der englische und fran­zösische General verweigerten das ent­schieden.

Röntg Peter von Serbien in Saloniki.

XV. T.-B. Athen, 3. Jcm. (Nichtamtlich. Drühtbericht.) Der Privaikorrespondent des W. T.-B. meldet: Es verlautet, daß König Peter sich von Saloniki, wo er an Bord eines fran­zösischen Torpedobootszerstövers emtraf, nach Athen begeben wird, um König Konstantin zu besuchen. König Pete: ging in Saloniki zunächst n i ch t an Land und empfing an Bor­den Besuch der Generale Sarrail und Maron und des grie­chischen General Moschvpulos.

Beschleunigte Einberufung der griechischen Kammer.

W. T.-B. Paris, 3. Jan. (Nichtamtlich.) Die Agence Hcrvas meldet aus Athen: Nach Zeitungsmeldungen soll die Einberufung der Kammer beschleunigt werden und zmn 17. Januar erfolgen; ferner deuten die Blätter die bevor­stehende Borkümldigung des Standrechts air.

Bulgarien und Griechenland.

Neue Erklärungen Radoslawows.

XV. T.-B. Sofia, 3. Jan. (Nichtamtlich. Drahtberibt.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Im Ver­lauf der Beratung des Haushaltsvoranschlags für die ersten sechs Monate 1916 erklärte Ministerpräsident R a d o s - lawow: Die Regievung übernimmt die volle Verant- Wortung für die Maßnahmen, die für die Getreideausfuhr zu den verbündeten Freunden getroffen worden sind. Es ist iduc zu bedauern, daß man infolge der Anwesenheit der Eng­länder und Franzosen in Saloniki nur 60 Waggons aus der Linie Saloniki-Oktschilar nach Griechenland schicken konnte, während die Regierung 1000 Waggon Griechenland ver­sprochen Chatte. Die Regierung ist jederzeit bereit, ihr Ver­

sprechen zu erfüllen. Statt den Transport für diese Lebens­mittel zu erleichtern, schaffen die Engländer und Franzosen Schwierigkeiten, deren letzte die Verhaftung der Konsuln im Saloniki ist, die durch das Erlschemen deutscher Flugzeuge über den englischen urtd französischen Lagern angeblich be­gründet ist. Wir haben wegen des Gewaltaktes Ei nspr u ch erhoben und verlangt, daß Gviecherckand seine Hoheits­rechte gebrauche, denn unsere Konsuln sind rricht bei den Engländern und Franzosen, sondern bei der Regierung von Griechenland beglaubigt. Dir Engländer und Franzi cn werden jetzt erst gewahr, daß sic sich im Kriege mit uns be­finden/

Was König Peter erzählt haben soll....

Berlin, 3. Jan. (Jens. Bln.) Eine dem serbischem König befreundete Person teilt der „Gazette de Lausanne" mit, daß König Peter an Bord eines Torpedobootes van Balona nach Brindisi fuhr und von dort nach Saloniki äbreiste. Kron­prinz Alexander befindet sich in Skutari.

König Peter van Serbien hat, als er auf feiner Flucht in Valona verweilte, den ihm von seinem langjährigen Aufenthalt in der Schweiz her befieundeten italienischen De­putierten Cassoletti empfangen, diesem sein Herz ausgeschüttet und von all den bitteren Erfahrungen erzählt, die er im Laufe dieses Weltkrieges mit feinen Bundesgenossen^ machen wußte. Wie der „Kreuz-Zeitung" aus Lugano geschrieben wird, vertraute der König feinem Freunde zunächst an, oatz - er die Bedingungen des österröichischen Ultintatuims vom IM 1914 sicher erfüllt haben würde, wenn er die Ge­schehnisse des Weltkrieges hätte voraus,sehen, wenn er hätre ahnen könrren, wie feine Verbündeten die ihm gegebenen Versprechungen einlöfen stvürden. Der König gab zu, vor. Rußland geradezu ermuntert und aufgefordert worden zu sein, die österneichischem Forderungen ab zu leh­nen. Die russischen VersprechulngLn lauteten zunächst dahin, daß Österreich-Ungarn, sobald es Serbien den Krieg erklärt haben würde, mit russischen Truppen überschwemmt werden würde, so daß es garnicht daran denken könne, die militäri­sche Aktion gegen Serbien zu eröffnen. Die Dreiverbands- machte wollten eigentlich den Ausbruch des großen Krieges erst im Jahre 1917 h-rbeiführen. Weil Ruß« land noch bis dahin Zeit gebrauchte, um seine strategische Bahnen vollständig ausbauen zu können. Die serbische Heeresleitung war im Jahre 1914 auf einen Ausbruch tes Krieges absolut nicht vorbereitet. Die erniedrigendste und "demütigendste Zeit meines Lebens mußte ich durchwachen, so erzählte der König weiter, als die Ententemächte einsahen, daß Bulgarien nicht ge­sonnen sei, das willenlose Werkzeug ihrer Bakkanwünsche zu werden. Schmeicheleien und Versprechungen wechselten uiit Erpressungen und Drohungen schlimmster Art ab. Es wurde von uns die augen­blickliche und bedingungslose Mtvedung Mazedoniens an Bul­garien gefordert, und man- ließ gleichzeitig dunckMcken, deß Serbien nach dem Kriege Mazedonien zurückerhalten würde, denn dann könne man Bulgarien rücksichtslos die eiserne Faust zeigen. Alle unsere Bundesgenossen haben, so schloß der König, uns im Stich gelassen, keine Ver- sprechunyon wurden erfüllt, die traurigste Rolle hat dabei England gespielt.

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Bewilligte rumänische Weinausfuhr.

Br. Bukarest, 3. Jan. (Erg. Drahkbericht. Zeus. Mn.) Wie ein Privattelegramm der „B. Z." nreldet, beschloß die vom Domänenministertum ernannte KommijsivlN, 700 000 Hektoliter Wein auszuführen.

Rumänische Donauhäfcn zum überwintern. 4

W. T.-B. Bukarest, 3. Jan. (Nichtamtlich.) Der General- stab gibt bekannt, daß alle Donauschiffe, wem immer sie ge­boren, nur in folgenden Häfen überwintern dürfen: Dunaera (Kilometer 432), Calarasi, Harsova, Gakatz, Nicea und Sultna.

Oer U-Vootskrieg im Mittelmeer.

Zur Versenkung der „Persia".

XV. T.-B. London, 3. Jan. (Nichtamtlich) Wie Lloyds Agentur meldet, befinden sich unter den überlebenden der „Persia" 80 Paffagiere, darunter 17 Frauen, 35 Mann der weißen Besatzung und 59 Laskaren. Eine andere Meinung besagt, daß der amarikanische Konsul in Aden vermißt wird.

Aus Marokko.

XV. T.-B. Paris, 3. Jtn. (Nichtamtlich.) Der „Temps" meldet aus Marokko: Die Taza-Kolonne ist angeblich wegen der Unbilden der Witterung in die Garnison MÄ el Male! zurückgekehrt. Sie soll starke Verluste gehabt rmb einige Dörfer verloren haben. -

Die „Aufilärungrtätigkeit" unserer Feinde.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

Franzosen, Engländer, Russen wissen nicht,^wie sie unsere Feidg rauen aus Den Unterständen und Schützen­gräben verjagen sollen. Trommelfeuer und Stick- ibanrben helfen 'nichts, oo versuchen sie, Die D cut­is ch e n So lDa t en D arüD erT „ausz uklären", daß es doch eigentlich in ihrem Interesse läge, frei­willig aus Dem Versteck zu l-f»twmen un-D