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Montag, 3. Ianuar 1916.
ktbend-Ausgabe.
Nr. 2. » 64. Jahrgang.
Oer Urieg.
Erfolgreiche Sprengungen bei La Saffve- Vethune. — flüchtende feindliche Eruppen. — Die russischen Mitzerfolge.
Oer Tagesbericht vom 3. Januar.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Jan. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Eine große Sprengung nördlich der Straße L a Bassäe-Bethune hatte vollen Erfolg. Kampfund Deckungsgräben des Feindes sowie ein Verbindungsweg wurden zerstückelt. Der überlebende Teil der Besatzung, der sich durch Flucht zu retten versuchte, wurde von unserer Infanterie und von Maschinengewehren wirksam gefaßt. Ein anschließender, auf breiter Front ausgcführtcr Feuerüberfall überraschte die feindlichen Grabenbesatzungen, die teilweise ihr Heil in eiliger Flucht suchten.
Auf der übrigen Front keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Bei der Beschießung von Schluttcrbach im Elsaß durch die Franzosen wurden am Ncusahrstage bei dem Verlassen der Kirche ein junges Mädchen getötet, eine Frau und drei Kinder verwundet.
' Gestlicher Kriegsschauplatz.
Die Russen setzten an verschiedenen Stellen mit dem gleichen Mißerfolg wie an den vorhergehenden Tagen ihre Unternehmungen mit Patrouillen- und Jagdkommandos fort.
Balkankriegsfchauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Oie Verhaftung der Konsuln.
Die Erregung in Griechenland.
Das Verlangen nach Genugtuung.
W. T.-B. Sofia, 2. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Vertreter des „Wofff-Burcau" erfährt aus bester Quelle: Die völkerrechtswidrige Verhaftung der Konsuln von den Mächten des Vierverbandes in Saloniki hat in Athen hochgradige Erregung hervorgerufen. Da der neueste Übergriff nicht wie bisher die Interessen des Landes beeinträchtigt, sondern die Ehre des griechischen Staates antastet, hat die griechische Regierung sofort die energischsten Maßnahmen ergriffen, um sich G e n u g t u u n g zu verschaffen. Einerseits haben die griechischen Behörden sofort von General Sarrail die Fr e i l a s s u n g der Festgenommenen verlangt und griechische Offiziere und Gendarmen mit der Bewachung der Konsulatsgebäude beauftragt, andererseits hat die griechische Regierung in Paris und London aufs energischste Pro- t e ft erhoben. Sie hat aufs nachdrücklichste vor allem die Auslieferung der Konsuln und des Personals verlangt.
General S a-r r a i l antwortete, er habe die Maßregeln nur aus militärischen Gründen vor- genoimnen und könne nur auf Befehl aus Paris, wohin er den Vorfall berichtet habe, die Freilassung bewirken. Die griechische Regierung ist um so peinlicher überrascht, als die Vertreter des Viervevbandes ihr in oller Form zugesichert halten, daß sie nicht an eine Vertreibung der Konsuln des Vierbundes aus Saloniki dächten und daß sie die griechische Regierung, wenn etwa derartiges 'beischlossen werden würde, vor Ausführung des Beschlusses davon benachrichtigen würden. D-r Vorwand des Fliegerangriffes ist nichtig, weil der Angriff auf das verschanzte englisch- französische Lager und nicht auf die griechische Stadt Saloniki gerichtet war. Die griechische Regierung findet in ihrer festen Haltung einen festen Rück- 'halt an der Be d ö I k e r u n g, die ohne Unterschied der Partei den Übergriff des Vieroerbandes als brutale Verletzung der griechischen Neutralität und des Völkerrechtes ansieht.
weitere Einzelheiten zur Verhaftung.
Br. Lugano, 3. Jan. (Erg. Dvahtbaricht. Jens. Bin.) Über die Verhaftung der Konsuln in Saloniki.worden den italienischen Blättern folgende Einzelheiten gemeldet: Bei Sonnenmintergang wurden die vier Konsulate von vier Detachements umzingelt, die aus fvanzösischen Gendirmen, englischer Infanterie und marokkanischem Zu-aven bestanden. Die Konsuln protestierten. Als der östenreichische Konsul fragte: „Mit welchem Recht verhaften Sie mich?", erwiderte der die Verhaftung leitende ftanzösische Offizier: „Mit dem Recht, das mir der Befehl meines Generals vei- leiht. Wir sind aus Kriegsgebiet und ich habe Order, wer sich als' Feind aus Kriegsgebiet aushält, festziuuehmen." Der deutsche, östernoichisch-nngarische und türkische Konsul wurden glatt verhaftet. Der bulgarische Konsul dagegen war gmnfor abwesend. Dafür^wurde der eben quS Sofia eange-
trvffene bulgarische Mirristerialsekretär A r a n o w, der mit Depeschen nach Athen gehen sollte, festgenommen. Später wurde auch der bulgarische Konsul selbst verhaftet. Am Morgen nach dem Gewaltstrelch kam aus Florina ihre Ga 1 ti n des deutschen Konsuls an. In den Depeschen ist nicht die Mitteilung enthalten, ob nicht die Dame nachträglich verhaftet wurde. Im Lause der Nacht wutden die Komsnlats- archive durchsucht, die angeblich interessantes Material enthalten, da die Konsuln keine Ahnung von der drohenden Maßregel hatten. (?) Wie tveiter gemeldet wird, sollen iit Konsuln als Geisein behandelt werden. Außerdem fei eS nötig gewesen, sie unschädlich zu machen, da sie allzu vwl militärische Geheimnisse der Entente besaßen. Die Vertreter Österreich-Ungarns sind Generalkonsul Kwiatkowski, Vizc- konsul Probitzer und Attache Seemann.
W. T.-B. Athen, 3. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Prwatkirre.sporident des W. T.-B. meldet noch über d:e Verhaftung der Konsuln in Saloniki: Die Behauptung der Vertreter des Vierverbandes, daß die Konsuln spioniert hätten, wird hier als lächer li ch bezeichnet. Die Konsuln seien von Geheimpolizisten der Entente derart überwacht und belästigt worden, .daß schon hierdurch jede Spionagetätigkeit ausgeschloss-en gewesten ist. Skuludis hat den Vertretern des Bierbundes, die bei der griechischen Regierung gegen die Verhaftung ihrer Konsuln protestiert haben, geantwortet, daß er auf seinen bei den Ententemächten gemachten Einspruch ülnd die Forderung ans unverzügliche Freilassung der Konsuln bisher keine Antwort erhalten hat. Angesichts des in letzter Zeit von: Merverband gegenüber Griechenland zur Schau getragenen rücksichtslosen Auftretens zeigt sich die ganze öffentliche Meinung Griechenlands auf das höchste eübittevt.
Die verhafteten Konsuln nach Malta gebracht)?
Berlin, 3. Jan. (Jens. Bin.) Nach Meldungen verschiedener Morgenblätter aus Konstantinopel sind die festgenommenen Generalkonsuls nach Malta gebracht worden. Es sei ihnen gelungen, rechtzeitig die Akten der Konsulate zu vernichte«.
Bulgariens Gegrnmatzregeln.
Verhaftung der englischen und französischen Gesandt- schaftsbeamtcu.
W.T.-B. Sofia, 3. Jan. (Nichtamtlich. Bulgari- sche Tölegravhen-Agentnr.) Die öffentliche Meinung in Bulgarien ist über die Verhaftung der Konsuln in Saloniki sehr erregt. Der Ministerrat beschloß, als Vergeltungsmaßregel die Beamten, welche nach Abreise der Chefs der Gesandtschaften Englands und Frankreichs zurückqelasscn worden sind, verhaften zu lassen. Die Beamten werden erst nach Freilassung des bulgarischen Konsuls und seines Personals in Freiheit gesetzt werden.
Weitere Einzelheiten.
Br. Berlin, 3. Jan. (Erg. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Son-derberichterstatter des „B. T." meldet feinem Mutte ans Sofia vom 2. Jan.: SflS Antwort auf die völkerrechtswidrige Be.rhaft.umlg des bulgarischen Konsuls und feiner Beaiuten rn Saloniki 'hat die bulgarische Regierung (wie gemeldet) die Verhaftung des französischeu Bizekonsnls verfügt, der zur Unterstützung des hiesigen holländischen Gesandten als Vertreter dar ftanzösischen Jnterleffen in Sofia zurückgeblieben ist. Der englische Vizekonisstl hat sich auf die Nack,nicht von dieser Verhaftung bin in das Immer bekam erikanfl.fchen Geschäftsträgers Ernsteiin, der die Vertretung 'der englischem Interessen übernommen hat, ins Hotel Bulgare geflüchtet, wo er zurzeit noch weilt. Die a-rch im Ausland verbreitete Meldung der offiziösem „Narvdni Prava", der griechische Gesandte in Sofia habe dem Ministerpräsidenten Radoslawow die Zustimmung Griechenlands z>ur Teilnahme der bulgarischen Truppen giu einem Vormarsch auf Saloniki bekannt gegeben, ist, wie an maßgebender Stelle mitgeteilt wird, unrichtig. Wohl aber hat eine Mitteilung dieses Inhalts der bulgarische Gesandte in Athen erhalten.
Zur Verhaftung der Konsuln Deutschlands, Österreich- Ungarns, der Türkei und Bulgariens erfahre ich noch folgende Einzelheiten: Auf VerlangM der griechischen Behörden, die Verhafteten sofort wieder in Freiheit zu setzen, -erklärte Sarrail, er habe den Befehl zu dieser Verhaftung Es Paris erhalten und müsse die Verhaftung aus militärischen Gründen Efrecht -erhalten; er füAe jedoch hinzu, er habe keinen Auftrag zu weiteren Maßregeln. Darauf übernahm ein griechischer Offizier die Bewachung der verwaisten Konsulate. Die Verhaftung wurde in unerhört roher Weife vorgenommcn. In Athen hat das Ereignis große Auftegung hervorgerufen und wird als tief st e Demütigung für die Souveränität Griechenlands empfunden. Die griechische Regierung besteht mit allem Nachdruck darauf, daß die Verhafteten ohne jede Verhandlung über die Gründe der Verhaftung in Freiheit gesetzt werden. Die Beschießung des verschanzten enylisch-fvanzöstichen Lagers durch deutsche Aeropllme, des, wie berichtet, die Entente als Veranlassung zur Verhaftung bezeichnet, hat Dienstag, 4 Uhr nachmittags, begonnen. Es rief im Lager zunächst eine unbeschreibliche Pan:k hervor. Alles rannte ivild -durcheinander und suchte sich zu bergen; losgerissene Pferde galoppiertem wild aufbbe Zelte Io« An verschiedenen Stellen brachen kleine Brände ans. Der Versuch der Engländer, die feindlichem Aeroplane durch
eigene zu vertreiben, kam viel zu spät. Die Zahl der Getöteten ist außerordentlich beträchtlich. Unter ihnen befindet sich ein einziger griechischer Zivilist, alles übrige sind englische umd ftanzösische Soldaten. Da der Luftangriff ausschließlich dem befestigten Lager gegolten, wirs er von griechischer Seite für vollkommen gerechtfertigt gehalten.
Auf der Bahnfahrt von Saloniki nach Sofia.
Br. Berlin, 3. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. BlnZ Dreißig Stunden, bevor idie Konsuln auf neutralem Boden in Saloniki verhaftet wurden, führ der Sonderberichterstatter des „B. T." aus, der Stadt ad. Gerade unser Konsul, so meldet er seinem,Blatte aus Sofia, der auszühalten entschlossen war, , riet den Deutschen dringend, abzureisen. So konnte ich wohl, so heißt es weiter, als letzter Deutscher vor der, Befreiung, Salonikis auf dreistündiger Bahnfahrt die befestigten Lager ruhig betrachten, wenn auch diese Ruhe , auf den Bahnhöfen ziemlich schwand, da der Anblick jedes höheren Offiziers den genau bekannten Deutschen die Aussicht auf einige Monate Malta näher rückte.
Ein türkischer Protest.
Auch die Pforte kündigt Vergeltungsmaßregeln an.
TV. T.-B. Könstantinopcl, 3. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Pforte hat -durch die Vermittlung -der amerikanischen Botschaft gegen die willkürliche Verhaftung de. ottomanischen Konsuls und der Beamten Haftung des ottomanischen Konsuls und der Beamten scheu P r o t e st eingelegt. Wie verlautet, ergreift die Pforte, falls die Schritte Griechenlands die Freisetzung nicht herbeiführen sollten, gegen die Staatsbürger der Diewerbandsmächte Vergeltungs-Maßregeln.
Ein bulgarischer Protest gegen die Behandlung bulgarischer KlüchtNnge durch England und Zrankreich.
W. T.-B. Sofia, 3. JE. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Meldung der Bulgarischen TÄegraphen-Ayemtuir.) Hier ein- gegangene Berichte besagen, daß di« Engländer und Franzosen die jungen Bulgaren, die. bar der Werfolchrng der Serben in Saloniki Zuflucht suchten und infolge der Kriegsoperationen nicht in die Heimat zurückkhren konnten, gewaltsam in die Reihen der eigenen Truppen einst-eile m wollen, um sie im Kampfe gegen die Buvganen zu verwenden. Die bulgarische Regierung erhebt gegen diesen, an den unglücklichen Flüchtlingen verübten Zwang Einspruch. Einspruch.
Englands Gewaltpolitik in Griechenland.
Die neue Enthüllung aus diplomati^en Schriftstücken und privatDriefen.
w. T.-B. Wie«, 3. Jan. (Amtlich.) Am 4./I2. wurden von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot im Mittelmeer -ns dem aricchischert Dampser „Spetsai" die als Kuriere reisenden englischen Ossiziere, der Oberst Rapier, ftüher Militärattache in Bulgarien, dann der englischen Gesandtschaft in Athen zngeteilt, und das Parla,- mcntsmitglicd Captain Wilson, beide von Athen kommend, zu Gefangenen gemacht. Der von ihnen vorher über Bord, geworfene Depeschcnsack wurde von dem ll-Boot auf gefischt und eingcbracht. Die Kuriersendung enthielt außer Depeschen der brrti- schen Gesandtschaft in Athen auch P r i v a t b r r e f e von MUgbedM der englischen Marinemission in Griechenland und des Gefandtschafts. Personals an ihre Angehörigen und Freunde in England. Unter den amtlichen Korrespondenzen verdient der Bericht des englischen Gesandten in Athen vom 26. 11. 1915 besondere Aufmerksamkeit, da der- selbe m seiner Beilage den Wortlaut der Forderungen enthalt, welche die Ententemächte an die griechische Negierung gestellt haben und deren Inhalt in einem flagranten Widerspruch zu den von unseren Feinden so häufig gebrauchten Phrasen von der Wahrung der Rechte der kleinen Nationen und der Neutralen überhaupt steht. Der weiter unten folgende Auszug wurde unter Ausschaltung aller rein private» Mitteilungen und unter Weglapung der vollen Namen der Schreiber und Adressaten auf jene Stellen beschrankt, welche ge- eignet erscheinen, im allgemeinen die politische Tenoenz uno die Sprache der betreffenden britischen Diplomaten und Seeoffiziere zu charakterisieren. Auch wird die vsterr-ichisch-ungarrsche Regierung nur die aufgefangene Korrespondmz der Zkomgl. Groß- britannischen Gesandtschaft Athen zuruckbchalten. hingegen die Privatkorrespondenz der Mitglieder dieser Mission und der in m-echi- schen Diensten stehenden englischen Seeoffiziere im Wege der Wiener amerikanischen Botschaft den Adreffaten zukommen lassen.
Sir F. Eliott, englischer Gesandter in Athen, an Sir Edward Greh, Athen, 28.11. 1915.
Mit Bezug auf mein Telegramm Rr. 1317 vom heutigen Äge beehre ich mich in einer Anlage die Kopie des Schriftstücks zu übermitteln. welches mein stanzösisck)«r Kollege heute morgen dem Ministerpräsidenten in Gegenwart der Vertreter Graßbrrtanmens, ^t<«iens und Rußlands überreicht hat imd welches dre Mrfftelumg der Punkte enthält, bezüglich welcher von der griechischen Regierung Konzessinoncn verlangt werden. Mit dem Ausdrucke meiner vor- züalichen Hochachtung usw. gez. Eliott. , ^ ^
Anlage: 1. Zurückziehung der griechischen Truppen «ms der Stadl Saloniki und Umgebung, 2. vollständig freies Versügungsrecht über die Eisenbahnen und Straßen bis zur Grenze, insbesondere in Richtung Krivolak und Monastir, damit wrr sowohl in der Stadt selbst, als auch in deren Umgebung, alle Matz- reaeln treffen können, welche zu unserer Verteidigung unumgänglich notwendig sind, da die Herstellung einer, Verteidigungsorganffativ- im Roume von Saloniki und vor der Halbinsei Kalkidrke von hervor- ragendster Wichtigkeit ist, um die Sicherheit d-r Expeditionstruppen
zu sewahr.cften., ^ See, wie z. B. das Recht, Schiffe mch Boote in Territorialgcwässern zu visitieren rmd dre femdRchen Unterseeboote, ihre Operations- und Bersorgungsvasen au und in Terrfforialgewäffern aufzusuchen und zu, zerstören. betracht der schwierigen Lage, in welche der Ruckzug der
