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SamStag, 1. Januar ISIS

Lr. 1

Uriegslileratur.

„;>tn Kaiserlichen Hauptquartier." 1. Von der Donau nur Via-». 2. Bon den Vogesen zur Nordsee. Deutsche Krcegsdrisse von P. Schwede r, Kriegsberichterstatter. M;t Titew'lLk -n und Buchschmuck von Karl Alexander Brendel- Weimar sowie zahlreichen Abbildungen. (Hesse u. Becker, Verlag in Leipzig.) Das vortrefflich ausgesrattete Werk cnt- bo.lt saweuvrachtÄc Schilderungen des bestens bekannten Kriegs oerichteütatrers, die durch zahlreiche vorzügliche Bilder ergänzt werden, und behandelt den Weltkrieg vom Tage der Mobilmachung.

„Stuttgarter Reliefkarten der Kriegsschauplätze." Nr. 34.

Polen 1- Gebiet zwischen Weichsel, Wrkra und Narcw. Nr. 35. Polen 2: Zwischen Weichsel und Pilica. Nr. 36. Polen 1: Zwischen Weichsel und Äug. Nr. c>7. Polen 4: -Er und Brest-Litowsk. (Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart.) Mit elementarer Gewalt haben unsere Truppen Polen von den Ruffcn gesäubert und die „russischen Befreier" aus Galizien hinausgeworfen. Für viele ist_ es nun von Interesse, sich mit den geographischen Verhältnissen in den von -m? besetzten Gebieten Rußlands bekannt zu machen. Dazu bat die Aranckhsche Verlagshandlung rn Stuttgart m vier neuen Nuuimern ihrer bekannten „Reliefkarten der Kr'egsstauvlätze ein gutes Hilfsmittel geboten. Die vier neuen Karten umfassen die Gebiete zwischen Weichsel, Wikra rmd Narew, .wischen Weichsel und Pilica, zwischen Weichsel und Bug und dann das Festungsgebiet Lukow-Brest-Litowsk. Natürlich sind die Karten auch ausgezeichnet zur Verfolgung der kriegerischen Vorgänge. Sie schließen nördlich an die von dem Verlag schon früher herausgegebene Karte der Ostsee von Danzig bis Petersburg (Reliefkarte Nr. 8) an. Weitere Karten mm Polen sind ebenfalls noch geplant.

»Wir brruchen ein Neichs.-Fuzzendmehrgesetz." Ein Mahn- iv-ri 3 Ur deutschen Juigendwehrbewegung von Dr. Müllcr- 'gen, Oberlandesgerichtsrat. Mitglied des Reicks er baveri scheu Ztbgeordnetenkammer. Herausgegeben olcmsscbuß für Volks- und Jugenchpielc. (1916. 3. r '. Teubner in Leipzig.) Zu rechter Zeit er- ocbrist des auch durch seine die körverliche Er- r Jugend betreffenden Anträge zu den Heeres- Jahre 1911—13 bekannten Münchener Abge- si-t- -nrch die klare überzeugende Behandlung aus der Flut von Schriften iibn bebt Sic ist der „Deutschen Turnerschaft" und atausschuß für Volks- und Jngcndspiele" als „den r deutscbcn Jugendwehrbewcgung" gewidmet, rschiffsverluste unserer Feinde. Blatt 4. (Verluste 'g Mai s Mitte Oktober 1915. Zusammengestellt ,ers Taso.-ulbuch der Krieasftottcn. Jahrgang 1915. ehrnanns Verlag, München.) Den vielbegehrten drei ii < ul Misten ist wieder ein neues Blatt gefolgt. Es ithält: 15 englische Kriegsschiffe nebst 8 Hilfskreuzern,

7 ruffisa Kriegsschiffe nebst 2 Hilfsschiffen, 5 russische Kriegs- lckiffe nebst 3 Hilfsschiffen, 9 italienische Kriegsschiffe. A: :\ A e.'. sind noch ein Torpedoboot und 2 ff-Boote vernichtet, deoc.c Nationalität nicht festgestellt werden konnte. Neben diesen cuuvandfrei vernichteten Schiffen sind zweifellos unfern r?>nnök h noch ei, . Reihe weiterer Verluste entstanden, die zunächst no nicht ganz sicher festaestellt werden können.

fti CfCl'f) 2 ^ Artv SUcrtWrtvf^rtM , ) - -T am* u Cl„ YY. . t.

in der Weyerschen Zusammenstellung vor­amt sind seit Mai 4 feindliche Linienschiffe,

Sie Kerbe erst weg. Ins.,

X Vanzerkreuz . 2 geschützte Kreuzer, 1 kleiner Kreuzers 2^otuiiun c ri'uüoie, 5 Torpedobootszerstörer, 5 Torpedoboote und 15 ff°Boote vernichtet worden. Me vernichteten Schiffe sind rn Bild Md Wort beschrieben. Über die deutschen Verluste konnte kern Bericht gegeben werden. Wie bisher, so stellt die Verlagsbuchhandlung auf Wunsch auch diese Tafel den Lazaretten des Deutschen Reiches und von Österreich kosten­frei zur Verfügung. Die Tafel bildet für Lazarette, aber auch für Schule und Haus einen schönen und lehrreichen Ziimnerschiyuck.

, Mt en Deutsche und Polen sich immer befehden?" Von Prinz Olgierd Czartoryski. 60. Heft der von Ernst Jackh herauSgegebenen Flugschristensammlung „Der Deutsche Krieg. (Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart.) Ein an­gesehener konservativer Pole ergreift hier das Wort zu der durch twn Krieg geschaffenen neuen Lage der Polen. Nach einem Überblick über die Entwicklung der preußischen Polen­politik bis zum Kriegsbegtnn weist er darauf hin, daß seit diesem Zeitpunkt die preußische Regierung mehr als einen Schritt getan hat, um eine Versöhnung mit den Polen anzu­bahnen, und daß eS für diese gilt, dis versöhnende Hand zu ergreifen, namentlich im Hinblick darauf, daß sich letzt der größte Teil der polnischen Bevölkerung unter der Verwaltung der Zentralmächte befindet.

»Kriegsprophezeiungen für 1914." 2. Aufl. „KricgS-

gcdichte für 1914." „DaS Gesicht Englands." Aus der Zeit- schriff „Zum Lichtl" lVerlaa von F. E. Baumann, Bad Schmiedeberg, Bez. Halle a. S.) Probehefte und Prospekte umsonst und portofrei.

25 Zahre Deutsch-Gstafnka.

Der Dank des Staatssekretärs Dr. Sols an die Verteidiger.

W.T.-B. Berlin, 31. Dez. (Nichtamtlich.) Am 1. Jarl. 1916 sind 2 6 Jahre verstrichen, seit das Reich in dem zur-

Wiesbadener TaMaN.

Morgcn-AnSgabc.

SrstcS Blatt.

zeit heiß-umstrittenen Deutsch-O ft afrika auf Grund

der mit der Deiitsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und dem Sultan von Sansibar abgeschlossenen Verträge die Ver­waltung übernommen hat. Aus Anlaß dieses Gedenktages hat der Staatssekretär des Reichsko-lonialamtes Dr. L> o l f an den Gouverneur von Deutsch-Ostafvika, Dr. Schnee, nachstehende Kundgebung gerichtet:

„Anläßlich des 2Sjährigen Gedenktages der Übernahme der Verwaltung Dcutich-Ostafrikas durch daS Deutsche Reich gereicht es mir zur besonderen Freude mrd Genugtuung fest­zustellen, daß es sowohl durch das tapfere Verhalten der Schutz truppe und der zu ihrer Verstärkung eingezogenen europäischen Wehrpflichtigen unter der hervor­ragenden Führung ihres Kommandeurs, des Obersten von Lettow-Borbcck, als auch durch die von Ew. Exzellenz getroffenen organisatorischen Maßnahme» gelungen ist, das Schutzgebiet nicht nur gegen die zahlreichen Angriffe weit überlegener feindlicher Kräfte erfolgreich zu verteidigen, son­dern auch durch entschlossenes Vorgehen den Gegner an vielen Stellen in seinen eigenen Gebieten anzugreifen und ihm empfindliche Verluste znzufügen. Allen, die ihre Dienste in die Verteidigung des Schutzgebietes gestellt haben, merne höchste Anerkennung auszusprechen, ist mir am heutigen Tage ein tief empfundenes Bedürfnis. Den in treuer Pflichter­füllung auf dem Felde der Ehre gebliebenen Helden und den ihren Wunden erlegenen tapferen Streitern ein getreues Gedenken zu bewahren, wird stets eine Ehrenpflicht der Kolonialverwaltung sein. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß cs der Umsicht Ew. Exzellenz und der Tapferkeit der Streiter des Schutzgebietes gelingen wird, bis zum siegreichen Ende des Krieges dnrchzuhalten, dem wir hier mit un­erschütterlicher Znversicht entgegensehcn."

Die Neutralen.

Zusammentritt der luxemburgischen Kammer.

Br. Luxemburg, 31. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die neugewählte luxemburgische Kammer wird voraussichtlich am 4. Januar zusamm-entret-en. Es er­scheint sehr zweifelhaft, ob die Linke, deren Übergewicht durch die Minderheit di den letzten Wahlen stark vermindert würde dies große Bedeutung für die norwegischem Fi-schereien arbeiten wird.

Oie 74. Uriegswoche.

Menschen und Munition versucht England in aus-giÄsigam Matze sicher zu stellen, um endlich den Sieg im Weltkriege an sich zu reitzen. Beide Vovbe- dingungen für den Erfolg Grohbritanniens waren bis jetzt noch nicht genügend vorhanden. In der jüng­sten Rede des öng-lischen Munitionsministers legte die­ser mit nackten Zahlen den Zuhörern klar, datz für die neuen Fabriken eine grotze Zahl an Arbeitern notwen­dig sei. Der Minister Lloyd George erklärte, -datz alle Anstrengungen, welche England bisher gemacht hat, auf dem Gebiete der MunitionsProduktion unge­nügend seien. Der Gegensatz der Gewerkschaften in England gegenüber den ungelernten Arbeitern scheint inmner noch auf den grötzten Widerstand zu stützen. „Wir können", so sagte der Minister, „unser Muni- lick)es geleistet, die unglaubluchen Anforderungen des >ruch die ungelernten Arbeiter und Frauen an die Drehbänke heranstellen." Alle bisherigen Anstren­gungen auf dem wichtigen Gebiete der Munitionsher- stcllung scheinen nicht den vollen Erfolg gchabt zu haben. Die dauernden englischen Niederlagen bewiesen zur Genüge, datz allch in der Munitionsherstellung England zu spät geko-innren ist. Sicherlich hat dieses Land aus dein Gebiete der „Improvisation" Ansehn­liches gelistet, die unglaubliche-ir Anforderungen des -modernen Krieges überstiegen aber bei weitem die not­wendigen Mengen, welche einen Sieg gewährleisten können. Wir können hieraus den Schluß ziehen, datz England in den 16 Kriagsmonatm wohl viel Der- säunrtes nachgeholt hat, jedoch nicht in der Lage war, etwas Vollkommenes zu erreichen. Dasselbe Geschick -dürfte auch der jüngste Kahinettsbeschl-utz haben, wel­cher d ,die Einführung der allgemeinen Wehr­pflicht bezweckt. In den Fragen der Munition und

der Aushebung der zur weiteren Kriegführung not­wendigen Menschenzahl wird England über das A n- fangsstadium nicht hinauskommen» Die Ein­führung einer allgemeinen Wehrpflicht ist ein schlagen­der Beweis, datz England nunmehr erkannt hat, datz der von ihm angestiftete Krieg nicht auf die Art zu gewinnen ist, wie es dies bisher geglaubt hat. Wir ersehen ferner daraus, datz der vermeintliche Erfolg, des Devbyschen Wcrbefeldguges ein glatter Miß­erfolg war. Die bisher veröffentlichten Zahlen an Freiwilligen waren sicherlich nicht den Tatsachen ent­sprechend. Trotz des großen tnoralischen und wirt­schaftlichen Druckes wurden nicht die nötigen Rekruten angeworben. Vielleicht ist der folgenschwere Kabinetts­beschluß Englands nur unter dem Drucke der Verbün­deten entstanden. Besonders laut waren die fran­zösischen Klagen darüber, daß Eng-lands Lasten an der Teilnahme des Weltkrieges zu gering seien.

So wird -das englische Staatsschrff jetzt in -das so verhaßte Fahrwasser des Militarismus . hinein­gesteuert, in das System, dessen Bekämpfung eines der Hauptziele Eng-lands war. Der zahlenmäßige Er­folg der allgemeinen Wehrpflicht kann kein sehr großer sein. Bringt sie der englischen Armee auch neue Re­kruten, so schafft sie dennoch damit keine brauchbaren Offiziere und Unteroffiziere, die zur Führung der Millionenheere des Lord Kitcheners notwendig sind. Die allgemeine Wehrpflicht dürfte zunächst nur die unverheirateten Männer vom 19. bis zum 40. Lebens­jahre umfassen. England irrt jedoch, wenn es glaubt, daß diese in das wirtschaftliche und völkische Leben des Landes so tief einschneidende Änderung sich von heute auf morgen bewerkstelligen ließe, am allerwenigsten inmitten eines Krieges. Als die allgemeine Wehr­pflicht vor mehr als 100 Jahren bei uns in Preußen eingeführt wurde, war der Boden schon viele Jahr­zehnte vorher hierfür vorbereitet worden. Die allgemeine Wehrpflicht wird dem englischen Volke auch nicht in Fleisch und Blut übergehen, weil es -dem Den­ken und Fühlen dieses, nur auf Erwerb bedachten Vol­kes, mehrere Jahre des Lebens dem Vaterlande zu opfern, widerspricht.

Seit Wochen machte sich auf dem östlichen Kriegs­schauplatz Rußland durch eine neue -Offensive auf dem Süidslügel der deutsch-österreichischen Truppen wieder bemerkbar. Es scheint, als wollte Rußland Saloniki am Dnssstr verteidigen. Schon als der Feldzug gegen Serbien begann, setzte Rußland iin Oktober mit einem Vorstoß in Wolhynien ein, aber diese Offensive war nicht imstande, den deutschen Siegeszug auf dem Bal­kan aufzuha-lten. Jetzt versuchen die Heere des Zaren nochinals einen Einfluß auf die Ereignisse am südöst­lichen Kriegsschauplatz zu gewinnen. Rußland will in derErinnerung der Balkanvölker nicht ganz vergessen werden und darum geht es mit seinen Sturmkolonnen gegen -diejenigen Telle unserer Front vor, welche in Bessarabien und am Dnjestr so weit nach Osten vorge­schoben sind, daß -der Kanonendonner auf dem Balkan gehört werden muß. Sicherlich handelt es sich hierbei darum, die Entscheidung in Bukarest in einem Ruß­land freundlichen Sinne zu beeinflussen, nachdem das Drohen mit der gepanzerten Faust an der Grenze Rubmäniens nicht den nötigen Eindruck hinterlasse» hatte. Dennoch ist Rumänien nach wie vor trotz aller Gegenströmungen nicht g-cwillt, demselben Schicksale entgegnzueilen, wie es Serbien zuteil wurde. Alle Versuche, einen Durchzug durch neutrales Gebiet zu erlangen, blieben ohne Erfolg. Neben dem unzweifel­haften politischen Zweck, Beeinflussung in Athen und Bukarest, zielte der strategische Endzweck dieser vufsi- schen Offensive darauf ab, die äußerste rechte Flanke der österreichischen Armee zu durchbrechen und zu um­fassen. Diesem Ziele wurde eine Menge Munition, Tausende von Menschenleben geopfert, ohne einen Er­folg zu erzielen. In dichten Sturmkolonnen, in 16 bis 18 Reihen, wurden Knaben und Greffe nach giiaub- haften Berichten gegen die feindlichen Drahthinder­nisse her-angeführt. Jedoch auch diesmal bleibt d-er Enderfolg unseres Feindes unerreicht. Tausende von Menschenleben werden die geplanten Operationen kn

Fast gänzlich vernichtet aber ward dieser blühende Zweig des

deutschen Wirtschaftslebens, wie ja so viele andere auch, durch den unheilvollen 39jährigen Krieg. Die zügellosen Kriegs- Horden, die unser Vaterland raubend und plündernd durch­zogen, durchstachen die Dämme der Teiche, holten die Fische heraus, und niemand nahm sich die Mühe, in diesen unruh­vollen Zeiten den Schaden wieder gutzumachen, den jene au­gerichtet.

Allerdings war das Zuchtvecfahren in jenen Zeiten noch ziemlich primitiv. In jedem Teich befanden sich Fische jeden Lebensalters, und alljährlich wurden immer nur die größten dem Waffer entnemmen. Zu jeder Laichzeit bevölkerten sich die Teiche mit riesigen Mengen junger Brut, von der die größte Zahl infolg« Nahrungsmangels wieder zugrunde ging, -der auch die größeren Fische hatten schwer unter dem Mitz- erhältnis zwischen der vorhandenen Nahrung und der Zahl er^ Teichbewohner zu leiden. Die Folge war eine immer geringere WachStumsfähigkeit der Karpfen. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dauerte es meist 7 bis 8 Jahre, ehe die Karpfen die einigermaßen marktfähige Größe von 2 Pfund erreichten. Unter diesen Umständen war die Karpfenzucht nur wenig gewinnbringend, und so mancher ("vNter verwandelte seine Teiche in Wesen oder in Ackerland.

iS'-cn wesentlichen Aufschwung nahm dieser alte und be- --bmte W'.rtsckcrttszweig erst im 19. Jahrhundert. Zunächst kannte man, dich der Karpfen sich nicht nur von Pflanzen- etten nährte, ,.ne früher allgemein angenommen wurde, andern daß er m der Hauptsache ein Kleintierfrefser sei. Er ehr Krustenftc y, Würmer, Insektenlarven, Schneck, n und 7usch.'n >er^ Pflanzennahrung entschieden vor. Da der dffchtuu der eicctierwelt eines Teiches aber nicht uner-

höpflich und unbegrenzt ist, so besetzte man die Teiche nur .,>( einer genau begrenzten Zahl von Fischen. Außerdem ichte man durch zeitgemäßes Truckenlegen, Düngen. Um- flOißei' und Besäen der Teichflächen den Ertrag an Klein- rer p mehren und ging auch dazu über, die Fische künst- ach zu süc-ern. Fleisch-, Fisch- und Mutmehle wurden und

werden auch heute noch ebenso gern verwendet wie Lupinen, Mais, Gerste, Hafer ufw. Dabei verfährt man nach g>rnz be­stimmten Grundsätzen, füttert z. B. wesentlich nur in den warmen Monaten, weil nur in diesen die Karpfen gründlich verdauen und das Füttern wirklichen Nutzen bringt.

Ebenso wichtig für den Aufschwung der Karpfenzucht war aber der Umstand, daß man mit der alten Gewohnheit brach, alle Altersklassen der Fische in ein- und demselben Teich zu h-alten. Heute wird der Zuchtbetrieb allenthalben so gehand- habt, daß die Aufzucht der Karpfenbrut und der einzelnen Jahresklaffen in verschiedenen Teichen erfolgt. Die Anzahl der Eier, oie in der Laichzeit in den Monaten Ma-l und Juni an die Wasserpflanzen und Gräser der Teiche angellebt wer­den, ist fast fabelhaft, ein mittelgroßer Karpfen hat mehr als crne halbe Million Eier, auf 1 Pfund des Körpergewichts darf man etwa 100 000 ungefähr 1,3 Millimeter große Eie: rech- . neu. Nach dem Absctzen der Eier werden die Zuchttiere aus dem „Streichteich" wieder herauSgcnommen.

Bei günstiger Witterung sind die Eier schon nach drei Tagen erbrütet, nach etwa 5 bis 10 Tagen wird der Waffer- spiegel des Streichteichs gesenkt, so daß sich die Brut in den 30 Zentimeter tiefen Gräben sammelt, die ihn in Abständen von 3 bis 4 Metern durchziehen. Nun werden die jungen Tierchen äußerst vorsichtigt mit feinen Netzen oder Gazekasten gefangen u-rd rn den „Vorstreckteich" übergeführt, der Streich­teich aber abgelaffen und bis zum nächsten Jahr trocken ge­halten. Rach 1 bis 1 y 2t Monaten kommen die Fischchcn in einen zweiten Vorstreckteich, wo sie bis zum Winter bleiben. Die Vorstreckteiche sind natürlich schon längere Zeit vorher mit Waffer gefüllt worden, damit die Entwicklung des Klein- tierlebenS schon möglichst weit vorgeschritten ist und die Fisch­brut die nötige Nahrung findet. Außerordentlich scharf muß aber der Fischzüchter darauf achten, daß alle Feinde der jungen Karpfen ferngehalten werden, insbesondere Hechte, Barsche und Frösche.

Im Winter kommen die kleinen Karpfen in kleine, aber ticke Teiche, wo sie sich in den Schlamm einwühlen und ihren

Winterschlaf halten. Im zweiten Sommer setzt man sie in die eigentlichen „Streckteiche", im dritten in -die „Abwachsteiche", aus denen sie dann gewöhnlich im Herbst herausgefischt und verkauft werden. In Österreich folgt allerdings oft n-xh et» zweites Abwachsjahr.

Infolge all dieser Maßnahmen haben sich statt de» alten, langsam wachseraden, „verbufteten" Bauernkmchfens, an dem die Karpfenzucht ehemals krankte, außerordentlich schnellwüch­sige und fleischreiche Rassen entwickelt, die bereits im dritten Jahre nähezu doppelt so schwer werden wie die alten ver­kümmerten Hungerkarpfen in 7 bis 8 Jahren. Außerdem Nird der Ertrag der Teiche erhöht durch die sogenaniiten Beisatzfische, die das Futter verzehren, das der Karpse nicht mag, und die nebenbei die wichtige Ausgabe haben, ftisftge Nahrungskonkurrenten des Karpfens fernzuhaffen, besonders die minderwertigen Weißfische und die Frösche. So werden z. B. Schleien und einige Hechte zugeseht. Statt des Hechts wird vielfach in Teichen mit kiesigem Untergrund der Zander gezüchtet. Auch die amerikanische Regenbogenforelle ist hier und da zu finden. Bei richtigem Betrieb kann durch die Zucht der Nebenfische der Ertrag eines Karpfenteichs mitunter ver­doppelt werden.

Dieser neuzeitliche Betrieb hat die Karpfenzucht wieder zu einem recht lohnenden Wirtschaftszweig gemacht, und gegenwärtig ist die Zahl der Karpfenteiche bei uns eine recht beträchtliche. In Bayern gibt es z. B. über 20 900 Karpfen­teiche mit einem Gesamtums-ang von rund 15- bis 16 006 Hektar, im Königreich Sachsen sind es über 8000 Hektar, in der Provinz Schlesien rund 30 000 preußische Morgen, usw. Meist ist natürlich die Karpfenzucht nur ein Nebenzweig der Landwirtschaft, man setzt zioeisömmerige, etwa einpfündige Karpfen ein, die im Lauf eines Sommers zur marktfähigen Größe heranwachsen. Die bedeutendste Teichwirtschaft, die sich auch der Brut widmet, ist die des Fürsten Schwarzenberg in Wittingau in Böhmen. Sie umfaßt über 6600 Hektar, ist die größte der Welt und bvuigt einen jährlichen Ertrag voy rund 350000 Gulden.