B E '"' 1 ■] Morgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts.
Nr. 305. Sreitag. 31. Dezember. ’ 19157
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IMC $t*ClU ttttf BOtQ* (Nachdruck verboten.!
Humoreske von Otto Höcker.
.jiuiüS Die Nicht faacn! Wie originell!" «ttctfite Ksmttlj wundig.
„Wie originell!" echote Jngerfoll, um dann selbständig hinzn<zusetzen: „Wirklich reizend!"
„WaS das schönste ist, wir haben gar keine Bedienung mit Meine Frau hat ganz allein gekocht."
hoffentlich wird es den Herren muitden", meinte Lucy mit einem reizenden Lächeln. Sie neigte sich anmutig und huschte aus dem Zimmer, um anzu richten.
„Eine allerliebste Frau, nran mutz Ihnen Glück ' wünschen, Waltham."
„Wirklich Glück wünschen!" sekundierte Jngerfoll. .Sie ist so — so —. Er suchte vergeblich nach einom passenden Wort und blieb hoffnungslos stechen.
,So «mädchenhaft! Ich habe.das gern bei jlingen Frauen", half Smith wohlwollend ans.
„Mädchenhaft!" fing nun auch .Waltham an. ,/Sie finden das^ auch? Nicht wahr, es ist großartig."
„Lange sind Sie aber noch nicht verheiratet?" in*
, quirierte der freundlich? Herr Snrith Wecker, und auf Waltham« fragenden Blick fehle er sauersüß binzu: „Weil Sie nämlich keinen sv<r,rrfn<| *> »
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fmttf *"• cke ckände ihm langsam der Ver
stand stich Dann besann er sich auf eine räsche Notlüge, hassen Sie .das mein Krauck>en nicht hören!" lachte er. „Sie würde .darin ein schliinmes Zeichen sehen. Ich nmtz ihn beim Waschen liegen gelassen haben. So 'n Reif ist noch so neu, man hat sich noch nicht recht daran gewöhnt."
Heimlich aber dachte er: „Wie wird sich nur die jgvme Kleine aiis der Vevlegenl-eit helfen! Der alte Ekel ist imstande und fragt sie auch darum."
, Da öffnete sich auch schon die Tür, uud Lucy trat mit der dampfenden Suppenschüssel in den Raum. Sie ibenahnr sich anerkennenswert gefaßt, stellte Waltham zu seiner Befriedigung innerlich fest. Könnte er ihr nur einer, Wurk geben! Doch .das war unmöglich, er - gewährte wohl, wie die beiden, wie ans Deraibrovang. ihre schlanke, weiße, nun mit Suppenauskeilen beschäftigte Hand -unter die Lripe nahmen. Doch .da funkelte «8 von ihrem Goldsinger- wahrhaftig, ein Ehering satz idaran. Waltham war nahe 'daran, an Zauberei zu glauben. Das in allen Sätteln gerechte, geistesgegen- tzvärtige Mädchen wollte ihnt fast unheimlich werden. Mit Befriedigung nahm er tnahr, daß die etwas um- wölkten Mienen seiner Gäste sich wieder aufbellten.
Nun war die Suppe verteilt, doch die beiden schnupperten iuiiiner umher, als ob etwas fehle. Der Tisch
g ar doch tadellos gedeckt, sie hielten sa auch schon die", ilberlöfsel erwartungsvoll in der Hand.
Da legte sich Lucy schon wieder ins Mttel. „Wir pflegen daheim immer ein knrzeZ Tischgebet m Lprecheir", sagte sie freundlich, „wollen wir in diesem kleine Kreise der Sitte tven bleiben?" - -
„Eine schöne Sitte!" sprach Herr Jngersoll diesmal zuerst.
„ konnte, offen -ge'tanden f nnft nicht einen Billen efienl nremte Smith satuuugsooll.
Wie nun Lucy schlicht ein kurzes Tischgebet sprach, wicht .das Haupt geneigt und in ihrem lieben Gesicht einen mnrgen Zug, fühlte Waltham sich ordentlich ge- ricfjrt; er spürte etwas wie den Flügelschlag einer rcitien Kinderseels an sein im Laben .hart gaw»rdenes Herz streifen. '
Smith erwies sich als einer jei^er unangenehmen Tafelgaste, die sich jeden Bissen aufNotigen lassen. Die von thm bevorzugte trockene Semnrel mit einem Glas Milch spielte in seinen Raden eine große Nolle; doch er löffeltchunter höflichen Protestworten seine Suppe, die er ganz vorzüglich fand, gelassen aus, sehr zur Erleichterung seines Begleiters, der augenscheinlich einen Wolfshunger spürte imd doch sein Vorbild zu kopieren trachtete. _
ifc ' Waltham bei der Tafel
Mit immer größerem Statmen' n
uxtijr, wie Lucy te vewvende «eawivut
«a—-wir rr —
ter «dem kleinen .Niäüchen gesucht, .das
wenigen Stunden so schüchtern imd unter Tränen gegen sihergestanden hatte.. Gie war das Muster einer zuvor- komnienden, anfmevksamen Wirtin, dabei wußte sie sich von jedem Zuviel fernzuhalten und vergab, sich nichts. In ihrer schlichten Natürlichkeit wußte sie allzeit den rechten Ton zu sinden; ja, .als man glücklich beim Nagout ««gelangt ivar, ivußte sie mit feinem Takt eine* von ihrem Pseudogatten unabsichtlich begangen!? tlnvor-, sichtigkeit wieder gutzumacheu.
. Wältham hatte sich mit selten gekanntem Appetit das - 4»» /
Mahl munden lassen; besonders lecker erschien ihm das <
Ragout, und er sprach ihm eifrig zu. Nun empfand er \) *
Durst, ilud er schlug seinen Gästen vor, zusaiinmen eine,. |
Flasche zu leeren. Davon wollle Smith iu.^n<c.u »Ühtt wissen, und Jngerfoll stellte sich noch'vie l ciitrüfletst-. - - .
,Jch Wnuderc mich, Wallhäinf 'Äaß sie Alkohol mögen", meinte Sniith auitmiwerkcnnbarvm Schaudern.
„Ich trinke nur Wasser. Mein ganzes Haus trinkt nur Wasser."
„-Wir trinken alle nur Wasser!" versicherte Herr Jngerfoll sehr energisch.
Waltham bekam einen y>ten Kopf. Da hatte er in >
der Aufregung völlig den Temperenzstaudpunkt LeS würdigen -Mannes vergessen. Das war eine schöne Geschichte! - .
„Mein Mann meinte auch irur als Arznei", toarf Lucy beschwichtigend ein. „Das Wasser im Zuge kann echtes Ouellwasser nicht ersetzen. Mein seliger Vater war die Mäßigkeit selber, doch auf anstrengenden Re-i* sen nahm er Wein eben nur als Arznei. Die Herren verzeihen, wenn ich von Ihrem Standpunkt ahweichex ich meine jedoch, in AnSnahmesällen, zumal sn borg«-
