Verlag Langgafse 21
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„Tagblatt-Hans" Nr. 6850-S3.
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reitag, 31. Dezember 1915.
Morgen- klusgabe.
Nr. 609. ♦ 63. Jahrgang.
Reue erbitterte Rümpfe in Gstgalizien.
eiterte russische klngrisfe an der Strqpa vurkanow. — 1200 russische Gefangene Gstgalizien eingebracht. — Mißbrauch der Genfer Zlagge durch die Italiener.
österreichisch - ungarische Tagesbericht
W.T.-B. Wien, 30. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich rutet vom 30. Dezember, mittags:
Nusfischer Kriegsschauplatz . Die Kumpfe in Ostgalizicn nahmen an Umfang b an Heftigkeit zu. Der Feind richtete gestern seine griffe nicht nur gegen die bcjsarabischc Front. Sern auch gegen unsere Stellungen östlich der untc und mittleren S l r y p a. Sein Vordringen jeitcrte meist schon unter dem Feuer unserer crien. Wo dies nicht geschah, brachen die russischen armkolonnen in unserem Infanterie- und Maschinen achrscucr zusammen. Am nördlichsten Teile eines gestrigen Angrissoscldcs, vor dem Brückenkopf Burkanow, liest der Gegner 900 Tote und Verendete zurück. Es ergaben sich drei Fähnriche und Mann. Tie Gesamtzahl der gestern in Ostgalizien ^gebrachten Gefangenen übersteigt 120 0. An der fkwa und an der Putilowka kam es stellenweise Gcschützkämpfcn, am Korminbach und am Styr iesen österreichisch-ungarische und deutsche Truppen ebrcre russische Borstötze ab.
Italienischer Kriegsschauplatz, k der Tiroler Front wurden feindliche An- /snersuche aus Tsrbolc nnd gngcn den Monte Car- unser Feuer zum Stehen gebracht. Auf nördlich des Tonalcpassrs versuchten die unter Missbrauch der Genfer Flagge Drahthindernisse auszubessern. Sie wurden Heien. Auf der Hochfläche von Doberdo fanden aste Minenwcrferkämpfc statt, die bis in die Nacht ein anhrclten.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs: v. H ö f e r Feldmarschallcutnant.
!wei österreichische Ereignisse zur See.
Kbermals ein französisches Unterseeboot vernichtet.
Am 28. Dezember früh hat eine Flottille von fünf rstörcrn und Kreuzer „H c l g o l a n b" das französi- ■ Unterseeboot „M onc e" vernichtet, zwei Offiziere ... 15 Mann gefangen genommen, darauf im Hafen o» Durazzo einen Dampfer und einen Segler h Geschützfeuer versenkt und das Feuer mehrerer dbattcrien zum Schweigen gebracht. Dabei stiestcn ..i Zerstörer aus Minen, „Lika" gesunken, „T ri g- i v" schwer beschädigt; grösster Teil der Mannschaft l e r e t t e t. „Triglav" wurde ins Schlepptau gcnom- n. mustte jedoch nach einigen Stunden versenkt -den, da mehrere überlegene feindliche Kreuzer und ,-störer den Rückzug der Flottille bedrohten. Unsere ftottille ist in den Basishafen zurückgckehrt. Unter den cindlichen Schiffen wurden englische Kreuzer, Tvp "toi" und „Falmonth", sowie französische Zerstörer, „Bouclier", deutlich erkannt. ^
Flotteukommando.
*
Der österreichisch-ungarische Kreuzer „H el go la n d", ui 23. NovamBer 1912 vom Stapel gelassen, gehört zu ,en sogenannten geschützten Kreuzern, fasst 3500 Ton- den und besitzt eine Geschwindigkeit von 27 Seemeilen. Die verunglückten Torpedobootzerstörer „Lika" und Triglav" gehören zu einer Gruppe von 6 Booten, die in den Jahren 1912 und 1913 bewilligt wurden und nsolgedessen neuesten Datums sind. Ihre Wasservcr- ~ ipung betrug je 850 Tonnen, ihre Schnelligkeit 32,5 . 33,3 Seemeilen. Das versenkte französische lnterseeboot gehört zu einer Gruppe von l7 ooten, die in der Zeit von 1907 bis 1912 erbaut
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Vle Rettung Serbiens von der Kdria aus. f Wie Frankreich sich über die verlorenen Schlachten zu trösten versucht.
Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Das essen Beziehungen zu dem Quai d'Orsay
Bi. Genf, .Echo de Pari
bekannt sind, widmet der Saloniki-Frage einen anscheinend inspirierten Artikel. Das Blatt erklärt, um den Weg Berlin - Konstantinopel unsicher zu machen, hätten die Verbündeten nicht nötig, die Bulgaren aus Vi Straße nach Sofia zu bekriegen. Die Franzosen führten keinen Balkanfeldzug. Sie seien nicht so narb, um gegen Bulgarien ihre Munition zu verschwenden, die besser gegen die Deutschen verwendet werden sollte. Die französischen Truppen seien nur im Wardartal vorgerückt, um Serbien zu retten und Monastir zu beschützen. Da das Schicksal leider anders entschieden habe, könne die Rettung Serbiens nur noch v in der Adria aus erfolgen. Das Wardartal interessiere die Verbündeten nicht mehr, das Strumitzatai habe sie nie interessiert. (!) Es genüge, daß die Alliierten Saloniki während der Dauer des Krieg? behaupten, um Deutschlands und Österreichs Pläne zu hindern. Di: seltsamen Ausführungen des „Echo", die in großem Widerspruch mit früheren Erklärungen des Blattes stehen, dürften im Zusammenhang mit den von General Castelnau in Saloniki gesammelten Erfahrungen stehen.
Oie italienischen Truppenlandungen.
Tie Unverletzlichkeit Griechenlands von allen Kriegführenden anerkannt.
Br. Athen, 30. Dez. (Eig. Dvahtbericht. Jens. Bla.) Die in Valona gelandeten italienischen Trippen übersteigen nicht 28000 Mann. Es verlautet aus Ententekreisen, die englisch-französische Armee verfüge bei Chalkidide über
0000 Mann. Die griechische Regierung meldet, die Integrität Griechenlands sei van allen Kampfbeteiligten gewährleistet.
Der Krieg gegen England,
wie die englische Dienstpflicht gedacht ist.
W. T.-B. London, 30. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Reuter meldet, wie zu erwarten gewesen wäre, sei die Entscheidung der Negierung zugunsten der Einführung der Dienstpflicht Unverheirateter im ganzen Lande vorzüglich ausgenommen worden. Die allgemeine Aufmerksamkeit richte sich nunmehr auf McKcnna und Runciman, deren Haltung noch ungewiß sei. Wenn die Minister zurücktrelen, wäre es aus rein persönlichen Gründen, was keinesfalls bedeuten würde, daß sie gegen die Dienstpflicht als solche sind. Jetzt frage es sich, in welcher Form die Dienstpflicht einzuführen 'fei. Es könne natürlich von allge meiner Dienstpflicht, wie ans dem Kontinent, keine Rede sein. Wahrscheinlich würden die Unverheirateten zwischen 19 und 40 Jahren anfgefordert, sich zu melden. Sie würden dasselbe Recht haben wie die freiwillig Angeworbenen, ihre Enthebung vom Militärdienst z» verlangen. Man könne die Lage dahin zusammenfaffen, daß die grundsätzliche Opposition gegen die Dienstpflicht vollständig geschwunden sei, außer bei einer unbedeutenden Anzahl von Gegnern, die keinen Kompromiß wollten, aber im politischen Leben keine Rolle spielen würden.
Dienstpflicht und englische Arbeiterschaft.
W. T.-B. London, 30. Dez. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Es wunde eilig eine Versammlung .der Arbeiterführer einberusen, um die Rekrutierungsfrage zu besprechen. Das vereinigte Arbeiterrekrutierungskomitee hielt gestern eine Versammlung ab, in ber, wie verlautet, die verschiedenen Kvmiteomitglieder die Einberufung einer Ratio nal-
1 o n f e r e n z der Gewerkschaften verlangten, ehe das llnterihaus zUsammentrete. Man spricht die Ansicht aus, daß keine Notwendigkeit für die vom Kabinett angenommenem Entscheidung bestände. Das Kabinett erklärte, daß 60 Prozent der nicht angeworbe- nen Männer untauglich und 20 Prozent ibereits anderweitig für die Regierung beschäftigt seien. Die Arbeitervertreter untemehmen nichts, bis Hende r s o n über die Lage Bericht erstattet hat. „West- minster Gazette" schreibt: Es ist unwahrscheinlich, daß Hendevson zurücktritt, wohl aber andere Minister. Balfour ist, wie gemeldet wird, nicht mehr lange gegen die Dienstpflicht. Weiter schreibt das Blatt: Die Zahl der Unverheirateten, die sich nicht zum Militärdienst gemeldet haben, sei . viel größer als man erwarte. Nur wenige davon seien nach Ansicht der Regierung unabkömmlich. Wahrscheinlich sei, daß es Äs- guith gelinge, feine Kollegen von der Notwendigkeit der in Aussicht genommenen Maßregeln zu überzeugen. Es werde nicht, wie man in einigen Kreisen glaubt, etwa 200 Mitglieder des Unterhauses und ein großer Teil der Arbeiterpartei sich den Zwangsmaßregeln widerfetzen.
Der Londoner Vertrag Gegenstand der Kritik.
W. T.-B. Tokio, 30. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbcricht.) Der Mitarbeiter der „Times" meldet, daß die Regierung beim Wiederzusammentritt des Parlaments angegriffen werden wird, weil sie den Vertrag der Verbündeten, keinen Sonderfrieden zu schließen, Unterzeichnete, ohne vorher den Staatsrat befragt zu haben.
Ein norwegischer Dampfer auf eine Mine gelaufen.
Berlin, 30. Dez. Der „L.-A." meldet aus Christiania: Der
rund 2000 Tonnen große norwegische Dampfer „R i g i" ist am 20. Dezember im Kanal etwa 20 Kilometer außerhalb Downs auf eine Mine gelaufen und gesunken. 20 Mann der Besatzung wurden nach vielen Beschwerlichkeiten gerettet.
Landkarten mit Flaggen.
London, 80. Dez. (Zens. Mn.) Von dem ihnen freundlich gesinnten Schweden, der jetzt in den Spalten der „Times" seme Eindrücke aus Deutschland erzählt, müssen die Engländer hin nnd wieder auch einige .unangenehme Bemerkungen einstecken. So gab er ihnen auf die in England oft gestellte merkwürdig« Frage: „Was werden die Deutschen an- sangen, wenn sie die tvahre Kriegslage erfahren?", folgenden bittern Bescheid: Meine Antwort istz daß sie sehr viel von der Wcchrheit wissen, sie aber mit ihren eigenen deutschen Augen ansehen. Zweifellos sind die großen, mit Flaggen besteckten Landkarten, die man überall in Deutschland sieht (und die, offen gesagt, in England jetzt nicht mehr so beliebt sind, wie sie es vor zwölf Monaten waren), der Hauptguell der Ermutigung für Deutsche nnd Österreicher. Man kann nicht bestreiten, daß, lvas Belgien und Frankreich angeht, die Deutschen jene Gebiete, die sie vor einem Jahve besaßen, immer noch in ihrer Hand halten, und das jetzt fester als se zuvor. Sie sind von ihren Zeitungen beständig auf feindliche Offensiven vorbereitet worden, über sie haben gefunden, daß diese Offensiven sie an keinem Punkt mehr als einige Kilometer zurückgeworfen haben, und daß sie an andern' Punkten sogar Gelände hinzugewonnen haben. Inzwischen haben sie die Russen aus Ostpreußen verjagt, haben Polen durcheilt und sind in das eigentliche Rußland eingedrungen, nnd sie haben, wie sie sich ausdrücken, den Feind mit Schützengräben, Maschinengewehren und Mörsern im Osten wie im Westen festgenagelt. Fast jeder Tag bringt ihnen eine günstige Änderung in der Stellung der Flaggen auf den riesigen Landkarten, di« in den Wartesälen und Wirtschaften anshängen und die Bewegungen der deutschen, österreichisch-ungarischen, bulgarischen und türkischen Heeve zeigen. — Unser Schwede ist dann noch so boshaft, den Engländern zu verraten, daß ihre schönen und großspurigen Reden und Zeitungsartikel, von denen sie sich so viel versprächen, auf uns gar keine Wirkung hätten. Was bei uns Überzeugungskraft hätte, seien die Landkarten und die mehr als zwei Millionen Gefangenen, die über das ganze Reich hin verteilt seien. „Das ist meine Antwort", schließt er, „wenn man mich fragt, ob die Deutschen die Wahrheit wissen." Wir können dem Schweden bestätigen, daß er diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen hat.
Die Lage im westen«
Eine flämische Hochschule in Gent.
W. T.-B. Brüssel, 30. Dez. (Nichtamtlich. Mäht- bericht.) Von zuständiger Seite erhalten wir eine B c- stätigung der Nachricht, daß die Frage der Errich tung einer flämischen Hochschule, die sich nach dem in der belgischen Kammer gestellten Anträgen ans die Forderung der Umwandlung der Universität Gent in eine flämische verdichtet hat, nunmehr dank der Initiative des Gcneralgouverneurs einen entscheidenden Schritt vorgerückt ist. Der Generalgouverncur hat nämlich angcordnct, daß in dem Etat 1916 die Summen eingestellt werden, die zunächst erforderlich sind, um die Umwandlung der Universität Gent in die Wege zu leiten. Weiter sollen die für die Neugestaltung des Unterrichtes notwendigen organisatorischen Maßnahmen von fachkundiger Seite vorbereitet und in Angriff genommen werden. Damit geht einer der wesentlichsten Wünsche der flämischen Bewegung der Erfüllung entgegen, denn gerade vor 75 Jahren, 1840, wurde der erste Antrag auf Einrichtung höheren Unterrichtes in flämischer Sprache in der Kammer eingc- bracht, im Jahre 1912 der letzte.
Neue Earncgiestiftungen für Belgien.
Br. Kopenhagen, 30. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Carnegie hat dem belgischen Hilfskomitee in Brüssel zwölf Millionen Dollar überwiesen. Nach Londoner Nachrichten hat er ferner weitere Beträge für die b e l g i s ch en Keiegsgefangenen in Deutschland zur Verfügung gestellt.
Belobte französische Flieger.
Br. Zürich, 30. Dez. (Eig. Dvahtbericht. Zens. Bin.) Von der französischen Grenze wird der „Neuen Zürcher Ztg " gemeldet: Bekanntlich haben im Sommer zwei französische Flieger in Württemberg einen Personenzug aus nächster Nähe beschossen und die Reisenden, von denen einige verwundet wurden, in eine höchst bedauerliche Lrge gebracht. Nun erfährt man, daß die beiden Flioger die früheren Kavallerieunteroffiziere G r e l a t und Biagoui waven, die dem Lustgeschwader M. F. 29 angehören. Sie sind soeben für ihre damalige Tat im Armeebefehl lobend erwähnt worden.
Der Krieg der Türkei.
Türkische Truppenverschiebungen an die Südspitze Gallipolis.
Br. Konstantinopel, 30. Dez. (Eig. Drcchtbericht. Zens. Bln.) Der „Voss. Ztg." wird von ihrem Berichterstatter gemeldet: Die durch die Flucht der Engländer frei gewordenen Truppen der Türkei begaben sich , in Eilmärschen sofort an die Süd front Gallipolis, wo in den letzten Tagen mit vielen englischen Kampf- schisfcn auch zahlreiche Transportdampser sichtbar wer-
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