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Donnerstag» 30. Dezember 1913.

Morgen * Ausgabe.

Nr. 607. 63. Jahrgang.

Zusammengebrochene französische Angriffe.

verlustreicher Vorgehen der Franzosen am Hirzstein und Hartmannsweiler Nops.

Drei englische Flugzeuge vernichtet.

Russische Mißerfolge bei Riga und pinsst.

Der Tagesbericht vom 29. Dezember.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Dez. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Westende wurde wiederum durch einen feind­lichen Monitor beschossen, diesmal ohne jede Wirkung.

Der gestern berichtete feindliche Vorstoß am Hirz­stein brach bereits in unserem Feuer zusammen. Am Abend griffen die Franzosen zweimal die von uns zu- ruckeroberten Stellungen aus dem H a r t m a n n s- weiler Kopf an. Sie drangen teilweise in unsere Gräben ein. Nach dem ersten Angriff wurde der Feind überall kofort wieder vertrieben. Dir Kämpfe um einzelne Grabenstücke nach dem zweiten Angriff sind noch im Gange. An Gefangenen büßten die Franzosen bisher 5 Offiziere und über 200 Mann ein.

Dir Engländer verloren gestern zwei Flug­zeuge, von denen das eine nordöstlich von Lens durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze zur Landung ge­zwungen, das andere, rin Großkampfslngzeug, nördlich von Ham im Luftkampf angeschossen wurde. Am 27. Dezember verbrannte ein weiteres englisches Flug­zeug westlich von Lille.

Gestlkcher Kriegsschauplatz.

An der Küste bei R a g g a s e m (nordöstlich von Tnkkum) scheiterte der Vvrstoß einer stärkeren ruffischcn Abteilung.

Südlich von P i n s k wurde eine russische Feldwache überfallen und aufgehoben.

valkantiriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Russische Kngriffsbolonnen an der beffarabischen Grenze zufammengebrochen. Rückzug öster­reichischer Sicherungslrolonnen bei vurstanow.

Gescheiterte italienische Vorstöße.

v»r österreichisch-ungarische Tagesbericht

W. T.-B. Wien, 29. Dsz. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. Dezember, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz^

An der bcss arabischen Grenze wiederholte der Feind gestern seine von starkem Artillrriefeuer einge- leitctcn Angriffe in der Tags zuvor geübten Art. Seine Augriffskolonnen brachen überall, stellenweise knapp vor unseren Hindernissen, unter unserem Klein- gewchr- und Geschützfeucr zusammen. Die russi­schen Verluste sind groß. L-stlrch v,u Burkanow nahmen wir einige Sichernugsabtcilungen vor starken russischen Kräften näher gegen unsere Hauptstellunq zurück. In Wolhynien stellenweise Geschützkamps.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Auch gestern hielt die lebhaftere Tätigkeit der Italiener an der Süd- und Südostfront Tirols an. Im Lugano-Abschnitt wurde ein feind­licher Angriff auf den Monte C a r b o n i l e (südöst­lich Barco) abgewiesen. Ebenso scheiterten nächt­liche Unternehmnngen im Col di Lana-Gebict.

An der k ü st e n l ä n d i s ch c n Front fanden an mehreren Stellen Geschütz-, Granaten- und Mincn- werferkämpfe statt.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Lage unverändert. Keine besonderen Er­eignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer Frldmarschalleutnant.

*

Die Lage auf dem Balkan.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I* Berlin, 29. Dez. (Eig. Meldung. Jens. Bln.) Die

Nachrichten von den beiden noch neutralen Balkanhauptstädten Athen und Bukarest, die uns täglich über den feindlichen Drahtwe, in großer Zahl zugehen, verdienen nach wie vor das größte Mißtrauen. Wir haben zum Vergleich den Bndapester Drahtweg, der sich aber auch nicht in allen Fällen als sehr zuverlässig erwiesen hat. Selbst die Sofioter Mel­dungen rechtfertige« zuweilen eine Nachprüfung. So ist dem

Ministerpräsidenten Radoslawow in ganz bestimmter Form die Erklärung zugefchrieben worden, die Griechen wären mit dem bulgarischen Einmarsch einverstanden. Es ist aber doch recht unwahrscheinlich, daß er sich in dieser Weise ausge­sprochen hat, wenigstens beurteilen Kenner der Berhältniffe diese Meldung als fragwürdig. Der für die griechische^ Regierungspartei sehr günstige Ausfall der Neuwahlen' bestärkt uns naturgemäß in der Überzeugung, daß wir weiter mit der griechischen Neutralität rechnen dürfen, doch wird der Realpolitiker nicht aus dem Auge verlieren, daß die Griechen noch nicht sämtlich das Mißtrauen gegen Bulgarien überwunden haben, und daß die Regierung Skuludis-Gunaris eine gewisse Abneigung im griechischen Volk gegen das bulgarische Borrücken zurückzudämmen hat. Deshalb muß doch nochmals darauf hingewiesen werden, daß die Schaffung der neutralen Zone nur so lange sür die Bulgaren Gül­tigkeit haben kann, als sie nicht die Fortsetzung der Feindselig­keiten der Ententetruppen ausschlietzt. Sie gedachten, sich keinesfalls damit jeden Rechtes auf die Weiterverfolgung der geschlagenen Engländer und Franzosen zu begeben. Darum bezeugen die Mittelmächte gern Berständnis für die schwierige Lage, in der Griechenland sich befindet, da es auf die Ge­treidezufuhr der Entente zählt, insbesondere für die 2 Millio­nen Griechen auf den Inseln, die ohne Zufuhr dem Hunger ausgesetzt werden. Aus Bukarest wurde über die Tätig­keit des russischen Gesandten Schcbekow gemeldet, er habe dem König und Bratianu wichtige neue Vorschläge gemacht, oder gar ernste Forderungen gestellt. Rach unseren Infor­mationen stimmt diese Vermutung u i ch t. Schebekow wurde von der russischen Regierung, die über die rumänische Politik sich auch nur ein sehr verworrenes Bild machen konnte, als alter Kenner Rumäniens beauftragt, Umschau zu halten. Sein Bericht wird nur bestätigen können, daß Rumänien bei seiner Neutralität verbleiben will, und sich gegen den russi­schen Truppendurchmarsch weiter ablehnend verhält. Als Trost kann er freilich hinzufügen, daß man in Bukarest froh­lockt in der Frage der Getreidebezahlung, über Deutschland einen diplomatischen Triumph davongetragen zu haben. Die Freude muffen wir den Rumänen allerdings lassen, daß sie bei dem Abkommen über die Getreideausfuhr mindestens ein so gutes Geschäft gemacht haben wie wir.

Bulgariens Einigkeit.

General Bojadjeff über das Verhältnis zu den Verbündeten.

W. T.-B. Sofia, 29. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) General Bojadjeff erklärte einem Vertreter desMir": Ms Kriegsminister sei er oft in der Sobranje Zeuge heißer parteipolitischer Redeschlachten gewesen, jetzt sei es anders. Heute gebe es keine Verräter und Patrioten, sondern nur Patrioten. Wer das Verhältnis zu den Verbünde­ten sagte Bojadjeff: SSit sind entzückt von ihnen und sie von uns. Es gibt genug, das wir bei Ihnen bewundern müssen, und Sie sinden viües bei uns, was tiefen Eindruck macht. Wir sind in Ihrer Achtung sehr gestiegen. In Ihren künfti­gen Berechnungen und politischen Plänen werden Sie uns als wichtigen Faktor einstellen. Die künftige gemeinschaft­liche Arbeit, deffen bin ich sicher, wird die Bande zwischen uns noch befestigen.

Die bulgarische Presse zur Thronrede.

W. T.-B. Sofia, 29. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Narodni Prava" schreibt zu der Eröffnung der Sobranje: Das ganze bulgarische Volk ist eins mit dem König. Die Einigkeit wird der Leitstern des Parlaments sein. Die Thronrede hat tiefen Eindruck auf alle Volksschichten gemacht. Sie ist das Symbol der bulgarischen Festigest und Einigkeit. Gho de Bulgare" schreibt: Der König, der den unver­gänglichen Ruhm des Zarbefreiers von Mazedonien und des Einigers der bulgarischen Raffe erworben hat, stellt mit berechtigtem Stolze die schönen Waffentaten unserer Soldaten fest, die Schulter an Schulter mit den heldenmütigen deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen kämpfen. Das Verdienst an diesem glänzenden Siege kommt größten­teils dem König zu, dessen Scharfblick den Weg erkannt Hatz den Bulgarien einschlagen mutzte, um zum Ziele zu gelangen.

Hilfe für die mazedonischen Muselmanen notwendig!

W. T.-B. Konstantinopel, 29. Dez. (Nichtamtlich. Draht­bericht.)Tasfir-i-Efkiar" schildert die Leiden der maze- donffche-n und anderen Muselmanen während desBalkan- krieges unter der serbischen Herrschaft und meint, die Hilfsaktion der bulgarischen Regierung wäre ungc- nügenld. Das Blatt schlägt vor, datz Konstantinopel, W-en und Berlin an der Hilfsaktion teilnehmen, indem sie Missionen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes dahin absenden und vor allem eine Untersuchung über die Lage der Bevölkerung anstellen.

Oie russische Gefahr an der beffarabischen Grenze.

Genf, 29. Dez. (Zeus. Bln.) Die italienische Presse bringt eine Reihe von Nachrichten, die von öster- reichisch-deutschen-bulgarischen Vorbereitungen gegen einen etwaigen Einmarsch der Russen in Rumänien be­richten. Längs der bulgarisch-rumänischen Grenze hätten die Bulgaren ein ganzes Schützengrabensystem angelegt und in den Donauhäfeu lägen verschiedene Unterseeboote und M o n i t o r e, wie auch im Hafen von R u st s ch u k Un­terseeboote und Kanonenboote seien. Die bulgarische Küste werde von 30 000 Man» bewacht. Auf der audereu

Seite hätten die Russen bei Tultscha in Bessarabien große Munitions- und Materiallager angelegt. Die bulgarische Be­völkerung in der D o b r u d s ch a sei sehr unruhig und er­warte einen Einmarsch der Russen.

Zum Untergang dervills de la Liotat".

W. T.-B. Malta, 29. Dez. (Nichtamtlich. Drähtbericht.) Wie das Reuterfche Bureau meldet, haben sich an Bord des DampfersVille de la Ciotat" 315 Personen befunden, darunter 3 Engländer. Die Geretteten erzählen, datz ruf dem Schiff, das sich «ruf der Reife nach Marseille befand, eine heftige Explosion statffand.- In demselben Augen», blick erschien in einigen Daids Abstand ein Unterseeboot an der Oberfläche, das die österreichische Flagge führte. In das Hinterschiff war ein ungewöhnlich großes Loch geschlagen, aber es entstand keine Panik. .Mus Boote und zwei Floßo wurden niedergelassen. Zuletzt sauk das Schiff mit den Leuten, die sich an Bord befanden. Das Unterseeboot blieb in der Nähe, bis der Dampfer gesunken tvar. Später kam der britische DampferHeros" und widmete sich 80 Minuten lang dem Rettungswerke, obwohl das Unterseeboot noch in Sicht war. Die Überlebenden erklärten noch, daß die Besatzung des Unterseebootes zwei Menschen, die mit den Wellen ge­rungen haben, ausgenommen und nach dem Floße gebracht haben. _

Der Krieg der Türkei.

Buren am Suesttanal?

Br. Karlsruhe, 29. Dez. (Mg. Drahtbericht. Zens. Mn.) DieBasier Nachr." melden aus Rom: Am Sueskanal trafen einige Regimenter Buren ein, welche ursprünglich gegen Deutsch-Ostafrika bestimmt gewesen waren.

Die gute Behandlung der griechischen Gemeinden in der Türkei.

W. T.-B. Konstantinopel, 29. Dez. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die türkischen Blätter veröffentlichen die Erklärun­gen der geistlichen Häupter und der Notabeln der g r i e ch i. schen Gemeinden von Lampakos, von den Dardanellen, von Gabor und Toffia, in denen sie ihre treue Dank­barkeit gegenüber der türkischen Regierung für die gute Behandlung auSdvücken -wn-d so den gegenteiligen, in einem Teile der Athener Presse verbreiteten Nachrichten ein Dementi entgegensetzen, _

Der militärische Zahrerrückblick.

Bon unserem militärischen Mitarbeiter.

(Schluß.)

Die junge deutsche Luftwaffe hat im Laufe des Weltkrieges den früheren Vorsprung der Franzosen auf diesem Gebiete weit überholt. Die deutschen Flieger und Luftschiffer brachten rm Kampf von Flugzeug gegen Flugzeug allen Feinden empfindliche Verluste bei. Die deutsche Artillerie hat durch ihre Trch- > heit diese Zahl noch beträchtlich erhöht. Reiche tzc- solge verzeichneten unsere Flieger auf 4>em G-chiete der strategischen Aufklärung wie auf dem der Verschleierung, wenn es galt, Maßnahmen der deutschen Heeresleitung dom Auge des Feindes zu ent­ziehen. Endlich leisteten unsere Flieger Erfolgreiches in der Ziolauffindung, sowie der Fouerlenkung für die eigene Artillerie. Die Zahl der feindlichen Flugzeit- Verluste meldete unsere -Heeresleitung nur 'dorm, wenn sie einwandfrei sestgestellt wurde. In Frankreich wurde der Leiter des militärischen Luftfahrwesens abgesetzt und eine Kontmisfion bestimmt, welche die zutage ge­tretenen Übelstände beseitigen sollte. Desgleichen flog" kürzlich der Chef der englischen Lustpolizei iu London. Ms Beweis für die feindlichen Fliegerver- luste kann -man die Liste bezeichnen, welche nach dem Ablanf der drei Monate Juli, August, September von der -deutschen Heeresleitung veröffentlicht wurde. In dieser -dem Flugwesen besonders günstigen Jahres­zeit verloren die Franzosen insgesamt 51 Nugzeust-e, 3 Fesselballons und -das LenkschiffAlsace". Auch -der chren häufigen Fernflügen ans deutsches Gebiet büßte der Gegner viele Flugzeuge ein. Bei einem Flieger-Unternehmen nach Saarlouis verloren -die Fran­zosen 4 Maschinen, ebenso am Lingelkopf und Mitte Dez-cmiber in Lothringen und Baden. Die Eng­länder vermeiden seit mehreren Monaten Dust­kämpfe mit unseren Flugzeugen soweit als möglich. Denselben Grundsatz verfolgen die russischen Flieger. Die Italiener verloren ebenfalls viele Flugzeuge und das LenkschiffCitta di Jesi". Unsere häufigen Luftangriffe auf London verursachten -den Engländern schwere Unruhe, beträchtlichen Sachschaden und empfindliche volkswirtschaftliche Belastung. Die Versicherungsprämien für Schädigungen -durch deutsche Luftfahrzeuge sfiegen in England in das Unevmessene. Auf allen Kriegsschauplätzen zeigte Deutschland unseren Feinden die Beherrschung -des Luftmeeres. Auch hier konnten wir nicht geschlagen werden.

Als Antwort darauf, datz England zum Schutz gegen die deutschen E-Boote den Mißbrauch neutraler