Aer ins Eßzimmer! Ich lverAe sonst nicht fertig.. Sie 3Darf einen Blick auf ihre winzige Taschenuhr, die sie an Aer Wand aufgehängt hatte. „Lieber Gott, ich muß mich sputen! In zwanzig Minuten hält der Zug!
Unwillkürlich gehorchte Waltham. Er konnte es sich nicht verhehlen, die resolute unbefangene Art des Mädchens gefiel ihnr immer mehr. In recht behaglicher Laune fetzte er sich im Eßzimmer nieder. Als sie bald darauf hereinkaur imd geschwind die Tafel zu 0 ecken begann, wurde seine Stimmung noch aufgeräumter. Angelegentlich verfolgte er ihre gewandten Bewegungen, wie sie sich bald zu den Schränken wendete, Porzellan Mid Linnen herauszunehnien, wie sie denn die Bestecke legte und die Gläser auf deren Sauberkeit pruste. ,/Sie legen ja nur drei Gedecke?" meinte er dann plötzlich.
„Natürlich! Es sind nur drei Herren — so sagten
Sie doch?" . , .
„Wo aber bleiben Sic? Nein, iinter keinen Umstanden dürfen Sie fern bleiben!"
„Ich bin doch nicht angezogen!" . wendete ine Errötende ein. Doch er blieb fest und ließ mit Vorstellungen nicht locker. „Ich habe doch ausdrücklich Dmer- anzug vorgeschrieben!" meinte er schließlich, sich zu einem Scherz zwiirgend.
Nun Wunde sie wieder rot. Die Vensuchung trat an sic heran, sich Herrn Waltham in dem Spitze,igewäbe ans rosa Seideugxnnd zn zeigen: sie wußte vom Vor- abend her, wie gut es ihr stand. Zeit war ohnedies nicht mehr viel zu verlieren. So raffte sie aus einer der Basen einige duftende Rosen und huschte aus dam Zimmer.
Waltham schulte ihr wohlgefällig nach und rieb sich Aiifriedenge,stellt die Hände. Die Sache ließ sich bedeutend besser an, als er anfänglich zu hoffen gewagt hatte. Er beglückwünschte sich zu dem Zufall, den Zug schon fnü'her bestiegen zu hoben. So hotte er boch Zeit gefunden, sich von seiner ersten schreckhaften Überraschung zn erbalen und dem in ihm gärenden Arger Gelegenheit zum Verrauchen zu geben. Schaudernd vergegenwärtigte er sich, wie peinvoll sich die «Situation gestaltet haben würde, wäre er in Madison mit fernen beiden Geschäftsfreunden ahnungslos in 'den Wagen gestiegen und hätte statt des fertigen Mahls die rrrtüm- lich gesendete Steiwgraphin entdeckt.
Erleichtert setzte er fick, im Sessel zurecht, mechanisch griff er nach dem geliebten Zigarrenetuis, um noch die letzte Viertolstunde sich seiner SLauchleidenschaft hinzu- geben.
Doch von plötzlicher ''chreckhafter Gadankenwendung durchzuckt, ließ er das entflammte Zündholz fallen und achtete gar nicht darauf, daß auch die Zigarre seinen entfärbten Lippen cntalitt. Wie ein Riescngespenst tauchte vor ihm im Geist die jchlottrige, klapperdürre Bohncnftangengcstalt von John D. Smiths auf. Sern schlauester, verinöge seines Riefenbesitzes zugleich ein- slußroichster und gefährlichster Rivale! Es hatte Jahre kluger Vorbereitung, diplomatischer Schachzüge und großer persönlicher Opfer bedurft, um aus 'dem che- rnaliacn erbitterten Konkurrenten einen halben Verbündeten zu schaffen, dessen laues Zuüvarten und stetige Waffenbcrciffchaft täglich wieder in offene Gegnerschaft Umschlagen konnte. John D. Smith hatte alle westlichen Minenbositzer in der Tasche, sie tanzten bedingungslos nach seiner Pfeife: die jetzige Zusammenkunft zwischen den beiden Hauptvertretern bisher getrennter und direkt feindlicher Interessen sollte dauernden Friedcns- schluß herbeiführcn. Statt sich bis aufs Messer zu bekämpfen und im Preise sich immer schonungsloser zu unterbieten, sollte die Ausbeute der sämtlichem Minen fortan einem einheitlichen Verkaufsfvndikat übertragen werden, an dessen Spitze wiederum John B. Waltham treten wollte, während der andere John dem eigent- liehen Minenbetrieb präsidieren sollte. Hatte der er- bitterte Konkurrenzkampf zwischen den beiden an- nähernd gleichstarken Parteien bisher durch den not
wendig damit verbundenen Niedergang der Verkaufspreise Millionenopfer auferlegt, so sollte unter einheitlicher Verwaltung der Preis für die geförderten Rohprodukte sich verdoppeln und verdreifachen. Die klare Erkenntnis dessen hatte schließlich John D. Smiths Groll wider den jüngeren Rivalen bezwungen, der chm den alleinigen Herrschermantel geraubt, welchen er schon mit Stolz getragen, als John B. Waltham noch zur
Schule gegangen war. jr , .....
«Fortsetzung folgt.)
Friedrich der Große an Staatsminister v. Podewils: Lieber
Podewils, sehen Sie nun, wer sich nun von uns beiden getauscht hat? Habe ich nicht recht gehabt, als ich Ihnen sagte, die Engländer
seien Schufte. . . . ^_____
Neue Erselge der sanMchunde.
Immer wieder kommt die Kunde aus dem Felde von dem schönen Erfolg, den unsere deutschen Sanitätshuiide da haben, tvo eben noch die Granaten krepierten und Freund und Feind im Geschoßhagel zu Boden sanken!. Es liegt wieder ein« große Anzahl neuer, offizieller Berichte vor, von denen der folgende ein besonders Interesse beansprucht, weil in ,hm zum Ausdruck koinint, wie der Hund verinöge seiner um so viel schärferen Sinueswerkzcnge weit besser als der Mensch imstande ist, den völlig Ablösen und scheinbar Toten vom Lebenden zu unterscheiden. Es heißt da:
„Im Morgengrauen des 4. August wurden gleichzeitig mit doir .Krankenträgern der Sanitätskompagnie sechs Sanitätshunde zuir VcNiouudetenfuche angesetzt. Beschaffenheit des Schlachtfeldes wenig übersichtlich, teils Sumpf und Wald, teils hügelige Stoppelfelder, mit Getreidogarbcir bestanden. Die Hürde bewährten sich in diesem Gelände Mt. Besonders aus den Korngarben stöberten sie mehre« Verwundete auf. Ms Gegenstaiid brachten sie meist Helm, Mütze, auch Taschentuch der Berlvugdeten mit. "Gegen Schluß der Suche brachte ein Hund seinem Führer den abgerissenen Filzbezug einer Feldflasche. Beim Zurückführen fand der Führer einen regungslos dalteguden Soldaten vor, dessen Oberkörper mit Mantel uiid Zeltbahn zugedeckt war. Offenbar hatten Kameraden den L>ramin für tat gehalten und ihn so zurückgelassen. Auch der Hundeführer konnte zunächst keine Lebenszeichen au dem Soldaten wahrnehmen umö entfernte sich wieder, wurde jedoch durch den Hund nochmals au die Stelle zurück- geführt und stellte jetzt nach längeren Bemühungen fest, daß es sich nicht um einen Toten, sondern um einen Verwundeten gehandelt hatte.
Nach dem Gefecht der Division bei D. am 7. AuMst er- hiiektan sechs HiigiRfühver den Auftrag, das von den Russen geräumte Gefechtsfeld abzufuchen. Nach längerer Streife brachte ein Sund einen Fetzen einer russischen Infanteristen- jacke. Der Hund führte zu einem zerfchosfenen mssischcn Uintcrstaind, auS dessen Schutt ein Stück Waffenrock und der Fuß eines Mannes herausmgte. Der Hundeführer hielt den Mann, der vollständig eingeklemmt, regungslos dalag und auf Zuuufe nicht reagierte. für tot und wollte sich anschicken, weiterzugehen. Da der Hund den Platz jedoch nicht verließ, vielmehr dort scharrte und bellte, räumte der Führer schließ. Uch den Schdrtt und die Trümmer beiseite und brachte einen zwar bewußtlosen, aber nicht toten Russen zutage.
Das Wesentliche der beiden genannten Fälle, so schließt der Bericht, besteht darin, daß die Sanitätshunde sich nicht Mr bei der Suche nach Verwundete bewähren, fordern auch da gute Dienste leisten, wo eö zweifelhaft erscheint, ob jemand tot oder nur verwundet ist.
Unter den verschiedenen Dressuxarten herrscht jetzt daS „Verweisen mit Gegenstand" vor . Das heißt, die Hunde werden so gearbeitet, daß sie, wenn ein Verwundeter von ihnen gefunden ist, irgend einen dem Verwundeten gehörenden Gegenstand aufnchmen, z. B. eine Koppel, ein Seiten- gewehr, einen Helmbezug oder dergl., und diesen, zum Zeichen, daß sie gefunden haben, ihrem Führer bringen, den sie dann, am Riemen nieistenS, zum Verwundeten hmführen. Rmi kommt eS aber vor, daß beim Verwundeten alle Ans» rüstungSgegenstände, die leicht zu entfernen sind, fehlen. Dg
