Verlag Langgafse 21
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Dienstag, 28. Dezember 7915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 603. ♦ 65. Jahrgang.
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Der Verlag.
Der Krieg.
Det österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 27. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Bmtlich verlautet vom 27. Dez., mittags:
Russischer RrtegLkchauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz. -
Die Tätigkeit der italienischen Artillerie gegen die Tiroler Südfront war gestern wieder lebhafter. Bei einem Gefechte, das auf den östlichen Begleithöhen des Etjch- tales südlich Rovcreto stattfand, verlor der Gegner 200 Mann nn Tote» und Verwundeten. An der Iso nzo front vereinzeltes Geschützfeuer.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse. In Bijelopolje wurden bisher an Beute 5400 Handfeuerwaffen eingebracht.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höf er, Feldmarfchalleutnant.
Oie Ereignisse auf dem Balkan,
vie Stellungnahme der Stambulowisten.
Br. Berlin, 27. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus Bin.) Der Sonderberichterstatter des „33. T.", Dr. Lederer, berichtet aus Softia: In der letzten Zeit schien sich auch über das Programm der stambulowisti scheu Partei der Schleier der rmssophilen Tradition zu breiten. Um jetzt, da die Sobramse zu ihrer neuen Tagung zusammenitritt, Klarheit Aber viele Fragen der Stellungnahme dieser wie aller ander« bitlyarischen Parteien zur neuen Politik Bulgariens zu erhalten, habe ich mich an den Arbeitsminister Dobri P e t k o w gewandt, der heute der Führer der Stambnilowisten und zugleich evner oer gemcitzigsten Politiker des Landes ist. „Ich brauche Ihnen nicht zu, sagen", erklärte der Minister, „daß alle wahren Stambulowisten im Anschluß an die Mittelmachte die Erfüllung ihrer politischen Ideale erstrebt haben. Man hat unserer Partei Unrecht getan-, wenn man seit der äuftcheuerregettden Unterredung, die der damalige Führer Geadiew mit dem Vertreter der „Nowoje Wremja" während seiner Romreise hatte, im Ausland geglaubt hat, in der stam- bulowistischen Partei gewänne die russophtte Tendenz die Oberhand." — „Erlauben Sie mir noch eine freimütige Frage, Exzellenz? Wird das Slawentum und der orthodoxe Glaube der Bulgaren in einer späteren Zeit den Blick nicht doch wieder nach Osten wenden?" — „Für nichts", erwiderte °er Minister, „ist dieser Krieg vernichtmber gewesen als für me Theorien des pcmslawistischen Nationalismus. Deutich- «nd steht mit England im Kampf, Bulgarien mit Rußland, >md die Kirche in Bulgarien ist vor allem immer national Mvesen. Niemals wird der orthodoxe Gedanke die Gefühle bulgarischen Volkes in einem Sinne beeinflussen können, «r den nationalen Interessen Bulgariens widerstrebt -^a§ M meine feste Überzeugung. Vom Alpdruck nnklarer histori- »cher Erinnerungen befreit, sieht heute Bulgarien klaren und
Hellen Auges in eine Zukunft, die das Land immer an der Seite der Mittelmächte finden wird, weil seine Interessen es erfordern."
Eine deutsche Weihnachtsfeier in Sofia.
W. T.-B. Sofia, 27. Dez. (Nichtamtlich.) Die Weihnachtsfeier, zu der die deutsche Kolonie die vorübergehend anwesenden Deutschen cingeladen hatte, führte zu vollem Erfolg und gestaltete sich außerdem zu einer herzlichen deutsch-bulgarischen Freundschaftskundgebung. Anwesend waren etwa 1000 Personen, die den festlich geschmückten Saal rm städtischen Kasino bis zum letzten Platz füllten. An der Spitze der deutschen Kolonie steht der langjährige Präsident Paul Kaufmann, Ehrenbürger von Sofia, der sich um das Gelingen des schönen Festes besonders verdient gemacht hat. Kaufmann begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten und teilte mit, daß der König eine prächtige Tanne au§ den königlichen Wäldern geschenkt habe, während die Königin zur Ausschmückung des Baumes beigetvagen hätte, und der Oberbürgermeister den Saal zur Verfügung stellte und ihn mit Tannengirlanden und Fahnen schmücken lieh. Mit Begeisterung wurde die Mitteilung Kaufmanns ausgenommen, daß der König ihm telephonisch durch den Kronprinzen Grüße an die Versammlung entbieten lasse; er hätte gern unter den deutschen Gästen geweilt, doch bindere ihn die schwere Verantwortung, die er jetzt zu tragen habe. Er bitte, den deutschen Soldaten mitzuteilen, daß dos bulgarische Heer stolz sei, an ihrer Seite kämpfen zu können. Ein bulgarischer Redner feierte das Waffenbündnis und Iprach die Hoffnung aus, daß sich eine dauerhafte Freundschaft daraus ergeben werde.
Rönig Peters Flucht durch Albanien.
Br. Sofia, 27. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Mitten in den wilden Bergen Albaniens hatte ein albanischer Arzt eine Begegnung mitKönigPeter gehabt. In einem Brief an einen Freund in Uesküb schildert er jetzt dieses trübselige Erlebnis: Es ist eine furchtbare Nacht voll grausamer Kälte und wilden Sturms, es war ein verfallenes Haus, das ich gefunden hatte, Stall und Küche waren nur durch eine elende Bretterwand getrennt. Ich selbst verbrachte die Nacht im Stall bei der einzigen Kuk. Plötzlich klopfte es mit starken Schlägen an die Tür, eine heisere Stimme schrie in befehlendem Ton ans serbisch: Öffne! Mein Wirt gehorchte dem Befehl. Im Dunkel der Nacht kann man durch die geöffnete Tür vier Reiter erblicken, zwei sind bereits von ihren Tieren gestiegen und heben mit großer Sorgfalt den dritten, eingehüllt in einen großen Mantel, von seinem Pferd herunter. Sorgsam tragen sie ihn in das Zimmer. Es sind serbische Offiziere, den dritten halte ich für einen verwundeten Kameraden. Der Verwundete neben mir schließt die Augen, wendet den Kopf dem Dunkel zu und in dem vertrockneten Zigeunergrsicht, in den wirren, weißen Haarsträhnen und dem herabhängenden weißen Schnurrbart erkenne ich jetzt den König Peter von Serbien. Unterdessen erscheinen noch zwei Offiziere und zwei Soldaten. Sic sind mit Kisten beladen, die sie öffnen, um den König sorgsam auf dem elenden Lager zu betten. Der König seufzt und sagt traurig zu seinen Begleitern: Ich danke euch, mein. Brüder, ich danke euck.. Die Offiziere versuchen, mit den geretteten Vorräten den Tisch zu decken, aber der König lehnt es ab, zu essen. Nur einer seiner Begleiter, offenbar der Arzt, gibt ihm etwas zu trinken. Stumpf und stumm, ohne ein LLort zu reden, sitzen die Offiziere um ihren König herum. Schlafen Sie ein wenig, ruhen Sie sich aus, meine Herren, sagt der König zu ihnen. Die Offiziere strecken sich auf dem Boden aus, so gut es geht. Aber ich glaube, keiner von ihnen hat geschlafen, und noch ebe das Dunkel sich lichtet, erheben sich der König und seine Begleiter, um das elende Dorf zu verlassen, um über die finsteren ungastlichen Wege Albaniens weiterzugehen.
Gunaris über Griechenlands Politik.
W. T.-B. London, 27. Dez. (Nichtamtlich. Drahtlbericht)
Reuter meldet: „Daily Chronicle" veröffentlicht eine Unterredung mit Gunaris, welcher erklärt habe, seine politische Haltung werde von den Wählern gebilligt. Die Entente und die Mittelmächte hätten nun erkannt, daß Griechenland das Recht dazu habe, neutral zu bleiben, aber die Neutralität werde nur so lange gewahrt, als die Integrität und die Souveränität des Landes nicht angetastet werden, andernfalls würde Griechenland von seiner jetzigen Haltung abgchen
Oer Krieg gegen Rußland.
Zur Verabschiedung des Generals Rutzkri.
Berlin, 27. Dez. (Zeus. Mn.) Die „Voss. Zta" ' be richtet aus Stockholm: Wie hierher gemeldet wird. Kt tier o-e ratschen Presse jede Auslassung über de: Ab, chled -d es Gen erals Ru ßki verboten ivorden Nur der kai-f-erliche Erlaß kann veröffentlicht werden Be zeichnend erweise ist dem General seitens des Hauptquartier: nahegelegt worden, auf der Reise nach seinem Gute Peters bürg nicht zu berühren. v
General Pau bleibt bis zum Kriegsende in Rußland — W* T '~ rs.' Kopenhagen. 27. D^. (Nichtamtlich.) Russisch- Blatter melden, General Pau iverde als Mitglied des laiser lrchen G-Meralstabes bis zum Ende des Krieges in R u ß ran.'d bst eiben.
vie russische Mobilisierung des Landsturmes 2. Kufgebsts.
Klägliche Ergebnisse der Rote-Kreuz-Sammlnngen.
Br. Berlin, 27. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zsnf .Lln.) Der Sonderberichterstatter der „Boss. Ztg.", Th. Bchrman-n, berichtet seinem Matte aus Stockholm unter dem 26. Dez.: Bis jetzt wurden in Rußland die Angehörigen des Landsturms 2. Ibufgebots, die in den Fabriken für den Kriegsbe- dcrrs attberten, von der Einberufung verschont. Nun hat die Mobil rsisMlngsäbtei-iuwg angeobdnet, biß auch diese Arbeiter spätestens bis 1. März ein-ber-usen werden. Da die diesbezügliche Anweisung für die Bczirkskommawdos der Militärbezirke Moskau und Kiew vorliegen, dürfte diese vielsagende Anordnung wohl für ganz Rußland ergangen sein. — Ein mir vorlioge-nL-es Rundschreiben der Hauptverwaltung des russischen Roten Kreuzes an die Provinzialver- bäude, das als vertraulich bezeichnet ist, fordert die Einzelner- btinde zu energischer Tätigkeit aus und beklagt das fast gänzliche Versiegen, des Einlaiches von S p e n de tt. Aus diesem Schreiben ersieht man übrigens die interessante Tatsache, daß seit Kri-egsbeginn bis 1. November 1915 die gesamten! Einkünfte des Roten Kreuzes nur etwas über 10 Millionen betragen haben, von denen 2 Millionen ftir die Verwaltung aus- gegeben worden sind.
Tie russischen Rechtsparteien gegen jeden Sonderfrieden.
Kopenhagen, 27. Dez. (Zeus. Mn.) Die „Mrschcwija Wjedornosti" meldet aus Petersburg: U-uter dem Vorsitz des Grafen Bobriinsk: hielt die R echote des Reichsrats eine Sitzung ab, um M den Gerüchten Stellung zu wehnren-, wonach die Rechtsparteien Rußlands geivillt seien, mit Deutschland einen Sonderfrieden.zu schließen: Es wurde ein Be- schlußwrtrag angen-omuren, worin diese Gerüchte empört z u rü ckgew iesen werdenr und betont wird, die gesamte Rech.te wünsche einen vollen- Sieg über Deutschland.
Der Beginn des Zerfalls wird zugegeben.
Br. Stockholm, 27. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Das völlige Rechnungschaos im russischen Städtebund und den Sem st w overbänden, die selbst für Rußland unerhörten Unterschleife auf den Staatsbahnen und die umsichgreifende Hungersnot veranlaßen nunmehr selbst die rechtsstehenden russischen Zettungen den Beginn des Zerfalls Rußlands zuzugeben.
Der schwedisch-russische Telegrammverkehr wieder eröffnet.
W. T.-B. Kopenhagen, 27. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Berlinske Tidende" meldet aus Stockholm: Gestern ßtacht ist der telegraphische Verkehr zwischen Rußland und Schweden wieder eröffnet worden, nachdem er seit 4. Dezember unterbrochen war. Die Ursache der Unterbrechung ist noch immer unbekannt. In Petersburg warten über 2000 Telegramme auf Beförderung.
Desterreichische Auszeichnungen für deutfche Heerführer.
Breslau, 27. Dez. (Zens. »&) Nach dem Abschluß der Kämpfe am Styr verlieh, wie jetzt bekannt wird, der „Schles. Ztg." zusollge Kaiser Franz Joseph dem General vor, L i an s i n g e n das Großkreug des Stephansarldens und den, Genevalstabsches der Heeresgruppe Linsingen, General von Stolzmann, das Kommandeurkreuz des Leopoldordens mtt der Kriegsdekoration. Oberstleutnant Larr, Flügel- ädjukamt des Erzherzogs Friedrich, überbrachte am 20. Dez. die Lluszeichnungen in das HauptquärtiLr der Heeresgruppe.
Die ostpreußischen Biehverluste.
Nach amtlicher Zusammenstellung betragen die Verluste Ostpreußens an Vieh und Pferden durch den Ruffeneinfall 136 000 Pferde, 250 000 Stück Vieh, 200000 Schweine. An Schafen sind verloren gegangen 50 000, cm Ziegen 10 000, an Hühnern 600 000 und an Gänsen 50 000.
Der militärische Zahrerrückbiiü.
Von unserem ' militärischen Mitarbeiter.
II.
Rach fast sehnmowatig-er Aveifel-ha-fter Neutralität trat -auch Italien in -die Reche unserer Feinde, brach am 23. Mai den Krieg gegen die Tonaumonarchie vom Zaune und zerriß damit auch das Bündnis zwischen sich und DeutschLrnd, ohne jedoch unser TreuvechältniÄ zu Österreich zu erschüttern. Festere Abmachungen mit iber Entente und die Hoffnung durch einen kurzen Krieg uferlose Hoffnungen erfüllen zu können, waren der tiefere Grund für diesen Treubruch ohnegleichen. Die Entente hoffte mit Hilfe des italienischen Schwertes, den Krieg schnell zu ihren Gunsten beenden zu können Italien bereitete jedoch den neuen Verbündeten die erste große Enttäuschung d«iit, daß es salvohl -nüt der .Kriegserklärung als auch mit der ersten großen Offen- ive zu spät begann. Die -glänzenden Erf.olge in fflali- zien waren von den Mittelmächten bereits sichergeftellt worden. Das kleine Italien hatte seine Kraft »verschätzt und kannte zu wenig die militärischen M-itt-el seines neuen Feindes. Die Hoffnung auf die Befreiung der zu „erlösenden" Provinzen diente -als He-izmittel -der nationalen Begeist-eru-n-g Dieses Feuer ist schnell erloschen. Die erste IunioffenDoe brachte keinen Erfolg, alle BrücherstMe M
