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„Tagblatt-HauS" Nr.SK5v-S3.
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Verlag Langgaffe 21
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Samstag, 25. Dejember 1915. MSVgLN- KUSgaÜE» «r. 60t. . 63. Jahrgang.
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Kriegs-Weihnachten 1915.
Zum zweiten Male begehen wir das Fest des Friedens mitten im Lärm des Krieges, und nach siebzehn langen Kriegsnwnaten wissen wir noch nicht, wann das Wort „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" sich erfüllen wird.
And dennoch —- haben wir etwa Anlaß zu klein- nlütiger Verzagtheit? Wahrlich nicht, denn wenn uns das Kriegsjahr 1915 auch nicht den Frieden brachte, so hat es uns doch wahrlich Großes genug gebracht. Als wir Kriegsweihnachten 1914 begingen, >da überschwemmten die Horden der Russen zum zweiten Male Ostpreußen, und fast ganz Galizien war in Feindes Hand. Seitdem aber sind_ wir auf allen Fronten von Sieg zu Sieg geschritten. Ostpreußen wurde befreit, uiid die deutsche Wand im Osten hat sich über die st ä r k st e n Fe st ungen hinweg, über ganz Polen weit in das Innere Rußlands vorgeschoben. Unsere st ä h l e r n e M a u e r im W e st e n, wo wir ein gewaltiges Stück Frankreichs dem zäh verteidigenden Gegner abgerungen haben, hält allem Ansturm der französisch-englischen Übermacht siegreich stand. Italiens schnöder Treubruch ist durch den Gewinn eines neuen, tap f c ren V e r- b ü n d e t e n,. des Bulgarenvolkes, reichlich a u f g e- w o g e n worden, und wer wollte nicht das Walten der Weltgeschichte, die das Weltgericht ist, darin erkennen, daß das Land, welches den A n st o ß zu diesem Weltkriege gegeben hat, daß Serbien aufgehört hat, zu bestehen!
Sind wir seit dem letzten Weihnachtsfest nicht doch denn Frieden näher gekommen, näher gekommen der verheißungsvollen Botschaft: „Friede auf Erden?" Und ist sie nicht in unserem Lande, das bis auf einen kleinen Streifen elsässischen Bodens vom Feinde befreit ist, schon jetzt erfüllt? Tanken wir es nicht der unerschütterlichen Ausdauer, dem unbezwing- lichen Sieges willen unserer wackeren Feldgrauen, die mit ihren Leibern die Heimat schützen, daß wir D a h e i m g e b ! i e o e n e n Kriegsweihnnchten im Frieden begehen können? Ihnen allen gebührt unser Dank. Ihrer gedenken wir an diesem Feste, das wir still und ernst, aber doch hoffnungsvoll feiern. Wir gedenken der Weihnachtsbotschaft, von der ein deutscher Dichter sang, wie zu den fernen Deutschen „wandelt schweigend die Weihnacht, kommt aus dom deutschen Lande her".
Tausend Gedanken ans Hütte nnd Haus,
Alle in Liebe und Sorge gehegt,
Sind ihr zu tragen auferlegt,
Soll sie bestellen fern da drauß,
Soll dem Sohne am fernen Strand Sagen: „Die Mutter denket dein".
Soll dem Vater im fremden Land Bote von Weib und Kindern sein.
Soll, so möchten wir hinzusügen, die Friedensbotschaft >des Weihnachtssestes auch denen bringen, die in Frioden „auch in fremder Erde im Vaterland" ruhen, die für das Vaterland ihr Leben Hingaben, weil ihnen höher als dieses die Pflicht galt.
Frieds den Toten wie den Lebenden! Und 'sind nicht auch diese, sind nicht wir alle dom Frioden näher gekommen, nicht bloß da draußen, sondern auch drinnen? Haben wir nicht das erreicht, was uns Jahr- zöhnte hindurch als ein fernes Ideal erschien, den politischen, den wirtschaftlichen und den sozialen Frieden? Feiern wir nicht Kriegsweihnachten 1915 in einer Einigkeit, in dem Gefühl „einer für alle und alle für einen", wie es uns vor dem Kriege als phantastisches Zukunftsbild eines Märchenerzählers erschienen wäre?
Und wie die Hoffnung auf den leider einst sprichwörtlich gewesonen deutschen Parteihader sich als eitel erwies, so gilt das gleiche für den verbrecherischen Plan unserer Feinde, uns aus zu hungern, gilt für die .törichte Hoffnung, uns jetzt, noch durch diese Taktik mürbe machen zu können. Nein, wie es uns gelungen ist, unsere Vorräte, unsere Hilfsmittel für Kriegs- und Friedensbedavf zu strecken, so werden wir auch unsere Ausdauer, unsere Geduld, unsere Tatkraft nnd unser Vertrauen st recken bis zu dem endgültigen Siege, der uns und damit zugleich der Welt, die jetzt schwer unter Englands brutaler Willkür, unter der völkerrechtswidrigen, alle Gebote der Menschlichkeit mit Füßen tretenden Kampfesweise unserer Gegner leidet, den Frieden bringen wird.
Das ist ja eben das Geheimnis unserer Sieges gewißheit, unseres unerschütterlichen Willens zum Durchhalten, daß wir das Recht auf unserer Seite wissen, unsere Sache als die der Menschlichkeit, als die der Menschheit in Anspruch nehmen dürfen. Und deshalb bringt uns seder Tag, jeder neue Erfolg unserer Waffen dom Frieden näher und damit doni W e I t f r i ed e n, der nun einmal nicht im Haag, sondern nur auf dem Schlachtfcl-d.e zu erkämpfen ist.
Gescheiterte russische Kngriffsversuche an der bessarabischen Front.
Erneute Beschießung von Lardaro und Tolmein durch die italienische Artillerie. — Weitere 600 Gefangene in Montenegro.
Osr österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.B. Wien, 24. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 24. Dezember, mittags:
, Kussischer Kriegsschauplatz.
Angriffsversuche der Russen gegen Teile der bessarabischen Front wurden unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Der befestigte Raum von Lardaro und unsere Stellungen am Brückenkopf von To Im ein wurden von der italienischen Artillerie heftiger beschossen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bei kleineren Unternehmungen der letzten Tage wurden gegen 600 Gefangene eingcbracht. Sonst keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chris des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Oie Ereignisse auf dem Balkan.
Jur klusrechterhaltung der bulgarisch- griechischen Freundschafr.
Br. Sofia, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) „Narod", das sozialistische Organ Bulgariens, äußert sich über die eventuelle Notwendigkeit, die Franzosen und Engländer aus Saloniki hinauSzujagen und betont, der begonnene Kampf müsse mit ganzer Kraft und mit allen Mitteln fortgesetzt werden, um den Frieden zu beschleunigen. Jeder Anlaß, welcher zu einem Konflikt mit Griechenland führen kennte, müsse vermieden werden; Griechenland müsse jede Garantie erhalten, daß cs wegen der Operation der bulgarischen und verbündeten Atmeen unbesorgt sein könne. Das gute Verhältnis und die Freundschaft zwischen Bulgarien und Griechenland müsse erhalten bleiben. Zum Untergang des japanischen Kissenschiffes „yasatra Maru".
Br. Rotterdam, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Es bestätigt sich nunmehr, daß das untergegangene japanische Riesenschifs ,,g) a f a I a Mar u" durch ein 1I-B o o t versenkt worden ist. Diese Nachricht macht in englischen Reederkreisen tiefen Eindruck. Das Schiff war am 27. November aus England abgefahren und hat am 12. Dezember Gibraltar passiert, um nach Marseille zu fahren. Man vermutet, daß sich unter der wertvollen Ladung des Schiffes eine große Menge Gold als Zahlungsmittel befand, weil Japan einer der Hauptlieferanten des Vierverbands in Kriegsmaterial geworden ist. Weiter meldet die „Voff. Ztg." aus Amsterdam:'Reuter erfährt: Der Dampfer „Dasoka Maru" wurde am DienStagnachmittag versenkt. Das «Lchiff war innerhalb 49 Minuten in den Wellen verschwunden. Alle Passagiere und die Besatzung wurden gegen Mitternacht von einem französischen Kanonenboot aufgesischt und Donnerstag in Port Said gelandet. Beim Verlassen des sinkenden Schiffes herrschte vollkommenste Ordnung.
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Die englischen vardanellenverluste.
113 046 Mann tot, verwundet oder vermißt.
Kr. Rotterdam, 24. Dez. iEia. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der englische Staatssekretär Tennant teilte im Untcrhause mit, daß die gesamten Verluste an den Dardanellen einschließlich der Marincdivisionen bis zum 11. Dezember betrugen: 1679 Offiziere und 23670 Mann tot, 2996 Offiziere und 72 222 Mann verwundet, sowie 373 Offiziere und 12116 Man« vermißt. Vom 25. April bis 11. Dezember wurden außerdem 96 682 erkrankte Mannschaften in die Hospitäler ausgenommen. Der Minister erklärte, man dürfe aber annehmcn, daß die Zahl der Kranken sich jetzt vermindern werde; Tennant meint offenbar nach der Räumung von Suvla und Ancas. Übrigens muß auch in Betracht gezogen werden, daß die Verluste der Franzosen in diesen Ziffern nicht miteinbegriffen sind.
Der ttrieg gegen England.
Die englischen Schiffsverluste.
Br. London, 24. Dez. (Eig. Drähtbericht. Zeus. Bln.)
Die von der Llotid-Agentnr gelieferte Statistik über die Schifssverlnste durch Unterseeboote und Minen im zweiten Quartal 1915 verzeichnet 212 Schiffe mit 320 066 Tonnen. Auf England entfallen davon allein 212 666 Tonnen.
Lord Milners Abstammung.
Br. Haag, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Lovd Miln er, der bekanntlich die englische Regierung verdächtigt hatte, daß möglicherweise d e u t s ch e Einflüsse Geltung hätten, da der e n g l i s ch - d ä n i» s ch e Handelsvertrag die Durchfuhr von Waren nach Deutschland zulasse, wird im „Star" einer interessanten Beleuchtung bezüglich seiner Abstammung unterlagen. Sein Großvater ließ sich in Deutschland im Jahre 1825 nieder und heiratete eine Deutsche. Karl Milner wurde in Deutschland g e- b o r e n und erzogen und brachte sein ganzes Leben in Deutschland zu, mit Ausnahme von 6 bis 6 Jahren, die er in Ehelsea verlebte. Seine drei Enkel und alle Kinder wohnen in Deutschland. Lord Milner ist tatsächlich das einzige Mitglied seiner Familie, das nicht in Deutschland wohnt und, soweit bekannt ist, wurde er niemals in England naturalisiert. — „Daily News" fügt dom hinzu, daß hiermit kein Mißtrauen gegen Milner hcrvovgerusen werde, —■ wer aber in einem Glashause sitze, düvse selbst nicht mit Steinen werfen, und das Haus Lovd Milners sei der reinste Kristallpalast!
Die englischen Uebergrrffa aus die .Neutralen
Eine neue Verfügung.
Sr. Amsterdam, 24. Dez. (Eig. Dvahtbericht. Zens. Bin.) Der Berichterstatter der „Voss. Ztg." erfährt ans Laudon, daß eine Anzahl englischer Kriegsschiffe von der Lldmiralität beauftragt ist, alle neutralen Dampfer, welche Postsachen von oder nach feindlichen Ländern befördern, anzuhalten und die Post zur Untersuchung nach London zu bringen.
Shacktletons Südpol-Expedition.
W. T.-B. London, 24. Dez. (Nichtamtlich.) In der „Times" wird ein Brief eines Mitglieds der Argentinischen meteorologischen Station auf Süd-Georgien (einer englischen Insel östlich der Falklands-Jnseln) veröffentlicht, der sich auf die Südpol-Expedition ShacklctonS bezieht. Däs Schreiben hat folgenden Inhalt: „Shackleton kam hier am 5. November 1914 an, brachte seine Hunde an Land und ließ seine Leute und Hunde regelmäßig Übungen im Klettern, Schlittenfahren und ähnlichen Dingen unternehmen. Die Hunde empfingen täglich eine Portion Walfischfleisch und sie wurden recht stark hiervon. An Bord wurde alles in Ordnung gebracht. Die Bunker wurden mit Kohlen gefüllt, frisches Walfischfleisch wurde mitgenommen, und dann fuhr die „E n d u r a n c e" von hier aus am 5. Dezember nach dem Eismeer ab. Shackleton hatte den Eindruck, daß es im letzten Sommer unmöglich war, die Pol-Expedition zu unternehmen, und wenn dies wirklich der Fall sein sollte und das Schiss nicht die passende Gelegenheit sür ein Winterquartier im Eis finden sollte, daun hielt er es für wahrscheinlich, daß er im April 1915 nach Süd-Georgien zurückkehren werde. Die „Endurance" kehrte jedoch nicht zurück, uird daher geht hier die Auffassung dahin, daß alles gut gegangen ist, und daß die Strandabteilung ihre Basis ausgeschlagcn hat und an die Arbeit gegangen ist, damit alle Angelegenheiten, bevor der Frühling kommt, so gut wie möglich in Ordnung gebracht werden. Das Schiff würde wahrscheinlich in ein gutes Winterquartier gebracht und blieb während des Winters eingefroren. Es wird dann wahrscheinlich im März oder April des felgenden Jahres zurückkehren. Falls dies geschieht, werde ich Ihnen mit der ersten Post nach England schreiben und Sie wissen lassen,,wie der erste Winter verlaufen ist."
wir und England.
Bei mchr als einer »Gelegenheit haben wir es an erkennen müssen, daß bie Engländer den Mut zur Selbstkritik haben. Wir wissen freilich, sie können große Worte machen, sie vernichten uns mit Worten, sie scheuen sogar vor der bewußten Lüge nicht zurück, daß sie uns schon vernichtet haben.' Dies gehört mit zu ihrem satanisch meisterhaften System der organisierten Täuschung der ganzen Wellt. Jeder unserer Erfolge ist nach der englischen Darstellung nrkr die Wirkung hoffnungsloser Verzweiflung. Nach dieser Darstellung schlageu wir, wenn es uns besonders schlecht geht, mit sinnloser Wut erst recht um uns, und das sieht dann 'wie eine Tat aus, während es nur — der Beweis von Ohnmacht ist. Dies sagen die Engländer, sie glauben es zwar nicht, aber sie rechnen darauf, daß die Leichtgläubigen in aller Welt, die uns nicht gern haben und es um so lieber hören, wenn man uns hevabsetzt, den Unsinn doch glauben. Auf der anderen Seite jedoch niachen sich die Engländer nichts vor. Sie können so offenherzig sein, daß sogar der Verdacht aufsteigt, hinter dieser Wahrheitsliebe stecke eine boshafte List, ein sehr geschickter Versuch der Irreführung. Was haben wir nicht alles gerade aus London über verbrecherische Fehler der Regierung gehört! Nicht vor der Flotte und nicht vor idem Landheer machte diese scharfe Kritik jemals Halt, nicht borden wirtschaftlichen und den finanzpolitischen Maßnahmen, -am werngstM vor Der Poütik der Herrn
