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Nr. 59®. Freitag, 24. Dezember i91tt.

Weltanschauung überzugehen. Wenn die Min- Lenheit diese Richtung nicht mitmachen kann, dann erkennt inan mn so cher, welche Bedeutung der in der M e h r h e l t eingetretene Umschwung besitzt. Denn wie die Minderheit heute denkt, so hat i)te Mehrheit früher auch gedacht, Mar nicht bis in alle Einzelheiten (die Wandlung setzte vielnwhr schon vor dem Kriege ein, wie es die Kämpfe aus mehreren Parteitagen zeigten), aber die klare Scheidung brachte doch erst der Krieg. Worin nun wurzelt am letzten Ende der Gegensatz? Der Revisionismus (wir müssen uns immer an dies Wort halten, weil es mit seiner Ge­bräuchlichkeit der Sache am nächsten kommt) erkennt den überlieferten Staat und die gegebene Gesellschaftsordnung als Tatsachen an, baut nicht in die Wolken, will auf der wo-hlgegründe- ten Ende erreichbare Ziele anstreben und ver­langt danach, sich ln die durch bloße Worte und Forde­rungen nicht zu erschütternde Gliederung unserer Zu­stände als positiver, Rücksicht urrd M i t b e st i m- m u n g fordernder Bestandteil e i n z u f ü g e n. ^ Der marxistische Radikalismus (auch diesen Begriff müssen wir als gemeinverständlich übernehmen) verwischt die nationalen und staatlichen Grenzen, verfährt deduktiv, während der Revisionismus induktiv Vorgehen will, träumt sich beherrschende ^ Mensch- h e i t s i ü e a l e zusammen, die den Völkern als einer unterschiedslosen Masse von Einzelpersonen aufgeMun- gen werden sollen, und leugnet mit bewußter hart­näckiger Verbleichung alles Gewachsene urch Ge- wordene, damit ein künstlich erdachtes Schema die reiche Welt von oft zerstörenden und noch öfters fruchtbaren Gegensätzen mit eisernen Klammern einer imerträglichen Scheinwohltat umspänne. Die innerste Lüge dieses Marxismus aber ist es, daß er zwar allen zu dienen vorgibt, in Wahrheit aber den l e i de n i ch a f t l i ch e n Klassenkampf zu- gunsten einer einzigen Erwerbsschicht und mit der gehässigsten Wut gegen alle anderen Schichten betreibt. Auf dem Boden dieser verkümmerten, die Wirklichkeit und dos Licht des Tages leugnenden Denk- weise steht die Erklärung der sozialdemokra­tischen Minderheit. Alle ihre Sätze sind eine Kette von bemitleidenswerten Torheiten. Diese Deute haben höchstens die Entschuldigung für sich, daß sie bei ihrem Unsinn auf die Gesinnungen und Forderungen im feindlichen Lager fußen, die den eigenen wurzellosen Verstiegenheiten entsprechen sollen. Aber die Sozial­demokratie im Feindeslager denkt ja gar nicht daran, mit unserer Liebknechtgruppe übereinzustimmen, sie denkt national, wie es unsere Revisionisten auch tun, und auf die wenigen, die drüben so empfinden wie bei uns die Minderheit, kommt es eben nicht an. Wir wollen Herrn Geyer und seine Freunde gar nicht schelten, sie sind befangen, sie reden ins Blaue hinein, und man kann sie gewähren lassen, weil sie nichts zu sagen haben. Wir wollen uns lieber daran halten, daß die große Mehrheit der deutschen Sozialdemo­kratie gelernt hat, worauf es in diesem Kriege an- komnit, und daß es keine Arbeiterinteressen gibt, die. für sich allein und ohne die organische Zusammengehörigkeit mit den Lebensinter- essen des ganzen Volkes als eines staatlich geschlossenen und auf Machterweiterung ausgehenden Körpers ver­folgt werden können. Wenn wir unterliegen, dann unterliegt nicht ein Reich und einKlassenftaat", mit dem dieArbeiter" nichts gemein haben, dessen Sturz sie vielleicht gar im Innersten bejubeln, sondern dann fallen auch alle Grundlagen für die materielle wie die seelische Existenz der sogenannten breiten Massen, dann ist alles d a h in. Umgekehrt wird unser Sieg keiner von irgendwelchen sogenannten Oberschichten fein, son­dern ein Sieg aller, dessen Früchte alle genießen wenden. Das wissen die Revisionisten, das sehen die Marxisten nicht, und darum wird sie der Geist der Ge­schichte als zerbröckelndes Ge st ein verwerfen; nur wer ein Eckstein sein will und sein kann, auf den kann gebaut werden.

Watte und Flitter. Und wie dieses regungslose, mit Kriegs­spielzeug aller Art beladene Denkmal des Weihnachtsfestes im strahlend erleuchteten Hauptsaal, ist das ganze weihnachtliche Kaufhaus m allen seinen sonstigen Räumlichkeiten merkbar verändert. Die wesentlichsten Momente dieser Umgestaltung sind das Zurücktreten der tausenderlei Dinge, die überflüssi­gem und leichtsinnigem Luxus dienen, und der Zug nach dem Praktischen, das heißt in diesem Falle nach dem im Feld Verwendbaren. So sind die einst so gebrechlichen Arniband, uhren in solide Armeeuhven verwandelt, ihr Material ist weniger kostbar als in sorglosen Tagen, dafür aber um so dauerhafter; sie liegen in feldgrauen Lederhüllen, und ihre mit Radium bestrichenen Zeiger leuchten geheimnisvoll im Dunkel. Das sind die modernen Weihnachtsuhren für die sternlosen, kalten Nächte im Schützengraben, für einsame Nachtposten und verschwiegene Patrouillen. An Stelle der modischen Winterüberzieher hängen feldgraue Soldaten­mäntel in langen Reihen, wie ein stummes Geisterregiment, überall, wohin man blickt, mag es sich um Gebrauchsgegen. stände oder um ausgesprochene Geschenkwaren handeln, er­scheinen die Ding« im doppelten Gewand: die Weihnachts- artikel sind in ein Kriegskleid geschlüpft, die Kriegsartikel sind mit einem Weihnachtsmäntelchen geschmückt. Das Kaufhaus ist das rechte Reich der allerneuesteu Industrie der Kriegs­weihnachtsindustrie geworden.

Die Plakate.

Auf den Litfaßsäulen, an den Bauzäunen, an den Häuser­mauern, in den Stationsgebäuden der Untergrundbahn überall hängen und kleben die bunten Plakate. Doch sie,sind nicht mehr bloße Lockmittel tüchtiger Geschäftsleute, Anprei­sungen von Waren, Anpreisungen von Vergnügungsveran­staltungen. Die meisten Plakare, die wir in diesem Dezem­ber erblicken, stehen im Dienst eines höheren Interesses, sind Ausrufer und Träger eines höheren Zwecks: sie sind die bild­hafte Zeitung der weihnachtlichen Liebestätigkeit. Auch diese Plakate wurden geschaffen, um das Geld des Publikums loser klingen zu lassen Aber diesmal gilt es nicht privaten An­nehmlichkeiten; die Plakate «enden sich nicht mehr an den

Wiesbadener TagdlaK»

Die neuen Steuerpläne.

Bvrläusig keine Reichsirnmopolc.

Br. Berlin, 23. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Wenn auch hinsichtlich der vom Reichsschatzsekretär angekün­digten neuen Steuerpläne endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen sind, solche vielmehr einer Besprechung mit den ei n z e l st a a t l i ch e n Finanzministerien Vorbehal­ten bleiben, so kann doch bereits mit einiger Sicherheit gesagt werden, daß die Einführung von Reichsmonopol eu vor­läufig noch nicht vorgeschlagen werden wird. Zunächst wird man aller Voraussicht nach in erster Linie die Erhöhung bereits b e st e h e n d e r R e i ch s st e u e r n, insbesondere der Zigarettensteuer und anderer Steuern, die nicht die große Masse des Volkes treffen, ins Auge fassen. Es ist anzuneh­men, daß die Steuervorlagen gleichzeitig mit dem Reichshaushaltsplan für 1916 dem Reichstag zugehen werden. Wenn weiter in einer Auslassung von parlamentari­scher Seite angekündigt wird, daßdie Steuerzu­schläge in Preußen mindestens zu einer Verdoppe­lung der jetzt schon bestehenden Zuschläge zur Einkommen» und Ergänzungssteuer führen", und daß , in den Gemein­den künftig im Durchschnitt 50 Prozent Zuschläge zur Ein­kommensteuer erhoben werden würden", so ist demgegenüber wohl angebracht, festzustellen, daß im Staatsministerium noch keinerlei Beratungen über diese weittragen, den Fragen ftattfanden, und daß sich auch das Finanzministe­rium damit noch nicht beschäftigt hat. Die Entscheidung wird offenbar von der Gestaltung der Friedensbedingungen in maß­gebender Weise beeinflußt werden.

Oie Oefchäftigung Uriegsverletzter im , poitdienste.

W. T.-B. Berlin, 23. Dez. (Nichtamtlich.) Im Inter­esse der Kriegsverletzten-Fürsorge hat das Reichspostamt kürzlich an die Oberpostdrvektionem eine allge­meine Verfügung erlassen, die u. a. folgendes ausfpricht: Nach allgemeiner Überzeugung ist namentlich aus volkswirt­schaftlichen Rücksichten Wert darauf zu legen, daß Kriegs- baschäidigte nach der Entlassung aus dem Heere möglichst ihren früheren Beruf wieder aufnehmen. Vielfach haben sich aber Kriegsverletztr um die Einstellung in den Post- und Telegraphen bien st bewerben, obgleich sie zur Fort­setzung ihres bisherigen oder zur Ergreifung eines ver- waiidtem Berufes imstande waren. Im Hinblick hieraus ist zwischen dem Landeshauptmann der Rheinprovinz und den rheinischen OberposDirektionen folgendes vereinbart worden: Kriegsbeschädigte, die vor dem Kriege bei der ReichSpost und Delegraphenveowaltung als Beamte, Angestellte oder Arbeiter tätig lvaven, werden, so weit cs irgend möglich ist, auch weiter bei ihr beschäftigt. Solche Kriegsbeschädigte sind an die Dienststelle zu verweisen, bei der sie früher tätig waren. Geeignetenfalls kann auch der Ortsausschuß selbst sich für den Kriegsbeschädigten au diese Stelle tuenden Bewerben sich Kriegsbeschädigste, die nicht bei der Reichspost und Tele- graphenverwaltung beschäftigt waren, unter Aufgabe ihres bisherigen Bevufs um eine Stelle bei dieser Verwaltung, so wird sie, falls der Bewerber nicht auf Grund gesetzlicher Be­stimmungen anzunechm-en ist, ihn entweder an den zuständigen Ortsausschuß verweisen oder sich selbst mit der für den Wohn­ort .des Bewerbers zuständigen Stelle der Krisgsbiischädigten- fürsorge in Verbindung setzen ukid denen Ansicht darüber hören, ob der Berufswechsel notwendig oder wünschenswert ist. Dies wind «ich bei den Bewerbern geschehen, die sich im Besitze des Anstellungsscheines befinden. Bei Inhabern 'des Anstellungsfcheines kann von der Zuweisung an die Fürsorqestellen in der Regel abgesehen werden, weil der Anftellungsschein nur den Rentenempfängern verliehen wird, die ihren ftüheren oder einen ähnlichen Beruf zweifel­los nicht aufnehmen können. Diese Verfügung des Reichs- Postamts bezieht sich nicht auf die Fäll«, in denen es sich um die vorübergehende Beschäftigung Kriegsbeschädigter im Dienste der ReichSpost und Telegraphenberwaltung handelt.

Deutsches Reich.

»Hos- und Personal-Nachrichten. Di- Königin von Däne- mark, die Sckwester des Großhcrzogs Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin und der Kronprinzessin Cecilic, vollendet am 24. Dezember ihr 36. Lebensjahr.

einzelnen, sondern an die große, inniger als je geeinte Familie der Masse. Es sind die Plakate der Gesamtheit, die Plakate des Volkes. Opfermut ist ihr Banner, Liebestätig­keit ihre Devrse. Ein flüchtiger Blick über die endlosen, ab- wechstungsreichen Reihen dieser Plakate sagt mehr als die aussübrlichste Spenderliste. Unzählbar, unübersehbar fast ist die Menge der wohltätigen Vereine und Veranstaltungen, der Fürsorgeunternehmungen im Dienst der Soldaten und rhrer Angehörigen. Und die meisten dieser Plakate tragen das Zeichen des Roten Kreuzes, das Zeichen der Herzens- pslicht und der Liebe, die aus den Schrecken des Kriegs empor, blühen. Diese Plakate sprechen eine Sprache, die beredter ist als Reden und Vorträge, sie sind das Sinnbild der Zähig­keit, der Opferfreudigkeit, des Gewissens, das Sinnbild der weihnachtlichen Empfindung der großen Stadt. Auf Schritt und Tritt gemahnen sie uns an alle die Millionen, die für uns den weihnachtlichen Schnee mit blutigen Spuren zeich­nen. Die Weihnachtsplakate Berlins sind zum Symbol des vaterländischen Empfindens geworden, das schöner, wertvoller und unvergänglicher ist als alle greifbaren Festgeschenke.

Auf der Straße.

Weiß war bisher die Farbe der Weihnachtstage, doch feld­grau ist diesmal in Berlin die Farbe der Weihnachtsfreude. Das bewegte Leben in den Straßen, der Ansturm vor den Ge­schäften, das dichte Gedränge auf den abendlichen Plätzen, dieser erhöhte, von freudig tätigen Geistern belebte Pulsschlag in Groß-Berlin straft am sichtbarsten alle feindlichen Be­hauptungen Lügen, die von einer Verminderung der Aktivität unseres Lebens sprechen wollen. Wer heute nach Berlin kommt, wird im Gegenteil staunend feststellen, daß jenes bewegliche, bunte, lichtdurchslutete Hin- und Herwogen, das die Stim­mung des WeihnachrstrubelS charakterisiert, fast noch inten­siver ist, als ehedem.

Alles ist wie in früheren Wcihnachtstagen, nur die Hel- den des Festes haben sich geändert. Heute sind nicht mehr wie sonst die Kinder der Mittelpunkr des Festes, die Kinder, die zu Überraschenden, zu Beschenkenden. Die Feldgrauen sind die großen Kinder der WeihnachtäbtzsH erun g geworden.

Morgea-Auvgatze. Erstes Matt. Sekte B»

kl us Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Sriedensrüstung der Gemeinden.

Es ist nicht verfrüht, schon jetzt zu erwägen und zu be­raten, wie wir am besten über die erste, gewiß noch recht schwere Friedenszeit hinwegkommen, wenn endlich das große Ringen beendet ist. Staat und Gemeinde müssen da eng Hand in Hand gehen, damit das Gemeinwesen sich möglichst schnell von den wirtschaftlichen Schäden erholt, die der Krieg verursacht. Mit Recht beschäftigt man sich denn auch bereit» eifrig mit der Frage der Arbeitsvermittlung nach dem Krieg. Es erfordert viel Umsicht und eine großangelegte Organi­sation, die Hunderttausende von Kräften so schnell dem Ar­beitsleben wieder zuzuführen, wie es das Wohl der Gesamt­heit erfordert. Man wird da vor allem auch daran denken müssen, die nötige Arbeit bereitzuhalten. Wie auf dem Ge­biet der Arbeitsvermittlung, so kann die Gemeinde auch in: der Frage der Arbeitsbeschaffung tatkräftig Vorgehen. In ihrer Eigenschaft als Arbeitgeberin kann sie unmittelbar für die Einstellung der zurückkehrenden Krieger sorgen. So manche Arbeiten sind noch vor dem Krieg aus irgend welchen Gründen aufgeschoben worden, manche Pläne ließ der Krieg nicht zur Ausführung gelangen. Es wäre gut, könnten diese Arbeiten sofort nach dem Krieg in Angriff genommen werde». Dazu müssen sie aber jetzt schon vorbereitet werden. Große' Scharen von Kräften verlangen nach dem Krieg Beschäftigung. Um sie ihnen zu sichern, bedarf es eines gut ausgearbeitete» Arbeitsplans, in oen auch jene Arbeiten mit einzubeziehen sind, die sonst im W'.nier als Notstandsarbeiten rechneten. Un­zweifelhaft werden sich die Gemeinden, die in solcher Weise Vorgehen, um den glatten Ausgleich der wirtschaftlichen Lage beim Friedensschluh sehr verdient machen.

Der Buttermangel und das Land.

Von einem praktischen Landwirt wird uns geschrieben:' Der Buttermangel trifft den Nrchtlandwirt auf dem Lande, aber im Landkreis Wiesbaden auch die Landwirte. Denn die gesamte Milcherzeugung des Landkreises geht in die Stadt, und durch den großen Milchverbrauch Wiesbadens ist an eine Buttererzeugung überhaupt nicht zu denken. Die Annahme, daß die Landwirte Butter genug haben, stimmt z. B. im Untertaunuskreis und auf dem W ester- wald. Da dort ausschließlich Buiter erzeugt wird und die Landräte Ausfuhrverbote erlassen haben, ist es naiingemäß, daß sich der Buttervorrat erhöht. Die Butter ist keine Dauer­ware, sie muß daher eingekocht werden, um sie vor dem Ver­derben zu schützen. Die Landwirte im Untertaunuskreis und auf dem Westerwald würden gern Butter liefern, wenn e» ihnen erlaubt wäre. Warum wird gestattet, daß einzeln» Landräte Verbote erlassen, die eine einseitige Wirt, schastsführung Hervorrufen? W. W,

Des hl. Abends wegen werden dasTogblatthauS" und dieTagblatt"-Zweigstelle Bismarckring 19 bereits heute abend um 5 Uhr geschlossen. Wir bitten unsere Leser und, Freunde, hiervon gefl. Kenntnis nehmen zu wollen.

W-ihnachtSseier im Lazarett. Eine überaus stimmungsvoll« Weihnachtsfeier veranstaltete dasHotel Kronprinz" für seine Verwundeten. An eine erhebende Predigt des hiesigen Mvi» sionspfarrers schloß sich das gemeinsam gesungene LiedVom Himmel hoch" an. woraus man zu der reichen Bescherung überging. Herr Dr. Michaelis, der leitende Arzt des Lazaretts, hatte zusammen mit den Schwestern mit großer Liebe für alles gesorgt und aus den Augen aller dieser Helden strahlte die echte rechte Weihnachtsfteud«. Zu dem musikalischen und gemütlichen Teil der Feier hatten sich Frau Elsa Rchkops-Westcudorf, die Herren Hofopernsänger Max Haas und Paul Rehkopf und Herr Hofschauspieler Gustav Jacoby zur Verfügung gestellt. Immer wieder mußten sie auf dem Podium erscheinen, um den Dank der Feldgrauen entgegenzunehmen.

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Fsr-etttischer Gottesdienst. Israelitische K u I t u § ge­meinde. Synagoge Mickwlsberg. Gottesdienst in der Haupt­synagoge: Freitag: abends 4»/» Uhr, Sabbat: morgens 9 Uhr, gleich» zeitig Militärgottesdienst, Predigt 10 Uhr, nachmittags 3 Uhr, Aus­gang abends 5.20 Uhr. Gottesdienst im Gcmeindesaal: Wochentage: morgens 7% Uhr, nachmittags 4y a Uhr. Die Gcmeindebibliothet ist geöffnet: Dienstagnachmittag von 3 bis 41h Uhr.

Alt-Israelitische Kultusgemeinde. Synagoge: Friedrichstraße 33. Freitag: abend? 4 Uhr, Sabbat: inorgens

Den Soldaten gelten die heißesten Festwünschr, für di« Soldaten werden die Kerzen an den Christbäumen angezündet, den Soldaten gelten die Bestellungen und Einkäufe.

Und im Treiben der Straßen tauchen allüberall di» schlanken, breitschultrigen Gestalten dieser Kinder des Kriegs, des Volkes und des Weihnachtsfestes auf. Elastisch und lebensftoh, oft noch mit staunenden Gesichtern, auf denen die lebhaften Empfindungen sich widerspiegeln, die der rasche Wechsel zwischen dem kalten, dunkeln Schützengraben und dern leichtgewärrnten weihnachtlichen Berlin auslöste. Wie im Traum gehen sie umher, seit ihrer Kindheit erleben si« zum erstenmal wieder in naivster Seele die Märchenhaftig­keit der Weihnachtszeit.

Frauen und Mädchen eilen wie sonst mit Paketen dahin. Doch diesmal sind es meist graue oder braune Pappkartons, und ihre schwarzweißrot umränderten Schildchen tragen den AufdruckFeldpost".

Alle Bilder, alle Geräusche, alle die farbigen, tausenden^ mehr als je bezaubernden Erscheinungen des weihnachtliche» Straßenlebens sind der lebendigste Ausdruck unserer Lieb«^ unserer Kraft.

Draußen tobt der Krieg weiter. In Berlin aber leuch­te- stark und mild das unvermindert strahlende Licht der Weihnachtszeit, das Licht der Liebe und der Kraft eines eini­gen Volkes. . .

Kleine Chronik.

Theater und Literatur. DasHamb. Fremdenkl." rwetdet aus Kopenhagen: Der Pariser Berichterstatter er­fährt aus zuverlässiger Quelle, daß Sarah Bernhardt iw Sterben liegt. Die Erkrankung muß schnell «ing«treten sein, denn noch vor einigen Tagen trat sie in Paris auf.

Bildende Kunst und Musik. Au der Petersburger Hofoper wird gegenwärtig, nach einer Drahtmeldung de» Kopenhagener Mitarbeiters derLeipz. N. R.", d'Albert« Oper .Tiefland" aufg: führt. Auf den RMamszettot« «M& y"Albert zum Engländer gestempelt!