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§reitag, 24. Dezember 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 599. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

heftigere GejchützKärnpfe mit den Italienern in IudrKarien.

Gefangennahme einer montenegrinif^.en Abteilung.

Oer österreichisch -ungarische Tagesbericht

W.T.-B. Wien, 23. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 23. Dezember, mittags:

Russischer NrisgL?chaupIatz.

Keine besonderen Ereignisse.

italienischer Kriegsschauplatz.

Die allgemeine Lage ist unverändert. In Judikarien kam es auch gestern zu heftigeren Ge- schützkämpfen. An der k ü st c n l ä n d i s ch e n Front wurde auf der Podgora der Angriff eines italienischen Bataillons znrückgcschlagrn.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Eine in der Gegend von Test ca noch in den Felsen des nördlichen Tara-Ufers verborgene kleinere monte­negrinische Abteilung wurde nach kurzem Kampf g e- fangengenommen. Sonst nichts Neues.

Der Stellvertreter des Cheis des Gcneralstabs: v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant.

Lin deutsch-schwedischer ZwischenfaA.

Ein schwedischer Dampfer in schwedischen Gewässern von einem deutschen Kriegsschiff aufgebracht. — Der bedauerliche Mißgriff bereits wieder gutgemacht. — Der schwedische Dampfer versuchte in der Nacht vorher ein deutsches Torpedo­boot zu rammen.

~W. T.-B. Berlin, 23. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Schwedische Blätter bringen die Nachricht, daß am 21. d. M. der schwedische Dampfer „A r g o", mit Bannware von Kopen­hagen nach Raumo unterwegs, unweit Utlängen-Leuchiturm, innerhalb schwedischer Hoheitsgewässer, aufgebracht und nach einem deutschen Hafen geführt worden sei.

Wir erfahren hierzu von zuständiger Stelle: Der

Dampfer ist allerdings innerhalb schwedischer Ge­wässer an gehalten und dann nach Swinemünde geführt worden. Dies war ein bedauerlicher Miß­griff. Der Dampfer ist daher unmittelbar nach dem Ein­bringen in Swinemünde auf Anweisung des Chefs des Admi­ralstabs der Marine mit freiem Geleit nach dem Ort, wo er angehalten worden war, wieder entlassen worden.

Der Mißgriff ist begangen im Anschluß an einen Vorfall, der sich mit demselben Dampfer in der Nacht vorher abge­spielt hatte. Da dieser Vorfall van schwedischen Blättern in nicht zutreffender Weise besprochen worden ist, wird hiermit folgendes sestgestellt: Der Dampfer „Argo" wurde in dieser Nacht von zwei deutschen Torpedobooten außerhalb der schwedischen Hoheitsgewäffer aufgefordert, zu stoppen, damit er aus Bannware untersucht würde. Er stoppte zunächst, drehte dann aber mit Hartruder und äußerster Kraft auf das 20 Meter quer ab von ihm liegende deutsche Torpedoboot zu, um es zu ramme n. Nur durch ein sofortiges Gegen­manöver gelang es diesem, den Rammstoß so abzuschwächen, daß keine ernstlichere Schädigung eintrat. Während dieses Manövers gelang cs dem Dampfer, in die nahen schwedischen Gewässer zu entkommen. Der deutsche Kommandant bat dar­aus in Achtung der schwedischen Hoheitsgewäffer von der Ver­folgung abgesehen, obgleich der Dampfer mit unbeding­ter Bannware für Rußland, namentlich Geschoß­drehbänken, voll beladen war. Es sei noch hinzugcfügt, daß, wie sestgestellt worden ist, der Kapitän, der Steuermann und der Lotse des Dampfers betrunken waren.

Oer Bericht an die schrvedische Admiralität.

W. T.-B. Kopenhagen, 23. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbcricht.) Das schwedische M a r i n e m i n i st e r i u m hat von dem kommandierenden General in Karlskrona die telegraphische Meldung erhalten, daß der schwedische Dampfer „A r g o" am 21. Dezember durch deutsche Torpedojäger gekapert"wurde. Aus der Meldung geht hervor, daß der Admiral, als er die Nachricht erhielt, sofort ein Torpedoboot nach der Kapc- rungsstelle entsandt hat. Tie Kaperung wurde vom Lotsen­personal des Utlängan-Leuchtfeuers beobachtet. Sie fcmb un­gefähr in 2 Minuten Abstand in der Richtung Nordost bis Ost vom Leuchtfeuer statt.

Eine schwedische Darstellung.

MV. T.-B. Kopenhagen, 23. Dez. (Nichtanitlich. Drahtbericht.) Die „National Tidende" meldet aus Malmö: Sonntagnacht stieß der schwedische Dampfer „A r g o" auf s ch w e d ische m Seegebiet mit einem deutschen Torpedoboot zu­

sammen. Der Daukpfer wurde am Bug beschädigt, erreichte jedoch „Aarhus", wo sich heransstellte, daß der Dampfer nur wenig beschädigt war, und die Reise fortsetzen konnte. Gestern vormittag fuhr „Argo" weiter nach Raumo, und hatte däni­sche Werkzeuge, Maschinen usw. an Bord. Als der Dampfer das Leuchtfeuer Utlängen erreichte, bemerkte der Kapitän, daß er von zwei deutschen Torpedobooten verfolgt wurde. Der Kapitän brachte die Maschinen auf die höchste Leistung, um zu entkommen. Die beiden Torpedoboote holten jedoch den Dampfer ein und nahmen ihn in die Mitte, obgleich er sich auf schwedischem Seegebiet befand. Die deutsche Besatzung kam an Bord des „Argo" und erklärte den Dampfer als gute Prise. „Argo" wurde von den Torpedobocten ins Schlepptau genommen und in See geschleppt. Der Vorgang spielte sich zwei Seemeilen von der Küste ab. — Alle schwedi­schen Blätter bezeichnen den Zwischenfall als eine sehr schwere vedauerliche Verletzung der Neutralität Schwedens-, falls, wie es nicht zweifelhaft scheint, es sich bestätigt, daß das Auf­bringen innerhalb der schwedischen Seegrenze jtattgefun- den hat.

Sin dänischer Dampfer ebenfalls aufgebracht.

W. T.-B. Kopenhagen, 23. Dez. ^Nichtamtlich. Drahtbericht.) „National Tidende" meldet: Der dänische Dampfer „Heini" sei auf der Reise von einem schwedischen Hafen nach Raumo mit Eisenerz von einem deutschen Torpedo boo t auf­gebracht worden. „Heini" hielt zunächst so nahe als möglich oer Küste, wurde aber später von den Stürmen gezwungen, in See zu gehen. Bei S a n s h a in m e r wurde er von einem deutschen Torpedoboot aufgebracht, das den Dampfer für gute Prise erklärte und nach Stettin überführte. Die dänische Reederei erhob Einspruch, doch scheint es, daß „Heini" in rin internationales Gebiet gekommen ist.

Oie Ereignisse auf dem Valkan.

vas Rätsel von Saloniki.

L. Berlin, 23. Dez. (Eigene Meldung. Zens. Bin.) Das Rätsel von Saloniki verursacht unseren Geg- klern täglich mehr Kopfzerbrechen, weil sie nicht einzu- sehen vermögen, warum bie Verfolgung der geschlage­nen französischen und englischen Truppen noch nicht fortgesetzt wurde. Daß sich die Griechen auf die Seite des Stärkeren stellen könnten, ist eine Hoffnung, die sich vielleicht erst erfüllen wird, wenn man in Achen sich völlig darüber klar geworden ist, wer der Stärkere bleiben mutz. Solange die Truppen­landungen in Saloniki fortgesetzt werden, wird die griechische Regierung es bei ihrem Protest gegen -die Besetzung und Befestigung der Hafenstadt belassen. Man nimmt hier an, datz sie nichts weiter gegen die Entente unternehmen wird. Aus der Seite der Mittel­mächte und ihrer Verbündeten überlegt -man scheinbar noch, in welcher Weise man Las feindliche Expeditions­korps zu einem gleich glorreichen Rückzug wie auf Gallipoli veranlassen wird. Der alte griechisch- bulgarische Gegensatz macht es auch Wohl nötig, daß unsere Diplomatie den Politikern in Athen ihren Widerwillen auszureden sucht, den sie gegen eine „Ausweisungsaktion" unter bulgarischer Mitwirkung empfinden würden. Datz die Griechen die Bulgaren nicht gern auf ihrem Gebiet sehen, ist kein Geheimnis und man wird ihnen vielleicht versichern müssen, datz die Negierung in Sofia, die mit dem Vorschlag einer neutralen Zone schon einen Beweis ihrer fried­lichen Absicht gab, auch bereit ist, jede Befürchtung zu beschwichtigen, datz es sich etwa um ein dauerndes Ver­weilen handeln könnte. Es ist aber angebracht, darauf hinzuweisen, datz die Schaffung der neutralen Zone nur den Zweck hatte, nicht gewollte Feindseligkeiten zu verhüten, datz sie jedoch kein Hindernis darstellt, wenn die Feindseligkeiten gegen die Engländer und Fran­zosen wieder ausgenonmien werden müssen.

Russische Torpedoboote verfolgen ein bulgarisches Torpedoboot.

W. T.-B. Petersburg, 23. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Von berufener Seite wird gemeldet: Am 21. Dez. be­gegneten zwei russische Torpedoboote, die cine Kreuzfahrt an der bulgarischen Küste unternahmen, einem bulgarischen Torpedoboot, welchem sie sofort nach­setzten. Das bulgarische Torpedoboot flüchtete nach Warna. Unsere Torpedoboote verfolgten cs bis in die Buchteinfahrt, als bie Küstenbatterien Feuer auf sie cröffneten. Unsere Torpedoboote entfernten sich aus dem Feuerbereich der Batterien ohne Verluste noch sonstigen Schaden. Im Verlauf dieser Kreuzfahrt wurden zwei türkische Segelschiffe ver­senkt, die nach Konstantinopel fuhren, um Benzin zu holen. Die Besatzung wurde gefangen genommen.

Die bedauernswürdige Lage der Österreicher in serbischer Gefangenschaft.

Br. Lugano, 23. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die „Gazetta di Venezia" macht in einem langen Bericht aus Athen Mitteilung über die schlimme Lage der 2 0 0 0 0 österreichischen Gefangenen, die mit ihren serbi­schen Wächtern, die das gleiche Los mit ihnen teilen, den mühevollen Weg aus Altserbien zurückgelegt halben. Sie sollen jetzt in Valona von Italien übernommen werden.

Schebekows vergebliche Werbungsversuche.

Br. Budapest, 23. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der Besuch Schebckows, welcher beim russischen Hof perLona grata ist, soll den Zweck gehabt haben, für die Serben rumä­nische Hilfe zu erlangen und hierfür definitive Vor­schläge zu unterbreiten. Die rumänische Regierung, jeder selchen Vereinbarung abgeneigt, erklärte auch diesem russi- ' scheu Abgesandten, sie sei entschlossen, die Neutralität unbedingt auch weiter aufrecht zu erhalten. Schebekow reiste nach Petersburg zurück.

Eine neue Entente-Note an Rumänien?

Der freie russische Durchmarsch.

Ln. Bukarest, 23. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

Die Entente richtete neuerlich eine Note an Rumä­nien, cine kurzfristige Antwort fordernd, daß den russischen Truppen freier Durchmarsch durch rumänisches Gebiet gestattet werde.

Ein großer japanischer Dampfer im Mittelmeer versenkt.

MV. T.-B. Malta, 23. Dez. (Nichtamtlich. Agence Havas.)

Der japanische Dampfer „A a s a k a M a r u" ist am 21. Dez. im östlichen M i t t e l m c c r durch ein feindliches Untersee­boot versenkt worden. Die Hafenbehörde von Alerandria wurde durch Funkspruch benachrichtigt und sandte Hilfe. Der Dampfer faßte 12 500 Tonnen, wurde erst 1914 in Betrieb gestellt und gehörte einer der größten japanischen Reedereien der Nipon-Ansen-Kaisha-Gesellschaft.

MV. T.-B. London, 23. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Den Zeitungen zufolge ist die Vernichtung des Postdampfers „Uasaka Mabu" der größte Verlust, den die Versiche­rungen seit Kriegsbeginn zu verzeichnen haben. Der Schaden dürfte etoa 25 Millionen Frankem betragen.

Der Urieg gegen England.

Das Unterhaus zur Heeresverstärkung um 1 Million.

W. T.-B. London, 23. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Unterhaus erwiderte T e n n a u t in Beantwortung einer Frage, das Londoner Verteidigungsressorr sei noch nicht dem Kriegsamt unterstellt. Dillon (Natio­nalist) fragte, ob es der Regierung bekannt sei, daß gewisse, sehr reiche Engländer ihr Eigentum in England ver­kauften und nach New D o r k übergesiedelt seien, um der Besteuerung zu entgehen, und ob diese Leute Pässe erhielten. Der Minister des Innern Sir John Simon entgegncte, davon nichts zu wissen. Die Erteilung der Pässe sei sehr erschwert. Premierminister Asguith begründete die Forderung der Heeresvermehrung um 1 Million Mann und sagte, die Armee auf den ver­schiedenen Kriegsschauplätzen betrage einschließlich der Eng­länder von über See 1 250000 Mann. Die Verluste seien sehr groß. Die Rekrutierung diene in erster Linie zur Ausfüllung. Das Hauptziel müsse stets sein, die Effektivstärke möglichst der Sollstärke entsprechend zu erhalten. Das ist namentllch bei den Territorialtruppen schwer. Wir brauchen viel mehr Leute, um die neuen Formationen aufzufüllen und die gesamten Streitlüste zu verstärken. Asguith lehnte es ab, anzugeben, wie viele Divisionen oder Mannschaften nötig seien, und sagte, wir brauchen alle Männer militärfähigen Alters, die nicht aus wirtschaftlichen Gründen unentbehrlich sind. Wir brauchen nach den Abzügen, die für die Herstellung von Munition und Exportware nötig sind, die H ö ch st zahl, gleichviel ob aus Grund freiwilligen Systems oder Dienst­zwangs. Der Rückzug von der S u v l a b a i und an der Anzaczone bedeutet nicht, daß ähnliche Operationen bei Kap Helles, wo wir den Eingang in die Meerengen beherrschen, erwogen werden. Nachdem Monroe und K i t ch e n e r alle Stellungen geprüft hatten, willigte die Ne­gierung mit starkem Widerstreben in den Rückzug ein. R e d m o n d erklärte sich durch Asquiths Rede ent­täuscht, da sie nichts über die Beibehaltung oder Aufgabe des freiwilligen Systems sage. Die Entscheidung müsse bald faken. Die Einführung der Wehrpflicht würde aber unheilvoll sein, die Nation spalten und im Parlament und Lande heftig bekämpft werden. Die nationalistische Partei sei unter den augenblicklichen Umständen entschieden gegen jede Form der Dienstpflicht. S t a n t o n (Arbeiterpartei) er­klärte sich gleichfalls durch Asquiths Rede unbefrie­digt, da sie offenbar etwas verheimliche. Holt (Lib.) fragte, ob die Regierung versucht hätte, mehr als die bisher bewilligten 3 Millionen auszugeben. Asguith sagte, das Ge­setz sei in keiner Weise verletzt worden. Holt erwiderte, Asguith habe dem Haus keine wirklichen Informationen zur Begründung der Heeresverstärkung gegeben. Redner, der in Liverpool Reeder ist, sagte, er bekomme in den Häsen Londons und Liverpools nur die Hälfte der benötig­ten Arbeiter. Andere Reeder seien in gleicher Lage, und es werde mit jedem Tag schlimmer, (Hört, hört!) Auch der