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Donnerstags 23. Dezember 1915.

KbenÄ-Ausgabe.

Nr. 598. » 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Oer amtliche türkische Bericht.

Lin neuer Erfolg an der Irakfront. Wachsende Seute an den vardansSen.

W. T.-B. Kvnstantinopel, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der I r a k f r o n 1, bei Kut-el- Amara, versenkte unsere Artillerie zwei feindliche Moni- tvre und verursachte durch einen Volltreffer eine Explosion bei einem anderen Monitor. Unsere Truppen näherten sich auf der Nordfront dem Stacheldrahtverhau der befestigten feindlichen Stellungen.

An der Kaukasusfront kosteten die feindlichen An­griffe in der Gegend von Id am 26. Dezember dem Feind einen Verlust von 8 Offizieren und 30 6 Mann, wäh­rend unsere Verluste nur ein Drittel dieser Zahl betragen.

An der Dardanellenfront, bei Sedd-ül- B a h r, zeitweiliger Artillerie-. Bomben- und Lufttorpcdo- kampf. Unsere Batterien auf der anatolischen Küste der Meerengen beschosien erfolgreich Mortoliman und die Lan- dniigsstcllen v»n Tekke-Burnn. Sic versenkten bei Morto- liman zwei kleine Boote sowie bei T e k k e - B u r u » ein kleines Munitionsschiff und trafen ferner ei» Lastboot. In einem einzigen vom Feind gesäuberten Abschnitt fanden wir Lebensmittel aller Art, die für die Berpro- viantierung eines ganzen Armeekorps für lange Zeit ausrcichen, sowie 1 Million S a n d s ä ck e. un­gefähr 1066 Zelte, 506 Wolldecken, 466 Trag­bahren, 1666 Konservenkisten, 56 Benzin­fässer, 1 Mörser bei Aghinedere, sowie eine Menge in die Erde vergrabener Mörsergeschossc, ferner 360 Kilometer Telephondrähte und 180 Meter Stacheldraht. Wir konnte» die Munition, Kleidungs- gcgenstände und sonstiges erbeutetes Material noch nicht zählen.

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Englische Verbitterung über die Dardanellen- Niederlage.

Das Ergebnis der Werbekampagne.

W. T.-B. Rotterdam, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Der „Rotterd. Courant" meldet aus London: Im Unterhaus wurde gestern die Verzögerung bei der Veröffentlichung des Berichts des Generals Sir Jan Hamilton über die Operation an der Suvlabai scharf getadelt. Asquiths Erklärung, datz der Bericht von der Regierung eben erst empfangen worden sei. wurde nicht als befriedigende Aufklärung betrachtet. Carson hielt eine erbitterte Rede über Gallr- p o l i. in der er sagte, man habe die Räumung der britischen Stellungen gemeldet, als ob das eine Art von Sieg gewesen sei. Warum habe man dann die Soldaten monatelang in dieser Hölle gelassen (Beifall.), m der Tausende erkrankt seien, während man damit beschäftigt war, einen Beschluß zu fasten.

A s q u i t h sagte, er könne über das Ergebnis der Werbekampagne Lord Derbys noch nichtö mit- teilen. Die Zahl der Rekruten sei aber ein glänzender Be­weis von Vaterlandsliebe und Selbstaufopferung. In einigen Landesteilen hätten sich die unverheirateten jungen Männer nicht in genügender Anzahl gemeldet, weshalb Asquith sein früher gegebenes Versprechen wiederholte, daß die Verbeirate- ten nicht eher einberufen werden, als bis man mit Zustim­mung des Parlaments, die unverheirateten jungen Leute ge­zwungen habe, Dienst zu nehmen.

Italienische Stimmen zum mißglückten Dardanellen- Unternehmen.

Genf, 23. Dez. (Zenf. Bln.) Während die italienische Presse aller Schattierungen das Dardanellenuntermehmen als verunglückt bezeichnet, fügt der „Corriere della Sera" hinzu, das Unternehmen werde nicht aufgegeüen, damit die Pforte des Mittelnreeres für Türken und Deutsche verschlossen bleibe. — „Secolo" meint, die Österreicher und Deutschen hätten iat- sächlich durch Vernichtung Serbiens und die Eröffnung der Straße nach Konftantinopel ein großes moralisches Resliltat erzielt. Warum wartet die englische Negierung so viele Wochen, um sich zu dem heutigen Schritte zu entscheiden, wo die Zurückziehung der Truppen die serbischen Ereigniste nicht mehr beeinflussen konnte? — Der „Avanti" ist der Ansicht, daß -das Verlassen der Suvlabai einem wenigstens vorläuftgem Aufgeben des Dardanellenunternehmens gleichkomme, da die Landenge nicht bezwungen werden könne, wenn nur die Be­setzung des äußersten Zipfels der Halbinsel übrigbleibe. Dieses militärische Ereignis sei eines der sensationellsten des Krieges. Das Daüdanellenunternehmen war ein unglückseliges, es war auf einer falschen Voraussetzung basiert und mit uner­hörtem Leichtsinn betrieben.

Die türkische Gffenffvs in Gallipoli und in Mesopotamien.

Der Feind auch in Südpersien bedroht.

L. Konstantin»»«!, 23. Dez. (Eig. Drahtbcricht. Zeus. Bln.) Ans der w e st l i ch e » Seite der Gaüipoli- Halbinscl wurde der Feind völlig Vertrieben. Die Offensive in Mesopotamien geht energisch vorwärts. In Südpcrsien marschieren beträcht­liche Kräfte gegen die Engländer.

Im Sueskanal auf eine Mine gelaufen und gefunken.

Br. Budapest, 23. Trz. (Eig. Drohtbericht. Zens.

Bln.) Aus Malta in Athen ein getroffenen Nachrichten zufolge ist der englische Dampfer „Southampton" im Sueskanal auf eine Mine gefahren und gesunken. Die Katastrophe der „Southampton" hat bei dem eng­lischen Kommando große Bestürzung hervorge- rusen, da sie als Beweis dafür gilt, daß es den Tür­ken wieder gelungrn ist, Minen im Kanal zu legen. Der Kanal tvurde durchsucht und zwei türkische Minen herausgefischt.

Lin amtlicher russischer Rriegsbericht aus Persien.

W. T.-B. Petersburg, 22. Dez. (Nichtamtlich. Peters­burger Telegraphenagentur.) Aus Teheran wird gemel­det, daß die russischen Truppen Koru u besetzt haben. Es heißt, daß vor Korun eine große Schlacht stattgejunden habe, welche abermals mit der vollständigen Niederlage des Feindes endete.

Die Ereignisse auf dem valkan.

General Lastelnau in Saloniki.

Andauernde Ankunft weiterer Verstärkungen.

W. T.-B. Mailand, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Der Son­derberichterstatter des „Corriere della Sera" meldet aus Saloniki: General Castelnau hatte sofort mit General Sarrail eine Unterredung. Sein Besuch im gegenwärtigen Augenblick habe Bedeutung. Die beste Erklärung zu dem Ent­schluss Castelnaus, sich persönlich mit General Sarrail ins Einvernehmen zn setzen, sei die andauernde Ankunft und Ausschiffung von Truppentransporten und Kriegsmaterial. Vielleicht werde erst jetzt das eigentliche Expeditionskorps organisiert.

Die Panik in Saloniki. *

W. T.-B Saloniki, 20. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Verspätet eingetroffen. Die Bevölkerung ist infolge des Ab­zugs der griechischen Truppen beunruhigt. Viele Familien, auch Ausländer, außer den Angehörigen der öster­reichisch-ungarischen und deutschen Kolonie sind a b g e r e i st. Die griechischen Truppen sind nach Verria ins Olhmp- gebiet und nach Sarowitsch abgegangen. Die neue Hauptfront der Alliierten von Karasuli bis Salmanli soll durch eine zweite, etwas weiter zurücktretende Verteidi­gungslinie gestützt werden, die sich bis gegen Langazs hin- zicht. An den Befestigungen wird fleißig gearbeitet. Die Bevölkerung Salonikis befürchtet, daß die Stadt in die Kampfzone einbezogen werde, zumal viele Kriegs- schiffe bereitliegeii. Den neuesten Verfügungen zufolge soll noch eine ganze Division griechischer Truppen in Saloniki Zurückbleiben. Die Alliierten beabsichtigen trotzdem die Besetzung der Stadt in ihrem Sinne durchzuführen und auch eigene,Sicherheitsmatzregeln zu treffen. Die Konsulate der Mittelmächte, Bulgarien und der Türkei werden von ihnen scharf beobachtet. .

Sofia, 23. Dez. (Zenf. Bln.) Ein aus Saloniki einge- troffener Bankier schildert dem Berichterstatter des „B. T." das Leben in Saloniki wie folgt: In der Stadt, die mit den Engländern und Franzosen noch kürzlich über 600 000 Ein­wohner zählte, herrscht große Panik. Alles flüchtet ins Landesinnere sowie nach dem Piräus, Athen und Kawalla. Vermögende Serben fuhren nach Marseille. Die gesamte Bevölkerung, vorwiegend Spaniolen, ist offenkundig deutschfreundlich. Groß ist der Haß der Griechen gegen die Engländer, die herrisch auftreten und wüste Trink­gelage veranstalten. Die englischen Söldner verschleudern ihre Unfformftücke, um trinken zu können. Die Engländer und Franzosen vertragen sich schlecht und begrüßen einander nicht. In den Gasthäusern ist der Verkehr lebensgefährlich. Die englischen und ftanzösifchen Automobile durchrasen die engen Straßen, wobei viele Personen überfahren werden. Auf­fallend ist der mustergültige Gesundheitszustand und die Ord­nung -die die griechische Polizei aufrechterhält, die mit höflicher Energie omftritt. Erst kürzlich wurden neue 1000 Polizisten aus Kreta angestellt. Die Kontrolle der Lebensmittelprcife ist streng. Die Engländer geben nichts her, beschlagnahmen aber auch nichts. Die Engländer besetzten die Kasernen, das Zollamt und das Schulgebäude. Im Olymp­hotel taten ungefähr 50 serbische Deputierte, die Tag und Nacht Karten spielen, eine sogenannte provisorische Skupscht'na auf. Furchtbar ist der Zustand der serbischen Flüchtlinge. Hunderte von Halbnackten betteln, auf die Entente schimpfend, in den Kaffeehäusern. Für 20 serbische Dinar erhält man 14 Drachmen. Mir die Einlösung steht die ser­bische Nationalbank ein, die zwei Waggons Gold nach Saloniki rettete. Vor dem Hafen >li«gen 14 Kriegsschiffe und viele Lazarettschiffe. In dem geschützten Sommerbad Langasi sind viele Dampfer verankert, auf die sich die Engländer uiw Franzosen im Notfall zurückzichen sollen. Tie griechi­schen Truppen zogen sich bis auf kleine Garnisonteile auS Saloniki zurück; sie stehen jetzt, ungefähr drei Bahnstundcn weit an der a I t e n griechischen Grenze. Auf der Strecke Saloniki-Doiran warfen die Engländer und Franzosen große Befestigungen, besonders Schützengräben, auf. Es scheint keineswegs die Absicht zu bestehen, Saloniki freiwillig

zu rämnen. Die Bevölkerung, die sieht, datz die Engländer und Franzosen Vorkehrungen treffen, dort zu bleiben, er­wartet angstvoll die Ereignisse und hofft auf die Befreiung durch die Mittelmächte. Der König erftout sich ungeteilter liebevoller Verehrung. Venizolos erlitt bei den Wahlen in Saloniki, wo er als Verräter betrachtet wird, sicherlich ein Fiasko. Groß ist die Angst der Engländer und Franzosen vor den Bulgaren, deren Bajonettangriffe „diaboliques" genannt werden.

Englische Truppenlandungen in Ravalla?

Br. Wien, 23. Dez. (Eig. Drcchtbericht. Zens. Bln.) Das „Neue Wiener Journal" laßt sich aus Lugano drahten, es seien über Mailand Nachrichten eingetrof- sen, wonach die Engländer in K a v a l l a Truppen aus­geschifft hätten.

Ruch die Salonikiexpedition soll aufgegeben werden?

Rotterdam, 23. Dez. (Zenf. Bku) Aus London wird berichtet: Angesehene Politiker versichern, die Regierung habe beschlossen, sobald sich Gelegenheit biete, auch die Saloniki- Expedition aufzuyeben, da auch dort keine Erfolge mehr zu erwarten feien. Die in den letzten Tagen in Saloniki ein- gelroffenen Truppen kommen von Gallipoli. Sie sollen in Saloniki zu neuen Formationen zusammen gestellt und dann in kurzer Zeit nach Ägypten geführt werden. Die französischen Truppen sollen die albanische Front verstärken.

vie Wahlen in Griechenland.

Ern neutrales Urteil.

Bafel, 23. Dez. (Zens. Bin.) Die „Agence Havas" mel­det aus Athen: Die Ergebnisse der Wahlen befriedigen die Venizelisten wegen der erdrückenden Zahl der Stimment­haltungen. Die Wahlkreise, deren Ergebnisse bekannt sind, melden 19 321 abgegebene Stimmen gegen 73 993 bei den vorhergehenden Wahlen. Man schätzt, daß nur ein Drittel der 700 000 Stimmfähigen vom letzten Mai an der Abstim- inung teilgenommen haben. In Saloniki haben von 38 263 Wahlberechtigten 4050 gestimmt. Es sei dies, sagr die „Agence Havas", ein glänzender Beweis für den Einftuß von V e n i z e l o s.

Der ..Berner Bund" benierkt zum Ergebnis der griechischen Wahlen u. a.: Die Partei, die die Politik des Königs und seines Kabinetts bekämpfte, ist aus der Kammer verschwunden, und nun sind Zwischenfälle, wie der vom 4. November, dem das Kabinett Zaimis erlag, nicht mehr möglich. Die neue Kammer hat schon nach dem heute betanntgewordenen Ergebnis einen festen Block von mindestens 280 Abgeordneten (den Anhängern von Gunaris, Theotokis und Rhallis), die die Politik der Neutralität unterstützen. . . Inwieweit die wirkliche Meinung des grie­chischen Volkes dieser Abstimmung entspricht, ist nicht leicht zu beantworten. Ein großer Teil steht grollend beiseite. Immer­hin kann es nicht die Mehrheit sein, denn sonst hätte Denizelos den Kampf sicher ausgenommen. . . Die Einigkeit zwi­schen Kammer und Regierung ist hergestellt, die Richtung, in der sich ihre Taten bewegen werden, kann also nicht mehr zweifelhaft sein.

vie Befestigungsarbeiten der verbündeten um Saloniki.

Sr. Athen, 23. Dez. (Eig. Twcchtbsricht. Zenf. Bln.) Die französische Stellung längs der von Saloniki nord­westlich laufenden Bahnlinie ist bis nördlich von Karasuli vorgeschoben worden. Die Franzosen besetzten zwei Stationen. Ihr Hauptmasse bleibt in der Linie von Karaogrou kon­zentriert. Zahlreiche ftai^ösische Truppen sind ferner bei Topsin vereinigt, wo Verschanzungen in großem Maßstabe angelegt wurden. Die griechischen Gendarmen und geringen griechischen Truppen sind von dort entfernt worden. Alle Brücken der Bahnlinien und der Straßen vor der Front sind unterminiert worden. Der Plan der Alliierten geht dahin, außer Saloniki auch die Halbinsel Chalkidike möglichst stark zu befestigen, um nach allen Punkten eine sichere Rück­zugsverteidigung zn haben. Die Engländer haben alle Dörfer nördlich und nordöstlich Salonikis von den Ein- wohnren räumen lassen und haben dort ihre schwere Artillerie in halbfesten Verschanzungen aufgestellt. Die französischen Flugzeuge machen täglich Erkundungsflüge. An der Front werden viele Klagen über das schroffe Vorgehen der Franzosen laut.

Serbische Truppen von den Griechen ^ entwaffnet.

Br. Budapest, 23. Dez. (Eig. Drohtberickt. Zeus. Bin.) Nach „Villag"-Meldungen aus Athen veröffentlichen dortige Blätter eine englische Note, aus der hervorgeht, datz die griechischen Truppen die Ms griechisches Gebiet geflüchteten serbischen Truppen tatsächlich entwaffneten. Der eng­lische Gesandte erschien bei Skuludis und überreichte eine Note, datz die Alliierten unbedingt daran fefthcllten, d«tz die auf griechisches Gebiet verbrachten und dort entwaffneten ser­bischen Truppen ihre Waffen zurückerhalten müssen- Skuludis erklärte, er werde die Angrliegenheit dem Minister- rot unterbreiten.

Griechenland fordert seine im Nusland weilenden Untertanen zur Rückkehr auf.

Br. Wien, 23. Dez. (Eig. Dvcchbbericht. Zens. Bln.) Das „Neue Wiener Journal" meldet aus Athen: Die