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Verlag Langgaffe 21

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Sonntag, 19. Dezember 1915.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 591. - 65. Jahrgang.

Die große Zahl der Gefangenen unsere; Bundesgenossen in Nordost­montenegro.

Rbgewiefener Angriff in Tirol. — Der Raum südöstlich vijoiopolje vom Feinde gesäuberr.

Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht,

W. T.-B. Wien, 18. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich «erlautet vom 18. Dezember, mittags:

Russischer ttriegsschauplatz.

Unverändert Ruhe.

Die Russen behaupten in ihrem Tagesbericht vom 14. d. M., ihre Kavallerie wäre bei Uscieczko am D »j e st r auf österreichisch-ungarische Aufklärer in russischer Uniform gestoßen; an dieser Mitteilung ist kein wahres Wort. Wir verwenden derartig verwerfliche Mittel nicht.

Italienischer Rriegsschauplatz.

In Tirol wiesen unsere Truppen nördlich des Sugmna - Tales mehrere feindliche Angriffe auf den Collo ab. Im F l i t s ch e r Becken wurden die Italiener in einer ihrer vordersten Stellungen über­fallen. Görz stand vorübergehend unter schwerem Feuer.

Südöstlicher ttriegsschauplatz.

Der Raum südöstlich von Bijclopoljc wurde dom Feinde gesäubert. Die Zahl der bei der Ein­nahme dieser Stadt in unsere Hände gefallenen Gefan­genen wuchs auf 1950.

Eine unserer Divisionen brachte in Nordostmonte- nrgro in den letzten vier Tagen insgesamt 13500 Ge­fangene ein.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.

Oie 72. Uriegswoche.

Von unserem militärischen Mitarbeiter.

Schneller als der neugebildete Kriegsvat der En­tente in Paris oder Calais zu irgendwelchen erfolg­reichen Taten schreiten konnte, haben die kriegerischen Ereignisse auf dom Balkan ihren reißend schnellen Lauf. genommen. Früher denn für die Diplomatie un­serer Feinde erwünscht war, trieb der bulgarische Gene­ral Todorow mit seinen tapferen Truppen die Lan­dungstruppen der Entente von dem Boden Maze­doniens. Der beiderseitigen Umklammerung, dem scharfen Angriff in der Front konnten Engländer und Franzosen nicht lange standhalten. Seit Wochen waren die ausgezeichneten Stellungen zu beiden Seiten des Wardarflusses stark ausgebaut und armiert worden. Nach menschlichem und militärischem Ermessen schienen sie uneinnehmbar. Auch diese Hoffnung unserer Feinde war trügerisch, auch in diesem zähen Ringen um Zeitgewinn zeigten sie sich als unterlegen. Ihren Gegner, seine Angriffskrast. Stärke an Artillerie, seine Schnelligkeit im lautlosen Heranführen und Be­reitstellen ansehnlicher Truppenkörper in einem schwie­rigen Gelände, arm an Wegen, bar jeder Eisenbahn,- batten Engländer und Franzosen zu ihrem Schaden unterschätzt. Bulgarien bewies wiederum seine militärische Vollwertigkeit in den Re ihm der Mittel- nrächte, seine zweifelsfreie ÜberlegeiHeit über die Heere der westlichen Staaten. Das ist der schöne Stolz Bulgariens, die beschämende Niederlage der hochmüti­gen Entente. Sicherlich^wivd gerade der Umstand bei all den vielen kleinen Staaten des nahen Abend- und des fernen Morgenlandes vollste Beachtung finden. Die schweren Blutverluste der Engländer und Franzosen werden sich nicht verheimlichen lassen. Politisch und militärisch erlitten sie eine nicht wieder gut zu machende 5k a t a st r o p h e. Hieran können die feindlichen Ab- leugnungsversuche nichts ändern. Die Engländer verloren allein 50 Prozent ihrer Gefechtsstärke. In den Kämpfen bei D o i r a n wurden 30 bis 35 000 Mann von ihnen aufgerieben. Die bisherigen Zählenergeb­nisse dieser mehrtägigen mazedonischen Schlachten wer­den von den Bulgaren mit 1234 Gefangenen, 14 Ge­schützen, 62 Munitionswagen, 10 zweispännigen Muni­tionskarren und vielem Kriegsmaterial angegeben. Die Flucht der Ententetruppen scheint mit dem 13. De­zember beendet zu sein. Sie erreichten die von Grie­chenland freigegebene Zone, schwer erschüt­tert und geschwächt an moralischer und physischer .Kraft. Der zweite Teil des Balkanfeldzuges ist hier­mit beendet: jetzt beginnt vielleicht, —• denn heute wissen wir's noch nicht — btc b r 1 1 ± e Schlachtenhand­lung auf griechischem Boden, im Gebiet um Saloniki, nicht nur um seinen Besitz, sondern auch um die letzte Schanze des Ansehens unserer Feinde auf dem

Balkan. Griechenland hat einen Teil seines Bodens als Arena freigegeben. Aus der Zahl der Mitkämpsenden dürsten die Bulgaren ausgeschieden und an ihre Stelle die Heere der Mittelmächte treten. Der Szenenwechsel brachte auch einen solchen in den Personen der Mrt- spielenden. Wir sehen hier eine Auswechslung und Ablösung in der Arbeitsleistung der militärischen Riesenmaschine, wie sie bisher schon mehrfach in der nutzbringendsten Weise erfolgte. Die Gründe hierfür liegen auf politischem Gebiete. Die wei­tere Entwicklung der Verhältnisse in Griechenland läßt sich nicht absehen. Ob es Griechenland möglich sein wird, für den Fall der Kämpfe aus seinem Boden die gewollte Neutralität Leizuhalten, erscheint wenig wahr­scheinlich. Das wird in erster Linie davon abhängen, ob der freigagebene Kampfraum weit genug ist und ob die Stunde der Not nicht schärfere, für Griechenland unannehmbare Forderungen >ber Entente er­heischen wird. Die Reibungsflächen zwischen ihr und dem Hausherrn werden setzt fraglos umfangreicher, je geringer die Bewegungsfreiheit der geschlagenen Truppen wird, je mehr sie Gefechts- und Etappenraum ineinander verlegen müssen. Für ein so stark es Heer wie es das der Entente in Saloniki ist, reicht die hier geschaffene -Qperationsbasis nicht aus. Sie rückt immer näher heran an die geschlagenen Heere, verkürzt sich also täglich und verliert so zusehends an Lebens­kraft und Sicherheit. Die Grundfehler des Salonikier Unternehmens waren diejenigen der Entente, daß sie die so wichtige Qperationsbasis ihrer Truppen nur aus der einen Stadt aufbauten. Die rückwärtigen Heimats­verbindungen sind nur aus .den gefährlichen Boden der Transportschiffe angewiesen. Schon aus die­sem Grunde kann die endgültige Niederlage der Entente nicht mehr obgewendet werden. . Die Lebensdauer bestimmt nicht sie mehr, sie ist abhängig von dem Willen der Mittelmächte und demjenigen Griechenlands. Abgesehen von den etwaigen weiteren Operationen der Mittelmächte auf dem Lande, liegt sie auch mit in der Hand unserer H - B o o te. Ihnen gebührt ein ruhmreicher Anteil an dem schnellen und siegreichen Verlauf des serbischen und mazedonischen Feldzuges. Im ganzen versenkten sie in den beiden zurückliegenden Monaten 58 feindliche Hilfskreuzer und Transportdanipser. Weit über 200 000 Tonnen Raum­inhalt gingen hierdurch im östlichen und nördlichen Mittelmeer unseren Feinden verloren in einein Augen­blick, wo sie Munition, Löbensmittel und Kriegsmate­rial dringend brauchten .und an manchen Tagen vergeblich auf ihr Eintreffen warteten. Auf die Ent­schlüsse der Ententeleitung muß die deutsche I7-Boots- gefahr geradezu lähmend gewirkt und ihre Handlungs­freiheit arg beengt haben. Niemals konnten sie mit Sicherheit auf das Eintreffen der angemeldeten Transporte rechnen. Unsicherheit, Unbestimmtheit, Zag­haftigkeit brachten unsere wackeren Q-Boote in die gegnerische Leitung. Ihnen gebührt demnach auch ihr Anteil an dem Ruhm, den Balkan so schnell erobert zu haben. Unsere oberste Heeresleitung verlegte mit Fug und Recht seit mehreren Monaten den Schwer­punkt unserer Q-Bootstätigkeit von der Nordsee in das Mittelmeer. Die glänzenden Erfolge haben dies vollauf bewiesen. Trotz der Anwesenheit der allmächtigen Ententeslotte, trotzdem ein Teil der Transportdanipser bewaffnet, mehrfach durch Torpedo­boote begleitet waren, entgingen sie nicht dom zielsiche­ren deutschen Tropedoschuß. Seit Wochen ver­öffentlichten unsere Gegner k e i n'e I7-Bootsbeschädi- gungen ihrer Marinen. Auch hier im Mittelmecr riß deutscher Wagemut und deutsche Technik die Oberherr­schaft an sich, auch auf diesem Seekrieasschauplatz kamen Engländer undFvanzosen ebenso zu spät wie bisher stets auf denen zu Lande. Sicherlich ist die Tätigkeit unserer U-Boote noch nicht zu Ende. Sie werden auch weiterhin bazu beitragen, daß die Zusahrtswege der Entente zerschnitten und unterbrochen bleiben, daß Unsicherheit und Sorge in ihrer HeeresleitMig und den kämpfenden Reihen entstehen. Mehrfach brachten neu­trale Zeitungen die Mitteilung, daß Engländer und Franzosen über Mangel an Geschützen und Beköstigung klagten. Diese Angstruse können, bei -Saloniki kaum weniger, im Gegenteil noch dringlicher werden. England und Frankreich lernten nichts aus den bitteren Erfahrungen auf Gallipoli. Beide Expeditionen gehen trüben Tagen entgcaen.

Auf dam serbischen Kriegsschauplatz wuvde die Verfolgung des geschlagenen Gegners im östlichen Montenegro mit Erfolg fortgesetzt. Jeder Dag brachte neue Beute.. Die Verfolger fanden zahlreiche Geicksiitze, die die Fliehenden nach dem Vorbilde ihres russischen Verbündeten vergraben hatten, um sie nicht in unsere Hand lallen zu lassen. ^Hunger und Kälte trieben über tausend versprengte Serben hinter un­serer Gefcchtslinie in deutsche Gefangenschaft. Das Fortschreiten des Winters wird noch mehr von ihnen - aus den Verstecken hervorlocken. Die österreichisch-un­

garische Offensive gegen das nördliche Montenegro nrachie gute Fortschritte. Die starken Grenz­sperren sind jetzt restlos durchbrochen, alle drei verbün­deten Kampfgruppen stehen tief in Feindesland und nähern sich zusehends der wichtigen Eisenbahn, welche im Bett des Tara-Flusses nach Skutarr führt. Den verbündeten Truppen haben sich die Albanesen und die Mohammedaner des ehe- maligen Sandschak . angeschlossen. Die zunehmende Zähl montenegrinischer Gefangenen spricht dafür, daß auch dieser alte Friödenästörer allmählich mürbe wrvd.

Vor unserer Westfront herrschte in den ersten Tagen der Woche ziemliche Ruhe, gegen Ende wuchs die Artillerie- und Fliegertätigkeit auf dem größten Teil der Front. Feindliche Fliegerangriffe ans Baden und Lothringen waren erfolglos. Vier Flugzeuge büß­ten die Franzosen hierbei ein. Im Lustkamps brachte Leutnant Jmmelmann in kurzem Zeitraum das siebente feindliche Flugzeug, ein englisches, zum Absturz. Auf dom östlichen Kriegsschauplatz kam es nur zu unbedeutenden Unternehmungen, meistens Zusammenstößen stärkerer Patrouillen.,

Die englische Niederlage m Mesopo- tamien hat noch nicht ihr Ende erreicht. Die türki­schen Truppen setzten die Verfolgung des geschlagenen Gegners unentwegt fort. Hierbei zeigte es sich, ^daß sie jetzt hinsichtlich ihrer Artillerie gut bestellt sind , ©ie war der feindlichen offenbar überlegen, versenkte einen feindlichen Monitor, der vom Tigris aus in den Kampf eingriff. Ebenso bewies die türkische Artillerie an der Dardanellen front, daß sie jetzt stark und zahlreich vorhanden ist. Ihr Wirkungsfeuer beherrschte erfolgreich den Waffer- streffen, der den Feinden bisher als gedeckter Annähe- rungsweg für Mannschaften und Material diente. Das Davdanellenunternöhmen wird hierdurch für die En-, tente zusehends zweifelhafter. Ihre bisherige ar­tilleristische Überlegenheit schwindet mit jedem Tage. Die Eröffnung der Verbindung .mit den Mittel­mächten bringt unseren Verbündeten in die günstige Lage sein reiches Menschen material infolge der nun möglichen besseren Bewaffnung nutzbringend ver­wenden zu können.

Vor der italienischen Front ist die letzte lange Offensive allmählich erstorben. 70 000 Mann -hat sie die Italiener wieder gekostet, ohne den geringsten Erfolg! Eine Wiederholung verbietet zurzeit der ein- getretene Winter.

Nachdem Frankreich durch Ernennung des Gene­ralissimus Josfre znm Oberbefehlshaber der gesamten französischen Armee eine Neuordnung des KonNnanbos eingeführt hatte, ist Eng la n d ihm gefolgt. General French ist zurückgetreten. Er hat zwar eine Rang­erhöhung erfahren, die eigentliche Führung der Kritik schen Armeen in Frankreich und Flandern -wurde jedoch dem General Sir Douglas Haig übertragen. Der neu ernannt Viscount French erhielt die .Führung sämt­licher englischer Truppen. Man kann hier ausschließen, daß French in dem neu gegründeten K r i e g s r a t der Entente Aufnahme finden !wird neben Kitchener. Da letzterer aber nicht znrückgetreten ist, so bildet das neue Mitglied vielleicht nur eine Scheinfigur. Jedenfalls kann diese Neuordnung noch immer keine einheitliche Führung im Westen zur Folge haben. Im Norden be­fehligt nach den Maßnahmen des Kriegsrats Sir Douglas Haig, auf der übrigen Front Josfre Ge­wonnen ist hiermit nichts, nur ein neuer Titel geschaffen, um gegen Frankreich nicht zurück zu st ehe n. Vielleicht soll der neue englffche Führer im Westen bald Proben seiner Fähigkeiten zeigen. Wie dem auch sein mag — den bisherigen Zwiespalt beseitigt die neue Stellung nicht. Man kann ein System nicht ändern, indem man den Be st and teilen andere Namen und Titel gibt. Dies verleiht ihm kein kraftvolles Löben M.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Oie Eisenbahnbrücke Samlin-Belgrad wieder hergestellt.

W. T.-B. Wien, 18. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Neue Freie Presse" meldet, daß die Eisenbcchridrücke von Semlin nach Belgrad, welche die Save übersetzt und bei Kriegsbeginn gesprengt wurde, nunmehr wiederherge­stellt ist.

Bulgariens Protest gegen die englisch- französischen Dumdumgeschosse.

W. T.-B. Sofia, 18. Dez. (Nichtamtlich.Bulgarische Telegraphen- Agentur.) Die Regierung hat den Vertretern der verbündeten und der neutralen Staaten nachstehende Note überreicht: Im Laufe der Kampfhandlungen, die sich aus der Südstont Mazedoniens abge- wickelt haben, ist wiederholt in einer gänzlich unbestreitbaren Weise festgestcllt worden, daß entgegen den Kriegsgebräuchen und entgegen den entschiedenen Vorschriften der Haager Abkommen, sowie unge­achtet der wiederholten Einsprüche der bulgarischen Regierung die englischen und französischen Truppen vmr sogenannten Dum - d u m k u g e l n und " einer anderen Art von Geschossen mit doppeltem Mantel Gebrauch machen, die beim AiisMageu auf das