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Samstag, 18. Dezember 1915. WGvgENs Nr. 889. . 63. Jahrgang.
Der klägliche AuZaang der 4 . IssnZsWacht.
70 060 Monn itatteni « e Verluste, vie Montenegriner vom letzten Stück bosnischen Bodens vertrieben. Vie ver,olgur g westlich von Jpelr
0»t österreichisch - ungarische Taäksberichl
M.T.B. Wien, 17. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 17. Dezember, mittags:
klusstkcher t.rtegsichauplatz
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Urregsschauplah.
An der k ü st e n l ä n d i s ch c n Krönt haben die Italiener ihre großen Angriffe, die nach verhältnismäßig kurzer Pause am 1. November von neuem cinsetzten, bis Ende des Monats andauertcn und noch in der ersten Dezembcrwoche an einzelnen Stellen hartnäckig fortgeführt wurden, bisher nicht wieder ausgenommen. Diese Kämpfe können daher als 4. I s o n z o s ch l a ch t zusammengefaßt nver- dcn. Mehr noch als in den früheren Schlachten galten diesmal die Anstrengungen des Feindes der Eroberung von Görz. Demgemäß wurden schließlich gegen den Brückenkopf allein etwa 7 italienische Infanterie-Divisionen eingesetzt. Die Stürme dieser starken Kräfte scheiterten jedoch ebenso wie alle anderen Angriffe in den Nachbarabschnitten an der bewährten Standhaftigkeit unserer Truppen, die den Brückenkopf von G v r z, die Hochfläche von D o b e r d o und überhaupt alle Stellungen fest in Händen behielten. Durch die Zerstörung der Stadt wurde die Bevölkerung schwer betroffen. Auf die militärische Lage hatte diese Äußerung ohnmächtiger Feindeswut keinerlei Einfluß. In dem vierten Waffengang im Küstenland verlor das italienische Heer nach sicheren Feststellungen 70000 Mann an Toten und Verwundeten.
Gestern wurde an der Jsonzofront ein Angrifssver- such gegen den Nordhang des Monte San Michele, an der Tirolcrfront ein Angriff eines Alpini-Bataillons auf den Col di Lana abgewicsen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Südöstlich C e l e b i c Vertrieben wir die Montenegriner aus dem letzten Stück bosnischen Bodens, das sie noch besetzt gehalten hatten. Unsere Truppen erreichten auch in diesem Raume die Taraschlucht. Bijclopolje ist seit gestern nachmittag in unserem Besitz. Die k. und k. Strcrtkräftc nahmen die Stadt in umfassendem Angriff nach heftigen Kämpfen und brachten bis zum Abend 700 Gefangene ein. Die Verfolgung des westlich von I p e k weichenden Gegners ist im Gange. Die Montenegriner zünden aus ihrem Rückzuge überall die von Moslems bewohnten Ortschaften an.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die deutsch-öfterreichisch-ungarische wirtschastzgemeinschast.
Wir hoben gestern schon von dem wichtigen Aufsatz gesprochen, mit dem der frühere österreichische Jnftizminister Dr. Franz Klein demnächst im Januarheft von „Nord und Süd" die Wege zu einem engeren wirtscl-aftSpolitischen Zusammenschluß der Mittelmächte vorzubereiten und zu ebnen unternimmt. Der Aufsatz ist so bedeutsam, -daß wir um der großen Sache willen gern auf ihn zurückkommen, ja die Verpflichtung fühlen, wiederholt auf ihn hinzuweisen. Was uns an den Ausführungen Kleins besonders gefallen darf, das ist der kluge Nachweis, um wieviel größer die Vorteile einer gegenseitigen Angliederung sein werden und müssen, als es die zweifellos für manche Evwerbs- tzweige zu erwartenden vorübergehenden Nachteile sein werden! Zwei naheliegende ähnliche Fälle beweisen nach Klein den_ regelmäßigen Erfolg solcher Vereinbarungen. Die wirtschaftliche Blüte der Einzel st oaten des Deutschen Reiches wurde durch die Gemeinschaft des Zollvereins vorbereitet und durch die noch engere Zusammenfassung im Deutschen lleiche auf ihre jetzige Höhe gebracht. Für keinen der Staaten war-dies ein Nachteil, obwohl z. B. anfangs 'rer 70er Jahre Bayern wirtschaftlich zu den kommer- siellen Verhältnissen des deutschen Nordens und zu den Jndustrieverhältnissen Westfalens und der nordwestlichen Provinzen Preußens kaum günstiger gestanden haben mag als heute Österreich-Ungarn zur -deutschen Volkswirtschaft. Auch den beiden Gebieten der
h a b s b u r g i s ch e n Monarchie hat ihre wirtschaftlrche Wereinigung gut angeichlagan. Ihre Volkswirtschaft zeigt seither eine mit kleinen Schwankungen stets mrs- steigende Kurve. „Im Munde einzelner ungarischer Parteien ist allerdings trotz diesem guten Fortgänge Ungarn ein „Opfer des Duallsmns". _ Immerhin ist es bei b e st e m Wohlbefinden, seine Wohlhaben, heit nimmt zu, und die Einheitlichkeit des Wirtschaftsgebietes hat es befähigt, seinen Haushalt ans viel größerem Fuß als j-smals anzurichten.
Mit der wirtschaftlichen Einigung _ zwischen den beiden Zentralmächten wird es nicht Zanders sein. Ein fachmännischer Verband g-a3) jüngst der gleichen Ansicht Ausdruck. Wenn einer wirtschaftlichen Vereinigung, sagte er in einer Entschließung, vielleicht öfter die Interessen einzelner Gruppen geopfert werden müssen, so sei dies doch nur etwas Vorübergehendes, denn, es lei zu hoffen, -daß alle anfänglichen Verluste mit der Zeit reichlich hereinge- bracht werden. Manche der Kundgebungen der östereichisthen Verbände gehen sogar noch weiter. Sie erklären sich mit der politisch notwendigen Annäherung stets aus die Gefahr hin einverstanden, daß sie ihnen dauernd Opfer auferwgt. Einige sagen geradezu, man sei sich bewußt, daß die Produktionsverhältnisse im Jnlande in mancher Weise ungünstiger als die im Deutschen Reiche seien, glaube sich aber von höheren Wcksichten leiten zu lassen und billige deswegen den Zusammenschluß mit dem Deutschm Reiche in der sicheren Erwartung, daß durch Opfer des einzelnen für die Gesamtheit große Vorteile errungen würden."
Wenn das die Stiinmung in den österreichischen Erwerb skreisen ist, und der Verfasser darf uns Wohl als sicherer Beobachter gelten, dann dürfen wir wahrlich die b e st e n Hoffnungen für die Zukunft hegen. Mit solchen GHnpungen läßt sich Großes erreichen, und wir wollen nur wünschen, daß die R e- gierungen hüben und drüben stets ans -der Höhe dieser in den Interessentenkreisen sich durchsetzenden Einsicht sein nrögen. Ilm so mehr aber wird erreicht werden können, je weniger die Absicht etwa -daraus hinausläuft, nun gleich im ersten Anlauf sozusagen alles in einem Zuge schematisch zu ordnen, statt dem inneren organischen Wachstum das Nächste -und Übernächste zu überlassen. Vor solchem Übereifer warnt auch Friedrich Naumann, Klein tut dasselbe. Er spricht an einer Stelle von . dem „Mißverständnis", daß in.den Ländern, die zu einem Zollbnnde vereinigt sind, fast alle wirtschaftlichen und finanziellen Einrichtungen und Verhältnisse gleich sein müßten: Gleiche Währung, gleiche Wirtschafts- und Bankgesetz- oebpng, gleiche Verkshrspolitik, gleiche Festsetzung der Eisenbahn- und Schissahrtstarife, Übereinstimmung im System der Verbrauchsabgaben oder anderer Steuern, gleiche Veterinärpolizei usw. Ein a I l z u r e ich e s Programm treibe nur das Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ein wirtschaftliches Bündnis um jeden Preis vereiteln möchten.
Sehr richtig. Und darum hoffen wir, daß dies Übermaß von Wünschen, das zum Glück bisher nur von vereinzelten Schwärmern geleistet worden ist, aus der ernsten und immer nur praktisch zu führenden De- lEvatte fortan völlig ausscheiden wird. Wir brauchen nicht zuviel zu fovdern, um etwas zu erreichen: wir sollten lieber weniger fordern, um so die Gewißheit zu haben, daß wir mehr als das Geforderte erlangen werden. _
Elsatz-Lolhringen.
O Berlin, 16. Dezember.
Die Unterhaltung im Hauptausschuß des Reichstags A>er die zukünftige staatsrechtliche Stellung Elsaß- Lothringens ist unter das Siegel des Geheimnisses gelegt. Wir müssen es uns deshalb versagen, von den Einzelheiten dieser Aussprache zu reden, ab-er schon die Tatsache ist wichtig, daß eine solche Erörterung überhaupt stattgefunden hat. Es wird anzu- nehmen sein, daß sich die Redner aller Fraktionen an ihr beteiligt haben. Selbstverständlich konnte nichts Weiteres als eben eine Erörterung erfolgen, zumal wohl keine Anträge Vorlagen und auch nicht.gut möglich waren. Die Aussprache yürd sich naturgeinäß an die vorher im Namen des Reichskanzlers abgegebene Erklärung gehalten haben, deren Wortlaut unseren Lesern bekannt ist. Die Erklärung ist inhaltsreicher als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Man muß sie nur sinngemäß zergliedern und ihre Einzel- beiten nrit gebotener Aufmerksamkeit betrachten. Der Reichskanzler geht hiernach von der Tatsache aus, daß die Verhältnisse in Eljaß-Lotbringen Zweifel darüber haben entstehen lassen, ob der bisherige staatsrechtliche Zustand nach dem Frieden fortdauern soll. Somit wird anerkannt, daß die Verhältnisse in den Grenzlanden eine Entwicklung
genommen haben, die solche Fragen und Zweifel herbeigeführt hat, und man darf wohl weiterschlreßen, daß die Berechtigung dieser Bedenken, wenn sie auch nicht offen zugegeben wird, mindestens nicht oe- tritten wird. Der Reichskanzler hat denn auch bereits Veranlassung genommen, sich über diese Angelegenheit mit den'leitenden Ministern einzelner Bundesstaaten zu unterhalten. Aber das geschah nur „gesprächsweise", somit nicht in amtlicher Form. Mit anderen Worten: es liegt nicht nur kein Beschluß vor, sondern es ist bisher auch noch keine Richtung anzn- goben, in der sich spätere Beschlüsse oder Pläne zu bewegen hätten. Dieser Tatbestand wird noch dadurch bekräftigt, daß auch die preußische Regierung bis- her nicht zu einer Entscheidung darüber gelangt ist, einmal, ob das Problem überhaupt in Angriff genommen werden soll, sodann, in welcher Weise das unter Umständen geschehen soll. _ Die iratürliche Folge des gegenwärtigen Zustandes ist es, .daß die Frage den Bundesrat' als solchen noch nicht beschäftigt hat. Wir erfahren aus der Erklärung, wie man sieht, nicht wenig. Wir wissen jetzt, daß -es wieder eine elsaß- lothringische Verfassungsfrage gibt, über die sich die Minister mehrerer Bundesstaaten, anscheinend aus die Anregung des Reichskanzlers hin, zwanglos und unverbindlich unterhalten haben. JSMr wissen ferner, daß Anlässe zu diesen Gesprächen durch die Entwicklung der Verhältnisse in Elsaß-Lothringen dargeboten worden sind. Wir hören sodann, daß „ein bestimmtes Programm" nock) nicht cha ist. Aber wir dürfen aa§ den Mitteilungen des Vertreters des Reichskanzlers schließen, daß die Angelegen- beit nach dem Frieden im Sinne einer Neuordnung behandelt werden wird. Welche Vorschläge in dieser Richtung in den Erörterungen der Fraktionsvertreter gemacht worden sind, darüber kann nichts pt- sagt werden. Man braucht sich indessen nur ‘Me sonstige Stellung -der Parteien zu dem elsaß-lothringischen Problem zu vergegenwärtigen, um ungefähr darüber unterrichtet zu sein, welchen Verlauf diese Unterhaltung im Hauptausschuß des Reichstags genommen haben mag. Wir verzichten darauf, un Anschluß hieran die mancherlei Anregungen zu prüfen, mit Herren man in verschiedenen Blättern an die neu aufgetauchte elsaß- lothringische Frage näher heranzukamrmm versucht hat. Einige dieser Vorschläge haben ein begreifliches Aufsehen erregt, auch eine gewisse Mißstimmung. Der Gegenstand ist indessen zu heikel, als -daß wir ihn hier ahne tieferes Eindringen in sehr verschlungene Zustände der Reichslande behandeln, und diese tiefer« Untersuchung wieder verbietet sich aus naheliegenden Gründen. Wir müssen uns damit begnügen, daß es wohl nicht so bleiben wird, wie es bisher war. Wir können aber schon fetzt das Vertrauen aussprechen, daß die Veränderung den wahren Interessen Msaß- Lothringens ebenso dienen wird wie denen des G e» samtvaterlandes.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
ver Zweck der militärischen Maßnahmen der Verbündeten.
Eine Aufklärung im englischen Unterhaus.
\V. T.-B. London, 17. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Ipr Unterhaus führte Lord Robert Cecil in Beantwortung eurer Frage aus, das unmittelbar« Ziel der Alliierten sei, die militärische Lage in Saloniki z« regeln und Bulgarien wie die Zentralmächte daran zu hm» dein, irgend eine mittelbare oder unmittelbare Kontrolle über Saloniki zu erlangen. Cecil fuhr fort: Wir glauben, daß LreS den Wünschen Griechenlands selbst entspricht. Die Unterhandlungen werden eifrig fortgesetzt. Die britische Regierung hofft, daß sie bald ein befriedigendes Ergebnis haben wird» Gegenwärtig ist es nicht möglich, mehr darüber zu sagen.
Ein neutrales Urteil über das schmähliche Verhalt«» der Entente gegenüber Griechenland.
W. T.-B. Luzern, 17. Dez. (Nichtamtlich.) Zu den spöttischen Äußerungen Pariser Blätter über die Halpvng Griechenlands, besonders des Königs, schreibt das Luzern«r „Vaterland": Wir finden den Spott höchst unfein und unpassend. König Konstantin will doch nur seinem Volk, das nach zwei Kriegen der Ruhe und Kräftigung bedarf, den Frieden bewahren. Wer sucht ihn zu hindern? Der Bier- verbend, der unter grober Verletzung der griechischen Neutralität Truppen gelandet hat, die heute, von den Truppen des Vierbundes geschlagen, auf griechisches GÄbiet zurück- ftüchten und dessen Frieden gefährden. Wer ist also schuld, wenn Griechenland gegen den Willen seines Königs rmd des Generalstabes doch schließlich in diesen Weltbrand hinein- gcrissen wird? Nicht der König und seine Regierung, sondern der Vierverbmid und seine Presse, die Griechenland gegen seinen Willen nicht zur Ruhe kommen läßt. Diese Presse, welche die empörende Hetze andauernd fortsetzt und zu Gewalttaten gegen das dem Drängen des Vier- Verbandes nicht willfährige Griechenland auf fordert, hat bisher keinen Grund zu ihrem Spott über den fadb-lreb ta be p
