Wieslickkiikr
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Morgen-klusgabe»
Freitag, 17. Dezember 1915.
Lebhafte KrtMerieKämpfe und rege ZliegerLaligkeit im Westen.
Russische Angriffe gescheitert.
In Montenegro bis vor Bijelopolje vorgedrungen.
Der Sagestericht vom 16. Dezember.
W. T.-ß. Großes Hauptquartier, 16. Dez. (Amtlich.)
westlicher ttriegsfchauplatz.
Lebhafte Artilleriekämpfc und rege Fliegertätigkeit auf dem größten Teile der Front.
Bei V a i I l y wurden zwei kleine P o st i e r u n - z e n aus dem Südufer der Aisne nachts von dcu Fran- ivsen überfallen.
Leutnant Jmmelmann brachte gestern über Valenciennes das siebente feindliche Flugzeug, einen englischen Eindecker, im Luftkampf zum Absturz.
Der vorgestrige Fliegerangriff auf M ü l l h e i m (Baden) soll nach französischer Darstellung als Ziel die dortigen Bahnhofsanlagen gehabt haben. In veren Nähe ist aber keine der geworfenen Bomben gefallen. Dagegen wurde in der Stadt ein Bürger getötet, ein anderer schwer verletzt. Der rein militärischer Schaden beschränkt sich auf die Zerstörung einiger Fensterscheiben im Lazarett.
Gestttcher rrrkegslckauplatz.
Heeresgruppe des Generalfstdmarfchall» von kfindenburg.
Russische Abteilungen, die nördlich des D r y s w j a t y- S e e s bis in unsere Stellung vorgedrungen waren, wurden durch Gegenangriffe zurückgcworsen. In der Gegend der Beresina-Mündung brach ein Vorstoß des Feindes im Feuer unserer Infanterie zusammen.
heeresgrupp« des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bayern.
Die Lage ist u n v c rä n d e r t. Nachts kam es zu kleinen Patrouillenzusammenstößen.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Bei B e r e st i a n y scheiterte ein feindlicher Angriff.
Ein russisches Flugzeug mußte vor Luk im Bereiche der österreichisch-ungarischen Truppen landen, valkantzriegsjchuuplatz.
Die Kämpfe in'Nord-Montenegro wurden mit Erfolg fortgesetzt. Die österreichisch-ungarischen Truppen stehen nahe vor B i j e l o v o l j e.
Oberste Heeresleitung.
Oa§ weitere Vordringen in Montenegro.
Die Linie halbwegs Rozay-Berane erreicht. Rn der italienischen Krönt nur Geschütztzämpfe. v-r österreichisch-ungarische Taaesberichl
W. T.-B. Wien, 16. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 16. Dezember, mittags:
Russischer Uriegskchauplatz.
Iw Gebiete des K o r m i n - Baches wies die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand einen russischen Vorstoß ab. Südwestlich von Okika wurde ein feindlicher Flieger zum Landen gezwungen und gefangen. Ernes unserer Flngzcuggcschwader belegte die an der Bahn Miedwieze-Sarny liegende Eisenbahnstation Antonowka und den Bahnhof von Klewan mit Bomben. Die Aktion hatte Erfolg. Bei Klewan entstand ein Brand. Alle Flugzeuge kehrten trotz heftiger Beschießung unversehrt zurück.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Tiroler und an der I s o n z o f r o n t fanden einzelne Geschützkämpse statt. Am Flitscher- Bccken bemächtigten sich unsere Truppen durch Überfall einer italienischen Vorstellung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Truppen warfen gestern den Feind auch südöstlich von G l i b a c i in die Tara- Schlucht hinab. Andere österreichisch-ungarische Kolonnen gewannen unter heftigen Kämpfen die Höhen unmittelbar nördlich von B i j e l o p o l j e und das Gelände , halbwegs zwischen Rozay und Getane.
Westlich von Jpek hat der Gegner den Rückzug gegen P l a v und G n s i n j e angetretcn. Die Zahl der gestern mitgeteilten Gefangenen erhöht sich auf 900 Mann.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnaut.
Griechenland als neutraler Kriegsschauplatz.
Der Weltkrieg 1914/15/16 — wir werden uns nun bald an diese neue Bezeichnung gewöhnen müssen — hat schon die sonderbarsten Erscheinungen mit sich gebracht, besonders bei der vielfach recht weitherzigen Auslegung der Neutralität (vergleiche dafür besonders die Nordomerikanische Union). Die Merkwürdigkeit der Merkwürdigkeiten aber, die uns dieser Krieg beschert, ist jedenfalls der neutrale Kriegsschauplatz.
Er befindet sich ans griechischem Boden. Freilich, wenn es nach den Wünschen des Vierverbandes gegangen wäre, dann hätten wir dort keinen neutralen Kriegsschauplatz zu verzeichnen, sondern wir wären nm einen Gegner reicher. Mit Zuckerbrot und Peitsche ist im Hellenenreiche gearbeitet worden, wo man sogar, erfreulicherweise ohne Erfolg, mit Hilfe des Venizelos eine Erhebung gegen den König ins Werk zu setzen suchte. Mit Zuckerbrot in Gestalt des Angebots einer Anleche von 40 Millionen Franken und des Versprechens von Landgewinn auf Kosten Ser- biens und der Türkei. Aber noch mehr mit der Peitsche, mit der Benutzung der griechischen Inseln als Flotten- basis, mit der Landung in Saloniki und dem Durchmarsch durch griechisches Gebiet, ja sogar mit der Drohung einer Beschießung der griechischen Küste.
Es war v e r l o r'n e Liebesmüh'. Das Volk der Griechen, das in König Konstantin einen ebenso tüchtigen Staatsmann wie Feldherrn an der Spitze hat, ließ sich nicht einschüchtern. Es hat sich durch Versprechungen nicht blenden, durch Drohungen nicht einschüchtern, aber es d o ch nicht zu einem Konflikt kommen lassen. Die griechische Regierung ist der Entente weit entgegengekarnmen, hat den Begriff der „wohlwollenden Neutralität" so weitherzig ausge- gelegt, daß sie diesen Namen nicht mehr zu verdienen schien. Aber als all dies Entgegenkommen nichts nützte, als die Engländer und die Franzosen in ihren Forderungen immer anmaßender wurden, da sprach König Konstantin: Bis hierher und nicht weiter! Der Monarch hatte den gelandeten Truppen sogar freien Abzug zugesichert, wenn sie das längst gescheiterte Saloniki-Unternehmen aufgoben wollten, aber Kitchener und Sarrail wurden durch die Kabinette in Paris und London überstimmt. Und so Weist denn jetzt die griechische Neutralität die Kehrseite ihrer Medaille ans.
Die Fraae ist dadurch akut geworden, daß die Trup- Pen der Mittelmächte und Bulgarien die Gebiete besetzt haben, welche der Vierverband unter anderem den Griechen für ihre Waffenhilfe versprochen batte, die Gebiete, welche lanae Zeit den Zankapfel Zwischen Bulgarien und Griechenland bildeten, nämlich die beiden Landzipfel des bisher serbischen Mazedoniens, Doiran und Gewgeli, welche, zusammen ein Dreieck bildend, im Norden von Saloniki in das griechische Gebiet bineinraaen. Die geichkaaenen Alliierten sind über die griechische Grenze geflüchtet, und sie, die „Beschütze r", verlanaren Schutz von König Konstantin, verlangten, daß er die Kraft seines Volkes für die Rettung der Bedrücker opfere. Das war denn doch zu viel verlangt. Und so hat die griechische Regierung sich, wie aus Athen gemeldet wird, und wie die „Aaence .Havas" bestätigt, auf den Standpunkt gestellt, daß. was dem einen recht ist, dem anderen billig sein müsse. Die griechische Regierung least danach die Neutralität in dem Sinne aus, daß, wenn sie die Truppen der Entente, der Not gehorchend — denn ihr Protest wurde nicht beachtet — i n s Land ließ, sie den gleichen Liebesdienst den Gegnern nicht versagen dürfe. Griechenland wird sich, so heißt es in der Meldung, einem etwaigen Einbringen von Truppen der Zentralmächte aus griechisches Gebiet ebensowenig wider setzen können, wie es sich fo?r Landung der Ententetruppen widersitzt bat.
Man wird Griechenland zu diesem Entschluß be- Glückwünschen können, denn es erspart sich dadurch, selbst mit in den Krieg hineingezogen zu werden. Man weiß in Achen, daß man von den Zentralmächten und auch von Bulgarien, das sich läng st über die strittigen Fragen mit Griechenland geeinigt hat, nichts zu befürchten hat, daß, wie ja die Festsetzung in Saloniki zeiat, der Vierverband der Feind, der gefährliche Feind Griechenlands ist. Dieses würde alle Ursache haben, den Mittelmächten dankbar zu sein, wenn sie durch ihren Vormarsch Griechenland von seinen Usurpatoren b e fr e i e n, die sich .dort nicht nur wie die Herren, sondern wie Eroberer benehmen. In England und Frankreich aber dürfte man es sich angesichts dieser Wendung der Dinge sehr e r n st I i ch Werlegen, ob inan nicht einen freiwilligen Abbruch des Balkanunternehmens — und was für Saloniki gilt, gilt im Grunde auch für
Nr. 587. ♦ 63. Jahrgang.
die Davdarnellen! — der unvermeidlichen Katastrophe, dem offenen Bankerott vorziehen soll. Die „Agence Havas" versichert freilich: „Die Berichte der feindlichen Spione haben die Deutschen und Österreicher nicht ermutigt, Saloniki anzugreifen, das in eine wahr« Festung mit vielen vorgeschobenen Schanzwerken verwandelt^ ist." Nun, wir sind schon mit manchen anderen Festungen fertig geworden. Jedenfalls steht es fest, daß die Griechen uns Dank wissen werden, wenn es in unserem Plan liegt, s i e wieder zu Herren von Saloniki zu machen, ebenso wie uns die Franzosen vielleicht noch einmal bitten werden sie bei dem Versuch zu unterstützen, Calais zu erobern — von den lieben englischen Bundesgenossen!
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Die Errichtung einer neutralen griechisch- bulgarischen Zone.
Der feste Wille zur Vermeidung jeden Zwischenfalles.
W. T.-B. Sofia, 16. Dez. (Nichtamtlich. Bulgarische Telsgraphen-Agentur.) Nachdem die bulgarischen Armeen durch die Einnahme von Monastir und Nesna in die Nähe der griechischen Grenze gelangt sind, hat die bulgarische Regierung, von dem Wunsche geleitet, jede Möglichkeit von Zwischenfällen zwischen Vorposten der bulgarischen Armeen' und griechischen Grenzwachen auszuschalten, der griechischen Negierung den Vorschlag gemacht, eine neutrale Zone dadurch zu errichten, daß die Truppen je zwei Kilometer von der Grenzlinie zurückgezogen werden. Seitens der hellenischen Regierung ist die Antwort cingctroffen, daß sie den bulgarischen Vorschlag annehme und daß der Kriegsminister den hellenischen Behörden die nötigen Befehle erteilt hat» sich mit den bulgarischen Offizieren wegen der Errichtung einer neutralen Zone ins Einvernehmen zu setzen.
ver englisch-französische Mißerfolg.
Ein holländisches Urteil.
Haag, 16. Dez. (Jens. Mn.) Der militärische Mitarbeiter des „Nieuwe Rotterdamschen Courant" schreibt: Die amtliche deutsche Mitteilung, daß kein französischer und englischer Soldat mehr aus serbischem Boden stehe, wird von gegnerischer Seite unwidersprochen gelassen. Bei der französisch-englischen Expedition ist also, ähnlich wie seinerzeit in Belgien, nichts herausgekommen. Nachdem die Verbündeten jetzt sogar auf griechisches Gebiet zurückgetrieben worden sind, hat das Prestige Englands und Frankreichs, das gerade auf dem Balkan ein politischer Faktor von großer Bedeutung ist, sehr gelitten. Das Mißglücken der Dardanellenaktion, die vergeblichen Versuche der Entente, Bulgarien auf ihre Seite zu ziehen, der Mißerfolg in Mesopotamien, die Verspätung und das Mißglücken der Hilfeleistung in Serbien und dazu die Beibehaltung der Neutralität Griechenlands — alles dies ist nicht dazu angetan, die Autorität der Entente auf dem Balkan zunehmen zu lassen. Der Traum auf Griechenlands Teilnahme am Kriege ist zerstoben. Griechenland, dessen Herrscher alles Mögliche getan hat, um sein Land vor dem Krieg zu retten, tut wohl jetzt das letzte, was es tun kann und zieht sich aus der Kampfzone zurück. Da dir Verbündeten keineswegs in der Lage sein dürsten, schnell genug zahlreiche Verstärkungen heranzuziehem, so wird Saloniki bald von den Truppen der Zentralmächte e i n geschlossen sein. Wenn die Verbündeten alle Einzelheiten ihrer Lage überschauen, muß ihnen wohl sehr beklommen zumute werden.
Allgemeine Panik in Saloniki.
w. T.-B. Wien, 16. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Athen: In
Saloniki ist eine allgemeine Panik ausgebrochen. Die Bevölkerung befürchtet für den Fall der Belagerung der Stadt und bei einem Abzug der griechischen Garnison Gewalttaten der Berbandstruppen. Ebenso hegt man Voder Haltung der zahlreichen, vielfach sehr zweifelhaften serbischen Flüchtlinge Furcht. Bezeichnend für die Stimmung unter den französischen Truppen ist die Tatsache, daß erst vor einigen Tagen eine Meuterei von Territvrialtruppcn unterdrückt werden mußte. Die Soldaten weigerten sich, Schanzarbeiten zu verrichten. Mit Rücksicht auf die drohenden Möglichkeiten der Lage haben die deutschen und österreichisch- ungarischen Kolonien alle Vorkehrungen getroffen, um sich gegebenenfalls rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Bisher nur deutsche Rovallerie jenseits der griechischen Grenze?
Was Magpini meldet.
' Br. Lugano, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Magrini meldet dem „Sccolo": Bisher hat nur deutsche Kavallerie die griechische Grenze überschritten. In Monastir stehen Truppen aller drei Mächte, von Deutschen und Österreichern jedoch nur Reiterei. Auf dem Regierungsgebäude wehen die deutsche, österreichische, bulgarische und türkische Flagge. Der Gouverneur ist ein deutscher Offizier. Zum Bürgermeister ist Herr Ritzw o, der Bruder des bulgarische« Gesandten i« Berlin, ernannt worden.
