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Donnerstag, 16. Dezember 1915.

klbend-ktusgabe.

Nr. 586. «- 63. Jahrgang.

Der ttrieg.

Oer amtliche bulgarische Bericht.

W. T.-B. Sofia, 16, Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Meldung der Bulgarischen T elegr aph en -A geritur. ) Amtliche Mitteilung über die Operationen vom 14. Dez.: Die Eng­länder „rid Franzosen sind ans griechisches Ge­biet zurückgeworfen. Unsere Truppen befinden sich an der griechischen Grenze, nachdem sie vorläufig die Verfolgung des Feindes eingestellt haben. An der ganzen Front herrscht R u h e. Wir nahmen dem Feinde 1234 Gefangene, darunter 18 Offiziere, 14 Gefchiitze, 62 Munitionswagen, 16 zwei- spännige Sanitätskarren und viel anderes Kriegsmaterial ab. — Von nun an wird der Generalstabsbericht nur an jenen Tagen veröffentlicht,, an welchen bedeutende Operationen z» melden sind.

Reuter über den „freiwilligen" französisch- englischen Rückzug-'

Ostmazedonien zur freien Verfügung der Entente. Auch das Gebiet zwischen Doiran und Saloniki wird geränmt.

IV. T.-B. Saloniki, 16. Dez, (Nichtamtlich.) Das Reutevsche Bureau berichtet: Der freiwillige Rückzug der eng­lisch-französischen Streitkräfte ist nunmehr g«rnz nach Wunsch der Befehlshaber beendet. Die Zurückziehung der griechischen Truppen aus dem Gebiet zwischen Saloniki und Doiran und aus Saloniki selbst hat begonnen. Der größte Teil der in Saloniki stationierten griechischen Truppen zieht in der Richtung von Sero witsch und Koziaui ab. Fast ganz Ost Mazedonien ist den Verbündeten. zur freien Verfügung überlassen.

Plünderung und Räuberei in Mazedonien.

IV. T.-B. Sofia, 16. Dez. (Nichtamtlich. Bulgarische Telegraphen - Agentur.) Die „Armeezeitung" veröffentlicht eine eingehende Schilderung der von den französischen Truppen in Mazedonien ungerichteten Verwüstungen. Die Bevölkerung ist seht der ärgsten 9fot nusgesetzt, da ihre gesausten Vieh- und Geflügelbestäude und ihre Lebensmittel. Vorräte von den Franzosen vernichtet oder weggcschleppt wor­den sind. Die französischen: Truppen plünderte:: die Dörfer buchstäblich unter den sichenden Blicken der unglücklichen Landsleute.

Die vulgaren nicht auf griechischem Gebiet!

W. T. -B. Athen, 16. Dez. (Nichtamtlich.) Eine amt­liche Meldung bezeichnet die Mitteilung, daß die Bulgaren in griechisches Gebiet eingedrungen seien, als unrichtig. Die durch den Rückzug der Alliierten aus griechisches Gebiet und die Annäherung der bulgarischen und be u t sch e n Truppen an der griechischen Grenze geschaffene Lage beschäf- tige die amtlicheil Kreise lebhaft. Die griechische Negierung folge den: Gange der Ereignisse mit Aufmerksamkeit und halte sich bereit, alle Entscheidungen zu treffen, welche die höheren Interessen des Landes erheischen sollten.

Flucht der montenegrinischen Rönigsfamilie nach Italien.

W. T.-B. Bern, 16. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach dem Mailänder „Sera" wird König Pctcr dem­nächst in Italien cintreffcn, um seine angegriffene Geiund- heit wiederhcrzustellen. Wahrfcheinlich wird er nach einem kurzen Bcfnch in Rom in der königlichen Billa in Caserta Wohnung nehmen. Da ferner mit der Möglichkeit gerechnet werden müsse, daß Montenegro ei» ähnliches Los wie Ser­bien ereile, werde bereits die Übersiedelung der m o n - tcnegrinistchen Königsfamilie erwogen. König Rikita werde jedoch bis zuletzt an der Spitze des Heeres bleiben.

Tcr montenegrinische Kricgsminister droht mit einer neuen russischen Offensive.

Br. Rotterdam, 15. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der montenegrinische Kriegsminister Martinowitsch, der :n- solge einer Einladung des Zaren vier Monate an der russi­schen Front weilte und jetzt auf der Rückreise nach Cettrnje ist, erklärte einer Depesche aus Paris zufolge, daß . Rußland jetzt gut für neue Kämpfe vorbereitet sei. Die Munitions­fabriken arbeiteten Tag und Nacht. Rußland werde de:n- nächst imstande sein, mit 4 Millionen gut ausgerüsteter Tvuppen die Offensive zu ergreifen.».

Oas Schwarze Meer von Ser russischen Flotte gesäubert?

Berlin, 16. Dez. (Jens. Bln.) Nach dem „Pester Lloyd" erzählen in Baltschik eingetroffcne greifende, daß die türkisch- bnlgarische Flotte das Schwarze Meer von der ruffischcn Flotte gesäubert habe, so daß die türkische Schiffahrt ungestört ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könne.

Oie griechisch-französischen Abmachungen.

Br. Genf, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Laut Meldungen Pariser Blätter aus Athen findet der Rückzug der Verbündeten so schnell statt, als der Transport des Kriegs­materials nach Saloniki cs gestattet, wo die Errichtung eines befestigten Lagers bereits begonnen hat. Falls die Deutschen das griechische Gebiet betreten, glaubt man, daß die griechische Regierung diesen das gleiche Ent­gegenkommen wie den Verbündeten entgegenbringcn wird. Der Wortlaut der zwischen General Sarrail und dem

griechischen Obersten Pallis getroffenen Abmachungen ist laut Lyoner Blättern folgender:

1. Tie griechischen Truppen eiltfcrnen sich einstweilig, um die französisch-englische Armee passieren zu lassen.

2. Die Alliierten sind ermächtigt, in Saloniki zu bleiben und sich dort zu befestigen. Die griechischen Truppen in Saloniki werden ans eine Division reduziert.

3. Griechenland verringert seine Kontingente, die die Forts und Batterien am Eingang der Bucht von Saloniki, besetzt halten.

Der Berichterstatter des „Serolo", Magrini, drahtet vom 13. Dez. aus Saloniki: Nach der Besetzung Doirans durch die Bulgaren wurde auf dem Gouvernementsgebäude die bulgarische Flagge gehißt. Die Verständigung zwischen Scrrrail urrd Pallis ist eigentlich nicht vollständig, die erreichte Lösung aber befriedigend. Griechenland hat nicht eingewilligt, daß die griechischen Befestigungswerke von Saloniki von den Alliierten besetzt würden. In anderen Punkten wurde ein Einvernehmen erzielt. Die griechischen Truppen haben bereits die Umgegend von Saloniki verlassen. Zum Zeichen der griechischen Oberhoheit bleibt ein griechisches Bataillon in Saloniki. Am 18. Dez. räumten die Griechen T o p s i n. Die militärischen Punkte sind die Eisenbahn­station wurden von den Engländern besetzt.

Der französisch-englische Balkanzwist beigelegt?

W. T.-B. Bern, 16. Dez. (Nichtamtlich. Drahtber^t.) Zur Geschichte der englisch-französischen Ver­ständigung über die Fortsetzung der Balkanexpeditwn läßt sich der „Secolo" von seinem Pariser Berichterstatter folgendes melden: Zu Beginn der Ausschiffung der Verbauds- truppen zögerte England infolge des griechischen Protestes, während Frankreich selbst die Gefahr einer Ministerkrise auf sich nahm und alle seine Truppen landete. Erst aus das Drängen Frankreichs schiffte England einige Kontingente aus. Ein französisch - englisches Zusammengehen erschien jedoch wegen der Bedenken Kitcherwrs wenig sicher. Nach den Reisen Kitcheners und Denys Cochins, auf denen beide in ihrer Abneigung gegen das Balkanunternehmen bestärkt wur­den, teilte die englische Regierung am 3. Dcz. der Pariser Regierung ihren Eutschüuß mit, ihre Truppen von Saloniki znrückzuziehen und anderweitig für die Berteidigung Ägyptens Maßnahme:: zu treffen. Die französische Regierung wies auf alle Gefahren hin, die aus einer Aufgabe Salonikis, besonders für die französische Balkanpolitik, entstehen könn:en. Daraufhin trafen am 4. Dez. englische Minister, darunter Asqnith, mit französischen Ministern, darunter Briand, zu­sammen. Bei ihren Beratungen konnte jedoch kein ver­söhnender Ausiveg gefunden werden. Am ö. Dez. st:nd in Paris ein Kricgsrat der Alliierten statt. Gleichzeitig traf in London ein französischer Minister ein. Der Kriegsrat er­klärte bereits in der ersten Sitzung, daß die Aufgabe der Balkanmission militärisch einen unheilbare!: Fehler bilden würde. Ebenso fand der französische Minister in London viele englische Kollegen, die seinen Anschauungen beipflichteten. Daraufhin verlangte die französische Regierung, unterstützt von Italien und Rußland, in London von neuem die Fort­setzung der Expedition, so daß schließlich am 8. Dez. Asqstith, Grey nrrd Kitchener nach Paris gingen, persönlich mit Tittom verhandelten und alsdan.u niit Briand, Joffrc, Gallieni nud anderen berieten. Bei diesen letzten Besprechungen wurde endlich eine Verständigung über Saloniki u:rd den Orient erreicht. (Sollte dies zutreffcn und die Entente die Gefährdung unserer Verbindung mit Bulgarien und der Türkei fortsetzen, dann gäbe es für die Verbündete:: nur eins, die Verfolgung des französisch-englischen Expeditionsheeres fortzusetzen, dieses aus Saloniki, überhaupt von dem Balkan völlig zu vertreiben und damit eine sonst ständige Gefahr zu beseitige::. Schristl.)

Italien mitztraut Griechenland nach wie vor.

Genf, 16. Dcz. (Zeus. Bln.) Nach Berichten aus Rom hält man in Italien an dem dort bestehenden scharfen Miß­traue n gegen Griechenland fest. Die griechische Neutralität sei, so glauben die Italiener, nach wie vor fragwürdig und voller Hintergedanken, die mit dem Fortschreiton des Vor­marsches der Deutschen, Österreicher und Bulgaren schärfer hervortrete:, würden. Eigentümlich nimmt sich dabei die Ent­rüstung der italienischen Blätter darüber aus, daß Griechen­land der Verletzung seiner Grenzen durch die Deutschen und Österreicher nicht mit bewaffneter Hand entgegewreten wolle. Magrtni gibt im „Sccolo" eine Äußerung eines ehemaligen griechischen Ministers wieder, der in Übereinstimmung mit dem bulgarischen Gesandten in Athen einem Berichterstatter gegenüber erklärt haben soll, die griechische Grenze werde nur von deutschen und österreichischen Truppen überschritten werden.

Eine Rekrutcnansprachc des Königs von Rumänien.

Br. Budapest» 16. Dcz. (Eig. Drahtericht. Zeus. Bln.) Aus Bukarest wird gemeldet: In einer hiesigen Kaserne wurde der Jahrgang 1916 vereidigt. Hierzu ivar auch der König erschienen, der eine Ansprache au die jungen Rekruten richtete und hervorhob, daß nicht ohne Ursache der Tag der Jahreswende der Einnahme von P lew na für den feier­lichen Akt bestimmt worden sei. „Ich will, daß der Ruhm, den die rumänische Armee an diesem Tage vor 37 Jahren erwarb, jeden Soldaten lebendig durchdrnrgt." Der König sprach die Hoffnung aus, daß die Armee, wenn das Vaterland später rufen sollte, sich des Ruhmes der Ahnen Ivürdig zeigen würde. Rach der Vereidigung fand ein Frühstück im Osffzierskafino statt.

Eine erfreulich deutliche Antwort Oesterreich - Ungarns an die Union.

Die Donaumonarchie fordert Formulierung der angeblich verletzten Rechtsfätze.

W. T.-B. Wien, 16. Dez. (Nichtamtlich.) Der Minister des Äußern Baron v. Burian hat cm den amerikanischen Botschafter Penfield unter deni 14. De­zember 1915 nachstehende Note gerichtet:

„Zu der sehr geschätzten Note Nr. 4137, welche Se. Exzellenz, der Herr außerordentliche und 'bevollmächtigte Botschafter der Bereinigten Staaten von Amerika (S. Frederich Penfield namens der amerikanischen Re­gierung in der Angelegenheit der Versenkung des ita­lienischen Dampfers „Ancona" unter dem 9. Dezember an ihn gerichtet hat, beehrt sich der Unterzeichnete, vor­läufig und unbeschadet einer eingehenden meri torischen Behandlung der Reklamation zu bemerken, daß die Schärfe, mit welcher die Bundesregierung den Kom- niandanten ^des an der Sache beteiligten Unterseebootes zu tadeln vermeint, und die Entschlossenheit, mit der die an die Adresse der österreichisch-ungarischen Regie­rung gerichteten Forderungen vorgebracht erscheinen, w o h l hätten erwarten lassen, daß die Regie­rung der Union die tatsächlichen Umstände des Falles, aus welche sie sich stützt, genau angebe. Wie u n- schwer zu erkennen ist, läßt die in der besagten Note enthaltene Darstellung des Sachverhaltes zahlreichen Zweifeln Raum mid gewährt selbst, wenn sie in allen Punkten, zutrifft und der Beurteilung des Falles die rigoroseste Recht sauiffassung zugrunde gelegt würde, durchaus keine genügende Handhabe, um dem Kommandanten des Kriegsschiffes oder der österreichisch­en garischen Regierung ein Verschulden zur Last zu legen.

Die Bundesregierung hat es auch unterlassen, die Personen zu bezeichnen, ans deren Aussagen sie sich beruft und welchen sie augenscheinlich einen höheren Grad von Glaubwürdigkeit zuMierkennen zu dürfen glaubt, als freut Kommando der Kaiserlich und König­lichen Flotten. Auch was Zahl, 'Namen und näheres Schicksal der amerikanischen Bürger anlangt, die im kritischen Augenblick an Bord des genannten Dampfers weilten, läßt die Note jeglichen Aufschluß ver- m i s s e n. Die österreichisch-ungarische Regierung ist gleichwohl im Hinblick darauf, daß das Washingtoner Kabinett nunmehr eine vositive Erklärung des Inhalts abgegeben hat, es seien bei dem fvaglichen Vorfall An­gehörige der Vereinigten Staaten von Amerika zu Schaden gekommen, im Prinzip bereit, m der Ange­legenheit in einen Gedankenaustausch init der Bundesregierung einzutreten. Sie muß aber schon setzt die Frage anfwerfen, weshalb diese Regierung davon abgesehen hat, die in dieser Note aufgestellte Forderung unter Bedachtnahme ans die von ihr selbst hervorqehobenen Umstände des inkriminierter: Vor­ganges juristisch zu begründen und an die Stelle einer solchen Begründung den Hinweis auf den Schrift­wechsel gesetzt hat, den sie in anderer Angelegenheit mit einer anderen Regierung geführt hatte. Die öfter- reichisch-unaarische Regierung vermag dom Washing­toner Kabinett auf diesem ungewöhnlichen W c g e um so weniger zu folgen, als sie keine authen­tische Kenntnis von allen einschlägigen Korrespondenzen der Bundesregierung besitzt und sie ist auch nicht der Ansicht, daß ihr diese Kenntnis im vorliegenden Falle genügen könnte, die, soweit ihre Informationen reichen, in wesentlichen Punkten anders geführt sind als der Fall oder die Fälle, ans welche die Regierung der Union anzuspielen scheint.

Die österreichisch-ungarische Regierung darf schon dem Washingtoner Kabinett an-heimgeben. die einzel­nen Rechtssätze zu formulieren, gegen welche der Kom­mandant des Unterseebootes anläßlich der Versenkung der „Ancona" verstoßen haben soll. Die Regierung der Union hat auch geglaubt, auf die Haltung verweisen zu sollen, welche das Berliner Kabinett in dem erwähn­ten Schriftwechsel eingenommen hat. Tie österreichisch- ungarische Regierung findet in der sehr geschätzten Note keinerlei Anhaltspunkte dafür, welcher Absicht dieser Hinweis enffpringt. Sollte jedoch die Bundesregierung damit bezweckt haben, eine Meinung in der Richtung zu äußern, als wäre der stehenden Angelegeicheit ein Präjudiz irgendwelcher Art gegeben, so muß diese Regierung, um etwaigen. Mißverständnissen zuvor- Mtfcmtmen, erklären, da ß sic s i ch s e lb stv e r st ä nd- lich volle Freiheit wahrt, bei Erörterung des Falles der „Ancona" ihre eigene Recht sauf-, f a s s u n g geltend zu machen.

Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, die Ge­fälligkeit Sr. Exzellenz des Herrn Botschafters der Ver­einigten Staaten von Amerika mit der ergebensten Bitte in Anspruch zu nehmen, das Vorstehende der <Mie- rikanischen Regierung mitteilen und bei dieser Gelegen­heit zum Ausdruck bringen zu wollen, daß die öfter»