Morgen-Beilage der MerbaLener Tagblattr. s
Nr. 290. Sonntag» 12. Dezember.
[{38. Fortsetzung.)!
Der Grgsl-kluger.
Roman von Edcla Rüst.
(Nachdruck verboten.!
" »Entschuldige mich, Herbert", sagte dann Wulfsen, „auf Wiedersehen in München!" ^ .
Herbert erwiderte nichts darauf, er druckte dem Freunde nur die Hand. Und wähvend Wulfsen, von Len Damen begleitet, mit dem alten Sehren zur Gartentür ging, eilte er zur Veranda hinauf, um den Brief Lei der Lampe zu lesen. u
„Du bringst wohl Mütterchen nach Hause. Herbert", rief der Vater zurück.
Eine Weile gab es keine Antwort von der Veranda her. Dann mit ganz heilerer Stimme: „Jawohl. Mut- Lerchen, ich bringe dich nach Haus!"
Herbert hatte den Brief schnell zum Frdibus ge- dreht, ihn cm der Lampe entzündet und die Lampe .dann hastig ausgoblasen, als könne er das grelle Licht im Augenblick nicht ertragen. , .
Auf dem Papier, das die blau aufzungelnde Flamme gierig verzchrte, stand nur eine einzige Zeile ohne Unterschrift: „Benutzen Sie die Nacht zur Flucht!
Als Dina mit der Doktorin zur Veranda zuruckkam, ging Herbert ihnen entgegen, die paar Stufen hm- unter. Er hielt sich dabei an denr zierlichen Geländer, als träte er unsicher. r
„War die Lampe schon ausgebrannt? fragte Dma
erstaunt. „ , . , . _
„Nein, ich habe sie ausgeblasen — wir bemrtzen sie
doch nicht mehr." . t _ „ . ri
Dina hätte um alles rn der Welt nicht nach dom Brief fragen können. Sie war das Ausfragen nicht gewöhnt, und eS stieg mit Herbert so ein Etwas die 'Treppe herunter, was ihr riet, seine Stimmung nicht auszureizen.
Aber Mütterchen konnte nicht an sich halten.
,M war wohl 'ne Bettelei?" fragte sie.
„Ach nein —< des Hauses wegen! Eichenberg möchte morgen vor der Sprechstunde noch herankoiNwen, er reist mit dem Zehnuhrzuge ins Bad." , ir ., OH . Mglcher von den Brüdern ist's denn ergentlich?
./Siegfried ist es, Mütterchen, der Junggeselle."
5 „Was braucht denn der so'n großes Haus?"
. “ „Er will vielleicht heiraten, Mütterchen —< es geht •feilem mal die Vernunft aus!"
Kauft er es denn sicher?"
,M ist so gut wie perfekt — er will doch daun wohl morgeir abschließen." ,
„Dann kannst du wirklich von Gluck sagen — es kommt in gute Hände und in sichere."
,/Rnd eS die Getreidehändler, mit denen Papa rn Geschäftsverbindung stcht?'' fragt« Dina, nur um nicht ganz fiaurran dabei zu stchon.
die alte Firma", sagte Herb«t. und machte ein 'ritte «tn den Garten hinein, um an einer Hoch. r]t einen Zweig auszurichten, der, mond- m, tief heruntersMeiste und im Kelch« hoch- ^.^.er weißer Liften Verwirrung anrichtete. ^Komm nur, Herbert, ich will gleich fort, will mich
zeitig niederlegen, morgen heißt's früh aus dm Federn." ... ,
„Na, na — bis Mittag tft ja ne lange Zert.
„Wenn man reisen will nicht — da gibt s rmmer noch so viel zu tun, wenn man denkt, man tft langst fertig — so gcht's doch jedem." .
„Ich reise immer ohne Vorbereitung — aus die weitesten Wege." .
„Das ist eine von «deinen Unmanieren, mem <MNM damit brauchst du dich nicht zu brüsten. Hol' mir merne Sachen heraus —- vergiß nicht den Pompadour!"
Auf «dom Heimweg sprachen sie von den Klndern. und Mutberc^n scherzte: wie Dina es gut habe, dre Kleinen wären so artig, so leicht zu erzichon, kems von beiden sei ein echter Sehren, wie sie so dereinst mit dem einen Vollblut^Sehren ihre tüchtige Not gehabt hätte. .
Vor ihrer Tür meinte sie dann aber doch: „Dafür ist aber auch was Extras aus ihm geworden, ,da braucht's seiner alten Mutter nicht leid zu tun um die Mühe!"
Herbert nahm sie in die Arme und küßte sie wieder und wieder über 'das ganze liebe, hübsche, Helle Gesicht und drückte sie immer wieder an sich, als könnte er sie gar nicht loslassen: „Adieu, Mütterchen, vergiß doinen Extrajungen nicht!"
„Was, in den vier Tagen? Ich denke, da brauchen wir nicht so herzbrechend Abschied nehmen." Frau Sichren lachte. „Das kann ich überhaupt nicht fahr leiden. das Abschiodnchmen! Das Kommen, wenn's was Liebes gilt, das ist ein Fest! Aber das Gehen muß man nicht 'besonders auszeichnen, da wird's noch Weherl So geh' doch, Herbert, >was hast du dann?"
„Ich meine nur, Mütterchen, wenn's zwischen uns mal zum Abschied kommt, dann brauchen wir zwei nicht miteinander zu reden, wir wissen, wie wir miteinander dran waren — daß ich dir mit drei Loben nicht genug danken könnte für alle deine Liebe, für dein goldiges Herz, das mit mir gegangen ist, so lange es durfte!"
„Was du nur rüd'st, lieber Junge!, Ja, wir wissen, wie wir miteinander dran sind, aber ich habe nicht die geringste Lust, mich sobald allseitig zu verabschieden."
„Wer von uns beiden der erste ist — «wer kann es wissen! Heute trifft's einen Alten, morgen einen Jungen! Der Halm muß geteuft werden, wenn er reif ist!"
..Das stcht in Gottes Hand, .mein guter Junge, damit wollen wir nicht spielen."
„Wer daran denken, wenn wrr reif sind! Dann wirst du mein letzter und lidbfter Gedankt sein, Mütterchen, wie ich mir wünsche, daß du zu mir herüber- winkst, wenn du . . ."
„Deine Nerven sind aber fürchterlich herunter Herbert, es ist höchste Zeit, daß du deine Koffer packst."
„Das kann schon sein!" , .
„Und dort sollst du nichts arbeiten — du brauchst die Erholung nötiger wie wir alle — — wa« ist alle» auf dich eingestürmt I"
„Ja, es war unmenschlich, ich habe Rühe nötrg, weiß
