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Wiksbsdemr ©agblatt

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BLiU«S-P»-i« f«t beid« Aus,<ldcn: 70 «, mnn-llich. St 2— vierteljLInclich durch den Brrlnz L«moa»fte 21 , atme ®ri*fnUi!jn W 3.— diimljShritch durch olk deutschen ?oftn*[t«lten. anAchkichlich Beftengeld — »«,»,»- »echeMn,,«, nehmen «cherdem en»,eM>: in Wiesbaden die Zweitzitelle BiS» marckrino IS, !»wie die AuSnabeitellen in «Sen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dsettg»» AnS- zadeftellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingan die betreffend« Tagbiari-Trage:

„TagdlnU-Han^" Rr. ««S0-SL.

Bon 3 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends, sicher Sonntags.

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ch -inN-«°rS-tz!orm, 2b Wg. in daoon ndwoichender SnchanWhrnng. ,E «ir n^nb^enSM^

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Donnerstag» 9. Dezember 1915.

klbend-klusgabe.

Nr. 574» . 65. Jahrgang.

Die Reichskanzkrrede im Reichstag.

Der große Tag im Reichstag.

(Von unserer Berliner Abteilung,)

It. Berlin, 9. Dez. (Erg. Drahttzericht.) Der große Lüg der vierten Kriegsrede des Reichskanzlers hatte viele Neugierige auf den sonnbestrahlten Königsplatz gelockt, um wenigstens einen Augenblick den Mann sehen zu können, auf dessen Schultern die schwere Bürde der Kriegspolitik lastet. Sie hatten die Freude, einen sehr gesunden, kräftigen, zwar ernst, aber auch voll­kommen ruhig und zuversichtlich dreinschauen­den Kanzler zu begrüßen. Drinnen im Hause herrschte auch würdige Ruhe und Zuversicht, und nur solange Aufregung, als es sich darum handelte, auf den überfüllten Tribünen sich einen Platz zu erkämpfen. Selbst die Hofloge war dicht besetzt. Biele Offiziere, weniger Damenpublikum; sie Abgeordneten waren natürlich vollzählig an ihren Tischen versammelt, auf denen so viele Drucksachen aufgehäuft waren, daß es unter den vielen Bogenlampen aussah, als wären sie mit Schnee ,bedeckt. Tirpitz, Helfferich und andere Re- gierungsvertreter erwarteten Herrn v. Bethmann-Holl- weg, der bald nach 10 Uhr auf seinem Eckplatz sichtbar wurde und einige Worte mit Dr. Delbrück wechselte. Nach den üblichen Verlesungen einiger Schriftstücke, durch den Präsidenten K a e nt p s, stand der Kanzler auf, zog aus seiner braunen Aktentasche ein Päcklein säuberlich beschriebener Folioseiten und bracht die wohl- vorbereitete Rede in ruhigem Vortragston zu Gehör, vor jedem Satz auf das Blatt blickend, das Ende frei aus dem Gedächtnis sagend. Gerade diese absichtliche Enthaltung von jeder oratorischen Gefallsucht wirkte. Es sollte und brauchte nichts vorgetäufcht zu werden. Die Tatsachen selbst sprachen. Kürz nachdem der Reichstag seine vorige Tagung beendet hatte, trat das erste Ereignis ein, das entscheidend für diesen Krieg sein wird, die Kriegsbeteiligung Bul­gariens. Kurz vor dem Beginn der Reichstags­tagung vollzieht sich das zweite Ereignis, zum ersten im Verhältnis von Ursache und Wirkung, die Öffnung des Weges nach Konstantinopel. Me schönen Worte des Kanzlers für unsere Verbündeten unterstrichen die Volksvertreter mit einmütigem lauten Beifall. Sie hatten auch vollstes Verständnis für die Erinnerung an die vergeblichen Versuche per Entente, Bulgarien zu gewinnen und für den Hinweis, mit wel­cher Bitterkeit die flüchtigen Sorben heute daran denken müssen, daß ihre Verbündetn selbst den Bulgaren eine unanuohmbare Aufteilung Serbiens ver­sprochen hatten. Zum zweiten Wale ist ein kleines Volk das Opfer der Westmächte und ihrer Ränke gewor­den. Den heißen Dank des Kanzlers für unsere hel­denmütigen Kämpfer, unterstrich allseitiger langer Bei­fall. Sie haben die Brücke von den beiden Kaiser­ländern hinüber und _ nach dem verheißungsvollen Orient geschlagen, die im Frieden sich als unzerstörbar erweisen wird. Die englische Niederlage bei Bagdad lehrt den Aufstieg der türkischen ,Macht, der wir jetzt viel weitgehender als bisher bei den Dardanellenkämp- fert bersiehen können.

Das griechische Kapitel der Kanzlerrcde erwar- tete man mit besonderer Spannung. Mit beißender Ironie, aber auch mit zurück h altend emZorn über die britische Heuchelei malte der Kanzler die verschiedenen Entwicklungsgänge der Neutralitätsverlctzung aus, wobei er geschickt die hierfür bezeichnenden Worte VenizeloS' in der Kammer zu Athen anführtc. Der Kanzler ließ durch- blicken, daß die griechische Frage, wenn auch noch nicht ganz spruchreif, doch in der Tat schon tu einem der Entente unerfreulichen Sinne gelöst ist. Aus dem, was die Entente unter wohlwollender Neutralität versteht, hätte ohne unsere schnellen Siege ein drittes kleines Land das Opfer englischer Unaufrichtigkeit werden können. Nackte Gewaltpolitik nannte der Kanzler die Er­pressungen, die man in Achen versuchte. Die Friedens- arbeit, mit der Deutschland hinter den Fronten in Belgien und Polen das Leid lindern will, stellte Herr v. Bethmann- Höllweg in glücklichen Gegensatz zu den Bemühungen Eng­lands, auch die durch seiner Falschheit irrsgeführten Opfer, mit dem deutschen VKk unter der Zufuhrabsperrung leiden zu lassen. Der Hinweis auf die stillen, von unseren Kriegersrauen zu erleidenden Enchehrungen, für die der Kanzler herzlichstes Verständnis zeigte, wurde mit war­mem Beifall ausgenommen.

Daß sich Herr v. Bechmann halb vergessener Worte Bebels bedienen würde, um dann zu erklären, was man nicht alles für Deutschland von einem Weltkrieg befürchtete, um dadurch die ganze Größe des Ge l e i st e t e n um so deut­licher zu machen, wurde auch tum der äuße-rPen Linken

ohne Widerspruch vernommen, denn die paar plumpen Zwischenrufe des vereinzelten Mannes dort, dem es wieder aus eine Störung der sonst bis dahin würdig verlau­fenen Sitzung ankam, verdienen kaum die Erwähnung, wur­den auch nur mit dem Rufe „Hinaus!" oder Gelächter be­antwortet.

Deutschland kommt mit seinen Lcbens- Mitteln aus! Diese mit h ö chst e m Nachdruck vor- gebrachte und von allen Seiten als recht geheißene Versiche­rung des Kanzlers kann doch im Ausland nicht mehr totge­schwiegen, oder bestritten werden. Wie unsere Truppen auf dem Schlachtfeld die geachteten feindlichen Soldaten bekämpfen müssen, so müssen unsere Politiker im Parlament auf Schritt und Tritt die Lügen der feindlichen Politiker bekämpfen. Mit großer Energie protestierte der Kanzler gegen die von B o t h a ausgestreute Mär von deutschen Eroberungsgelüsten in den Burenländern. Es war herzerfrischend, wie seine Ehrlichkeit sich gegen so viel Hinterlist und Unterstellungen klarer Tatsachen wehrte. Die Schluß­worte, daß die Feinde/wenn sie sich jetzt nicht beugen wollen, es später tun müssen, und daß das deutsche Volk un­erschütterlich feststeht, unbesiegbar im Ver­trauen auf seine Kraft bis zur Vollendung dessen, was Deutschlands Zukunft erfordert, — löste starken andauernden Beifall aus.

Daran schloß sich die Interpellation S ch e i d e m a n n, die zu lebhafter Gcschäftsordnungsdcbattc und großen Momenten, leider auch zu einigen in ihrer Bedeutung nicht zu überschätzenden Zwischenfällen führte.

Sitzungsbericht.

Eigener Draht bericht des «Wiesbadener Tagblatts".

# Berlin, 9. Dezember.

Die Estraden für den Dundesrat und die Zuhörertvibüuen sind überfüllt. Der Sitzungssaal ist vollständig besetzt.

Am Tische des Buudesrats: Reichskanzler Dr. von

Bethnranm-Hollweg, Dr. Delbrück, v. Tirpitz, v. Jagow, Kraetke, Lisco, Dr. Helfferich, v. Breitenbach, Sydow, Dr. Lentze, v. Loebell, v. Wandel, Wackerzapp, Havensteiu.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 10*4 Uhr.

Eingegangen ist ein zweiter Nachtrag zum Etat für 1915 (weiterirr Kriegsanleihekredit von 10 Milliarden).

Rede des Reichskanzlers Dr. v. Sethmann-Hollweg:

Ich ergreife die erste Gelegenheit, üm Mhnen, meine Herren, einen kurzen überblick über die Lage zu geben. Kurz nachdem der Reichstag im August auseinandergegcnrgen war, hat Bulgarien in, den Krieg eingegriffen. Unter sich immer steigernden Anstrengungen hatte die Entente seit Ausbruch des Krieges versucht, König Ferdinand aus ihre Seite zu ziehen. Österreichisches, ungarisches, türkisches, griechisches Gebiet wurde ihm in liberalster Weise versprochen. Aber nicht nur die Territorien der Feinde oder neutralen Mächte wurden vergeben:, selbst das verbündete Serbien, um dessen angeblich bedrohte Integrität Rußland den Krieg entfesselt hatte, selbst das verbündete Serbien, für dessen Be­freiung die Entente jetzt zu kämpfen vorgibt, wurde nicht geschont. Damit Bulgarien für die Entente fechte, sollte rhm Serbien Landkonzesfronen in einem Umfang machen, zu dem es sich nicht entschließen konnte. So Rieben unsere Gegner unter sich uneinig.

Die berechtigten nationalen Ansprüche Bulgariens in Mazedonien waren, wie bekannt, nach dam letzten Balkan- kriege zugunsten Serbiens in erheblichem Maße beschränkt worden. Von Rußland im Stiche gelassen, mutze Bulgarien, das die Hauptlast des Krieges getragen hatte, zusehcn, wie die Früchte feiner Siege seinem serbischen Nachbar zu- fivlen. (Sehr richtig!) Serbien mußte ja allein Vorgehen, weil es Rußlands Vorrnarsch gegen Österreich-Ungarn toar. Jetzt hat König Ferdinand das Wort, das er am Ende des zweiten Balkankrieges seinem Volke gab, in vollem Werte eingelöst. Die bulgarischen Fahnen, die damals nach rrchuwollem Kampfe, aber Mocrer Enttäuschung, zusamwcn- gerollt wurdM, flattern heute froi über dem damals ver­lorenen Laude. (Lebhaftes Bravo!) Serbien, anstatt eine Ver­ständigung zu stuhen und dem Lande die Opfer eines neuen Feldzuges zu ersparen, entschloß sich, nicht nur dem vereinten Angriff der verbündeten. deutschen und österreichisch-u,ngari- schen Armeen erneut die Stirn zu bieten, sonderin auch gegen seinen östlichen Nachbarn vorzugchen. Serbien vertraute auf die Zusicherung Sir Edtoard Grehs, daß England seinen Freunden auf dem Balkan jede nur denkbare Unterstützung gäben würde. Jetzt ist das serbische Heer zum größten Teil vernichtet. Vorgeblich haben die Serben aus die versprochene Hilfe Englands und Frankreichs geharrt. Zum zweitenmal hat sich ein kleines Volk für die Westmächte geopfert. (Sehr richtig!!

Unsere Truppen haben auch in den serbischen Bergen unter Überwindung aller Strapazen glällz.end gLikäMpst. (Lcbhqstcs Bravo!) Erneut sazM

wip ihnen Miseren heißen Drvnik (fötabot) und ckbeusp danken wir neben unserem alten treuen östeWÜhisch-ungatt- schem Wa!ff,engefähr!ten dem neu gewönne neu Freunds dem bulgarischem Heere, das so ruhmvoll au wwsierer Sette kämpfte. (Bravo!) Wir sind stolz auf unferan wqaen Ver­bündeten, der sich nun cm unserer Seite erneut den Platz erkämpft, der ihm im Balkan gebührt. (Bravo! )

Durch die serbischen Siege ist die Donau frei geworben, die Verbindung mit der Türkei hergestellt.^ Ungen hindert können wir dem türkischen Verbündeten die Hand reichen und srsuen uns, ihn in dem heißen Kampfe nach­haltiger unterstützen zu können, als es bisher möAlch tvar^ (Bravo!)

Mit heldenmütiger Tapferkeit haben die Türken bisher die Wacht an den Dardanellen gehalten (Drcwo!ß deren unmitteWaren Fall Mister Asquith schon rm Sommer pro­phezeite. Heute stehen die Dardanellen fester denn je. (Leb­hafter, allfeitiger Beifall.) Fm November vertröstete dann (Zurufe des Abg. Liebknecht. — Große Unruhe; Rufe: Raus!) Minister Asquikh fein Land mit Bagdad. Aber auch dort haben die Truppen ihren alten Krieysrrchm bewahrt und des Engländern sine empfirMiche Schlappe bsigebracht.

Ter offene Weg nach dem nahen Orient bedeutet eine« Markstein in der Geschichte dieses Krieges.

Dttlitärisch ist der direkte Zusammenhang mit der Türkei dort unschätzbaren Werte, wirtschaftlich ergänzt die Zufichr aus dou Balkanstaaten unsere Vorräte in der willkornmensteii Weise. (Sehr richtig!) Darüber hinaus weiden aber vor allem! die Aussichten in die Zu-kunft verheißungsvoll. Dank der weitsichtigen Politik König Ferdinands von Bulgarien ist eine feste Brücke zu den unlöslich verbündeten Kaiser- möchten, dem Bakkan und dem nahen Orient geschlage«. (Bei­fall.) Die Brücke wird nach, erreichtem Frieden nicht von bent Deutsche n Bank! — Große Unruhe.) Im wechselseitigen, Austausch unseoer Güter werden wir die durch Waffenbrüder­schaft gefestigten Freundschaften vertiefen, nicht um die Völker gegeneinander a-uszuspielen, sondern um am frieid- kichen Verkehr werktätig teilzühaben an dem Aufstieg nach lebensvoller Entwicklamig 'drängender Länder und Völkern (Beifall.)

Was unsere Gegner politisch und militärisch mit Balkan eingelbüßt haben, suchen sie jetzt durch Akte der Ge­waltpolitik gegen n>eutrale Staaten emzubrrngen. (Sehr richtig!) Freilich blieben sie dmnit ihren von Anfang hierin befolgten Prinzipien treu. (Sehr richtig!) Zuerst wurde, Serbien, dann Belgien bestimmt, unter keinen Um­ständen den Weg der Verständigung zu beschreiten, sonder« dem Kriegswillen der Entente sich zu fügen und sich zu opfern^ Jetzt soll Griechenland an die Reihe kommen. Anfäng­lich behaupteten die Ententemächte, sie s«ien, als sie ihr« Truppen in Saloniki landeten, von Griechenland zu Hilfe gerufein worden. Inzwischen ist cs Herr Bewizelos selbst geweifen, der diese Behauptung widerlegt hat. (Hört! Hört!) Herr Venizelos hat in der griechischen^ Kammer ausdriccklnh erLärt, die Truppenlandungen ständen mit seiner früheren Anfrage an die Entente, ob sie ISO 000 Mann zur Hilfe gegen Bulgarien bereitstellen würde, in kemevtei Zusammerchand. (Hört! Hört!) Eigenmächtig begingen^ England im» Frankreich ihre Truppenlandungen in Saloniki und setzten sie trotz energischen Protestes der griechischen Regierung fort. (Hört! Hört!) Jetzt 'spielen sie sich dort ganz ätz Herren des Landes auf.

Wir wohnen dem interessanten Schauspiel bei, wie die Bekämpfer des preußischen Militarismus die be­herrschende Macht der englischen Flotte als brutales Droh- mittel ^benutzen, um die griechische Regierumg zur Verätzung der ihr als neutraler Macht obliegenden Pflichten zu zwingen. (Hört! Hört!) Zuerst wurde die Zusage wohlwollen­der Neutralität erpreßt. Ws man das Zugeständnis des Prinzips hatte, ging man mi seine Auslegung. Boa Griechenland wurde gefordert die Zurückziehung aller gc»-. chischen Truppen von Saloniki und Umgebung, freie Ver­fügung über diese Hafenstadt zur Einrichtung militärischer Verteidigungsmaßnahmen, Überlassung der griechische« Bahnen und Straßen von Saloniki nach der Gnenze für milr- tärifche Transporte und Freiheit für militärische MatzregrÜt aller Art in den griechischen Territoricckgewässern. Das ver­steht die Entente unter wohlwollender Neutralität. (Hört! Hört!) Die griechische Regierung ist trotz der schwierige«

' Lage, in der sie sich befindet, entschlossen, ihre^Neu^trcckität auch weiter zu wahren. (Beifall.) Eine Neutralität, die dem aus­drücklich ausgesprochenen Willen entspricht und 4vie der Würde und Unabhängigkeit Gmechenlands ebenso wie feinen Juter- efien Rechnung trägt. (Erneuter Beffcrll.) Abgeschlossen ist die Angelegenheit noch nicht. Ich habe es aber firr not­wendig gehalten, aus die allerdings zumeist schon bekanuteu, Borgänge von dieser Stelle aus noch einmal ausdrücklich hrw» zulweisen, um dadurch den Machenschaften eutgegeuzutrete^, mit denen uns die Entente, vor allem England, unablässig Schnitt marschierender Bataillone wider Hallen, sonder« Werken des Friedens und der Kultur dieue«, (Lebhafter Bestall; Zurrst des Abg, LieKnechst llaö fcgj