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Donnerstag» 9. Dezember 1913.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 573. ♦ 63. Jahrgang.

Ipek vom Zeinde gesäubert.

Lin erfolgreicher österreichischer Gegenangriff am Monre San Michele. — Die reiche ttriegs- beute von Ipek?. — weitere Teilnahme der

Krnapten an den Rümpfen.

O«r österreichisch-ungarische Tagesbericht,

W.T.-B. Wien, 8. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Dezember, mittags:

Russischer Rriegsschanplatz.

Nordöstlich von Czartorysk vertrieb österreichi­sche Landwehr starke russische Erkundungs-Ab­teilungen. Sonst nichts'Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Tie Gcschützkämpfc, an der I s o n z o s r o n t waren gestern heftiger als in den letzten Tagen. Nach­mittags schritt der Feind zum Angriff auf den Nord­teil der Hochfläche von Tobcrdo. Gegen den M oute San Michele brach die italienische Infanterie in dichten Massen vor. Am nördlichen Hang des Berges gelang es ihr, in einen Teil unserer Front cinzudrin- gen. Unsere Truppen gewannen durch Gegen­angriffe im erbitterten Handgemenge ihre Gräben wieder vollständig zurück; im übrigen wurde der feindliche Ansturm durch Feuer unter schweren Ver­lusten der Italiener znrückgcschlagen. Im Abschnitt von San Martina scheiterten mehrere Vorstöße des Gegners. Abends wurde Sistiana von mehreren italie­nischen Torpedofahrzeugcn beschossen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Angriffe gegen die montenegrinischen Stellungen nördlich von Bcrane haben Erfolg. Wir erstürmten an mehreren Punkten die feindliche Linie. Ipek ist vom Gegner gesäubert. Unsere Truppen erbeuteten 80 Geschütze, 160 Munitionswagen, 40 Automobile, 12 fahrbare Feldbackofen, einige tausend Gewehre und viel anderes Kriegsmaterial. Die Zahl der gestern von der Armee des Generals v. Kocvcst ein- gebrachten Gefangenen übersteigt abermals 20 0 0 Mann. Unter ihnen befinden sich 300 Monte­negriner. Die Arnauten nehmen überall an den Kämpfen gegen die Reste der serbischen Armee teil.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Der amtliche bulgarische Bericht.

Die Beule von Monastir und Vibra.

W. T.-B. Sofia, 8. Dez. (Nichtamtlich. Dvcchtbericht.)

Amtlicher Bericht vom 6. Dez.: Die Verfolgung der Franzosen auf beiden Wardarufern wird unaufhaltsam von unseren Truppen fortgesetzt. Die von Krischewo gegen Ochrida vorrücknde Kolonne erreichte die Linie C e r n a - Woda-Besocan-Belmei (15 Kilometer nördlich des Ochridasees). In Monastir wurden unsere Truppen feier­lich mit großem Gepränge empfangen. Die ganze Bevölke­rung war ausgerückt, um unsere siegreichen Truppen mit be­geisterten Zurufen zu begrüßen. Die Beute in Monastir be­trug zwei Depots mit Gewehren und Kriegsmaterial sowie Handbomben, ein Depot mit Uniformen, Decken, Automobilen, Benzin und vielem anderem Material. In D i b r a wurden 1000 Gewehre, 120 Kisten mit Patronen und 22 Kisten mit rauchlosem Pulver erbeutet sowie 750 Mann gefangen. In Dibra ist auch ein Lager mit österreichisch-ungarischen Kriegs­gefangenen angctroffcn worden, die seit 10 Tagen kein Brot erhalten hatten. 80 von diesen waren halbtot. Es wurdch sofort «»geordnet, daß sie ärztüche Hilfe und Nahrung er­hielten.

Die Einnahme von Rragujevac.

Eine Unterredung mit dem Exminister-Präsidenten M. I. Petrovic.

(Von ontfertn grrnn serbischen Kriegsschauplatz entsandten Kriegsberichterstatter.)

Kragujevac, 6. Dez. (Ctg. Drahtbericht. Jens. Bln.j Der Hotelwirt des Kvagujevacer Hotels, Takowo, schloß* mich sehr ms Herz. Er titulierte mich Bratsemoj, „meinen Bruder", und schilderte in lebertdiften Farben all das Kriegselend, das sie in den letzten vier Jahren mitmachen mußten. Er war es auch, der mir mitteilte, daß Ministerpräsident Petrovic, der einstige Intimus des Königs Milan, in der Stadt weilt.

„Anfangs September hatte noch niemand eine Ahnung davon, daß der Krieg, der seit so langen Monaten geruht hatte, auch hier wieder neu aufflammen wird. Seil vielen Monaten ruhte ja der Kampf zwischen Österreich und Serbien vollstärrdig. Plötzlich kam der Überfall. Bei dem damaligen Stand der Dinge konnte Serbien wenig Aussicht haben, dem gleichzeitigen Angriff Österreichs, Deutschlands und Bul­gariens mit Erfolg Widerstand leisten zu können. Die ser­bische Armee flutete zurück, und bald stand der Feind vor Kragujevac. Alles Zlbschaffbare wurde aus der Stadt ge­führt, und ans den Allgemeinbewegungen der Armee konnte man erkennen, daß es bald zum Räumen der Stadt kommen

würde. Der Kommandierende der hiesigen Armee war General Schrfkawitsch. derselbe, der Belgrad verteidigt hat. Doch obzwar der Rückzug augenscheinlich toar, konnte man weder am Militär, noch an den Offizieren irgendwelche Zeichen der Berzagtheit wahrnehmen. Die Bewegungen der Armee erfolgten in 'der größtem Ordnung und ungebrochenen Mutes. Man sprach zwar davon, daß derzeit die Sachen nicht gut stehen, doch wurde dies als etwas nur Vorübergehendes betrachtet, und zuversichtlich baute man daraus, daß mit Hilfe der Entente sich alles zum Beffern wenden würde. Nachdem die Spitze der Zivilverwalduug die Stadt verlassen hatte, trat die zurückgMiebene Bürgerschaft zusanrmen und übertrug mir einstimmig die Leitung aller Geschäfte.

Der Weg, öm ich einzuschlagen hatte, war mir klar. Ich forderte die gesamte Bevölkerung auf, ruhig an der Scholle zu bleiben und verbürgte mich dafür, daß, wenn wir die Stadt den deutschen Truppen ordnungsgemäß übergeben, Leben und Vermögen der Bevölkerung geschont werden wird. Auf mern Anraten verließ auch der größere Teil der Bevölkerung die Stadt nicht, sondern erwartete ruhig, meinen Versicherungen vertrauend, den Einzug der Sieger. Ich selbst, in Begleitung mehrerer vornehmer Bürger, ging den deutschen Truppen ent­gegen, um ihnen die Stadt zu übergeben, wie auch ihren Schuh fiir die Bevölkerung zu erbitten. Die Kapitulation wurde angenommen, ,und so zogen die Sieger, von der ganzen Bevölkerung freudig begrüßt, in die Stadt ein. Eine große Sorge hatte "ch. In der Stadt trieben sich seit dem Abzug der serbischen Truppen, fünfzehn Komitatschis herum, die unsere Bevölkerung arg bedrängten und frei ihr Unwesen in der Stadt trieben. Demzufolge bat ich das deutsche Kom­mando, zur Beseitigung dieser Bande Vorsorge zu treffu, da ich nur für die Bevölkerung, aber nicht für die Räuber garantieren könne. Es gelang, diese Bande aus der Stadt zu vertreiben, bevor sie irgend eine völkerrechtswidrige Hand­lung gegen die Armee unternommen hatte. Nun warte ich, und mit mir ganz Serbien, die weitere Entwicklung der Dinge ab. Daß es so kommen mußte, wie es kam, wußte ich schon 'damals, als es der russischen Diplomatie gelungen war, den unglücklichen König Alexander in die Ehe mit Dvaga binein- zureitem. Das Ende wissen Sie! Jetzt hat das Volk nur einen Wunsch: nach vier gräßlichen Kriegsjahren zur Ruhe zu kommen, um das einzulholen, was in den Kriegsjahren versäumt wurde. Was in der Zukunft geschieht, weiß nie­mand. Wenn es zur Regelung der inneren Verhältnisse Serbiens kommen wird, so kann dies nur mit Zuhilfenahme der alten liberalem Partei geschehen, deren ganze Vergangen­heit verbürgt, daß das zukünftige Serbien eine Gestaltung nehmen wind, wie dies den Interessen der Zentvalmächte ent- spricht, da ja auch die wahren Interessen Serbiens die gleichen sind." Der Mann, der mir das sagte, hatte durch 35 Jahre die traditionelle Freundschaft mit Österreich gepflegt, und darum sind seine Worte, die einen Teil seines politischen Programms bilden, wichtig fiir diese Zeit, wenn die Kanonen verstummen und wieder die kühle, evivägende Vernunft mit den Mitteln der Kultur zum Ausbau der Zukunft schreitet.

Dr. Stephan Steiner, Kriegsberichterstatter.

Die bulgarische Presse zum Fall von Monastir.

IV. T.-B. Sofia, 8. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die gesamte Presse spiegelt die ungeheure Begeisterung wider, welche die Einnahme von Monastir im bulgarischen Volk er­weckt hat. „Narodni Prawa" schreibt: Es gibt nicht mehr ein freies Bulgarien und ein unterdrücktes Mazedonien, sondern es gibt nureinfreiesBulgarienvonderDonau bis zum Agäischen Meer, vom Schwarzen Meer bis zu den blauen Wogen des Sees von Ochrida. — Das Testa­ment unserer großen Kämpfer, wir haben es erfüllt. — „Echo de Bulgare" sagt: Die Einnahme von Ditolja (Monastir) ist ein Ereignis, welches die Vereinigung von Mazedonien mit Bulgarien symbolisiert.

Von einer begeisterten Volksmenge wurden dem König und den Mitgliedern der Regierung, sowie den Vertretern der verbündeten Mächte stürmische Kundgebungen bereitet. Ministerpräsident Radoslawow richtete an die Volksmenge eine Ansprache, in welcher er betone, das Volk sei stolz auf die Erfolge seiner Truppen und auf die Zu­kunft, welche diese ihm vorbereiten würde. Die E i n n a h mt von Monastir bedeute eine wichtige Etappe in der Ära des Gedeihens, welche für Bulgarien anhebe

Griechenlands unzweideutige Stellung­nahme.

Entwaffnung der auf griechisches Gebiet flüchtenden Serben. — Abtransport des Salonikier Expeditions­korps.

Br. Budapest, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Sin.) Die „Minerva" in Bukarest meldet aus guter Quelle, das? die griechische Regierung in Übereinstim­mung mit dem Gencralstab beschlvssen habe, dem G e - duldspiel ein Ende zu machen und endgültig ihr Verhalten zu präzisieren, welches allen kriegführen­den Parteien notifiziert wird. In ihrer Note wird die Regierung ihre Neutralität betonen und aus­führen, das? sie unabänderlich folgendes beschlossen habe:

1. Die aus griechisches Gebiet flüchtenden serbi­schen Truppen werden entwaffnet.

2. Das Salonikier englisch-französische Kommando wird ansgefordert, die Truppen, welche der Feind auf griechisches Gebiet zurückdränat.

mit ihrer' gesamten Ausrüstung unverzüglich ans Saloniki abzutranspvrtieren.

3. Die griechische Regierung ersucht die Z e n- tralmächtc in der Verfolgung des Feindes die grie­chische Grenze nicht zu überschreiten, da die griechische Regierung die Verantwortung übernimmt, daß die englisch-französischen Truppen aus Griechen­land entfernt werden.

' Oer Hafen von Ravalla gesperrt.

Die italienischen Truppenlandungen nach Albanien im Gange.

Br. Basel, 8. Dez. j-Eig. Drcchtbericht. Zens. Bin.) Den „Basler Nachr." wird aus Atben und Mailand be­richtet, das; die griechische Heeresleitung den Hafen von K a v a l l a für Handelsschiffe hat sperre n lassen. Fm Bezirk T r a m a wurden jedoch die griechischen Truppen zurückgezogen. Diese Dislokation ist auffällig, weil im Hinterlandc starke bulgarische Streitkräfte zusammcngezogen sind. Dir italienischen Truppenscndnngen nach Albanien sind von Bari ans im vollen Gange. Berlästlichen Privatmeldnngen zu­folge gehen sie nack Santi Quaranta, wo auch französi­sche und englische Abteilungen bereits gelandet sein sollen.

Oie Erregung des griechischen Militärs über die Fremdlinge.

Die englisch-französischen Flieger kreisen über Saloniki?

W. T.-B. Mailand, 8. Dez. (Nichtamtlich. Dvcchtbericht.)

Der Sonderberichterstatter des „Corricre della Sera" in Saloniki sagt, daß die Griechen, besonders die griechischen Offiziere nnd Militärprrsonen» auf England und die Engländer sehr wütend seien. Die Lage in Saloniki sei höchst kritisch. Die Flieger der Verbündeten steigen nicht über Serbien auf, sondern über Saloniki und Um­gebung und machen photographische Aufnahmen. Es habe Aufsehen erregt» daß das französische Konsulat die französi­schen Staatsbürger verpflichtet hat, sich alle zwei Tage auf dem Konsulat zu melden. — Die Stadt, die in den letzten Jahren immer griechischer wurde, ist wieder international. Der Hafen ist in den Händen der Engländer, die Kais in denen der Franzosen. Die Eisenbabncn dienen englischen und französischen Transporten, die Engländer haben den Hafen mit Minen abgesperrt, selbst griechische Kriegsschiffe können nur auf englisches Geheiß einfahren, aber die schein­baren Herren der Stadt befinden sich nicht in Freundesland, nicht einmal mehr ans neutralem Boden.

Die russischen Truppenkonzentrationen in Beffarabien.

Br. Budapest, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) „Az Est" meldet nns Bukarest: Seit gestern ist, wie bereits kurz gemeldet wurde, der Hafen von Reni für den Personen- und Warenverkehr gesperrt, weil neue Truppenscndnngen erwartet iverden. Dumpfer, welche ans Galatz nach Reni abgcgangcn waren, kehr­ten nicht zurück. Gestern 2 Uhr nachts gingen drei russische Kriegsschiffe von Reni nach Schilia ab. Scheinwerfer der Kriegsschiffe beleuchteten die ganze Nacht hindurch die rumänische.Küste. In der Nähe der Abzweigung der Donau richteten dir Russen große Munitionsdcpots ein. Russische Offiziere erklären, die Russen würden in einigen Tagen Tscherno- witz angreifen. Die österreichisch-ungarischen Truppen erhalten große Verstärkungen. Zwischen Fs- mnil, Reni und Patlagranca verkehren ununterbrochen russische Transportschiffe. Seit drei Tagen ist der Bahnverkehr mit Rußland über Unghöli einge­stellt: außerdem wurde der Telephon- nnd Telegraphen- vcrkehr mit Beffarabien unterbrochen, so daß über die weiteren russischen Trnppeukonzentrationen keine Nachrichten mehr eintreffen. Die Russen arbeiten beschleunigt an dem Ausbau der Bahnlinie Reni-Asmail.

Graf Tisza über die Balkanverhällnlffe. *

W. T.-B. Budapest, 8. Dez. (Nichtamtlich.) Im unga­rischen Abgeordnetenhaus« äußerte Ministerpräsident Graf Tisza sich über die Balkanverhältnisse: Wir müssen in vollem Maße Griechenlands jetzige schwierige Lage berücksich­tigen. Andererseits müssen wir den Ereignissen eine solche Richtirng geben, daß Griechenland in der Friedenszeit eine Stellung ein­nehmen kann, die ihm gebührt. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Andererseits glaube ich, kann man den Anschluß Bulgariens an das zentraleuropäische Bündnis auch in Rumänien ohne jedes Bedenken anfnehmen. Ich glaube, die große Mehrheit der ungarischen öffentlichen Meinung und ich jeden­falls hatten die natürliche Orientierung Rumäniens so beurteilt, daß 'Rumänien gegenüber der drohenden größten Gefahr einer russischen Expansion die Wahrung seiner Interessen und die Bürgschaften seiner Sicherheit in einem Bündnis mit der Monarchie und Deutsch- land suchen müsse. Aber es ist schließlich Sache Rumäniens, zu be­urteilen, wem es sich im eigenen Interesse anschließen soll. Wir überlassen es vollständig den politischen Führern des unabhängigen rumänischen' Staates, ob sie sich aus diesen Standpunkt stellen und Folgerungen daraus ziehen wollen oder nicht. Jedenfalls erhöht die Verbindung, die der Bund der beiden mitteleuropäischen Mächte mit Bulgarien und der Türkei einging, den Wert unseres Bündnisses für Rumänien. Über die Frage des Friedensschlusses sarsir Tisza: Wann der Friede zustande kommt. bäuat ausjchlieMch van