Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch. 8. Dezember 1915. KblMd - KUSgtlbE«
(Ein Erfolg bei Souain.
Reiche Kriegsbeute bei Ipek. — wieder über 2000 Serben gefangen.
Der Tagesbericht vom 8. Dezember.
W-T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Dez. (Amtlich.» westlicher Kriegsschauplatz.
Versuche des Feindes, uns den Erfolg östlich von Aubc- rive streitig zu machen, scheiterten. Außer den Gefangenen sind dort drei Maschinengewehre in unsere Hand gefallen.
Nardöstlich von Souain wurde den Franzosen dre Stellung auf der Höhe 193 von einer Ausdehnung von etwa 5M Meter entrissen. Bier Gegenangriffe wurden abgeschlagen. Ein Offizier, 120 Mann sind gefangen genommen, 2 Maschinengewehre erbeutet.
Gestlicher Krregssrbauplatz.
An der Front der Heeresgruppe des Gencralfcldmarschalls p. Hindenburg wurden vereinzelte Borstöße schwächerer russischer Abteilungen zurückgcschlagen.
Valkankriegsschauplatz.
Bei Jpek wurden 80 Geschütze und viel Kriegsgerät erbeutet. Gestern sind über 2000 Gefangene gemacht worden. Oberste Heeresleitung.
Sin italienischer ltreuzer durch ein österreichisches Unterseeboot versenkt.
W.T.-B. Wie», 8. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlantbart: Eines
unserer Unterseeboote hat am 5. d. M. um l« Uhr vormittags vor Balona einen italienischen kleinen Kreuzer mit 2 Schloten versenkt. Flottenkommaudo.
*
Es ist ein ironievoll-widriges Geschick, daß in den Tagen, da Herr Salcmdra, Italiens Minrsterpästdent, von der Sehnsucht nach .der Beherrschung der Adrm sprach, die zu erobern Italiens Ziel in diesem Kriege sein müsse, und Herr Sonnino, sein würdiger Amtskollege, die Ohren seiner Zuhörer sogar mit eurem Lob über die rege Tätigkeit der italienischen Flotte umschmeichelte, gerade die gegnerische ,Flotte chre Regsamkeit in allen Teilen .der Adria bezeugt. Am 4. Dezember erst haben österreichisch-ungarische Kreuzer und Torpedobootzerstörer an der albanischen Küste italienische und montenegrinische Schiffe, mit Transporten an Kriegsmaterial und Lebensmitteln reich beladen und für Serbiens kümmerliche Heeresuberveste bestimmt, in den blauen Fluten dieses Meeres versenkt, sowie ihnen auch noch ein französisches Unterseeboot nachgesandt. Jetzt kommt abermals die Kunde, daß ein Unterseeboot unter der Flagge der Donaumonarchie einen italienischen kleinen Kreuzer welchen Typs und welchen Namens er war, konnte noch nicht festgestellt werden — den Garaus 'bereitete und zu den Verlusten gesellte, welche die italienische Flotte in diesem Kriege bereits erlitt.
Was ist diesen Unterseebooten, abgerechnet die französischen und englischen Verluste, nicht schon zum Opfer gefallen! Wenige Stunden nach dem Kriegsausbruch gaben die Österreicher den Italienern bereits den eindringlichen Beweis, daß ihre Flotte nicht in: Schlafe lag und je länger der Krieg währt, um so lebhafter wird es den Italienern zu Gemüte geführt, daß ihr alleiniger Anspruch auf die Adria durch nichts begründet ist. Am 7. Juli ward der Panzerkreuzer „Amalfi", das größte und beste Schiff dieser Gattung, in Trümmer geschossen, wenig später, am 18. Juli, torpedierte ein österreichisches Unterseeboot den Panzer- kreu^r ,-Guiseppe Garibaldi" und fällte so den zweiten großen Schlag für die italienische Flotte. Ihm folgte am 6. August ein italienisches Unterseeboot vom Typ „Nautilus", nachdem bereits am 11. Juni das Unterseeboot „Medusa" in der nördlichen Adria versenkt worden war.
Wollten wir alle Flottentaten des Donaustaiates, die sich gegen Kriegsschiffe richteten, wollten wir die Vernichtung des fvasizöstschen Flaggschiffes „Courbet" am 21. Dezember v. (I., des französischen Kreuzers „Leon Gambetta" in der Nacht des 26. April, die Versenkung eines englischen jlveuzers vom Typ „Liverpool" hinzurechnen so kommen wir schon auf das achte feindliche Kriegsschiff, das Mein üt der Adria in den Grund gebohrt wurde, deist allein ein österreichischer Verlust, „17 12" am 11. sfugust, gegenüberstoht. Wenn also die italienischen Minister und Staatsmänner von dem Wunsche nach Beherrschung der Adria sprechen, so müssen sie die Berechtigung dafür erst einmal durch einen Befähigtmgpnachweis erbringen.
Die Sprengung bei Berry au Bac.
Oie Franzosen nur noch auf griechischem Boden.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 8. Dez. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Die im gestrigen Hauptquartiersbericht gemeldete größere Sprengung bei Berry au Bac war einer der bemerkenswertesten Erfolge in unserem Minenkrieg auf der Westfront. Wie uns berichtet wird, war die vielgenannte Höhe 108 so gründlich mit Sprengmaterial unterlegt worden, daß der dort befindliche Schützengraben mit der gesamten Besatzung und allem Kriegsmaterial aufflog. Unsere vordringenden Truppen vermochten nur zwei feindliche Infanteristen zu Gefangenen zu machen. Alle übrigen Mannschaften waren vernichtet. Infolge des andauernden Regen? haben die Truppen an der Westfront viel auszuhalten und waren in den letzten Tagen unaufhörlich mit dem Jnstandhalten ihrer durchweichten Gräben beschäftigt.
Bei Jpek waren Verfolgungsdetachcments hauptsächlich damit beschäftigt, flüchtende serbische Abteilungen auf montenegrinischem Gebiet einzufangen. Wir erhalten die Bestätigung, daß die Franzosen infolge Bedrohung ihres linken Flügels durch die Bulgaren ihre W a r d a r - und Cerna sie klungen aufgegeben haben und jetzt nur noch auf griechischem Boden stehen.
Die amtlichen bulgarischen Berichte Der Rückzug vor Franzosen. —DerVormarsch gegen vibra und Gchrida. — vie panikartige Flucht der Serben nach den Katastrophen von prizrend und Kalu-Luma. — Erhebung der Rlbanesen.
W. T.-B. Sofia, 7. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht Vvm 4. Dezember:
Am Anfang unserer Operationen gegen Serbien, als unsere ganze Armee westwärts gesandt wurde, hatten die gelandeten französischen Truppen, unterstützt durch serbische Strritkräfte, bei ihren Operationen im südlichen Mazedonien sich auf der Linie Sonitschka-Glawa- Babuna - Planina - Gradsko - Krivolac ein- nisten können, aber wir zögerten nicht, je nach Möglichkeit vor- zurückc», verstärkten unsere Truppen an dieser Front und gelangten bis Anfang November dahin, den Feind über die Linie Krivolac - Bardar - Tscherna zurückzuwerfen. Unser Ziel war, die französische Front zu umfassen, um sie nach der Ankunft genügender Kräfte einzuschließen. Die Besetzung des östlichen Abhangs des Radowil Planina brachte uns dem erstrebten Ziel näher, denn die Franzosen sahen sich dadurch von Nord osten, Nord westen und Südwesten umringt. Sie bemertten die gefährliche Lage, in die wir sie versetzt hatten, und faßten sofort den Eut- schluß. sich z u r L ck z u z i e h e n, um der sie bedrohenden Katastrophe zu entgehen. Es ist anzuerkennen, daß sie das Rückzugsmanövcr in vorbildlicher Art anszuführen verstanden, denn sie konnten sich aus der Zange, in die wir sie genommen hatten, befreien. Unsere Truppen gingen auf der ganzen Front zur Offensive über und besetzten gegen Mittag die Linie Krivolac - Negotin - Kawadartzi; der Feind zog sich sehr eilig, von unsere« Truppen bedrängt, zurück.
Nach der Durchführung der Operation auf der Prischtina setzte der Große Generalstab des Feldheeres starke Abteilungen auf T e t o w o - G o st i w a r und Kitschewo an mit dem doppelten Zweck, erstens D i b r a zu besetzen und den Serben den Rückzug nach Mazedonien, wo sie sich möglicherweise mit den englisch-französischen Truppen hätten vereinigen können, a b z us ch n e id en, zweitens O ch r i d a und S t r u z a zu besetzen und so den serbischen Abteilungen, welche in der Umgegend von Monastir und Resna operierten, den Rückgang nach Albanien unmöglich zu machen. Die Abteilung, welche der Besatzung von Monastir den Rückzug abschneidrn sollte, wurde über Smilewo auf der Straße Monastir-Resna angesetzt; diese Abteilung zwang durch ihren Bormarsch die Serben, Monastir am 3. Dezember zu räumen. Heute wurde die Stadt durch uns besetzt. Weitere Abteilungen marschieren auf O ch r i d a und D i b r a.
Westlich Prizrend geht der Bormarsch auf Djakowa weiter. Um Mittag überschritt eine Abteilung unserer Truppen den Weißen Drin und nahm heute abend die Stadt Djakowa in Besitz.
Nach ergänzenden Berichten haben unsere in der Um-, gegend von Prizrend operierenden Truppen festgestcllt, daß die Niederlage der Serben bei Kalu-Luma den Charakter einer Katastrophe trug. Auf der haltlosen Flucht von Prizrend nach Kula-Luma verloren die Serben unterwegs ihre ganze Artillerie nebst Staffeln, Fuhrpark, Kraftwagen, den Wagen des Königs, 320 Omnibusse, eine beträchtliche Menge Bereifungen, Munition aller Art und anderes Kriegsgeröt. Bei jedem Schritt vorwärts finden wir Geschütze, die auf Wegen und verlassenen Stellungen stehen geblieben sind. Das zeigt, von welcher Panik dieaufselösteserbrscheArmee ergriffen ist, die ver
Nr. 572. * 63. Jahrgang.
geblich der Katastrophe zu entgehen sucht. Die seit zwei bis drei Jahren von den Serben durch die schlimmsten Ausschreitungen bedrückten Albanesen erheben sich und kämpfen mit den Waffen gegen die serbischen Haufen, die durch die Gebirge Albaniens irren.
Die Serben überall geschlagen.
Die Verfolgung an den wardarufern. — Resna besetzt. — Kuch«Dibra schon von den weiter verfolgenden Bulgaren hinter sich gelassen, j
-W. T.-B. Sofia, 7. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bc. richt über die Operationen am 5. Dezember:
Unsere Truppen setzen an beiden Ufern des Wardar die Verfolgung der Franzosen fort, die sich zurückziehen. Die Kolonne, die nördlich von Monastir über Smilewo gegen die Straße Monastir-Iliesna vorrückt, hat nach erbitter- tem Kampf die Serben am Bigla-Gebirgc geschlagen und die Stadt Resna besetzt. Die Kolonne, die, nördlich von Monastir vorrückend, von Kitschewo gegen O ch r i d a marschiert, bemächtigte sich nach Imrtnäckigem Kampf einer: stark befestigten Stellung bei den Ortschaften M e d v w o und M r i a m o r a c ; sie marschiert jetzt gegen Ochrida. Die Kolonne, die von Kitschewo gegen Libra marschiert, hat die Serben nach blutigem Kamps an der Wasserscheide, welche dem Kamm des Jama-Gebirgrs folgt, geschlagen und gegen Mittag D i b r a besetzt, von wo sie den Feind in der Richtung auf S t r u g a verfolgt.
An der Front bei Dickowa, Kula-Lama setzen unsere Truppen die Zählung des von den Serben und den Montenegrinern im Stich gelassenen bedrntenden Kriegsmaterials fort.
Rutzer Monastir auch Gchrida besetzt.
Br. Sofia, 8. Dez. (Erg. Drcchtbericht. Zens. Bln.) Soeben hat der Gemeinderat der Bevölkerung der Hauptstadt bekannt gegeben, daß außer Monastir und Dibra auch Ochrida, Djakova und im Süden außer Krivolac auch Negotin und Kawadartzi besetzt wurden. (Dieses NegoÄn ist nicht mit dem in Nordserbien zu verwechseln.)
vergebliche Hoffnung der Franzosen auf die Serben-
Berlin, 8. Dez. (Zens. Bln.) Nach dem „Secolo" berichtet Magrini, daß die Lage der Franzosen sehr gefährlich geworden sei, nachdem jede Hoffnung ans die Unterstützung von den Serben schwinden mußte.
Die verzweifelte Baikanlage.
Br. Lugano, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Magrini drahtet dem „Secolo": Die Franzosen betrachten die Baikanlage als v c rz w e i f c l t und räumen den Krivolac-Abschuitt und vielleicht den ganzen Balkan. Zwischen England und Frankreich sind über die Verhandlungen 'Griechenlands schwere Streitigkeiten ausgebrochen. England will sich nicht zu durchgreifenden Maßnahmen entschließen.
Die verzweifelte Lage der Serben in den albanischen Bergen.
Ein französischer Bericht.
W • T.-B. Athen, 7. Dez. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Die Bn^airen versuchten, eine Brücke über die C e r n a zu schlagen. Das Undernchirven scheiterte. Die Kälte und die unwegbaren Straßen verhindern den serbischen Rückzug in Albanien, wo 100 000 Serben und 20 000 Wüchklinge konzentriert sind.
Monastir soll durch österreichisch-ungarische Eruppen besetzt werden?
W- T.-B. Bern, 8. Dez. (Nichtamtlich.) Magrini drah/et dem „Secolo" aus Florina: Man vermuse, daß Monastir
durch österreichisch-ungarische Truppen unter General Koeveß besetzt werde. Das serbische Heer unter General Wassitsch konnte Resna erreichen und besetzte den Engpaß. Man fange an, die Notwendigkeit einzusehen, die Balkair- Expedition anfzugeben.
Angriffe albanischer Banden auf Franzosen und Serben.
Berlin, 8. Dez. (Zens. Bln.) Französische Blätter lassen sich aus Cettinje melden, daß die französischen und serbischen Truppen fortgesetzt von starken albanischen Banden angegriffen werden.
Die Verwaltung in Serbien.
Br. Wien, 8. Dez. (Eig. Drahtbcricht. Zens. Bln.) Wie der Berichterstatter der „Tägl. Rundsch." erfährt, ist eine Teilung des serbischen Operationsgebietes in Verwaltungszonen, wie in Russisch- Polen geschehen ist, bisher nicht erfolgt. Voraussichtlich wird Bulgarien die Verwaltung derjenigen Gebiete übernehmen, in denen seine Truppen die Mehrheit bilden. Die Frage dürfte übrigens zu keinerlei Schwierigkeiten Veranlassung geben, da die Mittelmächte geneigt sind, die Wünsche Bulgariens liberal »md in jeder Weise zu berück- sichtigen. s
