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Dienstag, 7. Dezember 1915.
ktbend »Ausgabe.
Nr. 570» ♦ 63. Jahrgang.
Die Kranzosen geben die Stellung im Vardsr-Sogen auf!
IpeK genommen. — !2SO neue Gefangene.
Der Tagesbericht vom 7. Dezember.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Dez. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Bei Berry-au-Bac glückte eine große Sprengung. Der französische Graben ist mit seiner Besatzung verschüttet, eine fast vollendete Minenanlage ist zerstört.
Lstlich von A u b e r i b e (in der Champagne) wurden etwa 250 Meter des vorderen Grabens genommen. Über 60 Mann fielen gefangen in unsere Hand.
Gestlicher Ariegssckauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Balkankriegsschauplatz.
I p e k ist erreicht. Etwa 1250 Gefangene wurden cm- gebracht.
Die Franzosen haben vor der drohenden Umfassung ihre Stellung in C r n a-(K a r a s n)-B a r d a r - Bogen aufgcben müssen. Oberste Heeresleitung.
Die Ereignisse auf dem Salkan.
Deutschettavallerie an Ser griechischen Grenze
Tic sranzösisch-cuslischen Truppen sichern ihre Rückzugs- linie. — Griechenland vor der Entscheidung.
Br. Berlin, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) über die Stellung Griechenlands zu den kriegführenden Mächten meldet ein Berichterstatter der „Boss. Ztg." aus Sofia: Die Dinge, die sich heute in Mazedonien vorbcrcitcu, sind durchaus einleuchtend. Schon sind da und dort deutsche Kavallericpatronillcn an der g r i c ch i s ch e n G r e n z e ausgetaucht. Bon den englisch-französischen Truppen erfährt man, daß sie ihre Rückzugslinie sichern und sie sollen sogar große Schanzarbeiten auf griechisches Gebiet getragen haben. Somit steht die theoretisch oft erörterte Frage, was geschehen wird, wenn sich die Entente aus dem griechischen Boden eine Prcllmie machen wollte, vor ihrer praktischen Lösung, die zweifelsohne zeigen wird, daß Wohl sic allein die wi r k s a m st e ist. In kurzer Zeit wird die Entscheidung Griechenlands fallen. Auf die zweite detaillierte Anfrage der Entente hat Griechenland geantwortet, es müsse vorher wissen, ob es sich um Vorschläge oder Forderungen handele. Die Entente antwortete, sie habe Forderungen gestellt und nicht Wünsche geäußert. Der deutsch-österrcichisch-uugarrsch- bulgarische Aufmarsch wird jeder Möglichkeit gerecht werden. Wenn Griechenland, wie anzuuehmen ist, die neue Note, die als eine 'Häufung von Forderungen den Charakter als Ultimatum hatte, ablehnt, oder doch nicht in vollem Umfange beantwortet, so wird es möglich sein, daß die Saloniki cr Expedition als Komödie endet.
Nach der Besetzung von Monastir.
Br. Gens, 7. Dez. (Eig. Drahtbcricht. Zeus. Mn.) Nach Berichten französischer Blätter mußten die aus M o n a st i r fliehenden Serben all ihre Kanonen und Maschinengewehre zurücklassen, die sie unbrauchbar machten. Djakova sei nach der Räumung durch die Montenegriner zunächst durch Albaner besetzt worden, die eine sehr beunruhigende Haltung annohmen. Es sei ihnen gelungen, mit von serbischen Soldaten zurückgelassenen Gewehren sich neu zu bewaffnen.
Die Kreude über den $«« Monastirs in Bulgarien.
w. T.-B. Sofia, 7. Dez. (Nichtamtlich.) Die Bulgarische Telegraphew-Agentur meldet: Durch feierliches Glockengeläute wurde gestern früh der Stadt die in der Nacht eiirgetroffeue freudige Nachricht von der Einnahme Monastirs verkündet und di- Bevölkerung Mfgesovdert, dem' Allmächtigen für die so sehnlich erwartete Verwirklichung des durch Fahr- h'.mderte gehegten nationale» Traumes zu danken und für den Ausgang der blutigem Kämpfe, welch- das bulgarische Volk feit langen Jahren zu bestehen hatte. Das nationale Gewissen Bulgariens ist nunmehr beruhigt. Sämtliche Häuser der Stadt legten Flaggenschmuck au. Es herrschte freudige Stimmung; überall fanden Kundgebungen statt.
Zranzösische Besorgnisse um das verblerbsn Ser deutschen Truppen aus Serbien.
W- T.-B. Paris, 7. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Oberstleutnant R u s s h äußert sich in „Petit Paristen" sehr beunruhig darüber, daß man nichts von Mackensen und Gallwitz hört, die vielleicht schon im Verein mit den Bulgaren gegen den W a r d a r vorrücken. Ferner sollten nach Blättermeldumgen österveichisch-uilgauische und deutsche W- tÄlmrgen nach Bulgarien unterwegs sein, tvas besonders zu beachten wäre, wenn diese dazu bestimmt seieir, aus den Tälern westlich von Rhodope uns in den Rücken zu fallen. Der Milrtärkritiker fragt: Sind wir nach der Konzentration bei Saloniki stark genug, uni einem solchen doppelten Angriff standzuhälteu'k Leider ist es ungewiß. — In der „Guerre Soziale" tadelt Herve die Lässigkeit in der Auffassung der Lage auf dem Balkan und weist darauf hin, wie töricht dte Annahme fei. daß die Deutschen nach Ägypten gingen, wo sie von beiden Flanken her bedroht lvärsu. In Wirklichkeit — so heißt cs weiter — stoßen sie gegen die Russen in B e s s a r a b i e n vor. Sie haben sich in Serbien konzem- triert, rmn die Alliierten zu vernichten oder zu umzingeln. Wenn England und Italien keine Verstärkungen schicken, so wollen wir auf unserer Front toeniigstens alle Vorkehrungen treffen, die der deutsche Generalstab an unserer Stelle längst getroffen hätte. Die Regierung soll sich nicht einlbüden, daß sie sich, iveil sie einen GenieraliffiumS eingesetzt hat. hinter der Verantwortung anderer verschanzen kann. Wenn der Armee Sarvail ein Unglück zustößt, wenn dt- Katastrophe, die noch aufMhalten'ist, eintveten sollte, wird dte .Kammer dte Regierung keine 24 Stunden mehr am Ruder lassen.
Frankreichs Arger über Griechenlands Haltung.
W. T.-B. Paris, 7. Dez. (Nicbtmntlich. TraHtbericht.) In der Haltung Griechenlands sicht der „Matin" eine Lebensgefahr für die französischen Soldaten. Das Blatt schreibt: Die öffentliche Meinung ist heute vollkommen davon überzeugt, daß König K o n st a n t i n und seine M i n i st e r uns zu übertölpeln versuchen. Sie sonderten jcht keine Versicherungen oder Erklärungen mehr, sondern einfach und mit allem Nachdruck, daß die Unschlüssigkeit einzelner Personen nicht die Sicherheit unserer Soldaten gefährde. Daß Skuludis von uns Riesensu NI IN 6 n als Entschädigung zu erlangen sucht und uns trotzdem Schwierigkeiten in den Weg legt, regt die öffentlichen Meinungen nicht sonder- lich auf, aber daß man freundlich mit Leuten verhandelt, die im Grunde mit unseren Feinden einen Pakt geschlossen haben, ist wahrhaftig nicht mehr zulässig.
Ein englischer Bericht ans Mazedonien.
W. T.-B. London, 6. Dez. (Nichtamtlich.) Das Reutcrsche Bureau veröffentlicht folgenden amtlichen Bericht über die Saloniki-Expedition: Die örtlichen Gefechte am 3. Dezember warm: sehr heftig, besonders in der Richtung auf Kosto- rino, wo ein bulgarischer Angriff abgewiesen wurde. Zwei Versuche der Bulgaren, über die Cerna zu setzen, wurden durch das Feuer unserer Artillerie und Infanterie verhindert.
Fn London malt man grau in grau.
Genf, 6. Dez. (Zens. Bln.) Der Pariser Berichterstatter des „Corriere della Sera" meldet, in London werde die allgemeine Balkan läge, die nicht länger andauern könne, grau in grau gemalt. Sie enthalte zu viele zweifelhafte und unsichere Elemente. Der Kriegsrat werde über das Dardanellen- und Saloniki-Unternehmen die Entscheidung fällen. Der Optimismus Sonninos rn der griechischen Frage sei der schwächste Teil seiner Rede.
Wie die Franzosen ihre Leute vor dem Sichgesangen- nehmenlassen durch die Bulgaren abschrecken.
Sofia, 6. Dez. Die „Bulgarische Telographen-Ageritur" meldet: Nach einer an die Heeresleitung gerichteten Zuschrift aus Strumiha erklären die französischen Gefangenen, daß ihnen vor dem Kampf, in dem sie gefangen genommen wurden, ihre Führer sagten, die Bulgaren seien grausam und quälten und massakrierten alle, die ihnen in die Hände fielen. Die Gefangenen zitterten vor Furcht. Als sie jedoch sahen, daß sie mit allen durch die Gefühle der Menschlichkeit gebotenen Rücksichten behandelt wurden, schlug ihre Stimmung in Freude um. Sie bezeigten tiefe Darch- barkeit. Mehrere baten um die Erlaubnis, ihren Verwandten schreiben zu dürfen, daß sie sich voller Gesundheit erfreuen und vor Kälte und Regengüssen, unter denen die leicht gekleideten französiscl)en Soldaten sonst viel leiden, geschützt seien.
Eine bulgarische Antwort au die russischen „Schwarzen Hundert" und die Hoflakaicn.
Sofia, 6. Dez. Das Organ der Regierungspartei „Narodni Prara" schreibt: Serbien ist zugrunde gegangen,
weil sein Schicksal in den Händen des russischen Autokraten lag, der glaubt, den Weltereignissen wie seinen Lakaien gebieten zu können. Die serbischen P r i tt- zessinnen am' Zarenhof und die zarifchen Lakaien sind immer noch unzufficden und haben ein neues Mittel ausgedacht, um ihre geheimen Absichten zu verwirklichen. Da diese Lakaien der „Schwarzen Hundert" nicht wagen, gegen das freiheitliebende bulgarische Volk zu kämpfen, so erdachten sie die Theorie, daß eine Strafexpedition auf dem Balkan unternommen werden muffe, um das Volt der Bulgaren vom König Ferdinand zu befreien. Obgleich wir die Leichtfertigkeit der höfischen .Schwarzen Hundert" wegen ihrer bisherigen Sinnlosigkeit begreifen, wollen wir betonen, daß in Bulgari cn König und Volk eines Sinnes sind. Bulgarien hat nicht wie Rußland einen Zaren, der Millionen seines Volkes aufopfert, um seine und seiner Lakaien Launen zu befriedigen. Die Bulgaren sind auch kein Volk, welches gegen zarische Dummheiten fortwäh- rend Revolution machen müßte. Der König der Bulgaren hat das ganze Volk hinter sich. Selbst wenn der russische Hof die Möglichkeit hätte, auf irgend welche übernatürlich« Weise die zertrümmerten Horden aus Polen und Wolhynien zu sammeln und gegen Bulgarien zu entsenden, möge er wissen, daß Bulgarien diesen Horden und auch der bewaffneten Raubgier der elenden russischen „Schwarzen Hundert" den Todesstreich zu versetzen wissen wird. In seiner glühenden Vaterlandsliebe wird das bulgarische Volk zeigen, daß es den Boden der Heim a t vor fremden barbarischen Angriffen tapfer verteidigen kann. Wer e§ wagen sollte, die bulgarischen Grenzen zu überschreiten, wird de« Kugeln der tapferen bulgarischen Soldaten begegnen. Dies ist unsere Antwort an die russischen „Schwarzen Hundert" und Hoflakaien.
Der bulgarische Fiuanzmiuistcr über seinen Aufenthalt in Deutschland und Belgien.
Br. Berlin, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Kurt Aram meldet dem „L.-A." aus Sofia unter gestrigem Tag: Finanzminister T o n t sch e f f, der vorgestern hierher zurückgekehrt ist, äußerte sich gegenüber einem Mitarbeiter der Zeitung „Dnevnik" über seine Reise nach Deutschland wie folgt: Meine Reise war von vollem Erfolg befsteitet. Der Empfang, der mir überall in Deutschland zuteil wurde, muß jeden Bulgaren erfreuen. Die Gefühle der Deutschen für die Bulgaren sind die aufrichtigsten, überall in Deutschland wurden die bulgarischen Waffen- erfolge, als wären es eigen e, empfunden. Von Deutschlands Macht will ich gar nicht erst reden. Seine Militärmacht ist heute größer als zu Anfang des Kriegs, weil jeder nur für das eine Ziel arbeitet: Der Sieg muß Dentsch- land sein! Ich besuchte auch Belgien: Mes geht dort seiner Arbeit nach und scheint sich in die Verhältnisse gefunden zu haben. Die Landwirtschaft befindet sich in einem blühenden Zustand. Feder Arbeiter hat seine sicheren Einkünfte, und daraus kommen auch ununterbrochen Steuererträge ein. Finanziell ist Deutschland ebenso stark wie militärisch. Seine Finanzen sind bester als die Englands, von Frankreich gar nicht zu reden.
Oie neuen Balstan'ExpretzzLge Berlin und München—rronstantinspel.
W. T.-B. München, 6. Dez. (Nichtamtlich.) Auf der in Temesvar vom 2. bis 4. Dezember stattgefundenen Konferenz wurde eine Einigung darüber erzielt, daß vom 1. Januar 1916 an zunächst wöchentlich zweimal Extrazüge zwischen Berlin und Konstantinopel sowie München und Konstantinopel verkehren sollen. Die neuen Züge sollen die Namen „Balkanzüge" führen. Die Züge von und nach Berlin werden an den gleichen Tagen sowohl über O d e r b e r g - B u d a p e st als über D r e s d e n-T e t s ch e n- W i e n geführt. Die Züge von und nach Berlin werden im Wiener Ostbahnhof an die Berlin-Wiener Züge anschlietzen. Die Verbindung und Trennung der Züge, die einerseits über Oderberg, andererseits über Wien laufen, findet in der Station G a l a n t a (auf der Strecke Wi-en-Marchegg-Buda- pest) statt. In den Zügen sollen auch Schlafwagen verkehren, und zwar zwischen Berlin-Oderberg-Konstantinopel, Berlin-Dvesden-Wien-Konstantinopel und München-Men- Konstantinopel sowie ein Wogen 1. und 2. Klasse Berlin über Oderberg nach Konstantinopel.
Dcr Fahrplan dcr Züge soll aimühernd folgende Vcrkehrs- zeitcn haben: Berlm-Friedrichstraße ab 8 Uhr 16 9)!m. über Ober* dera, Budapest an 11 Uhr 10 Min.; Berlin-Anhalter Bahnhof ab 7 Uhr, Dresden an 9 Uhr 30 Min., Wien an 7 Uhr, Budapest 11 Uhr 40 Min.; München ab st Uhr 30 Min., Wien an 6 Uhr 45 llllin., Budapest au II Uhr 40 Mi::., Ankunft Konftaniinopel 2 Uhr. Konstantinopel Abfahriszeit 1 Uhr. Budapest ab 6 Uhr 50 Min. über Oderberg, Berlin-Friedrrchstraße au st Uhr 52 Min.: Budapest ab 6 Uhr 50 Mn., Wien ab 11 Uhr 35 Min., Dresden ab 9 Uhr 20 Mm., Verüu-Anhalter Bahnhof.11 Uhr 49 Min.; Budapest ab 6 Uhr 50 Min., Wien ab 11 Uhr 25 Min., München Arckunst S Uhr.
