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Montag» 6. Dezember 1915.
klbend-Ausgabe.
Nr. 568. ♦ 63. Jahrgang.
weiteres Vordringen in Montenegro.
Der Tagesbericht vom 6. Dezember.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Dez. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
A« verschiedenen Stellen der Front fanden A r- ! illerie-, Minen- und Handgranaten- iämpfe statt.
In der Gegend von B a v a u m e wurden zwer e n g- lische Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen. Die Massen sind tot.
Gestlicher KriegsMauplatz.
In der Morgendämmerung brach gestern ein russischer Angriff südwestlich des Babit-Sees (westlich von Riga) v e r I u st r e i ch vor unseren Linien zusammen. Ein durch russisches Artilleriefeuer vom See her getroffenes deutsches Flugzeug wurde bei Markgrafen (an der kurländischen Küste) mit seiner Bemannung geborgen.
Balkankriegsschauplatz.
Südlich von Sienica und nordöstlich von Jpek wurden montenegrinische und serbische Abteilungen zurückgeworfen. Oberste Heeresleitung.
Der amtliche bulgarische Bericht vom 3. Dezember.
vie Verfolgung der Serben auf Djakvva und §ibra. — panikartige Flucht der Serben. — Vjakova geräumt. — vie ungeheuere neue Kriegsbeute. — König Peters Flucht.
W- T.-B- Sofia, 5. Dez. (Nichtamtlich.) Bulgarischer Gcneralstabsbericht vom 3. Dez.: Nach der Zertrümmerung der Serben am 29. Nov. bei P r i z r e n d zogen sich die Trümmer der serbischen Armee gegen Djakvva und entlang der Beli Drini gegen Dibra und Skutari zurück. Unsere Truppen setzten die Verfolgung der Serbe» in beiden genannten Richtungen fort. Am 3. Dez. holten unsere entlang der Beli Drini verfolgenden Kolonnen die Serben in der Stellung am linken B j u m a u f e r ein, griffen sie energisch an, zersprengten sie und zwangen sie zum Rückzüge, welcher in panikartige Flucht ausartetc. Hier ließen die Serben 166 Feldkanonen und Haubitzen, 266 Automobile, eine ungeheure Menge Kriegsmaterial, 156 Trainfuhrwerke und derartige Mengen von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen zurück, daß der Weg entlang der Beli Drini bis Kula Ljuma dadurch verlegt ist. In der Richtung auf Djakvva zogen sich die serbisch-montenegrinischen Truppen beim Erscheinen unserer Truppen zurück und räumten Djakvva, wobei sie 6 Haubitzen im Stiche ließen. Unsere Kavallerie verfolgt sie gegen Djakova. — Nach Aussage» von Gefangenen mutzte König Peter auf einer Tragbahre getragen »»erden, weil der Marsch entlang des Driniflusies westlich Kula Ljuma selbst für Pferde unmöglich ist. __
vie Eroberung von Vjakovo.
Br. Berlin, 6. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Das „B. T." meldet aus dem Kriegspresiequarticr unter dem 5. Dezember: Der erwartete Fall von D j a k o v o trat gestern ein. Die Bulgaren marschierten in die Stadt ein, die von den Serben kaum verteidigt wurde. Große Beute fiel den Siegern in dre Hände. Die Serben zogen sich westwärts auf schlechten Landwegen zurück. Die gute Chaussee von Prizrend endet nämlich in Djakovo und findet in einer grundlosen Balkanlandstraße ihre Fortsetzung. Mit Monaster zusammen, in das, wie nachträglich bekannt wird, zuerst eine deutsche EMadron einzog, der bulgarische Abteilungen folgten, sind somit wieder zwei ausgczerch- i e t e S t ü tz p u n k t e in den Besitz der Sieger gelangt. Die Montenegriner unternahmen einen Zug auf b o s n is ch e s Gebiet und gelangten bis Celebic. Sofort ans Foca dorthin dirigierte Verstärkungen, warfen die Eindringlinge jenseits der Grenze. Südlich von Plevlje versuchten die Montenegriner in sechs siolonncn, die dem Laufe der dortigen, tief eingcschnittc- nen Gebirgstäler folgten, einen Gegenangriff gegen die österreichisch-ungarischen Truppen. Diese mit Zähigkeit geehrten Angriffe wurden restlos abgcwiesen. Eine Zusammenstellung der in Plevlje gernachten Beute ergibt, daß die Montenegriner von der Entente ausgiebig mit allem Kriegsmaterial ausgestattet wurden, das nunmehr von unseren im Gebirgsterrain kämpfenden Verbänden verwendet wird.
Der weitere Vormarsch in Montenegro.
Br. Budapest, 6. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Bei dem Vormarsch in Montenegro gewannen dir Truppen von neuem Raum südlich Plevlje auf den
Höhen von Korjen-Planina und im Tale Z e h o n i a. Die österreichisch-ungarischen Truppen nahmen im Sturm die monctenegrinischen Stellungen ein. Die Montenegriner kämpften bis zum I e tz t e n A u g e n b l i ck, so daß der Rückzug ihrer Hauptkolonnen nach dem T a r a f l u ß gedeckt wurde. Andere Truppen wurden bei Tresnjevica und nordwestlich Vinjeve-Planina geschlagen. Mit diesem neuen Sieg eröffnrtcn sie den Sienitzaer Kolonnen den Weg für den weiteren Vormarsch nach Bjelopolje.
Ein neutrales Urteil zum Falle Monastirs
Zürich, 6. Dez. (Zens. Mn.) Die „Neuesten Zürcher Nachr." schreiben-: Mt der Besetzung van Mouastrr haben
Deutschland und Österreich-Ungarn der Entente ihre Visitenkarte auch für Griechenland abgegeben, wenn es sie nach einer dauernden Besitzergreifung Salonrlis gelüsten sollte. Der Weltkrieg hat scmderbave Wendungen im Gefolge. Wer hätte bei fernem Ausbruch gedacht, daß im Verlause desselben deutsche Regimenter am der grie- gischen Grenze Stellung nehmen■ würden und in wenigen Wochen vielleicht unter dem Jubel der Bevölkerung in Athen und Konstantinopel einziehen werden! Man hat damit nicht bloß die Kraft und die Genialität der militärischen Operationen zu bewundern, sondern auch die zielbewußte Führung und ruhige Überlegenheit im politischen Plane, vor dem die Entente morsch und fäul zusammenfällt.
König Ferdinand auf der wiederhergestEen Eisenbahnstrecke Sofia—Ni sch
Ein bezeichnender BorfM zwischen serbischen und ruffischen Gesäusenen. *
Br. Sofia, 6. Dez. (Eig. Drahtbertcht. Zens. Bln.) Die bereits gemeldete Reise des Königs von Bulgarien nach Nisch gebt die beste Gewähr dafür, daß der allgemeine Betrieb demnächst wieder ausgenommen werden wird. Der König konnte die Strecke fast ohne Unterbrechung zurücklegen und mutzte nur an einer Stelle umsteigen, wo die Wiederherstellung 'einer Brücke noch nicht beendet war. Dabei ver- teilte der König an die dort beschäftigten, Kriegsgefangenen Geld. An einer Stelle arbeiteten unter deutscher Leitung russische Gefangene. Ein serbischer Gefangener kam vorbei, erkannte ihre Nationalität urst» überschüttete die Russen Mit Vorwürfen. „Ihr habt uns das Un- Kück auf den Hals geschickt, seht, was aus uns geworden ist." Die Russen antworteten, mm geriet mit Hacken und Spaten aneinander und deutsche und bulgarische Soldaten mußten die „Bundesgenossen" auseinaUdeureitzew.
Bulgarische Genugtuung über die rumänische vonausperre.
W. T.-B. Sofia, 5. Dez. iNichtamtlich.) Die Presse begrüßt den Entschluß Rumäniens, die Donau mit Minen zu sperren. „Narodni Prava" sagt: Das ist eine gute Antwort an Rußland, welches nie die Selbstärüiiykeit der kleinen Staaten achtete. Das Blatt schreibt dann weiter: Die Handlungsweise der Entente ist die eines vor dem Bankerott stehenden Kaufmannes. Zuerst bietet er wenig und verlangt viel, dann bietet er mehr und verlangt weniger. So verfuhr die Entente erfolglos bei Bulgarien, so macht sie es jetzt bei Griechenland. Der Erfolg wird der gleiche • wie bei Bulgarien und Rumänien sein, nämlich ein Mißerfolg.
Die Verdienste der Zcntralmächte um Bulgarien.
W- T-B. Sofia, 6. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Blatt der Stambulowisten, „Nov Bek", beginnt den Ab
druck einer Reihe von Artikeln, in welchen es die Verdienste der Zentralmächte um Bulgarien in der Bergangenheit herborhebt. Es schreibt: Die Zentralmächte hab-en uns vor Rußland geschützt, welches darauf ausging, Bulgarien in Abhängigkeit zu erhalten und das ungezogene Kind durch Strafen zu erziehen. Die Zentval- Mächte haben uus geholfen, die Unabhängigkeit zu bewahren, während Rußland den kulturellen Bestrebungen der Bulgaren stets eutgegengewirkt hat. Tie Zentralmächte haben die Türkei veranlaßt, Konzessionen bezüglich des bulgarischen Schulwesens in Mazedonien zu machen. Hätten die Mrttel- mÄhte nicht zur Zeit Stambulows und später unterstützt, so wäre Bulgarien längst ein Opfer Rußlands geworden.
Bulgarische Bevölkerung von den Engländern und Franzosen verjagt.
W. T.-B. Sofia, 5 Dez. (Nichtamtlich.) Der Sonderberichterstatter des Wolff-Bureaus meldet: Me Engländer und Franzosen jagten die bulgarische Bevölkerung aus vielen Dörfern, im Gebiete von Tikmesch fort. 70V Greise, Weiber und Kinder kamen in dem größten Elend in Rado- witsch an.
vie Schwierigkeiten eines griechischen Ausgleiches mit dem Vierverband.
Br. Lugano, 6. Dez. (Eig. Drähtbericht. Zens. Bln.) Der Vertreter der „Gazette del Popolo" in Athen hatte eine Unterredung mst einem griechischen Staatsmanne, der ihm sagte: Nicht die Haltung Griechonlands fei schwankend, das
nur seine Neutralität und Unabhängigkeit wahren wolle, sondern die des Vierverbandes, u,nd seine Unsicherheit wirke natürlich auf die griechische Haltung zurück. Außerdem bäten einzelne Forderungen des Vierverbandes, selbst wenn man sie im. Prinzip annehme, in der Durchführung solche Schwierigkeiten, daß män die Entscheidung ganz und gar den Fachleuten überlassen müsse. Dennoch, sagte der Grieche, er sei nicht pessimistisch, weil der Vi-erverband das größte Interesse daran habe, die Lösung der schwebenden Fragen zu erleichtern.
Französische Vorwürfe für England.
Die Engländer sollen Verstärkungen schicken.
W. T.-B. Paris, 5. Dez. (Nichtamtlich.) In einer Kritik der diplomatischen Lage sagt der „Demps", es sei du: feste Überzeugung der fraryösischen Regier-ung, daß die Ausgabe Mazedoniens ciiuM Fehler darstellen würde, urtfo wefit daraus hin, daß zurzeit französische politische Persönlichkeiten bei dem alliierten Großbritannien dieser Überzeugung Ausdruck zu geben und Geltung zu verschaffen am WerLe seien. Es handle sich in der Tat darum, die Engländer zu verpflichten, Verstärkungen zu entsenden, die ehre Wendung in der Lage Hervorrufen könnten, welche durch Un- schlüssigkeit und Verschleppung allzu sehr verschlimmert worden fei.
Der englisch-frarrzösische Gegensatz auf dem Balkan.
Br. Konstantinopel, 6. Dez. (Erg. Drähtbericht. Zens. Bln.) Die Schärfe des Gegensatzes zwische n dm Engländern und Franzosen auf dem Balkan kennzeichnet unter anderem die Tatsache, daß nach einem Privat- bericht Denys Cochin und Kitchener einander stets auswichen und niemals gerneinsame Besprechungen mit den griechischen Staatsmännern hatten. Die Engländer hätten sich nur bei der Besetzung der Hurtadi-Höhe rach bei der Anlegung des verschanzten Jagers beM^,
