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Sonntag» 5» Dezember 1915.
Morgen * Ausgabe.
Nr. 567. ♦ 63. Jahrgang.
vre Höhen südlich venplevlse gestürmt.
Italienische Annäherungsversuche bei Gslavia unv podgorahöhe abgewiesen. — Oie Montenegriner bei Tresnjevica geschlagen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht-.
W. T.-ß. Wien, 4. Dez. (Nichtamtlich.) Amttich »erlautet vom 4. Dezember, mittags:
Russischer «riegrschauplatz.
Nicht Neues.
Italienischer Rriegsschauplatz«
Die Angriffstätigkeit des Feindes gegen den Görke r B r ü ck c n k o - f und den Nordhang der Hochfläche ,on Dobcrdo hält an. Schwächliche Angriffe und Annäherungsversuche bei Oslavia und vor der Podgvra wurden abgewiesen. Die Beschießung der Stadt Görz dauert fort. Gegen den Monte San Michele und bei San Martina griffen stärkere italienische Kräfte an. Unsere Truppen schlugen auch hier alle Vorstöße zurück.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Trltppcn haben gestern früh die Höhen süd- lich von Plevljc im Sturm genommen. Auch bei Tresnjevica, südwestlich von Sicnicu, wurden die Montenegriner geschlagen. Westlich von N o v i- bazar vertrieben bewaffnete Mohammedaner plündernde montenegrinische Banden. An Gefangenen wurden gestern bei Novibazar und Mitrowrtza insgesauu 2800 Mann eiugebracht.
Ter Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs: v. H ö f c r, Fcldmarschallcutnant.
vie 70. Uriegswoche.
(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)
Die überraschend schnellen Schläge der drei verbündeten Angriffsheere schlugen Loch auf Loch in die schwachen Holzwände des stolzen Balkan- schiffcs der Entente. Mit schwerem Leck strandete es in den letzten Novembertalgen auf den spitzen Felsen- rissen der rauhen albanischen Grerrzgebirge. Kapitän und Steuermann, der serbische König und der Der- treten des russischen Schutzherrn, verließen dU letzte den schwankenden Boden des in die Fluten sinkenden Schiffes und retteten mit knapper Not das nackte Leben. Die bitter nötigen Rettungsboote der Engländer und Franzosen hoben nicht ihre Anker aus den festen Ufern des Wardar und Cerna-Flusses. So mußte dies s e r- bische Balkanschiff der Entente in den Fluten versinken und riß -mit sich in das feuchte Grab die Krone eines Fürsten, die Trümmer eiires tapferen -Heeres, Hab und Gut, staatliche Existenz und Kraft dieses unglücklichen Volkes.
In einem knappen Rückblick meldete die oberste Heeresleitung die Ergebnisse unserer -Operationen gegen Serbien, deren Zweck, die Öffnung der -Verbindung zwischen den Zentralmächten und den Verbündeten auf -der Bokkanhakbinsel und an den Dardanellen, erreicht worden ist. In kaum 53 Tagen ist -diese gewaltige L e i st u n g -vollbracht worden, dank dem Opfermut unserer Truppen und als Lohn der einheitlichen strategischen Leitung der gesamten ver- kündeten Heere. Mit schlichten, eindrucksvollen Worten, ohne Überhebung, aber in gerechter Würdigung des Geleisteten findet die deutsche oberste Heeresleitung eine ehrende Sprache der Anerkennung. Die gewaltigen Zahlen -an Gefangenen, Geschützen und sonstigem Kriegsmaterial überstiegen noch bei weitem unsere Erwartungen und machten das strahlende Bild dieser großen Tat noch anschaulicher und farbenprächtiger. Das -militärische Endergebnis dieses serbischen Feldzuges besteht für uns darin, daß ein starker und kricgs- tüchtiger -Feind als erledigt anzusehen ist und daß infolgedessen starke Heere zu neuen Schlägen bereit sind. Die d e u t s ch e F r o n t läuft nun im Osten vom Rigaer Meerbusen über die Sümpfe des Pripet, die llfer der Donau bis an den Strand von Galli- poli. Den strategischen Vorteil der inneren Linie wußten wir soweit auszunutzen, daß auch der einzige Verbündete von uns auf der äußeren Peripherie in -die -deutsche Front -mithinein gezogen worden ist. Die militärische Kraft unseres tapferen Verbündeten wächst dadurch ganz erheblich. Seine Hilfsquellen für die Er- zeugimg von Kriegsmaterial und Muniton erhielten Lichtlge Achchtrffchcmäle an die überreichen, altbSvähr-
ten der Zentralmächtc. Dies wird sich an der Dardanellenfront sehr bald bemerDar machen. Dre bisherigen Landungen der (Ärcpänder und Franzosen waren nur möglich, weil ihre Artillerie cm Zahl rmd Kaliber der türkischen überlegen war. Dies kann sich sehr bald ändern und dann kann das Dardanellen- abentcuer unserer Feinde einen schnellen und trag:- schen Abschluß finden. Die weiteren militärrsozen Aussichten auf dem Balkan erscheinen für uns sehr hoffnungsvoll. Und keiner unserer vielen Feinde vermiete dies zu hindern: Nicht die Maffenheere Rußlands, weder die vierte Offensive Eadornas noch die fünften Septemberstürme des Generals Joffre, weder die geschäftigen Ententevertreter in Achen, noch chre Kollegen in Bukarest, die englisch-französischen Landungstruppen in Saloniki ebensowenig wie die Paradetruppen des Zaren in den russischen Donauhäfen. Das soll unser Stolz sein. Mt jedem neuen Tage geht auch ein neues Stück serbischen Bodens an uns verloren. Am 30. November eroberten die bulgarischen Truppen die serbische Stadt Prizrend. Neue Tausende an Gefangenen, reiche Beute an Kriegsmaterial fielen den tapferen Angreifern in die Hände. Das, letzte S a m m e l b e ck e n für die fliehenden Truppenteile hat hiermit Serbien verloren. Ein an Hilfsmitteln aller Art reicher Punkt, der Ausgang -mehrerer guter Straßen nach der aDanischen Küste, wurde für uns gewonnen. Diese Waffentat bildete eine schöne Ergänzung zu dem bereits Geleisteten. Diese fast beispiellosen Erfolge — nur in Belgien erlebten wir vor einen: Jahre Ähnliches — werden ihren Eindruck auf die politische. Haltung Griechenlands und Rumäniens nicht verfehlen. Ruhelos eilten die beiden Abgesandten der Entente, Denys Cochin und Kitchener, von einer Haupfftadt zur anderen, nur -mit kurzem Aufenthalt. als Bittsucher, ohne irgend welchen Erfolg erzielt zu haben. Die Presse der Entente verheimlicht uns sicherlich nicht ihre diplomatischen Siege als Ersatz der fehlenden militärischen. Einen besseren Gradmesser für die Bedeutung unserer Balkanerfolge können wir gar nicht haben als die bangen Erwägungen unserer Feinde, das Saloniki und Dardanellenabenteuer schnell -abzubrechen, als das dauernde Sträube,: Italiens, auf dem Balkan eÜMr greifen und die anäurernden GaranffrverhmMungen mit dem Athener Kabinett. Sehr groß können die griechischen Zugeständnisse nickst gewesen sein, denn sonst würde die Entente nicht dauernd das Programm ihrer -Wünsche erweitern, wie sie es tatsächlich tut. Der Friedenswille ist in Athen ungeschwächt, ebenso auch die feste Absicht, die eigene Bewegungs sreiheit durch Beibehaltung des Kriegshoeres sich nicht verkümmern zu lassen. Griechenland weiß nur zu gut, daß allein ein schlagfertiges Heer ihn: den Krieg fernh-alten kann. Von dieser Grundlage weicht es auch nicht ab und darum dürste seine Neutralität fernerhin noch andauen:.
Die Absichten Rußlands, dem u::tcrgegcmg«ien Serbien durch einen Angriff auf Bulgarien jetzt noch helfen zu wollen, sind zu spät und militärisch kaum durchführbar, nachdem unser Verbündeter den einen Feind so schnell und gründlich erledigt hat. Auch Serbiens Verbündeter, Montenegro, erleidet gcgenwärffg empfindliche Schläge in den: bosnisch inöntenegrinisch-ser-bischen Grenzwinkel. Hier haben Truppen der Verbündeten den Angriff aus den alten türkischen Sandschak Novibazar eröffnet von drei Seiten: von Nord, Nocdosten und Nordwesten. Die wichtige Grenzstadt Plevlje wurde am l. Dezember von den Österreichern erobert, wodurch cs möglich sein -wird, auf den Verlauf der Verfolgungskämpfe gegen die Serben erfolgreich einzuwirkcn. Auch auf ihrer Westfront wurden die Montenegriner durch Vorstöße unserer Bmrdcsgcnoffen beschäftigt. Die Zufluchtsstätten des serbischen Heeres bieten ihn: also keine große Sicherheit mehr.
Über die strategische Lage des englisch-französischen Landungshecres hört nun sehr wenig. Keineswegs ist sie g ü n st: g zu bezeichnen. Die Eroberung voix Prizrend verni-ochte cs nicht zu hindern. Der siegreiche Vornwrsch auf Monastic wurde bis zun: heutigen Tage auch nicht von den: General Sarrafl zum Stehen gebracht. Der Fall von Monastir bedeutet eine ernstliche Gefahr für Flanke und Rücken des Ententeheeres. Militärisch ist es gänzlich unverständlich, welche taktische oder gar strategische Aufgabe es überhaupt berufen sein sollte, jetzt noch auf dem Balkan zu lösen. E i n- gekldnmnt zwischen Cerna- und Wardar-Flnß gleicht dieses Heer einen: Opfertier, das auf den tödlichen Streich durch die Zcntralmächte lauert. Fast möchte es scheinen, als ob die Entente bereits ihre Hanptkräste abtransportiert hat. Das Schweigen über die Tätigkeit der gelandeten Truppen könnte hierfür sprechen. So wäre es auch erklärlick:, daß vor allem England eine Ablösung auf dem Balkan in Italien sucht, ohne auf - G e g e ul i eb e gestoLen m lei n . Lra nkr-ü d jmh üuä
England sind nicht in der Lage, annähernd 160W0 Mann ohne jeden Zweck in SWmazedonien sich verbluten zu lassen nur aus Rücksichten auf :hr Waiden, das durch eine neue Niederlage mrr noch eostffirroücher leiden -muß. Das süd mazedonifche Geh egm- n i s wird vielleicht sehr bald entschleiert werden. Wer so um sein Bestehen kämpfen muß, wie England und Frankreich im Orient, der denkt mehr an eigene Erhaltung als an fremde Meinung.
Auf der westlichen Front herrschte an allen Tagen nur eine heftige TAtigkeit der feindlrchen Artillerie und Miuenwerfer. Der russische Gene- ratstabsbericht gab nur wiederum eine neue Falschmeldung über angebliche Erfolge an der Dünafrout zum Besten seiner Leser. Seitdem. diese von uns schnell widerlegt wurde, sind die russischen Bericht noch kürzer und inhaltloser gÄvorden. Auch Rußland sicht als tatenloser Zuschauer, wie sein Ansehen auf den: Balkan zusehends schwindet.
Auf den außereuropäischen Kriegsschauplätzen konnten die Türken einen schönen Sieg in Mesopotamien gegen die Engländer erfechten. Sie hinderten den Feind daran, sich in den Besitz der geheiligten Stadt Bagdad zu setzen und fügten ihm bluffge Verluste zu. Diese Niederlage wird ihren Eindruck auf die von England bestochenen' Stammesfürften nicht . verfehlen und Ansehen und Achtung vor den osuwnijchen Waffen auch in diesein Erbtest von neuem steigern. M.
Die Ereignisse auf dem Balkan,
sec Einzug in Monastir.
Br. Rotterdam, 4. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Dln.) „Reuter" läßt sich aus SalouM drahte«, daß laut Bericht aus Florina die Östcrreichcr 2 Uhr nachmittags in Monastir einzogen. Die Bulgare« stehen nur noch drei englische Meilen (4 Kilometer) von der griechischen Grenze entfernt. Sie haben den Serben den Rückzug auf griechffches Gebiet abge- schnitten. Eine Drahtung des „Daily Telegraph" besagt, daß deutsche und österreichische Truppe« um 2 Uhr nachmittags in Monastir cinmarsästerten.
Ein Bulgare über die Lage der engtisch- f französischen Expedition.
Br. Sofia, 4. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Ein Oberstleutnant des bulgarischen GeneralftaLs gibt nachstehende Darstellung der Lage der e n g l i sch - f r a n z-ö fisch en Balkanarmee: Die Franzosen und Engländer stehen in einer Stärke von 60- bis 84)000 Mann in stark verschanzten Stellungen, deren Zentrum die Wardarenge bei Krivolac ist. Die französischen und englischen Stellungen sind am rechten und linken Wardarufer von bulgarischen Armeegruppen flankiert, teilweise sogar umklammert. Die Lage der englischen und ftanzösifchen Truppen ist k r i t i s ch. Gelingt es nicht der in Saloniki gebildeten Evsatzarmee, rechtzeitig den Rückmarsch über die griechisch-serbische Grenze zu bewerkstelligen, so werden -die von den Bulgaren ang-egriffrn-en Franzosen u«d Engländer sich nur sehr schwer und unter großen Verlusten nach Saloniki zuriickzi-ehen können.
Der neue serbische Fimmzminister.
Br. Genf, 4. Dez. (Eig. Drahwsvicht. Avus. Wo:) Nach einer Meldung des „Teurpd" nnorde der ehemalige Pro- frssor an der Belgrader Universität mü> Deputierte Mi-»- tenitsch zum serbischen Fimmzmimster ernannt.
Der Vicrvcrband hofft auf günstige Lösung der schwebenden Fragen.
Br. Rotterdam, 4. Dez. (Eig. Drahtbcricht. Zenf. Mn.) Die letzten Reutermeldungen aus Athen besagen, daß man dort jetzt „optimistisch und hoffnungsvoll" fei Mid erwartet, daß es gelingen werde, eine Lösung zu finden, welche den Forderungen der Ententemächte genügt und gleichzeitig den „militärischen Wert der griechischen Truppen in Mazedonien" nicht vermindere. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" berichtet nach einem Besuch in Athen Donnerstagnacht aus Saloniki, daß auf die griechische Regierung von deutscher S e i t e ein sehr st a r k e r Druck ausgeübt werde, damit sie dem Drängen der Ententemächte nicht uachgcbc. Die Gegner machten alle erdenkbaren Anstrengungen, um die Stellung der Entente truppen in Saloniki uichaltbar zu machen und sie zu zwingen, das Unter- nehmen aufzugeben. Man müsse zngeben, so sagt der Berichterstatter, daß die Lage der griechischen Regierung zwischen zwei Stühlen außerordentlich schwierig sei.
Gricchculonds Weigerung auf die letzten Vierverbands- forderungcn wird dementiert.
W. T.-B. Mailand, 4. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Secolo" meldet aus Nom: Die Nachricht von der
Weigerung Griechenlands, die -letzten Forderungen des Vierverbands anzunchmen, werden auf der Consulta und ans der griechischen Gesandtschaft in tllom dementiert. Man vermutet, daß es sich um ein Mißverständnis bei Auslegung der Antwort der griechischen Regierung handeln müsse. SkuludiS habe tatsächlich, so wird hervorgehoben, auf
dte (üi'firfirtnt fe-nnotnigifn inu iiix iulZ. orjarfViMie JOe/t * ,
