Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasie 21

„Tasblatt-HauL".

Schalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgen« bi« 7 Uhr abends.

wöchentlich

_***•«- .— — -----

marckrrng 19, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der vtadt; in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

Anzeigen-Anuakme: FürdieAbend-Ausg.biSlLUHr m .. , ^ ^

Wittags; für die Morgen-Ausg. bis 3 Uhr nachmittags. SwltttEf SchriftlkltNUg des WiesbadenerTagblatts

12 Ausgaben.

Fernruf:

„ragblatt-Hmil" Nr. 8850-SZ.

Bon 8 Uhr morgens bi« 8 Uhr abends, anffrr Sonntag«.

bllireigen-Brei« für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anr-„-n im ,,Arbei>«m-rkt- und „slkm-r Anzeia-r» in eücheillichrr Satzform; ^0 Pfg. in dnoon abweichender Satzausfnhruno, sonne für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 3» Big- für alle auswärtigen Anzeigen; 1 B». für örlfiche ReNamen; t Ml. für auswärts ReNamtU. Ganze, halbe, drittel und vierte! Seite», durchlanfend, »ach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme nnveründerter Anzeigen in lurzen Zwischenräumen entiprechender Nachlaß.

~ ~ «„„o Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

Berlm»., PgtsdamerStr. 121K. Frruspr.: AmtLutzow 6282 U. 6806. Tagen und Pinfinwird leine Gewähr übernommen.

Samstag, 4. Dezember 1913.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 565. ♦ 63. Jahrgang.

Mohammedaner und Rrnauten fchliehen sich den österreichisch-ungarischen Truppen an. — Tine italienische Abteilung bei San Martins aufgerieben. — Görz unter erneuter lebhafter Beschießung. — Sei Novibazar abermals 3300 Serben gefangen.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 3. Dezember, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz

Stellenweise Geschützkampf und Geplänkel.

Italienischer Rriegsschaupiatz.

Nach den wieder gänzlich mißlungenen feindlichen Angriffen der lebten Tage auf den Tolmeiner Brückenkopf und auf unsere Bergstellung nördlich davon trat gestern dort Ruhe ein. Bei Oslavia wurde heute nacht abermals ein Borstoß der Italiener ab gewiesen; ebenso scheiterten Angriffe auf dcn'Montc San Michele und den Nordhang dieses Berges. Bei San Martino wurde eine italieni­sche Abteilung aufgerieben, die sich mit Sandsackcn hcrangcarbeitet hatte. Görz stand unter besonders lebhaftem Feuer, das namentlich im Stadtinncrn neuen bedeutenden Schaden verursachte.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Westlich und südlich von Novibazar nahmen österreichisch-ungarische Abteilungen, denen sich vrele bewaffnete Mohammedaner anschlossen, vorgestern und gestern 3588 Serben gefangen. Bei den Kämpfen im Grenzgebiet zwischen Mitrowrtza und Jpek griffen an unserer Seite zahlreiche Arnautcn em.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralftabs:

». Höf er, Frldmarschalstutnant.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Oer Rückzug der Serben aus Monastir.

W.T.-B. Mailand, 3. Dez. (Nichtamtlich. Draht- Bericht. Über Bern.) Magrini drahtet dem „Secolo" unter dem 2. Dezember, mittags, aus Florina: Das

serbische Heer zog sich heute früh aus Monastir in der Richtung auf R e s n a r zurück.

W. T.-B. Athen, 3. Dez. (Nichtamtlich. Drahtberrcht.) „Agence Havas" meldet: Die Nachrichten aus .Monastir lauten widerspruchsvoll. Einzelnen Berichten zufolge sollen die Bulgaren den Marsch gegen Monastir unterbrochen, jedoch eine Umzingelungs- bewegung unternommen haben, um den Serben den Rückzug nach der griechischen Grenze abzuschneiden.

3urückziehung der feindlichen Zivile von dem Hafen vedeayatsch.

Br. Sofia, 3. Dez. (Gig. Drahtberrcht. Jens. Bin.) Hier eingetroffenen Berichten ist zu entnehmen, baß die Flotte der Ententemächte, die bis jetzt den Hafen Dedeagatsch blockierte, sich aus dem Seeyebiet von Dedea- gcrtsch entfernt hat.

Ein griechischer Dampfer verloren.

W. T.-B. London, 3. Dez. (Nichtamtlich. Dvcchtbericht.) Lloyd-Agentur meldet: Der griechische Dampfer „Zarifis" ist versenkt worden. Ein Deck der Besatzung wurde von dem französischen Dampfer „Mira" ausgenommen, di« übrigen von einem anderen Dampfer in Malta gelandet.

Reberraschunsen nicht ausgeschlossen.

Br. Berlin, 3. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der Sonderberichterstatter des „B. T." meldet aus Sofia vom 8. Dez.: Die letzten Tage haben unstreitig eine gewisse Auf­klärung der Lage gebracht. Unter dem Druck der gegebenen Verhältnisse hat sich Griechenland genötigt gesehen, der Entente die Benutzung aller Bahnlinien in Griechisch- Mazedonien, also nicht nur der Linie Saloniki-Gewgeli, son­dern auch der Strecken Saloniki-Monastir und Saloniki- Oktschila zu gestatten. Ferner haben sich die Griechen auf Wunsch Frankreichs und Englands der freien Verfügung über die griechischen H ä f e n in der Ägäa, also nicht nur Salonikis, sondern auch Kcrwallas, nicht widersetzen wollen. Damit ist den Mächten der Entente, die Griechenland gewisse Garantien dafür gaben, daß es nach Beendigung des Krieges wieder in geschmälerten Besitz gelangen soll, Griechisch-Mazedonien sozusagen als Krieg sthe ater überlassen. Bon einer Entwaffnung der von Serbien cnif griechisches Gebiet übertretenden englisch-französischen Truppen kann also unter diesen Umständen nicht mehr die Rede sein. Man darf aber nach der bisherigen Ent­wicklung der Lage die Überzeugung aussprechen, dass sich auch diese Rechnung der Entente als fehlerhaft erweisen wird. Bulgarien hat jetzt ein so vollständiges Desinteressement in Griechisch-Mazedonien an den Tag gelegt, daß die maßgeben­den Kreise in Athen von dem aufrichtigen Bestreben Bul­gariens, dauernd freundschaftliche Beziehungen zu Griechen­land zu Pflegen, diesmal allgemein überzeugt sind. Weitere

Komplikationen und Überraschungen find deshalb nicht völlig ausgeschlossen. Es ist auch nicht sicher, ob sich die Entente wirklich mit den bisher erpreßten Zugeständnissen begnügen, und es doch noch versuchen wird, Griechenland durch Blockade und andere Drohungen womöglich rur Verzweiflung zu treiben. ( > r

Italien und die Haltung Errechenlanvs.

W.T.-B. Berlin, 3. Dez. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Der „Berliner L.-A." meldet aus Lugano: Der „Secolo" teilt mit, daß gestern in der Kammer eine Unterredung zwischen Salaudra und Sonnino stattge- fnnden hat, deren Gegenstand ein zwischen den Wichten des Bicrvcrbandes stattgehabter Meinungsaus­tausch über Maßregeln gewesen sei, die gegen­über Griechenland ergriffen werden sollen, das die ver­langten Garantien zur Sicherung der Operationsbasis nicht vorbehaltlos zugestchen wolle.

Die französische Presse noch immer über Griechenland beunruhigt.

Sr. Genf, 3. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Die französische Presse, besonders der „Temps", zeigt sich Wer die feste Haltung Griechenlands beunruhigt. Trotz der Ver­sicherung Denhs Eochins, König Konstantin habe sein Ehren­wort gegeben, daß Griechenland niennrls französische Truppen angrerfen werde. Der „Temps" verlangt neue, diesmal ener­gische Zwangsmaßregeln gegen Griechenlarü», um dies an der BeüschkeppungSpolitik zu verhindern.

Oie Bedrohung Griechenlands.

Ein scharfes holländisches Urteil.

W. T.-B. Amsterdam, 3. Dez. (Nichtamtlich. Drrchtbericht.) Der „Standard" schreibt in einem Leitarfikel- Dag für Tag ärgert sich jeder vornehm denkende Mensch in Europa über das unanständige Spiel, das Englarch, von Frankreich unterstützt, mit Griechenland treibt. Hätte Belgien dieselbe Methode verfolgt wie Griechenland und die deutschen Truppen unter Protest durchmarschieren lassen, unter der Bedingung, daß es durch Geld -entschädigt würde, so wäre ihm kein Haar gekrümmt worden und der europäische Krieg wäre wahrscheinlich bereits seit Monaten beendet. Ge­sandter um Gesandter landet in Athen, um dem König Kon­stantin zu drohen, daß es um Griechenland geschehen sein würde, wenn es wagen würde, über seine Grenze flüchtete Soldaten zu internieren oder wenn es der Dreistigkeit, mit der man in Saloniki ans Werk geht, Zügel anzülegen versuchte.

Tiner griechisch-türkischen Verständigung entgegen.

Wirtschaftliche Fragen im Vordergrund stehend.

W.T.-B. Köln, 3. Dez. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die „Köln. Ztg." erfährt aus Sofia: Von gut unterrichteter Seite erfahre ich, daß die türkisch- griechischen Bezichungen (über die auch im „Wiesb. Tagbl." berichtet wurde. D. Schrift!.) einen neuen Grad hoher Wichtigkeit erreicht haben. Minister­präsident Skuludis und der Großwesir haben herz­liche Telegramme gewechselt. Die griechisch-türkischen Verhandlungen finden gleichzeitig in Konstantinopel und Athen statt und betreffen die Regelung wirt­schaftlicher Fragen, sowie den Besitzstand griechi­scher und türkischer Untertanen in beiden Ländern. Das schnelle Fortschrciten der Verhandlungen erweckt die Hoffnung auf eine volle politische Verständigung.

Unsere Unterseeboote im Mittelmeer.

27 Handelsschiffe in 14 Tagen versenkt-.

Br. Berlin, 3. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Post" wird von besonderer Seite geschrieben: In der kurzen Zeit von 14 Tugen sind im Mittelineer nicht weniger als 2 7 Handelsschiffe in einer Größe von im ganzen 112000 Tonnen durch Unterseeboote der Mittelmächte versenkt worden, und wir haben guten Grund, zu glauben, daß das Tempo dieses Erfolgs sich in der nächsten Zeit nicht

verringern, sondern noch steigern wird. Um den Rückzug ihrer großen Schlachtschiffe von den Dardanellen zu recht- fertigen, haben freilich die Engländer unumwunden aner­kannt, welch entscheidende Rolle das Nahen und die Tätigkeit der Unterseeboote dort gespielt haben.

> Monastir besetzt!

W. T.-B. Mailand, 3. Dez. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die Zeitungen melden aus Athen: Monastir ist Donnerstagnachmittag 3 Uhr besetzt wobden.

»

Einer der bekanntesten Kniffe unserer Feinde besteht darin, die -Eroberung einer Stadt oder den Fall einer Festung Zu melden, bevor dies der Fall ist und ehe die betreffende feindliche Heeresleitung die Richtig­keit bestätigt -hat. Der hiermit beabsichtigte Zweck ist mehr als durchsichtig. Die Bedeutung eines unab­wendbaren Ereignisses soll verkleinert, die nicht aus­bleibende Enttäuschung bei unseren Feinden gemildert, unser Waffenrnhm überschattet werden. So versuchte man es im Sommer mit Warschau, so machten es auch jetzt unsere Feinde Mt der serbischen Stadt Monastir. Ihre Einnahme meldete der italie­nische „Corriere" bereits am 20. November; mehr als zwei Wochen früher, bevor sie zur Tatsache wurde, ehe ans Athen die Nachricht den erfolgten Besitz uns verkündete. Aus diesen W i nk e l z ü g e n unserer Feinde ist nur zu deutlich zu erkennen, welchen Wert sie dieser südmazedonischen Stadt beimessen, wie groß andererseits der von uns errungene Erfolg ist.

Seit mit dem 27. November der serbische Feldzug in seinen Hauptoperationen beendet war, konnte das Schicksal von -Monastir keinen Zweifel mehr lassen. Nachdem die nord- und mittelserbischen Heere vom Heimatboden weggefegt waren, verschlechterten sich mit jedem Tage immer mehr die Aussichten für die bei Monastir kämpfenden Serben, von Norden her einen K r a f t z -u wachs zu erhalten. Jeder neue Dag trieb andere Teile des serbischen Heeres in die rauhen Berge Albaniens. Die einzige Verbindung nach dem Norden wurde den Serben von den bulgarischen Truppen bereits in der ersten November-Woche ver­sperrt. In schneller Aufeinanderfolge fielen Uesküb und KaLkandelen in die Hand der tapferen Angreifer. Durch die Besetzung dieser beiden Städte war die Aus­sicht auf Hilfe gänzlich entschwunden. Sie wurde noch grünÄicher dadurch zerstört, daß die Bulgaren kräftig von Norden nach Süden dnickten. Am 29. No­vember wurde auf diesem Vormarsch die Stadt Krusevo, kaum 30 Kilometer /von Monastir enfernt, von den Bulgaren erobert. Nur diejenigen seckbischen Truppen, welch zwischen albanischer Grenze und der bulgari­schen Stoßlinie nach Süden abgedrängt, versprengt und nicht mehr als vollwertig gelten können, mögen Monastir noch erreicht haben. Sie stärkten nicht die Verteidiger von Monastir, sondern schwächten sie, in­dem sie Kopflosigkeit, Hunger und Verzweiflung in diese Kampfgruppe hineintrugen. So waren die ser­bischen Truppen um Monastir nur auf s i ch angewiesen. Ihre Widerstandskraft glich derjeniger einer von allen Seiten umlagerten Festung, deren Lebensdauer genau zu errechnen ist, wenn Angriffs- und Verteidigrmgs- mittel im Mißverhältnis zueinander stehen.

Der zweite Umstand, welcher neben der Zertren- »ung der beiden serbischen Heeresgruppen zum Besitz von Monastir führte, war die Eroberung des Bvbuna- Passes südllch Wfles am mittleren Wardar durch üitz Bulgaren am 13. November. Er zieht in gerader Linie über Prflep auf -Monastir. Ihn verteidigten die Ser­ben auf das zäheste, weil sein Besitz die linke Flanke der bei Kriwolac am Wardar kämpfenden Franzosen und Engländer schützte. Die Eroberung von Prflep am 19. November war für die Bulgaren ein doppe l- t e r Erfolg. Sie zwang die Truppen des Generals Sarrail, die an den Cerna- und Wardar-Fluß günstig angelehnte Kampfünie weiter nach S ü d en zurückzu­nehmen, wenn sie einer Umklammerung von Westen ent­gehen wollte. Ferner gelangten nun die Bulgaren in die Ebene von Monasfir, die für die serbische Verteidi­gung kein so günstiges GÄände bietet. Diesem kräftigen Druck vermochten die Serben nicht länger zu widerstehen. Von zwei Seiten aus angepackt, von Prflep und Krusevo, ohne Hilfe der eigenen Lands­leute, von Ententetruppen nicht hinreichend unterstützt, mußte auch diese letzte größere Stadt Serbiens in che Hand des unaufhaltsamen Angreifers fallen. In wel­chem Maße die Landungstruppen Untersfiitzung ge­liehen haben, ist nicht genau bekannt. Man geht aber wohl nicht fehl, wenn man diese als nur gering er nimmt. England hat sicherlich nicht viel Kräfte für diese unhaltbar gewordene Stadt geopfert. Die Lan­dungstruppen verausgabten nicht zu früh ihre be­schränkten Mittel. Sie halten gewiß alles zusammen.

Monasfir, chemals Hauptstadt eines türk-fi s-ch e-n Bezirkes, liest in einem von hetzen Sto®» «tz?