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1 Der Roman. $
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^rr-*) Msrgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts, i»——*)
Nr. 282.
Sreitag» 3. Dezember.
1915.
'(SO. Fortsetzung.)
DßV s (Nachdruck öerSoUn.J
Roman von Edela Rüst.
„Natürlich, Kindchen! Zerbrichst du dir schon wie- lder meinen Kopf?" „
„Ach, Herbert, rode doch nicht so dariider weg. ^ch -weiß doch, daß di: schwere Sorgen hast dadurch, nur momentan, sa gut, aber es muß doch überwunden werden, und ich will dir helfen, eS überwinden. Ich habe dich doch nicht nur geheiratet, um Feste mit dir zu feiern." .
Herbert sah gerührt vor sich nieder, er mochte nicht zeigen, daß ihm das Wasser in die Augen stieg. „Laß nur, Mausi, ich komme schon darüber fort ..."
„Nein, Herbert, leicht ist es mir ja nicht, aber dieses Mal bitte ich Vater um die Zwanzigtausend, bis er sie
mir gibt."
Herbert stand vom Tisch auf: „Nein, Dina, gerade diesmal wünsche ich deine Hilfe nicht."
„Warum gerade diesmal nicht?"
Kurze Pause, dann quälte Herbert sich: „Du weißt, dein Vater tut nur eben den Säckel für Otto auf, dem mutz die Aussteuer beschafft werden."
„Papa zahlt die ganze Fahrt, wenn ich zir Ottos Hochzeit mitgche; er wünscht so sehr, daß einer von uns dort wäre."
,^Fahre hin, fahre hin, ich habe doch nichts dagegen. Ich käme selbst mit, wenn ich ini Noveniber fortkönnte."
„Das ist recht schade! Aber, Herbert, ich bitte heute noch Papa, daß ..." .
Es wurde Herbert schwer, sich hart zu zeigen: „Dina, ich veckiete dir, dich in diese Angelegenheit zu mischen! Der Alte gäbe es vielleicht nicht mal, und überhaupt . . . diese ewige Bettelei nach Geld habe ich auch selbst schon fdtt! Es gibt für unsereinen auch andere Mittel und Wege, als iurmer nur wieder die Familie . . ."
„Aber, Herbertchen. . ."
„Bitte, laß mich machen, oder ich rede mit dir überhaupt nie mehr einen Ton von Geschäften ... ich rede schon viel zir viel davon mit dir! Ihr Frauen versteht davon doch nun mal nichts!"
„Aber so . . ."
„Spater vielleicht, wenn's mal gar nicht anders geht: aber in diese zwanzigtausend Mark, bitte ich dich, mische dich nicht, für die komme ich ganz allein auf! Und, bitte, mache keinen Summs darüber zu Mütterchen, ich kann das nicht vertragen, weißt du's immer noch nicht? Adieu, Mausi, stehe nicht so verdutzt da . . ."
„Adieu Susi! Nein, nein, Kinder, es ist die allerhöchste Zeit,, ich darf die Kollegen- nicht warten lassen! Wird 'ne sckbne Klapperei werden in der ollen Kutsche! Adieu, Kindchen! Maule nicht, freue dich, daß du einer großen Peinlichkeit enthoben bist . . . adieu!"
*
Es war schon gegen Zwölf, als Herbert sin Klub anlangte, aber inan saß oben noch sehr vollzählig beieinander.
Trümpe stand rauchend hinter dem grünen Tisch zmd sah zu, wie Wedel und ein Gutsbesitzer, der
wöchentlich einmal herüberzukommen pflegte, das blank« Geld vor sich häuften.
Beide leidenschaftlos lächelnd, als sage ihnen jemand etwas Angenehmes, über das sie hinweghörten.
Auch Knut Wulfsen stand dabei.
Er ging Herbert entgegen, denn er tvar so lang» geblieben, um den Freund noch zu begrüßen.
„Ich gehe morgen weg, Herbert, wollte dir nur Adieu sagen, Dina ineinte, du würdest bestimmt zui Nacht hier einkehren." ,
„Warst du lange bei Dina?"
Wulfsen lachte: „Ja, ich habe mit ihr zu Abend gegessen, Mütterchen war auch dort. Sie waren beide nicht so recht fröhlich, ich weiß nicht, was sie hatten..."
„Was sollen sie haben! Man kann doch nicht immer Kopsstehen vor Vergnügen!"
Wulfsen zog seinen Arnr durch den des Freundes und führte ihn langsam durch die Hinteren Räume, die ganz»leer standen.
„Herbert, ehe ich abreife . . . gib mir dein Ehrenwort, daß dieser Klatsch da von? Orgel-Anger eben nur Klatsch ist . . . willst du?"
Herbert machte sich los: „Was für ein Klatsch?" Er war bis in die Lippen weiß geworden.
„Über dich und die Deubenreiter — du mußt der Sache doch entgegentreten. Denke nur, wenn das zu Dina dringt, es bringt sie um."
,PWas? Was klatscht man, und wie willst du einem Klatsch entgegentreten? Nicht ans den Klatsch hören, das bringt den Klatsch sehr schnell um! Mir hat niemand etwas hinterbracht, -und Dina auch nicht, und sie wäre die letzte, darauf csivas zu geben!"
„Warum ist die Deubenreiter aber so plötzlich verschwunden, als dieses Gerücht sich hervortvagte?"
„Sie wäre auch ohne dieses Gerücht, das ich nicht kenne, verschwunden, um ihrem ganz hoffnungslos er- bliNdeten Vater zu leben — erzähle das den Leuten,' die sich für anderer Leute Angelegenheiten mehr als für die eigenen interessieren. Dina weiß den Grund."
„So, Tina weiß den Grund -— hm! Aber willst du mir dein Ehrenwort geben, daß du . . ."
„Fällt mir gar nicht ein! Ich rvüßte nicht, weshalb. Komme ich dir jemals mit solchen Sachen, mit solchen Anmaßungen . . . ich kann es gar nicht anders nennen. Bei aller Freundschaft, Knut, ich muß mir das mit aller Energie verbitten! Was ich tue, ist meine Sache! Und wenn's ’n Verbrechen ist, ans das ihr ja alle zri warten scheint. . wirst du cs für mich abbüßcn?"
Wulfsen nagte stumm an seiner -Oberlippe und sah Herbert an, als nehnie sein Herz innerlich von dem alten Freunde für ewig Abschied. Dann, nach Überwindung, reichte er ihm die Hand: „Also aus Wiedersehen — adieu!"
„Wie lange bleibst du fort?"
„Sechs Wochen, wenn man mich irgend so lange entbehren kann."
„Grüße Italien von mir, und viel Vergnügens"
