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Srertag, 5. Dezember 1915.
Morgen--Kusgabe.
Nr. 563« - 63. Jahrgang.
Der Einzug in plevljr.
Der Feind bei Boijanie geworfen. — Die Montenegriner bei Iakuba vertrieben. — Die Verfolgung durch die Bulgaren bei Djakrowa.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht»
W. T.-B. Wien, 2. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Amtlich verlautet vom 2. Dezember» mittags:
Russischer Rriegrschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz»
Die Italiener erneuerten ihre Angriffe auf den Brückenkopf von Tolmein und auf unsere Berg- stelluugcn nördlich davon. Vor dem Mrzli-Brh brachen drei» vor dem Bergrücken nördlich von D o l j e zwei Vorstöße des Feindes zusammen. Am Tolmeiner Becken zerstörte das italienische Artilleriefeuer die Ortschaften hinter- unserea- Front. Der Brückenkopf stand stellenweise wieder unter Trommelfeuer und wurde von sehr starken Kräften mehrmals vergeblich angegriffen.
Bei O s l a v i a versuchte die feindliche Infanterie unter dem Schutz des Nebels durchznbrechen. Abteilungen unseres Infanterie-Regiments Nr. 57 schlugen hier drei Stürme ab.
Sonst kam es zu keinen größeren Jnfanteriekämpfen.
Südöstlicher Uriegsschauplatz.
Heute früh sind wir in P l e v l j e eingerückt. Die Einnahme der Stadt war das Ergebnis hartnäckiger Kämpfe. Dies über den Metalcasattel vordringende Kolonne hatte gestern den Feind bei B - l j a ni c geworfen, die über Priboj anrückcnde Gruppe die Höhe nördlich von Plevlje ge- (tütmt» eine dritte die Montenegviner bei Iakuba vertrieben.
Unsere Truppen werben von der mohammedanischen Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Der Rückzug der Montenegriner gistg zum Teil f l u ch t a r t i g vor sich. Südwestlich von M i t r o w i tz a brachte ein österreichisch-ungarisches Halbbataillon 4088 serbische Gefangene, 2 Geschütze und 18V erbeutete Pferde ein.
Die Bulgaren setzten die Verfolgung auf D j a k o v a
fort.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS: v. H ö f e r, Feldmarfchallentnant.
Der amtliche türkische Bericht.
Mehr als 3000 Man», feindliche Verluste an der Irakfront. — Die Engländer zu weiterem Rückzug gezwungen. —Eine kopflose Flucht. — Gute Rriegsbeute. — Fluchtartiger russischer Rückzug im Raukasus. — Krtilleriekämpfe bei Rri vurnu.
W. T.-B. Konstantinopcl, 2. Dez. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht des Großen Hauptquartiers: An der I r a k f r o n t verfolgen unsere Truppen den Feind energisch, um die Niederlage der Engländer zu vervollständigen. Wir stellten fest, daß die feindlichen Verluste vom 23. bis 26. November 5888 Mann übersteigen. Abgesehen davon, verlassen eine Reihe demoralisierter Offizierje- und Soldaten die Truppenteile, um sich in die Umgegend zu retten. Der Feind schaffte an einem einzigen Tage Mit Dampfschiffen etwa 2888 Verwundete fort. Der politische Agent im englische« Hauptquartier befindet sich unter den Verwundeten. Da der Feind seinen Rückzug auch in dem stark befestigten A z i z i a nicht zum Stillstand bringen konnte, so versuchte er, sich mit Nachhuten unter dem Schutz seiner Moni- tore 15 Kilometer südwestlich dieser Örtlichkeit zu halte», aber! durch einen in der Rächt vom 30. November zum 1. Dezember von uns unternommenen überraschenden Angriff wurde der Feind gezwungen, sich weiter in der Richtung auf Kutal Ammara, 170 Kilometer südlich von Bagdad, zurückzuziehen. Wir fanden in Azizia und Nachbarschaft viel Mnndvorrat, Munitton und verschiedenes Ktziegsgcrät. Unsere in die Umgebung entsandten Krieger erbeuteten etwa 108 Kamele des Feindes. Die Tatsache, daß es dem Feind nicht mehr gelang, auch nuv einen kleinen Teil der Gegenstände und des Kriegsmaterials, das er im Stich ließ, anzuzünden, daß er eine Menge von Gegenständen, die Offizieren gehörten, und die technischen Ausrüstungsgcgenstände nicht mehr sort- führen konnte, ist ein Beweis für die großeNiedrrlage. Außerdem erbeuteten wir ein Kriegsmotorboot und einen eisernen Leichter, der mit Muudvovrat und Munition angc- füllt war, sowie ein Flußschiff. Wir stellten fest, daß der Feind auf seinem fluchtartigen Rückzug mehrere Kisten mit Munition in den Tigris warf. Die Engländer teilten, um die Niederlage zu verheimlichen, der Bevölkerung in der Umgegend mit, daß sic einen Waffenstillstand mit uns geschlossen hätten, aber die schnelle Verfolgung durch unsere Truppe» kennzeichnet dies als eine bloße Ausflucht. Von 4 Flugzeugen, die wir dem Feind abnahmen, wurden drei wiederhergestellt und fliegen jetzt über den feindlichen Reihen.
An der Kaukasusfront ließ der Feind in der
Gegend von Wan bei einem Gefecht am 38. November mit
unseren fliegenden Abteilungen 25v Tote auf dem Kampfplatz zurück. Der Feind flüchtete in östlicher Richtung.
An der Dardanellenfront bei Anaforta nahmen unsere Patrouillen einen Telil der feindlichen Drahthindernisse und Grübest und machten einige Gefangene. Am 30. November eröffnete der Feind mit seinen Batterien zu Lande und zu Wasser ein Feuer nach verschiedenen Richtungen, das eine gewiffc Zeit hindurch andauerte, aber wirkungslos blieb. Unsere Artillerie trat ebenfalls in Tätigkeit und nahm feindliche Soldaten, die ohne Deckung im Lager bemerkt wurden, sowie Munitionswagen des Feindes aufs Korn. Die Munttionswagen wurden zerstört. Bei > Ari Burnu dauerte der Kampf der Artillerie, Bombenwerfer und Maschinengewehrabteilungen an. Der Feind versuchte, die Schützengräben bei K a n li sirt, die in der letzten Zeit von uns zerstört wurden, wiederherzustellen, wurde aber durch unser Feuer daran gehindert. Nachmittags eröffnete ein feindlicher Kreuzer Feuer auf die Stellungen unseres linken Flügels, wurde aber durch das Gegenfeuer unserer Torpedoboote gezwungen, sich zu entfernen. Bei Sedd- ül-Bahr fand ebenfalls eine gegenseitige Beschießung statt, die von Zeit zu Zeit nachließ. Unsere Artillerie brachte eine feindliche Batterie zum Schweigen, die die anatolische Küste und Meerenge zu beschießen versuchte. Nachmittags fielen Geschosse, die von einem feindlichen Panzer vom Typ des „Agamemnon" in der Richtung auf K a l i b a r abgefeuert wurden, auf ein dort gelegenes Hospital, und töteten 4 und verwundeten 20 Soldaten. Eines unseres Kampfflugzeuge nötigte ein feindliches Flugzeug, das Kaba Tcpe überflog, zur Flucht.
Oie Sukunft des Valkans.
o Berlin, 1. Dezember.
Die von Rumänien augeordnete Minen- sperre in der unteren Donau richtet chre Sprtze gegen Rußland. Andere als russische Schiffe konnten nicht versuchen, die Donau zu Werqueren oder hinaufzusahren. Solange Belgrad und Sem e n- dria noch in serbischen Händen waren, grugen die russischen Kriegslieferungen auf der Donau dorthin; das wurde von Rumänien geduldet, -und es war vielleicht auch nicht zu verbieten, wenn man sich an eme besonders strenge Auslegung des Neutralltatsüegrrsss halten wollte. Jetzt aber schließt die rumänische Regierung die Donaumündungen, und sie zeigt somit, daß sie „auch anders kann". Die Maßregel beweist, daß das rumänisch-russische Verhältnis sich .8uzuspitzen beginnt. Dicht an der rumänischen Grenze ist ein ansehnliches russisches Heer versammelt, anscheinend zum Durchmarsch nach Bulgarien bereit. Rumänien läßt also jetzt in Petersburg wissen, daß eine Verletzung seiner Neutralität ab gewehrt werden würde. Wir dürfen von den Rumänen nicht mehr verlangen, als sie unter anerkennenswert schwierigen Verhältnissen zu leisten vermögen. Wie wir bi Ger damit zufrieden wären, wenn dieser Staat neutral bleibt, so werden wir es auch in Zukunft sein müssen und in Anbetracht der Stärke unseres Vierverbandes auch sein können. Das Verhältnis ist nicht ganz dasselbe, wie das, in welchem sich Griechenland befindet, aber es ist ähnlich. Es ist darum nicht dasselbe, weil die rumänischen Staats- lenker im Innern mit ersichtlich stärkeren Widerständen gegen ihre Neutralitätspolitik, zu kämpfen haben als König Konstantin nach der Ab- -chüttelung des Herrn Venizelos. Andererseits ist die unmittelbare Bedrohung Griechenlands durch England ernster zu nehmen als die Bedrohung Rumäniens durch Rußland, obwohl auch hier freilich Gegenwerte in der militärisch-politischen Gesamtlage zu erkennen sind, Gegenwerte, die, wenn man genauer zusieht, die englischen und auch die französischen Drohungen gegen Griechenland abschwächen, während die von Rußland ausgehende, gegen Rumänien gerichtete unter Umständen doch wirksamer werden könnte.
Rußland wäre wohl in der Lage, ein starkes Heer an der unteren Donau zu versammeln, aber zur vollen Wirksamkeit könnten diese Heeresmassen nur gelangen, wenn sich Rumänien willig aus seiner Neutralität herausbringen ließe, und darauf wieder kann Rußland heute wohl nicht mehr rechnen. Die, Möglichkeit, wie der Viewerband die verlorene Partie auf, dem Balkan wioderherstellen könnte, hat nur eine beinahe tragikomische akademische Bedeutung. -Sie besteht darin, daß sich Italien entschließt, Truppen hinüberzuwerfen. Aber wer glaubt wohl noch,, daß das geschehen könnte! Nach dem Stande der italienischen Leistungsfäh igkeit, militärisch wie finanziell betrachtet, .wäre es nicht einmal möglich, selbst wenn in Rom die Absicht Vorlage; aber sie liegt gar nicht
- vor. Sicher gehört es zu den s ch m e r z l i ch st c n
- Erlebnissen, mit denen sich unser ehemaliger Bundesgenosse adzufinden hat, daß er aus dem Balkan, wohin doch seine hauptsächlichsten Sehnsüchte gingen, binaustwanöbriert worden isi. Dieser Krieg
kann noch manches bringen, woran heute nicht ;eder denkt, er kann -manche Erwartung unausgereift lassen, manche Überraschung bieten, aber die Gewißheit ist schon jetzt gegeben, daß Italien und der, Balkan in Zukunft zwei Dinge und .zwei Begriffe sein werden, zwischen denen wir und unsere Freunde keinerlei -Verbindung mehr zulassen werden.
Albanien wird niemals italienisch werden, und auch in Valona wird fortan eine andere Fahne wehen. Welche, darüber belehrt uns schon ein flüchtiger Blick auf die Karte; wir brauchen es nicht auszusprechen. Dagegen, braucht man wohl nicht zu verschweigen, daß sur Griechenland und für Bulgarien noch natürliche Ausdehnungsmöglich- ketten an der Ostküste der A d r i a vorhanden sind, Möglichkeiten, die nach der Zertrümmerung der serbischen Heeresmacht irnd dieses ganzen unglückseligen Staatswesens ebenso in greifbare Nähe zu rücken beginnen, wie das mit dem serbischen Gebiet der Fall ist. Tie Bulgaren haben es schon mit beruhigender Deutlichkeit ausgesprochen, daß nicht bloß Mazedonien, sondern auch N i sch und das obere Morawatal dauernd werden cinvcrleibt werden. Das hätte man in Sofia Wohl nickt erklärt, wenn nicht betreffende Abmachungen beständen.
Jetzt ist Novibazar wieder in österreichischen Händen, und damit wird sich auch das Schicksal des Sandschaks so entscheiden, daß Österreich-Ungarn eine Stellung zurückgcwinnen wird, die es besser nicht aufgegoben hätte. Am 6. August 1879 schrieb Graf Julius Andrassy: „Novibazar ist für Bosnien, was der Besitz des Bosporus für das Schwarze Meer ist"; Bosnien werde auf die Dauer nicht gehalten werden können, wenn Österreich-Ungarn nicht das Garnisonsrecht im S a n d s ch a k wahrnehme. Nun, -heute nimmt es dies Recht -wahr, das Schicksal der weiten Gebiete von Belgrad bis Monastir und von Nisch bis Durazzo und Palona beginnt sich zu klären. Wir können mit der Art, wie das geschieht, zu^wjeden sein. ‘ :
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Der amtliche bulgarische Bericht.
Unermeßliche Kriegsbeute seit dem 14. Oktober.
Brodi beseht.
W. T.-B. Sofia, 2. Dez. (Nichtamtlich. Draht- bcricht.) Amtlicher Bericht vom 30. November: Unsere Truppen führen die Offensive über Prizrend hinaus fort. Seit KriegÄmfang gegen Serbien (14. Oktober) bis zur Einnahme von Prizrend (29. November) haben wir den Serbn folgende Beute abgenvmmen: 50000 Gefangene, 265 Geschütze, 136 Artillerie-Munitionswagen, ungefähr 100 000 Gewehre, 36 000 Granaten, 3 Millionen Gewehrpatronen, 2350 Eisenbahnwagen und 63 Lokomotiven. Nach der Einnahme von Kichevo und Krnsevac besetzten wir Brodi aus der Straße Kichevo-Prilcp. — Aus der Front der englisch- französischen Truppen keine Veränderungen. w
Die zweite Rote des vierverbandes.
Verschärfte neue Forderungen.
Sr. Wien, 2. Dez. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der „Südslawischen Korrespondenz" zufolge stellt die Entente in ihrer zweiten Note folgende Forderungen an Griechenland: 1. Zurückziehung aller griechischen
Truppen aus Saloniki und Umgebung. 2. Das alleinige Berfügungsrecht über Eisenbahn und Straßen im ganzen Gebiet, bas durch eine Linie begrenzt wird, die östlich bon Saloniki bis Monastir verläuft. 3. Das Recht, Saloniki und die Halbinsel Ch«ldtdilc zu befestigen. 4. Übertragung der Seepolizei in einigen griechischen Häfen, darunter im Piräus. Die Note verlangt, daß Griechenland nicht eine Zusage gebe, sondern durch Tatsachen, wie die sofortige Räumung Salonikis seine Nachgiebigkeit beweist. In allen, auch venizelisttschen Kreisen, will die Korrespondenz wissen, werden diese Forderungen als u n e r l, ö r t bezeichnet.
Sr. Lugano, 2. Dez. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Der „Corriere dekla Sera" berichtet aus Athen : Die Regierung bedauert, daß gerade der französische Vertreter die neue Note überreicht hat. Die Zu sti m mung zu den Forderungen des Vierverbands würde zum Krieg mit den Mittelmächten und Bulgarien führen. S-arrail sei an diesen Forderungen schuld. Es sei unbegreiflich, daß die Engländer und Franzosen das verfehlte Unternehmen nicht einfach aufgeben, nachdem sein Zweck, Serbien zu retten, einmal mißglückt sei. Die Bevölkerung ist auch durch die bestätigte Besetzung der Insel Melos verbittert. Die Englän- d e r gestatten keinem griechischen Fahrzeug, nicht einmal den Postdampfern, sich der Insel zu nähern. Nicht nur der griechische Generalstab, sondern auch verschiedene hohe Beamte sind für unbedingten Widerstand.
Bon den Serben sreigclassenc Trutschc und Österreicher.
W. T.-B. London, 2. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Times" erfährt aus Saloniki: Unter den zuletzt angekommenen Flüchtlingen fand sich eine Anzahl österreichischer und deutscher Untertanen, die, in M o n afti r i«
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