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Morgen-Beilage der MerbaLeser Tagblatts. n===i]

Nr. 280. Mittwoch, l. Dezember. ldiö.

er Roman.

(23. Fortsetzung.)

s (Nachdruck verboten.1

Roman von Edela Rüst.

, Am nächsten Morgen fuhr Herbert nach Hause.

Ass er spät am Abend in Künf-Hügeichen eintraf, ging er erst gar nicht in den Klub, denn er wußte, daß von feinen intimeren Bekannten außer Oberleutnant von Wedel noch niemand aus der Sommerfrische zurück war.

Und Dr. Wulfsen, dessen Erholungsreise noch aus­stand, kam jetzt bei eigener Praxis und der ganzen Ver­tretung des alten Sohren Tag und Stacht nicht aus der Klinik heraus.

So Herbert schnell im Königshof und begab sich rnüde in seine Billa, von den rechtzeitig benachrichtigten Dienstboten erwartet. In aller Frühe ging es dann auf den Orgel-Angel heraus> er fürchtete, daß ihm nicht viel Gutes bovorstand. Er sah auch nach eingehen­der Orientierung, daß ern bloßes Hineingucken seiner­seits nichts ausrichten würde. Es war in den paar Wochen so manches ganz gründlich Verfahren worden, es war jetzt nötig, dom Bauleiter und seinen Leuten scharf auf die Finger zu sahen, wenn der Schaden nicht er­heblich wachsen sollte.

Mittags ging bereits eine Depesche nach Rügen ab, daß seine Anwesenheit in der Kolonie unumgänglich notwendig wäre, und daß er sich aus Beguemlichkeits- rücksichten bei Dr. Nachod im Sanatorium einquartieren werde, bis Frau und Kinder wieder daheim tvären. Da er tausend Dinge mit Frau Deubenreiter zu beroden hatte, so machte es sich von selbst, daß er bei ihr Kaffee trank, am zweiten Tage bei ihr einen Teller Suppe mit- und am dritten abends den Tee bei ihr einnähm.

Im Sanatorium war cs ihm auch überhaupt zu laut, und die kranken Frauen erhöhten seinen Appetit nicht gerade.

In Frau Lenes kleinem Heim, bas sie so modern zierlich eingerichtet hatte, fühlte er sich um vieles ge­mütlicher; zudem kochte sie sehr gut und keine Kranken­kost, wie man sie ihm bei Dr. Nachod ruhig mitvorsetzte.

Es hatte auch einen eigenen Reiz für ihn, die hübsche Frau, die er bisher immer nur im Wirtshausumkreis kannte, als schlichte private Hausfrau walten und um ihn sorgen zu sehen.

Es wurde ihm dann so warm ums Herz, und er freute sich, daß er sie vor Dina und Mütterchen so her­ausgestrichen hatte.

Ja, diese Frau war angosichts der Umgebung, in der sie gelebt, eine ganz merkwürdige Erscheinung. Und Hier Gedanke, daß wohl er und kein anderer es gewesen fei, der die Saat zu dieser Reife gebracht, fing an, ihn von Tag zu Tag mehr zu beglücken.

Er brachte ihr auch unaufgefordert wieder Bücher hieraus, wie früher sie sollte sich wieder besser orien-

g en über Dinge, mit denen die kultivierte Gegen- t sich beschäftigte und die sie in Jahren der Arbeit Sorgen um die eigene Familie nicht hatte btzwälti, jQgm Kirnen, und ihr auch nichts davon zugetragen

i Ste las dami die ganze Nacht durch, und gm gtz> kerön Tage erklärte er ihr, was ihr unklar geblieben

ivar. Bei seiner Frau lag dafür kein Bedürfnis tzor, ihr flössen oisse Quellen von selbst. Um so bssfnedrgender war für rhn diese Lehrtätigkeit Lene Deubenreiter gegenüber, und seine Freude daran erhöhte ihren Ehr­geiz. Ihr fehlte ja natürlich viel positives Wissen, aber wenn man das an einer so hübschen Frau an sich schon nicht zu beklagenswert fand, auch wenn sie einer höhe­ren Gesellschaftsklasse angchören mochte, so ersetzte Frau Lene diesen offenbaren Mangel durch kluges Ver­ständnis, leichte Auffassung, und ein überraschend schnelles Sichhineinfinden in die ihr sernliegendsien Gegenstände. Auch machte es Herbert Vergnügen, auf Putti, der jetzt die richtigen Gassenjungenjahre erreicht Hatte und darin schwelgte, erzieherisch zu wirken und Frau Lene in dieser Bezishung auch hilfreich sein zu. können, und die jetzt oft vermißte kräftige Hand Onkel Streckers einigermaßen zu ersetzen. Putti hing aber trotzdem sehr herzlich an ihm, und so führten sie alle drei einstillglückliches Familenleben", wie Herbert gern scherzte.

Der sechste Tage war hereingebrochcn, als von Rügen die Anfrage kam, ob er führ böse wäre, wenn seine Damen noch acht Tage zulegten es wäre gar zu köst­lich da, sie könnten sich selbst so schwer voin Meer tren­nen, und die Kinder bettelten immerfort:. Nicht ob- reisen, nicht abreisen! Ob er im Sanatorium wirklich so gut aufgehoben wäre, wie er schrieb, oder ob er seiue Häuslichkeit doch zu sehr vermisse? Das ginge dann natürlich vor und sic würdenklaglos" zum bestimmten Termin eintreffen.

Herbert las Dinas Brief zweimal, steckte ihn fort, zog ihn noch einmal hervor, las ihn wieder und setzte sich dann hin, um folgendes Telegramm niederzu­schreiben:

Frau Dr. Schien, Stubbenkammer, Rügen. Gebe gern Urlaub. Bin glänzend aufgehoben. Brief folgt. Herbert." i

Er wollte jemand damit in die Stadt schicken, be­sann sich aber und machte sich selbst auf den Weg. Es war auch gut, wenn er sich wieder rual in seiner Villa sehen ließ, er konnte dann gleich ein paar neue Bücher für Frau Lene mit herausnchmen, biographisches Material. Auch die Geige wollte er nicht vergessen. Frau Lene wünschte sich so sehr ihn mal spielen zu hören warum sollte er ihr den Wunsch abschlagen?.

Als er sein Dogcart bestieg, pfiff er vergnügt vor sich hin ihm war so leicht zmnute.

Wahrhaftig, fast als ob ihm ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung gegangen wäre! Als ob er jetzt eigent­lich erst so recht Ferien hätte!

Im Hause waren eine Menge Briefschaften einge­laufen, alle geschäftlicher und zum großen Teil unlieb­samer Natur. Rechnungen, alte, schon verjährte Rech­nungen, und ein ganzer Stoß neuer, vom Maifest Ijer. 1

Ja, wo das Geld bsieb! _ s

Zmu erften Oktober hieß es, miydestesiS einige gS< walttge Löcher zuftopfen.