Einzelbild herunterladen
 

; __ Gottr 4, Morgen-AuSgabe. Erstes Matt.

Bus Stabt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Personenstands- und Wohnungsaufnahme.

Heute findet hier eine Personenstands- und Wohnungs- aufnahme statt. Als sogenannte Stichnacht gilt die ver- gnngcrne Nacht. Wer also in der vergangenen Nacht in der Haushaltung anwesend war, muß gezählt werden, einerlei, ob ^er zur Familie gehört oder sich nur vorübergehend in ihr auf- hält. Von morgen ab müssen die Formulare zur Abholung bereit liegen. Formulare, die bis zum 4. Dezember nicht ab- gehÄlt sind, müssen bei dem statistischen Amt, Marktstratze 1 /3, eingeliefert werden. Bei der Bedeutung, die diese Zählung hat, darf erwartet werden, daß jeder Verpflichtete die Frage­bogen gewissenhaft ausfüllt.

Erhebung der ttartoffelvorräte.

Eine Erhebung der Vorräte an Kartoffeln findet heute in Wiesbaden statt. Die Erhebung erstreckt sich nicht nur auf die im Handel befindlichen Kartoffeln, sondern auch auf die Kartofftlvorräte in den Haushaltungen. Vorräte unter 1 Zentner find nicht anzugeben. Kartoffeln, die bestellt, aber noch nicht geliefert sind, müssen ebenfalls in der dafür befonders vorgesehenen Spalte der Fragebogen aufgeführt werden. Auch diese Fragebogen werden von morgen ab wieder eingesammelt; so weit sie am 4. Dezember nicht ab- igeholt sind, müssen sie auf dem statistischen Amt, Markt- Straße 1/3, abgegeben werden, wo auch nach Bedarf weitere Formulare erhältlich sind. Wer die Angaben verweigert oder sie unvollständig oder verspätet macht, wird bestraft.

Lrinnerungstage nassauifcher Regimenter.

Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 22 3.

1914: 1. Dezember: Ruda. Das 2. Bataillon nimmt das Dorf im Sturm uni» verjagt die Russen. Hierbei wurde eine große Anzahl von Gefangenen gemacht.

Gesetzliche Handhabe gegen Wucher und Sperre.

Die Klagen über Preistreiberei und über künstliche Sperre der Vorräte bilden eine ständige Rubrik unserer Tageszeitungen. Es gibt kaum ein Warengebiet, das nicht unter diesen Verhältnissen litte. Dementsprechend dürfte es angebracht sein, an die Möglichkeiten zu erinnern, die dem Erichen, der die selbstverständlichen Pflichten des sozialen Ge­wissens in dieser Zeit verletzt. Drei Verordnungen bieten Handhaben wider Wucher und Sperre.

1. Bekanntmachung vom 2 3. Juli 1915 8 5 der Verordnung bestimmt, daß mit Gefängnis bis zu 1 Jahr und mit Geldstrafe bis zu 19 000 M. oder mit einer dieser Grafen bestraft wird, wer für Gegenstände des täglichen Be­darfs, insbesondere für Nahrungsmittel, Preise fordert, die der Marktlage nicht entsprechen und einen übermäßigen Ge­winn enthalten, aber auch der, der solche Preise gewährt ioder sich versprechen läßt. Dieselbe Strafe gilt für den, der Gegenstände des täglichen Bedarfs zurückhält, um bei der Veräußerung einen übermäßigen Gewinn zu erzielen.

2. Bekanntmachung vom 2 3. September 1915, § 1 der Vervrdnung bestimmt: Personen, deren Unzu­verlässigkeit im Handelsbetrieb dargetan ist, kann der Betrieb ihres Handels untersagt werden, wenn es sich um den Handel in Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Nah­rungsmittel, handelt. Unzuverlässigkeit liegt insbesondere dann vor, wenn die Vorschriften über Höchstpreise, Vorrats­erhebungen, übermäßige Preissteigerung und Preisaushang nicht beachtet worden sind.

3. Bekanntmachung vom 4. November 1915, betreffend die Regelung der Preise für Schlachtschweine und für Schweinefleisch. § 10 bestimmt, daß die zuständige Behörde Geschäftsbetriebe schließen kann, deren Unternehmer oder Be- triebÄeiter sich im Befolgen der Pflichten, die ihnen durch diese Verordnung oder durch die dazu erlassenen Ausfüh- rungSbestimmungen auferlegt sind, unzuverlässig zeigen.

— Kriegsauszeichnungen. Mit dem Eisernen Kreuz

1. Klasse wurden der Hauptmann Hans Henke, zurzeit im Westen, und der Hauptmann Karl Hergt, Führer eines Bataillons im Westen, ausgezeichnet. — Das Eiserne Kreuz

2. Klasse erhielt der Krankenträger Wilh. Sartorius aus Wiesbaden und der Wachtmeister Karl März, Sohn des verstorbenen Zugführers Peter März in Wiesbaden.

— Stadtverordneten-Bersammlung. Freitag dieser Woche, nachmittags 4 Uhr, findet eine Sitzung der Stadtverordneten mit folgender Tagesordnung statt: 1. Schreiben des Stadt­verordneten Soehnlein-Pabst, betr. Niederlegung seines Man­dats. 2. Mitteilung über das Ergebnis der Badegelegenheit der Volks- und Mittelschüler im Sommer 1915. 3. Abände­rung der Umsatzsteuerordnung vom 21./22. Februar 1913 und Verlängerung der Gültigkeitsdauer. Ber. Fin.-A. 4. Antrag auf Weitererhebung der Wertzuwachssteuer in dem für das laufende Jahr bereits beschlossenen verminderten Umfang. Ber. Fin.-A. 5. Erhöhung der Beisteuer für elektrische Leitnngsanlagen in Wohnhäusern. Ber. Fin.-A. 6. Neu­wahl eines Schiedsmann-Stellvertreters für den 6. Bezirk. Ber. WW-A. 7. Bericht des Organisationsausschusses in einer Erbschastssache. 8. Antrag des Magistrats auf Erhöhung der Sätze des Armentarifs.

— „Gnadenfrist" für Waschkessel bis zum 1. April. Der Ersatz der kupfernen Waschkessel und der Ascheramn- und Rauchverschlußtüren aus Messing würde sich sehr schwierig ge­stalten, wenn diese Dinge sofort der Beschlagnahme verfallen -würden. Das Kriegsministerium will daher den Hausbesitzern ein besonderes Entgegenkommen zeigen und hat zu diesem Zweck folgenden Bescheid an den Hauptvorstand der städtischen Hausbesitzervereine Deutschlands ergehen lassen: „Die Erzeugung von eisernen Ersatzwaschkesseln wird .fortdauernd gesteigert. In einigen Monaten werden daher genügend Erfatzwaschkessel zur Verfügung stehen. Mit Rück­sicht auf die Verhältnisse wird in der im November ver­öffentlichten Verordnung zur zwangsweisen Ablieferung der brfchlagnahmten Gegenstände aus Kupfer, Messing und Rein- ■txiätl für die Ablieferung der erwähnten Gegenstände (Kessel, sowie Ascheraum- und Rauchverschlußtüren) eine Frist bis zum 31. März 1916 festgesetzt werden. Außerdem ist den Kommunalverbänden anheiNtgsgeben, in geeigneten Fällen eine Nachftist zu bewilligen."

I — Jubiläum. Heute sind es 25 Jahre, daß Fräulein Margarete Engels bei der Familie Poulet cingetreten

D. Ate JuLSarin, die stets unermüdlich für die Interessen

_Wiesbadener Tagblatt.

des Hauses Poulet tätig war, nimmt heute eine besondere Vertrauensstelle als erste Buchhalterin und Kassenführerin ein.' Unter Überreichung angemessener Geschenke wurde ihr gestern abend von der Familie und allen Mitangestellten gratuliert.

— Mütterabend des Lchrerinncnvereins. Am letzten Novembersonntag hat der „Lehrerinnenverein" wieder mit den Mütterabenden begonnen, die er allmonatlich auch in diesem Kriegswinter zu veranstalten gedenkt. Im Mittelpunkt stand diesmal ein kurzer, sehr klar gefaßter Vortrag über Be­rufsberatung von Fräulein Matt, einer Lehrerin, die schon länger an einer privaten Berufsberatungsstelle gearbei­tet und dabei ihre Erfahrungen gemacht hat. Sie wies auf die Notwendigkeit auch für die Mädchen hin, einen Beruf zu erlernen, der sie selbständig und unabhängig macht, ihnen Be­friedigung und Freude verschafft, und sie befähigt. Tüchtiges fürs Vaterland zu vollbringen. Zu den erlernten Berufen muß durchaus auch der H a u s b e r u f, also der des Dienst­mädchens, gezählt werden, der noch viel zu sehr und mit Un­recht außer acht gelassen wird. Die Ansicht, daß die Mädchen sofort verdienen sollen, und deshalb keine Zeit und kein Geld zur Erlernung eines ordentlichen Berufs vorhanden sei, ist zwar entschuldbar, aber nicht richtig. Das Mädchen hat das­selbe Anrecht auf gute Ausbildung wie der junge Mann, der in die Lehre geht. Um die Berufswahl zu erleichtern, muß die Mutter die Neigung ihrer Tochter schon lange vor Eintritt in den Beruf zu erforschen suchen, sich mit der Lehrerin be­sprechen und sich zuletzt mit der neugeschaffenen Berufsbe­ratungsstelle des Arbeitsamts in Verbindung sehen, bei der sie sich den umfassendsten Rat in dieser für ihre Tochter so wichtigen Angelegenheit holen kann. Neben diesen Ausfüh­rungen wurden die Zuhörer mit ftischem Chorgesang von Schulkindern, von Fräulein van Nievelt geleitet, erfteut. Fräulein Kober las schöne patriotische Gedichte und zwei Fräulein Zapp sangen ernste und heitere Lieder.

— Kriegseheschlreßungen. Auf eine Anregung des statisti­schen Amts in Halle ist durch eine Umftage bei den Standes­ämtern in 50 deuffchen Städten der Anteil der Kriegsehen an der Gesamtzahl der Eheschließungen in den ersten drei Kriegsmonaten ermittelt worden. Aus den Ergebnissen geht hervor, daß die Kriegscheschließungen im August 1914 in nahezu allen hier in Betracht kommenden 60 Städten den Hauptbestandteil der Gesamteheschließungen ausmachten. Die Mehrzahl weist 70 v. H. und mehr auf.

— Im Interesse der aus Russland ausgrwiesenen Reichs­deutschen soll am Samstag dieser Woche, abends 5 Uhr, im reservierten oberen Saal des „Bobbeschänkelche", Röder- straße 39, eine Besprechung stattftndrn. Diese Besprechung soll erfolgen im Anschluß an den geschäftsführenden Ausschuß der aus Rußland ausgewiesenen Reichsdeutschen in Berlin, welcher schon seit Jahresftist in der verschiedensten Weise eine überaus erfolgreiche Tätigkeit entfalten konnte. Zahlreiches Erscheinen der in hiesiger Gegend wohnenden aus Rußland ausgewiesenen Landsleute ist erwünscht.

— Dompfaffen als Vorboten eines strengen Winters. Zu der Notiz in der Sonntag-Nummer schreibt uns ein Leser: Jedes Jahr im Spätherbst durchwandern diese schönen Vögel in größerer Anzahl unsere Gärten, um sich besonders an den roten Früchten der Strauchrosen gütlich zu tun. Ich be­obachte das nun bereits seit neun Jahren regelmäßig, und die Winter sind trotzdem so geworden, wie sie wollten, strenge oder milde. Das Erscheinen dieser Tierchen hat also keine Vorbedeutung. Es sind eben Leckermäuler, die genau wissen, wo ihnen ein apvetitlicher Tisch gedeckt ist. K.

— Die Preußische Verlustliste Nr. 391 liegt mit der Baye­rischen Verlustliste Nr. 238 in der Tagblattschalterhalle (Aus­kunftsschalter links) sowie in der Zweigstelle Bismarckring 19 zur Einsichtnahme auf. Sie enthält u. a. Verluste des Füsi­lier-Regiments Nr. 80, des Infanterie-Regiments Nr. 118, der Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 80, 88, 118 und 224, des Landwehr-Jnfanterie-Regiments Nr. 80, des Pionier-Re­giments Nr. 25 und der 2. Landwehr-Pionier-Kompagnie des 18. Armeekorps.

— Kleinverkausspreise, die nach der heutigen Marktlage im Sinne von Ziffer 3 der Verordnung des stellvertretenden General- kommandos 18. Armeekorps vom 20. Juli 1915 für mittlere bis gute Ware als angemessen gelten. Für Mistbeet-, Treibhaus- und Svalierware sind die Preise nicht maßgebend. Speisekartofseln da, Pfund 4 Pf., Weißkraut 7 bis 8 Pf., Wirsing 9 bis 12 Pf., Rotkraut 12 bis 14 Pf., Römischkohl 12 bis 15 Pf., Rosenkohl 45 bis 50 Pf., Winterkohl (Blaukraut) 15. bis 18 Pf., Kohlrabi (oberirdische) 5 bis 8 Pf., Erdkohlrabcn (Steckrüben) das Pfund 8 bis 10 Pf., Spenat 20 bis 25 Pf., gelbe Rüben 10 bis 12 Pf., Karotten 15 Pf., rote Rüben 9 bis 15 Pf., weiße Rüben 4 bis 12 Pf., Schwarzwurzeln 30 bis 35 Pf., Kopfsalat da8 Stück 5 bis 10 Pf., Eskarolsalat 8 bis 15 Pf., Feldsalat das Pfund 50 bis 60 Pf., Zwiebeln 20 bis 25 Pf., Tomaten 45 bis 50 Pf., Blumenkohl das Stück 25 bis 80 Pf., Eß- äpfel, bessere Sorte, das Pstmd 25 Pf., mittlere Sorte 12 Pf., Koch­äpfel 10 Pf., Eßbirneu, bessere Sorte 25 Pf., mittlere Sorte 12 Pf., Kochbirnen 10 Pf., Walnüsse 60 bis 70 Pf., Kastanien 35 Pf., Brüsseler Trauben 160 Pf., Handkäse das Stück 6 bis 10 Pf.

Wiesbadener vergnügungs- Sühnen und Lichtspiele.

* Wiesbadener Vergnllgungspalast. Spielplan vom 1. bis 15. Dezember: Gastspiel des rheinischen Humoristen Moritz Heyden mtt seinen selbstversaßten Vorträgen; Paul Pohl, orig. Typendar- stellen; Carma, moderne Tanzkünstlerin; Lona Eriks, Vortrags- künstlerin; 3 Romanis in ihrem vornehmen Musikal-Akt und Aus- stattungsszene, betitelt „Die Posaune von Jericho"; Schwestern May, hervorragender Drahtseil-Akt; Lona und Paul Kleber in ihrer ur- komischen Parodie auf die Oper „Salome"; Kathi Morr, das Wunder der Biegsamkeit; Curran, das schwankende Phänomen; Licht­spiele.

* Das Kinephontheater, Taunusstraße 1, bringt wieder „4 lusttge Tage" auf den Spielplan. „Ein verliebter Racker" mit Dorriet Westler sowie „Der Stolz der Firma" mit Ernst Lubitsch vom Deutschen Theater in Berlin werden das Publikum befriedigen. Eine herrliche Naturaufnahme „Fahrt auf dem Jsonzo" sowie die neuesten Kriegsberichte vervollständigen das Programm.

varbertchte üb« Kauft, Portrae* und verwandtes.

* Vortragsabend. Im Spangenbergschen Konser- vatorium findet Mittwoch, abends 6y a Uhr, eine Vortrags­übung von Schülern und Schülerinnen der Mittelklassen statt. (Klassen der Herren Grohmann und Zeidler.) Der Eintritt ist ftei.

* Kunstsalon Aktuarhus. Neu ausgestellt: Walter Bastanier,

Pforzheim: „Minwsa", „Mondaufgang", „Magnolien", „Roter

Mohn", „Orangen", „Lilien", „Früchte, „Pfirsiche und Rosen", „Erwartung", „Herbstblumen", „Seerosen", „Gladiolen". Ferner Miniaturen in Email und Elfenheintechnik. Paul Dahlen: zwei

Blumenstücke. Richard Hartmann: „Felsenbrecher und Tauchschisse im Schiersteiner Hafen", „Rheinufer in Biebrich", „Dampfschiffe im Rhein", „Platanen im Herbst am Rhein", „Heidschnuckenstall in der Lüneburger Heide", „Landungssteg in Biebrich". Rudolf Miltner: „Apfelkörbchen", „Vorherbsttag in Eigenheim", „Blumenstück", .Herbstwinkel an der Würm (Schwarzwaldl". „Schwarzwaldnest", „Dillstein", „Stiller Winkel", „Herbsttal", „Blick auf Kloster Reichenau", „Morgenstimmung", „Uferpartic der Reichenau",

,Blumen in Vase". C. Watzelhan: „Rosen in Glas". Die Kollektton Klaus Bergen: „Die Unterseeboote im Kampf", wurde noch um einige Stücke vermehrt und bleibt vorerst noch zu besichtigen.

Mittwoch, 1. Dezember 1913.Nr. 55».

Kus dem vereinsleben.

vorbertchte, Veretnsverfammlungen.

* Heute abend hält der Abgeordnete Dr. Bemner auf Veran­lassung des „Kaufmännischen Vereins Wiesbaden' im Festsaal der Turngesellschaft einen Vortrag über „Deuffchland und England, volkswirtschaftliche Kriegsbetrachtungen". Der Vor­trag beginnt um 8y a Uhr.

* Am Donnerstagabend 8%, Uhr findet im Billardsaal des Kur­hauses eine Zusammenkunft statt, zwischen den; „Deutschen Schrist- stellerverband" und der „Literarischen Gesellschaft". Zum Vortrag gelangen ernste und heitere Dichtungen von Mitgliedern, zum Teil von den Verfassern selbst, zum Teil von der hier bestens bekannten Rezitatorin Henny Weil (Mainz) vorgetragen. Gäste willkommen.

* Die nächste wissenschaftliche Sitzung des „N a s s a u i s ch e n Vereins für Naturkunde" findet Donnerstag dieser Woche, abends 8^, Uhr, im Physikzimmer des Lyzeums 1 am Schtoßplatz (Eingang Mühlgasse) statt. Den Vortrag „Naturwissenschaftliche Bilder aus der engeren Heimat" (Lichtbildervortrag) wird Ober­lehrer Dr. F. Heincck halten. Gäste, auch Damen, sind willkommen.

* Im „F r a u e n k l u b", Oranienstraße 15, 1, findet Donners­tag, nachmittags 4%i Uhr, ein Tee - Nachmittag statt. Früulftn Gärtner vom hiesigen Hoftheater wird singen; ferner wird ein Ein­akter von Frau Weiz aufgeführt.

* Der „Deutsche Schriftsteller-Verband", Orts­gruppe Wiesbaden-Mainz, wird am 2. Dezember (Donnerstag), 8 Uhr abends, im Kurhause zu einer zwanglosen Zusammenkunft zu­sammentreten, zu der insbesondere die Mitglieder der Literarischen Vereinigung" eingeladen sind. Es werden heitere und ernste Vorträge der Mitglieder stattsinden. Um zahlreiches Erscheinen wird ge­beten, auch können Gäste eingeführt werden.

* Die nächste Mitgliederversammlung des „Wiesbadener Lehrervereins" findet Samstag dieser Woche, abends 8 Uhr, ini „Schwalbacher Hof" (Emser Straße) statt. vereinsoortrSge.

* (Ohne Gewahr.) In der letzten wissenschaftlichen Sitzung des „Nass. Vereins für Naturkunde" hielt Dr. L. Dreher am Donnerstag einen Vortrag über „Parthenogenesis und Generations­wechsel", der sich vielfach aus eigene wissenschaftliche Arbetten stützte und durch ein reiches Material von Abbildungen und durch Vor­führung mikroflopischer Präparate erläutert wurde. An den bei­fällig aufgenommenen Vortrag schloß sich eine rege Besprechung au. Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Emil Pfeiffer zeigte einige von ihm ausgeführte Pflanzenbilder und die dazu gehörigen Pflanzen vor.

Provinz kjeslen-Nassau.

Regierungsbezirk Wiesbaden.

Eine Eijendahu vom Siegerland zum Westerwald.

* Haiger, 29. Nov. Am 1. Dezember wird, wie die König!. Eisenbahndlrektion Elberfeld mitteilt, die neue Eisenbahn­linie Siegen- Siegen-O st- Haiger -(Dillenbur gl dem Verkehr übergeben und die bisher über Siegen-Betzdors nach Gießen und zurück fahrenden Schnellzüge nehmen vom genannten Tage ab diesen Weg, der die Fahrt von Siegen nach Frankfurt a. M. um rund 22 Kilometer verkürzt. Durch die neue Bahnstrecke, deren durchgehender Güterverkehr bereits am 23. "b. M. in Benutz ge­nommen wurde, lvird lang gehegten Wünschen Rechnung getragen. Trägt sie doch viel dazu bei, den bedeutenden Verkehr zwischen dem Ruhrkohlenrevier und den großen süddeutschen Handelsplätzen, insbesondere mit Frankfurt a. M., ganz be- deutend zu beschleunigen, indem sie die Spitzkehre über Betzbors er­übrigt. Die durch ihren Bergbau bekannten Gebiete des Sauer­landes werden durch die Bahn mit der Dill- und oberen Lahngcgend, wo eine in fortwährendem Aufschwung befindliche Industrie blüht, in eine beiden Teilen günstig unmittelbare Verbindung gebracht. Die Bahn ist von ausschlaggebender Wichtigkeit für die Erzbeförde- rung aus dem Lahn- nach dem rheinisch-westfälischen Judustriegebiet einerseits und die Kohlenbesörderung von Norden nach Süden andererseits. Sie hat insgesamt eine Länge von etwa 36 Kilometern, die sich etwa zur Hälfte auf die Kreise Siegen und Dillenburg ver­teilen dürsten. Der Bau der neuen Bahnstrecke machte wegen dent gebirgigen Gelände große Schwierigkeiten. Erwähnt sei besonders der 2645 Meter lange Durchstich zwischen den Dörfern Rodenbach und Rüdersdorf an der nassauisch-westsälischen Grenze. Es ist dieses der vierlängste Tunnel in Deutschland. In der ganzen Gegend sieht man der Eröffnung des Hauptvcrkehrs auf dieser neuen Bahnstrecke, mit der auch das umfangreiche, romantische Gebiet des Schelder- waldes, die oberen Seitentäler der Lahn, der Sieg und Dill dem Verkehr näher rückt, mit großer Freude und reichen Hoffnungen entgegen.

*

ht. Frankfurt a. M., 28. Nov. Pfarrer Karl Fritzler aus Kassel wurde zum Lektor für russische Sprache an der Universi­tät Frankfurt ernannt. Herr Fritzler, der ein in Rußland ge­borener Deutscher ist, wird im lausenden Winterhalbjahr drei je zweistündige Lehrgänge für Studenten, Gasthörer und Besucher ab- halten.

fit- Griesheim a. M., 29. Nov. Zur Benagelung stistete« hiesige Bürger ein künstlerisch hergestelltes Modell des Siegels der Gemeinde Griesheim. Der Ertrag der Nagelung ist für die Kriegsfürsorge bestimmt. Die Übergabe des Siegels — des Mainzer Rades — findet am kommenden Sonntag statt.

In. Cronberg, 27. Nov. Bei der Bürgermei st erwähl im benachbarten Schönberg wurde heute der bisherige Bürgermeister Andreas K o p p wiedergewählt.

1)8. Weilbnrg, 29. Nov. Die heuttgen Stadtverordneten­wahlen zeitigten wider Erwarten eine noch immer verhältnis­mäßig gute Beteiligung. Die beiden ausscheidenden Stadtverord­neten der dritten Klasse, Seilermeister Burger und Dachdeckermeister Bausch, wurden wicdergewählt. Auch die Wahl zur zweiten Klasse erbrachte die Wiederwahl der seitherigen Vertreter, Hofmetzgermeister Brinkmann und Bauunternehmer Berneiser. In der ersten Klasse wurde Hofrat Herz wiedergewählt, während an Stelle des ver- storbenen Mühlenbesitzers F. W. Engelmann dessen Sohn Hermaun Engelmann, für den verzogenen Direktor der Kruppschen Bergver­waltung Förster Direktor Mischke und für den im Feindesland a«. fallenen Bergdirektor Moritz Kaufmann Karl Görtz ueugewählt wurden.

Sport und Luftfahrt.

* Das erfolgreichste Rennpferd Deutschlands während der letzten

20 Jahre war der Graditzer Gulliver 2, der im Jahre 1912, haupt­sächlich durch seine Siege im Deutschen Derby, im Hansapreis und im Großen Preis von Hamburg, 239 370 M. gewann. Ihm zunächst folgt Faust, der sich 1908 den Großen Preis von Baden, das Fürsten­berg-Memorial und andere Prüfungen im Gesamtwerte von 216 800 Mark holte, vor Csardas, der 1913 hauptsächlich durch das Wiener Derby und den Großen Preis von Hamburg 199 000 M. verdiente. Knapp zurück folgt mit 196 970 M. im Jahre 1914 sein Stallgefährte Ariel, der u. a. da Deutsche Derby, Hoppegartener Jubiläumspreis, Union und Oppenheim-Memorial gewann. Tuki kam 1901 auf 190 600 M., da er rn einem schlechten Jahrgang Derby und Großen Preis landen konnte. Auf die bisher genannten Dreijährigen folgt als erster Vierjähriger im Jahre 1910 der eiserne Fervor, dessen Name sich in den Siegerlisten vom Silbernen Schild, Großen Preis von Berlin und Großen Preis von Hamburg vorfindet. Drei Jahre hintereinander, von 1905 bis 1907, stand ein weiteres Festa-Produkt, der ausgezeichnete Fels, an der Spitze der gewinnreichen Pferde. Als Zweijähriger gewann der Hengst durch Rattborrennen, Zu- kunstsrennen, Rheinisches Zuchtrennen und Preis des Winter­favoriten 112 920 M., als Dreijähriger durch Henckel-Renne«, Wäldchensrennen und Deutsches Derby 179 290 M. und 1907 durch Jubiläums- und Hanfapreis 124 600 M.

* Hiuderuisrenncn in England. Dem Nattonal Hunt E ommitt ee,

dem leitenden Verbände des englischen Hindernissports, ist jetzt von der Regierung die Erlaubnis zur Veranstaltung von Jagd- und Hürdenrennen im Winter erteilt worden. Allerdings mit der starken Einschränkung, daß diese nur auf etwa vier möglichst entlegenen Plätzen vor sich gehen, zu denen die Besucher nicht per Bahn kommen können. Man will damit das große Publikum von den Rennen fernhalten, um nicht etwa die Rekrutierung und die Munttiourev» zeugung zu beeinflussen. ^ %