Verlag Langgaffe 21
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„Tagblatt-HanS" Nr. 6850-53.
Uhr morgens bis 8 Uhr abends, nutzer Sonntags.
Mittwoch» 1. Dezember 1915.
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Nr. 559. ♦ 63. Jahrgang.
Morgen-klusgabe.
Der erbitterte Kampf um Sörz.
heftige italienische vorstötze mit schweren Verlusten gegen die Hochfläche von Doberdo»
den lLolmeiner und Görzer Brückenkopf. Gesterreichisch-ungarische Truppen bei ivslavra zurückgenommen. — 8 italienische Maffenstürme am Monte San Michele zurückgeschlagen.—vre Montenegriner gegen plevlje zurückgeworfen.
Var österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 30. November, mittags:
Russischer Uriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Rriegrschauplatz.
Es zeigt sich immer mehr, daß die Italiener in diesen Tugen, koste es was es »volle, am Jsonzo» wenn mög- lich bei Gör z, einen Erfolg erzwingen wollen. Gestern waren ihre Angriffe gegen die ganze Front zwischen Tolmein und dem Meere mit besonderer Heftigkeit aber gegen unsere beiden Brückenköpfe und den Nordteil der Hochfläche von Doberdo gerichtet. Vorstöße gegen unsere Bergstellungen nördlich von Tolmein brachen bald zusammen. Der Tolmeiner Brückenkopf stand nachmittags unter Trourmel- fencr. Hierauf folgten drei starke A n g r i f f e auf den nördlichen, mehrere schwächere auf den südlichen Abschnitt; alle lvnrdrn unter größten Verlusten des Feindes abgeschlagen. Ebenso erfolglos waren mehrere Augriffsvrrsuche bei P! a v a. Bor dem Görzer Brückenkopf sind sehr starke italienische Kräfte aller Fronten zusammcngezogen. Zum Angriff schritt der Feind gestern nur bei Oslavia. Er wurde zurückgeschlagen; nur ein schnmlcs Frontstück wurde cttoas zurückgenommen. Görz erhielt nachts »vieder et»»a 100 schwere Bomben in das Stadtinnere. Fm Abschnitt der Hochfläche von Doberdo setzten nach vierstündiger Artillerievorbereitung Angriffe von besonderer Wucht und Zähigkeit gegen den Monte San Michele und den Raum von San Martina ein. Auf dem Monte San Michele schlug das Bndapestcr Honved- Fnfantcrie-Rcgiment Nr. 1 acht M a s s e n st ü r m e blutig ab. San Martina wurde dreimal in dichten Massen angegriffen; hier behauptete das Nagyvaruder Honved-Jnsanterie-Regiment Nr. 4 in erbittertem Handgemenge seine Stellungen. Auch südwestlich des Ortes wurde ein feindlicher Angriff abgetviesen.
Südöstlicher Rrisysschauvlatz.
Südwestlich von P r i b o j warfen wir die Montenegriner gegen Plevlje zurück. An der montenegrinischen Grenze, südivestlich von Mitrowitza, überfielen österreichisch-ungarische Truppen eine s e r- bische Nachhut und nahinen ihr 210 Gefangene ab.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallcntnant.
Im Zeichen des Reichstags.
Wer für ‘ cn Zusammentritt des Reichstags einen sogenannten groß > Tag erwartet hat, dürfte nicht auf seine Rechnung kommen. Denn weder wurden Reden von außerordentlichem Schwung und ungestümer Kraft gehalten, noch Neuigkeiten von besonderem Interesse verkündigt. Nach alledem aber, was in diesen Tagen bereits über die erste Reichstagssitzung bekannt geworden war: daß der Reichskanzler entgegen laut gewordenen Wünschen der Abgeordneten nicht zugegen, daß die erste Sitzung von nur kurzer Dauer sein werde, und daß die öffentlichen Sitzungen dann bis zur nächsten Woche unterbrochen werden würden, brauchte man sich diesen Erwartungen eines großen Tages auch nicht hinzugeben. Herr Kaempf, der deutsche Volksvertreterpräsident, konnte in seiner Ansprache auch nur darauf Hinweisen, was schon längst im deutschen Volksbewußtsein tiefe Wurzeln geschlagen hat. Denn trotz wiederholter, an Menschenmaterial verlustreicher Anstürme und Durchbruchsversuche ist es den französisch-englischen Gegnern im Westen nur gelungen, wenige hundert Meter Gelände wieder zurückzugewinnen. Noch jedesmal ist ihre Kraft an der eisernen deutschen Mauer abgeprallt und gebrochen worden, und im Osten behaupten die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen, nachdem die feste Linie von der Ostsee bis zur Bukowina gezogen worden ist, was sie erobert haben Den lautesten Widerhall aber — weil die Taten erst in diesen Tagen geschehen sind und noch geschehen — dürfte die Erwähnung der Erfolge auf dem serbischen Kriegsschauplatz finden, und wie sich hierbei die deutschen Truppen mit Österreichern. Ungarn und Bulgaren in treuer Waffenbrüderschaft die Hand reichten. Gibt es doch auch nichts Erhabeneres, wenn die gegenseitige Bundes- und Nibelungentreue verschiedener Reiche gefeiert werden kann.
Die Tagesordnung war, wie vorausgesagt, nur kurz. Mit der dritten Lesung der Milderung des Gesetzes über den Belagerungszustand Hub sie an, aber auch diese voll-
»og sich so überraschend schnell, und die Vorlage selbst wurde o ohne Vielrederei angenommen, daß nur Herr Scheidemann lon den Genosten, einstmals nur ein Redner zweiter Garnitur, rber in den letzten Jahren vielgesprächig geworden, ein Wort >er Kritik gebrauchte, allerdings einer Kritik, der volle Berechtigung zugestanden werden muß, »veil tatsächlich nur der kleinste Teil der vielfachen Beschwernisse des Belagerungszu- tandes beseitigt worden ist, und namentlich auch die Presse immer und immer wieder diese Unannehmlichkeiten M fühlen bekommt. Wenn die Vorlage nunmehr einstimmig rngenommen worden ist, so bedeutet das also dem Wortlaut >es abgeänderten Gesetzes zufolge, daß in Zukunft kleinere Vergehen und unbewußte Übertretungen statt gleich mit bitter- ,öser Gefängnisstrafe auch mit Geldbußen gesühnt Werren können.
Als die in Aussicht genommene Besteuerung der Kriegsgewinne zur Beratung gelangte, ergriff des Reiches Schatzsäckelmeister das Wort. Hatte man früher, nach xn Auslassungen der Regierung zu urteilen, erwartet, daß riese Vorlage überhaupt erst nach dem Krieg in Erscheinung treten werde, so hat sich die Regierung, einem sanften Druck von den verschiedensten Seiten nachgebend, doch schon jetzt zur Einreichung der Vorlage entschlossen, um Ungerechtigkeiten zu verhindern. Ist auch das, was er sagte, nicht als ein besonderes Stück rhetorischer Kunst zu bemessen, so weiß sich Dr. Helfferisch doch in der Überzeugung mit dem deutschen Volk eins, daß diese Besteuerung eine sittliche und finanzielle Notwendigkeit darstellt, »veil es sticht angängig ist, daß große Konzerne, die durch den Krieg mit Gewinnen überhäuft werden, während die große Allgemeinheit ganz außerordentlich unter den Lasten und Opfern zu seufzen hat, diese Extraeinnahmen ganz und gar für sich behalten sollten. Es ist nur recht und billig, daß diese zu einem großen Teil wieder in die geldbedürftigen Kassen des Reichs fließen. Eine endgültige Regelung wird diese als Angliederung an das Besitzsteuergesetz gedachte Besteuerung noch nicht bedeuten. diese bleibt vielmehr noch der Zukunft Vorbehalten, aber auch diese vorläufige Festsetzung dürfte doch genügen, um genügend Kapital für das Reich herauszuschlagen.
Wie gesagt, die großen Reden, an denen sich unser Herz und Gemüt erfreuen soll, sind noch nicht gehalten worden, sie werden wohl erst folgen, wenn die nunmehr für mehr als acht Tage unterbrochenen Plenarsitzungen wieder ausgenommen »werden. Dann wird Herr Helfferich wahrscheinlich samt seinen Ministerkollegen, vornehmlich aber Dr. Delbrück, der wohl über die Ernährungsfrage sprechen wird, noch ganz andere Töne finden. Dann werden wir uns wohl auch an den Worten und Ausführungen des Reichskanzlers erbauen dürfen und ihnen mit Spannung lauschen, weil wir aus ihnen manches Neue zu hören erhoffen. Or. A. H.
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Sitzungsbericht.
Eigener Drabtbericbt des ..Wiesbadener Taablatts".
4p Berlin, 30. November.
Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück, v. Jagow, Knaetke, Dr. Lisco, Dr. Helfferich, v. Wandel.
Ansprache des ReichstagsprSsidenten.
Prästdenit Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2,20 Uhr mit folgender Ansprache: Meine Herren! Während auf dem westlichen Kriegsschauplatz die feindlichen Durchbruchs- Versuche an der Todesverachtung unserer Truppen und ihrer Führer gescheitert sind, während im O st e n die deutschen und österreichisch-ungarischen Heeve mit eiserner HaUd feschalten, was in kühn angelegten und heldenmütigen Kämpfen von ihnen erobert worden ist, während am I s o n z o die Italiener wenigstens einen Teil dessen von Österreich mit Waffengewalt erobern wollen, was sie vor Kriegsausbruch hätten ohne Schwertstreich erreichen können, haben sich ans der Balkan- Halbinsel Ereignisse und Waffentaten voltzogen, die diplomatisch und militärisch glänzend, mit unübertrefflicher Sicherheit durchgeführt wurden Durch unsere, die österreichisch- ungarischen und bulgarischen Arrsteen wird der Mord von Serajetvo gesühnt, und jenen fortwährenden Umtrieben, die für Europa unheilvoll waren, wird -ein Ende bereitet. (Bravo!) Die enge Waffenbrüderschaft unserer tapferen Heere zu denen des Königs der Bulgaren, zu unserem sieggekrönten Verbündeten, begrüße ich von vollem Herzen. (Bravo!) Die o t t o m a n i s ch e Armee ist ihrem alten Rufe gerecht geworden. Das Dardcmellenunternehmen ist zum Scheitern gebracht ivorden. (Bravo!)
Das stolze England zittert in Sorge um den Schlüssel seiner Weltmacht. Allen unseren Feinden ist zum Bewußtsein gekornmen, daß wir auf den Schlachtfeldern nicht zu besiegen find.' (Bravo!) Um so eifriger klammern sie sich an den Gedanken, uns wirtschaftlich zugrunde zu richten, und an den Gedanken, uns durch Hunger zu bezwingen. Wie sie sich in unserer Finanzkraft getäuscht haben — die staunenMverten Erfolge unserer Kriegsanleihen haben ihnen dies bewiesen —, so täuschen sie sich in der Beurteilung unserer wirtschaftlichen Stärke. (Lebhafter Beifall.) Brotgetreide und Kartoffeln sind reichlich vorhanden. (Sehr richtig!) Wir haben den vollsten Grund, mit' fester Entschlossenheit und unerschütterlichem Vertrauen in die Zukunft zu blicken. (Lebhafter Beifall.»
Durch E i n i g k e i t der deutschen Stämme rst das Reich groß geworden. Die Einigkeit des gesamten Volkes ist jetzt und in Zukunft die beste Grundlage, aus der wir der Zukunft
entgögenfrhen und die verhindern wird, daß . das Deutsche Reich von neuem -durch einen derartigen Angriff gezwungen ist, einen derartigen Krieg zn führen. (Bravo l) Ich begrüße Sie zu ihrer neuen Arbeit und hoffe, daß unsere Arbeit eme segensreiche sein wird für rrnser geliebtes Vat-erland. (Lebhafter Beifall.)
Aus Anlaß des 500jährigen Hohenzollern- Jubilänms sind dem Kaiser die Glücktvünfche des Hauses übermittelt worden. — Das Andenken des verstorbenen Abg.
Wamhoff (natl.) wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.
Darauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, und zwar in die
dritte Lesung der Lex Schiffer
(Erleichterung der Bestimmungen, betveffend den Belagerungszustand). t ,
Abg. Schridemann (Soz.): W»r werden der Vorlage zu- stimmen. Wir bedauern, daß die schwersten Übel der gegenwärtigen Zustände nur zum kleinsten Teil beseitigt werden. Wir behalten uns vor, in der weiteren Sitzung daraus zurückzukoinmen.
Das Gesch wird ohne weitere Debatte emstimmrg und endgültig angenommen.
Auf Antrag des ?lbg. Bassermann (natl.) werden »wch weitere Gesetze in erster Lesung aus die Tagesordnung gesetzt, und zlvar der Gesetzentwurf, beireffeud Herab- se'tznng der Altersgrenze, K ri e g s a b g ab e n der Reichsbank und K r i e g s g ew i n n b eft e u er n ng der Aktiengesellschaften usw.
Dte beiden elfteren werden ohne Debatte aus Antrag Baffermann (natl.) an den Ausschuß für den Reichshaushalt überwiesen.
Staatssekretär Dr. Helfferich über die Kriegsgewinn- üestcuerunn.
Zur Einbringung der Kriegsgewinnbefteuerung führt Staatssekretär Dr. Helfferich aus: Die Überzeugung von der sittlichen und finanziellen Notwendigkeit dieser Steuer rst Eigentum des -ganzen deutschen Volkes. itt>er. die Ausgestaltung der Steuer im einzelnen gehen die Meinungen noch auseinander. Es wird aber gelingen, auch hierin zu einer Überemrstinrmn-ng zu kommen. Heute handelt es sich um ein vorläufiges Gesch, das speziell juristische Personen betrifft, die gewerbliche Zwecke verfolgen. Das Geslch ist eme Angliederung an das Besitzftvnergefetz. Jeher, der m der Lage ist, im Gegensatz zu der großen Masse der Volksgenossen, in diesen schweren Kriegszeiten feine materielle Lage zu verbessern, hat die Pflicht, einen anständigen Teil fernes Ver- mügenszuwachses dem Vaterland zu opfern. (Bravo!) Int Gegensatz zu der Besitzsteuer wird der Ansall von ErbschafteU und andere Bermögensvermehrun-g hierbei ausscheiden. Das Gesch darf nicht als Strafe angesehen werden. Wo direkte Übervorteilungen vargekommen sind, müssen andere Wege gefunden werden: Di-e Steuer soll nicht als Zuchtrute angesehen werden, sondern als Ehrenpflicht, wie auch dm allgemeine Wehrpflicht. Ein ausgiebiger Betrag wird daber zu erzielen sein, denn die Milliardenauswendungen sind zum großen Teile im Lande geblieben und müssen irgendwo als Vermögenszuwachs in die Erscheinung treten. Nach dem heutigen Stande der Dinge glaube ich rn Aussicht stellen zu kömren, daß das endgültige Gesetz über die Krregsge- winnbefteuerung ihnen mit dem Etat für 1916 voraussichtlich im März nächsten Jahres zugehen wird. Diese Aussicht darf uns aber nicht abhalten, dieses Gesetz hier bald zu verabschieden. Wir dürfen auf diese Bestimmung nicht verzichten, wenn wir den Krieg zuin glücklichen Ende fuhr«, wollen, und das ist aller Ziel, dem sich alles andere umterzu- ctfortm hat. (Lebhafter Beifall.» Ich bitte dringend, die Beratung so sehr wie möglich zu beschleunigen.
Ohne weitere Aussprache wird auch dieses Geych auf Antrag Wassermann an den Reichshaushaltsausschuß uberwiesen. t
Damit ist die Tagesordnung erschöpft.
Die nächste Sitzung anzüberaumen bleibt dem Präsidenten überlassen.
Schluß gegen 3% Uhr.
Vertagung der öffentlichen Sitzungen bis 9. Dezember.
W. T.-B. Berlin, 30. Rov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Seniorenkonvent des Reichstags, der mittags zusammengetreten war, um über die Erledigung der vorliegenden Arbeiten zu beraten, einigte sich dahin, daß das Plenum nach Erledigung der heutigen Tagesordnung sich bis zum 9. Dezember vertagt, «n. der Kommission Zeit zu Beratungen zu lassen. Man hofft, bis zum Beginn der Weihnachtsftrien die Arbeiten im Plenum fertigzustellen.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Die albanische Grenze von der serbischen vor.
Hut bereits überschritten.
W. T.-B. London, 80. Nov. (Nichtamtlich. Reuter.) Wie der Daily Telegraph" aus Athen vom 28. November berichtet, drahtete der serbische Oberst Wafsitsch von der Front bei Prizrend, daß man beschloß, sich nach Skutari und D u r a z z o zurückzuziehen. Die V o r h u t der serbischen Truppen überschritt bereits die albanische Grenze. Wafsitsch gab j e d e H o f f n u n g auf, M o n a st i r zu retten, da der Feind über fünfmal stärkere Streitkräfte verfüge als die seinigen. Ein bulgarisches Detachement besetzte die Brücke über die C erna, 4 Meilen von MonaMr, vT
