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Nr. 558. Dienstag, 30. November 1915.

Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten Clemenceau kommt eS jetzt täglich zu scharfen Ausein­andersetzungen.

Der Rrieg gegen Italien.

Bor der Eröffnung des italienischen Parlaments.

Genf, 30. Nov. (Zens. Mn.) In derNeuen Zürcher Zeitung" wird zur Eröffnung deS italieni­schen Parlaments daS Wort eines hervorragenden Mitgliedes der Opposition wiedergegeben, das die Wechselbeziehung zwischen der parlamentarischen und militärischen Lage Italiens folgendermaßen charakterisiert:Fällt Gorz, so ist Salandra Triumphator, und unsere Soldaten müssen nach dem Balkan, nach Ägypten, vielleicht auch nach Frank­reich, während das Volk mit Anleihen und S ch u l- den überhäuft wind. Hält sich Görz, so geht der Krug eben weiter zum Brunnen, bis er endlich brich t."

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Die Semiihrrirgen des Papstes um einen weihnachts-waffenstttlstand.

VT. T.-B. Rom, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Der Ver­treter desReuterschen Bureaus" erfährt, daß der Papst wieder versuchen wird, zu Weihnachten einen Waffen­stillstand zwischen den Kriegführenden einzuleiten.

Denkschrift über wirtschaftliche Maßnahmen.

Dem Reichstag ist soeben eine neue Denkschrift über wirt­schaftliche Maßnahmen aus Anlaß des Krieges zugegangen, die den 6. Nachtrag zu dem ersten, vor.nunmehr gerade Jahresfrist veröffentlichten Weißbuche über den gleichen Gegenstand bildet. Die neue Denkschrift behandelt die Maßnahmen der Gesetzgebung und Verwaltung, die vom Reiche oder unter seiner Mitwirkung in den letzten drei Monaten auf kriegswirtschaftlichem Gebiete ge­troffen sind, indem sie in übersichtlicher Darstellung die einschlägigen Gebiete der Volkswirtschaft in zehn Gruppen betrachtet. In einem einleitenden Überblick werden die Hauptaufgaben der Nahrungsmittelpolitik und die Maßnahmen zu ihrer Lösung in den letzten drei Monaten in knapper Zusammen­fassung behandelt. Ihm folgt die Darlegung der einzelnen Maß­nahmen in v i e r Hauptabschnitten: Der erste behandelt a l l g e - meine Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung und zur Preisregelung. Die drei folgenden behandeln die mensch­lichen Lebensmittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs, und endlich Futtermittel.

Von Nahrunzsmittelnot kann kein« Rede sein.

Innerhalb des weiten Gebietes der wirtschaftlichen Kriegsmaß- nahmen haben die vielgestaltigen Fragen der Volks- e r n ä h r u n g in den letzten drei Monaten in noch stärkerem Maße als früher im Vordergründe der öffentlichen Erörterungen wie der angespannten Tätigkeit der verantwortlichen Stellen der Reichs­leitung gestanden. Die Denkschrift führt dazu aus, daß mit wachsen- der Genugtuung daraus hingewiesen werden kann und muß, daß auch nach den Ergebnissen der letzten Monate in Deutschland von einer Nahrungsmittelnot, d. h. von einer wirklich bedrohlichen Knappheit an Lebensmitteln auf keinem Gebiete der Volks- ernährung die Rede sein kann. Schon heute läßt sich mit Deut­lichkeit erkennen, daß damit nicht nur das Durchhalten während der Kricgszeit gesichert ist, sondern daß über diese hinaus wirt­schaftliche und technische Neuschöpfungen erzielt wor- den sind, die dauernd der deutschen Volkswirtschaft zugute kommen werden. Unter dem Zwange der von den Gegnern versuchten Ein- schließung haben die hochentwickelte deutsche Wissenschaft und Technik auch ans dem Nahrungsmittelgebietc gerade in den­jenigen Zweigen, in denen am ehesten ein Mangel zu besorgen war, rechtzeitig wirksame Ersatzmittel entdeckt und erfunden. Hat durch alles dies die eigene angestrengte und systematische Ar- beit des deutschen Volkes eine erhöhte Erzeugung von Nähr- werten erzielt, so findet sie in jüngster Zeit, im engsten Zusammen­hänge mit der immer günstigeren politisch-milftärischen Entwickelung eine Erleichterung und Unterstützung durch vermehrte Zu­fuhren aus dem Aus lande.

Verteilung und Preisgestaltung.

Somit hat die kriegswirtschaftliche Lage Deutsch­lands entgegen den im feindlichen Auslande geflissentlich ver­breiteten Behauptungen nicht mit einer Unzulänglichkeit der not­wendigen Nahrungsmittel zu rechnen. Vielmehr mußte das Grund­problem der Nahrungsmittelpolitik in anderen Schwierigkeiten ge­sehen werden, die in den letzten Monaten in steigendem Maße in die Erscheinung traten und in erster Linie Fragen der volkswirischast- lich und sozialpolitisch wünschenswerten und gerechten B e r t e i. l u n g der Lebensmittel auf die verschiedenen Volksschichten und die im engsten Zusammenhänge damit die Regelung einer a n g e - ni essen en Preisgestaltung betrasen.

Es konnte nicht verkannt werden, daß die Pr eis st ei ge­rn n g , die in den Herbstmonateu in verschärfter Weise sich bemerk­bar machte, vielfach über das Maß dessen hinausgegangen ist, was als natürliche und unvermeidliche Folgeerscheinung unserer Wirt­schaftslage im Kriege hinzunehmen ist. Dabei ergriff diese Verteue­rung zum Teil gerade die notwendigsten Nahrungsmittel, deren die minderbemittelten Boflskreise für ihre Lebenshaltung am stärksten bedürfen, und die Preise dieser Erzeugnisse stiegen zeitweise so, daß für weite Volksschichten eine ausreichende Ernährung be­einträchtigt zu werden drohte, und dies, wie nochmals betont sei, nicht wegen eines wirklichen Mangels an Vorräten, sondern wegen der Höhe der Preise.

Der Kamps der Rchflerung gegen die Teuerung.

In der klaren Erkennis dieser Sachlage galten die Bemühungen der verbündeten Regierungen in den letzten Monaten vor allem dem Kampfe gegen die Lebensniittelteuerung, soweit dieser nur irgend durch Maßnahmen der Gesetzgebung und Verwal- tung geführt werden kann. Diese Maßnahmen bewegten sich in dem Nahmen, der in großen Zügen bereits in der Rede des Stell- Vertreters des Reichskanzlers im Reichstage am 20. August 1915 ge­zeichnet ist. Das System der H ö ch st p r e i s e und, soweit dies Wirt- schaftlich zweckentsprechend ist, auch der Beschlagnahmen ist energisch weiter ausgebaut worden. Dabei ist die Gesetzgebung nicht davor zurückgeschrcckt, Verstöße besonders schwerwiegender Art gegen die Höchstpreisbestimmungen mit deni Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu bedrohen, um den Nahrungsmittelwuchcr in seiner ganzen Gemcingefährlichkeit zu kennzeichnen.

Preisprüfungs-Reichsprüsungsstelle.

Um unberechtigten Preissteigerungen unmittelbar durch behörd­liche Einwirkung entgegentreten zu können, sind in, ganzen Reich sachverständige Preisprüfungs st eilen errichtet worden, welche die Unterlagen für eine angemestenc Preisrcgelung zu schaffen und die zuständigen Behörden bei der Überwachung des Verkehrs mit Lebensmitteln und anderen Gegenständen des notwendigen Lebens- bedarss zu unterstützen haben. Einer dankenswerten Anregung des Reichstages folgend, ist gewissermaßen als Krönung des Ge­bäudes dieser örtlichen Preisprüfungsstellen eine Reichs- p r ü f u n g s st e l l e ins Leben gerufen worden, die bcrefts eine kruchtbringende Tätigkeit entfaltet hat. Ihr steht ein Beirat zur

Wiesbadener Tagblatt»

Seite, in dem neben Mitgliedern des Bundesrats Vertreter sämt­licher Parteien des Reichstages sowie ferner Vertreter der Städte, der Landwirtschaft, des Groß- und Kleinhandels und der Verbraucher ihren Sitz haben.

Versorgungs- und BerSrauchsr-geluug.

Aber über die Aufgaben der Überwachung und Regelung der Preisbildung hinausgehend, ist eine planmäßige Bersorgungs- r e g e l u n g durch die Staatsgewalt, die Gemeinden und nötigenfalls durch bevorrechtigte Versorgnngsgesellschasten in die Wege geleitet worden. Auf der anderen Seite sind zum Zwecke der Gesundung des Handels mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Nah­rungs- und Futtermitteln, Bestimmungen ergangen, um die F c r n - Haltung unzuverlässiger Personen vom Handel zu ermöglichen. Die Maßnahmen zur Preisgestaltung und Versorgungs- regelung finden ihre natürliche und notwendige Ergänzung durch Vorschriften über die Verbrauchsrcgelung. Solche Be- stimmungen sind in den letzten Monaten für wichtige Zweige der Volkscrnährung, insbesondere zur Einschränkung des Fleisch- und Fettvcrbrauchs, ergangen; weitere Maßnahmen auf diesem wichtigen Gebiete sind in Vorbereitung. (Fortsetzung folgt.)

Eine Tagung des deutsch-österreichischen Wirtschaftsverbandes.

W. T.-B. Dresden, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Heute fand hier eine Tagung des deutsch-österreichisch-ungarischen Wirt­schaftsverbands statt, an der neben den Vertretern der staat­lichen und städtischen Behörden Vertreter von Handelskam­mern, sowie zahlreiche wirtschaftliche und industrielle Fach- Verbände des Deutschen Reichs und' Österreich-Ungarns teil- n ahmen. Nach den einleitenden Begrützungsworten des Prä- sidenten des deutschen Reichstags Geheimrcrt Dr. Paasche als Präsident des deutsch-österreichisch-ungarischen Wirtschafts­verbands, ferner des Präsidenten der Zweiten sächsischen Kam­mer Dr. Vogel und des Vorsitzenden des österreichisch-deut­schen Wirtschaftsverbands Reichsratsabgeordneten Dr. Fried­mann wurde in die Verhandlungen eingetreten. Das Ergeb­nis der Beratungen wurde in einer Entschließung zusammen- gefaht, in der sich der Verband für ein W i r t s ch a f t s - bündnis der beiden Mächte und für eine vermehrte und auf lange Dauer gesicherte Gemeinsamkeit der Handels­politik aussprach. Es soll ein Ausschuß begründet werden, der gemeinsam mit den gleichen in Österreich und Ungarn zu bildenden Ausschüssen nunmehr in Einzelberatungen eintre- ten soll.

Die deutsche Feldpost im Krieoe.

W. T.-B. Berlin, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Im wissen- schaftlichen Theater derUrania" hielt heute der Vortragende Rat im Reichspostamt Geheimer Postrat Grosse einen un- gemein fesselnden und lehrreichen Lichtbildervortrag über die deutsche Feldpost im Weltkrieg. In dem außerordentlich leb­haften Beifall der Zuhörerschaft schien sich zu gleicher Zeit die Anerkennung auszudrücken, daß die namentlich zu An­fang des Kriegs an der Tätigkeit der Feldpost geübte ab­sprechende Kritik zum weitaus größten Teil auf falschen An­schauungen und voreiliger Annahme, vor allem aber auf gänz­licher Verkennung der ungeheuren Schwierigkeiten beruhte, welche die Risenverhältnisse dieses beispiellosen Krieges der Arbeit der Feldpost bereiteten, und daß diese in glänzender Organisation und alles überwindender Pflichttreue in ihrer Art nicht minder Großes vollbringt, als die kämpfenden Heere.

Futtermittel und Schweineversoryuny.

IV. T.-B. Berlin, 29. Nov. (Amtlich.) Die Verhand­lungen über die Bereitstellung preußischer Staatsmittel zur Erleichterung des Futtermittelbezuges aus dem Ausland und die Verwendung der Futtermittel im Interesse der Volks- ernährung haben zu einem Ergebnis geführt, das in dem nachfolgenden Erlaß des preußischen Ministers des Innern dargelegt wird:

Der Rückgang in der Ausmästung von Schweinen infolge der Futtermittelnot hat zu einer Knappheit an Fleisch und Fetten geführt, die nach Aufzehrung der Reservebestände aus früherer Zeit in den kommenden Monaten voraussichtlich noch eine Steigerung erfahren wird. Die Königliche Staatsreg,e- rung hat sich deswegen entschlossen, nachdem durch die Öff­nung des Donau Weges die Möglichkeit des vermehrten Futter- Mittelbezuges aus den Bnlkanländern geschaffen ist, zur Linderung des Fleisch- und Fettmangels eine Aktion aus folgender Grundlage einzuleiten: Landwirtschaftliche Genossenschaften oder anderen geeignetem landwirt­schaftlichen Verbänden der hauptsächlichsten Schweinepro­duktionsgebiete im Osten (Pommern, Westpveußen, Posen) u,td im Westen (Hannover, Schleswig-Holstein, Westfalen, Rheinprovinz) sollen vom Staate ausländische Futter­mittel zur Verfügung gestellt werden unter der Bedingung, daß sie sich vertragsmäßig verpflichten, nach Ablauf der nor­malen Mästungsperiode von etwa 90 Tagen Fettschweine im Lebendgewicht von 2 Zentnern und mehr in einer den emp­fangeinen Futtermitteln entsprechenden Anzahl an die vom Staat zu b^eichnenden Berbraiichsstellen abzu liefern. Die Preisstellumg für die Futtermittel wird so erfolgen, daß die Schweine bei Zugrundelegung der durchschnittlichen Mästungs- kosten und eines mäßigen Gewinnes für den Master etwas unter dem gegenwärtigen Höchstpreis abgesetzt werden können. Der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Jnlan^svreis der ausländischen Futtermittel und dem Ab­gabepreis soll im Einvernehmen mit dem Finanzminister auf den Start übernommen werden. Die Lieferung der Schweine soll stattfirlden an Komniunalverbände mit überwiegender Bevölkerung van Industriearbeitern und besonders starkem Bedarf an Fleisch und Fetten, wnd zwar aus Grund eines unter Vermittlung der Staatsrsgierung zwischen den Ver­bänden der Produzenten und den Kommunalverwuliuugen abzuschli essenden Vertrages, in welchem sich der Pvoduzenten- verband zur Lieferung emer bestürmten Anzahl von Fett­schweinen bester Qualität, frei Berbrauchsort, zu einem be­stimmten Temnin uüd Preis, die Kommunalverwaliung zur Abnahme der Schweine am Verbrauchsort und sofortiger Zahlung des Lieferungspreises rechtsverbindlich verpflichtet. Die Kommunalverwaltungen haben sodann für die Schlach­tung der Schweine und die Zuführung des Fleisches und Fettes an die Verbraucher entweder in eigener Regie öder durch Vermittlung des Kleinhandels zu sorgen. Ihre Un­kosten müssen sie auS dein Unterschied zwischen dem Ab­nahme- und Höchstpreis (etwa eine Mark für den Zentner Lebendgewicht) decken. Beim Vertrieb von Fleisch und Fett in eigener Regie können sie außerdem der, sonst dem Handel zufließeüden Gelvinn ausnutzen. Nach den vorläufig mit Sicherheit zur Verfügung stehenden Futtermittelmengen sollen zunächst Verträge über die Lieferung von 800 000 Schweinen abgeschlossen werden, die etwa von Anfang Februar ab lieferbar sein werden, und zwar in den

NLcnd-Älrrsgabe. Erstes Blatt.Sette 3 .

Monaten Februar, März, April und Mai mit etwa je 125 000 Stück. Sollte die Futtermitteleinfuhr sich noch günstiger ge­stalten, so wird mit dem Abschluß von Verträgen über e,ne weitere Anzahl von Schweinen vorigegangen werden. Seitens des Laichwirtchastsministers ist in dieser Angelegenheit ui den einzelnen Provinzen mit den landwirtschaftlichen Organi­sationen eine Verständigung bereits herbeigeführt worden.

Nsins Geltung der Höchstpreise für ausländisches Schweinefleisch.

W.T.-B. Berlin, 29. Nov. (Amtlich.) Der Mm- desrat beschloß in seiner heutigen Sitzung eine Verord­nung, in der bestimmt wird, daß die Verordnung zur Regelung der Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch vom 4, November 1915 auf Schweine und frisches Schweinefleisch und Fett, bas aus dem Auslanbe eingeführt wird, keine Anwen­dung findet. Den Landeszentralbchörben ist es über­lassen, Bestimmungen über den Vertrieb dieser Waren zu treffen.

Der bayerische Ministerpräsident in Berlin.

W. T.-B. München, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Ter Minister des

Äußern Graf Hertling begibt sich heute abend in Be­gleitung bes Ministerialrates Dr. v. Müller und des Legationsrates Freiherrn v. Stengel für einige Tage nach Berlin.

Der bulgarische Finanzminister über die ungebrochene ttraft Deutschlands.

W. T.-B. Wien, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Der aus Berlin hier eingetroffene Finanzminrster Tontschew äußerte sich sehr befriedigt über die Durchführung seiner Aufgaben in Berlin sowie über die in Deutsch­land und Belgien gewonnenen Eindrücke. Er be­tonte, er habe nirgends Anzeichen für die Bestäti­gung der von unseren Feinden verbreiteten Nachrich­ten über den Beginn einer Erschöpfung Deutschlands wcchrgenommen. In Worten festester Zuversicht sprach er sich über den Ausgang des Krieges aus sowie über eine dauernde Fr e u n d s ch a f t zwischen den nunmehr mit den Zentvalmächten verbündeten Staaten Bul­garien und Türkei.

Beschränkung des weihnachsgebächs.

Wie wir erfahren, wird nächstens über die Frage, ob die Herstellung von Weihnachtsgebäck in diesem Jahve zu beschränken sei, entschieden werden. Der Beschluß wird bejahend lauten. Die zu erwartende Verfügung dürfte sich aber nicht auf das Weihnachtsgebäck allein beschranken, sondern der Herstellung von Kuchen überhaupt engere Grenzen als bisher ziehen. Die Veranlassung zu dieser Maßregel ist weniger in dem Bestreben zu suchen, mit Mehl zu sparen, am Mehl fehlt es nicht, als vielmehr in dem Be­streben, mit den Zutaten zum Kuchen, besonders mit Fett, hauszuhalten. 4jr

aus Stadt mb tanb.

Wiesbadener Nachrichten.

Der ttolonkaHvaarenverkauf der Stadt.

Morgen werden also die zwei städtischen Ver­kaufsstellen für Kolonialwaren eröffnet. Die eine befindet sich Bismarckring 11, die andere Häfnergasse 17. Im Anzeigenteil der gestrigen Abend-Ausgabe hat der Magi­strat die Verkaufspreise bekanntgegeben und zugleich die Be­dingungen, zu denen die Käufer zugelassen werden. Kauf­berechtigt sind darnach:

1. Alle Einwohner Wiesbadens, die Kriegsunter- st ü tz u n g oder Kriegsfürsorgeunter st ützung er­halten. Als Ausweis sind die llnterstützungskarten beim Ein­kauf vorzulegen.

2. Diejenigen Einwohner Wiesbaden, die bis zu 1600 Mark Einkommen haben.

3. Diejenigen Einwohner Wiesbadens, die zwar ein höhe­res Einkommen als 1500 M. haben, sich aber in einer beson­deren Notlage befinden, und diese Nachweisen können.

Für die Einwohner, die keine Kriegsunterstützung und keine Kriegsfürsorgeunterstützung erhalten, aber nur bis zu 1500 M. Einkommen haben, oder sich trotz eines höheren Ein­kommens in einer Notlage beftnden, werden Ausweis- karten ausgestellt, die bei dem Einkauf vorzuzeigen sind. Die Ausstellung der Karten erfolgt im Zimmer 48a des Rat­hauses auf Antrag. Es versteht sich von selbst, daß die Fälle, in denen die Ausstellung einer Ausweiskarte von Einwoh­nern gestellt werden, die ein Einkommen von mehr als 1500 Mark haben, so rücksichtsvoll wie möglich geprüft werden. Rigoros wird nicht vorgegangen, es darf aber auch erwartet werden, daß niemand den städtischen Kolonialwarenverkauf benutzt, der durch seine Verhältnisse nicht zu dessen Benutzung gezwungen ist. Die mißbräuchliche Benutzung der Ausweis- und Unterstützungskarten ist strafbar. Wenn also z. B. die Monatsftau N. ihre Ausweis- oder Unterstützungs­karte der Frau £., bei der sie Monatsstelle tut, zum Einkauf von Waren in den städtischen Verkaufsstellen überläßt, so setzt sie sich der Gefahr aus, strafrechtlich verfolgt zu werden. Sie darf auch nicht auf ihre Karte für ihre Arbeitgeberin Kolo­nialwaren bei der Stadt kaufen. Ist die Arbeitgeberin in einer Notlage, so muß sie für sich selbst die Ausstellung einer Ausweiskarte beantragen. Der städtische Verkauf soll nur den minderbemittelten Einwohnern zugute kommen; es muß daher streng darauf gesehen werden, daß er nicht gewissermaßen über die Hintertreppe von Leuten benutzt wird, deren Vermögenslage sie nicht zur Benutzung dieser Vergünstigung zwingt.

Liebesgaben für die Feld-Lazarette.

Der Abteilung 3 des Kreiskomitees vom Roten Kreuz ist von den zuständigen Behörden mitgeteilt worden, daß der Regierungsbezirk Wiesbaden und das Großherzogtum Hessen noch für rund 14 000 Soldaten in den Feldlazaretten zu Weih­nachten zu sorgen habe. Wiesbaden hat die Ver­sorgung von 5000 solcher Verwundeten über­nommen und wendet sich nun mit der herzlichen Bitte an die Bewohner Wiesbadens, fertig gepackte Weihnachtspakete für die Verwundeten in den Feldlazaretten im Königl. Schloß (Marstallgebäude), zur Ablieferung zu bringen. Die Bitte ist um so dringender, als gerade den Verwundeten in den Feld­lazaretten daS Weihnachtsfest so schön wie möglich gestaltet