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Dienstag, 30. November 1913.

klbend-klusgabe.

Nr. 558. » 63. Jahrgang.

prizrend genommen!

Die wetteren Erfolge in Serbien.

Die Serben bei NudniK geworfen. weitere 1000 Gefangene in unserer, über 3000 in bulgarischer Hand.

Oer Tagesbericht vom 30. November.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Nov. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie-, Wurfminen- und Minenkämpfc an verschie- dcuen Stellen der Front beschrankt.

Gestlicher ririegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahnanlagen von Ljachowitschi (südöstlich von Barauowitschi) an.

DalKanKriegsschauplatz.

Bei R u d n i l (südwestlich von Mitrowitza) wurden feindliche Kräfte von' Teilen der Armee des Generals v. Koeveß zurückgeworfeiu Hier und westlich der Sitnica von Truppen der Armee des Generals von (Hallwitz wurden zusammen etwa 1000 Gefangene gemacht.

Bulgarische Kräfte haben am 28. November Priz- rcnd genommen. Sie brachten über 3000 Gefangene und 8 Geschütze ein. ^ Oberste Heeresleitung.

Der amtliche bulgsri^ Bericht.

Energische Verfolgung. 3000 neue Gefangene. Die Fortschritte an der südmazcdouischen Front.

W. T.-B. Sofia, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Bulgarischer Generalstabsbcricht vom 27. Nov.: An der serbischen Front verfolgen wir den Gegner energisch, trotz der schwierigen klimatischen Berhältnisfe. Bei der Vorrückung gegen Priz­rend machten wir von den Trümmern der Tonan-Drina- Sumadija-Division 3000 Gefangene und erbeuteten acht Kanonen. Bei ihrem Rückzug gegen Montenegro ver­nichteten die Serben alle noch vorhandenen Feld- unk schweren Geschütze. Die Reste der serbischen Armee gehen bloß mit Gebirgskanonen zurück. Unsere Vorrückung gegen Prizrend dauert fort. An der südmazedonischen Front be­setzten unsere Truppen am 26.Nov. die letzte serbische Stellung an der C c rn a Ri eka. An der Straße von Prilep nach Monastir, bei Alince, 11 Kilometer südwestlich Prilep, zogen sich die Serben gegen M o n a st i r zurück. Infolge energischer Verfolgung seitens unserer Truppen konnten die Serben die Brücke über die Cerna Rieka nicht zerstören. An der er­wähnten Straße haben die Franzosen bei ihrem Rückzug auf d«8 rechte Cernaufer die Bahnbrücke beim Barbar, die Brücke bei Bozeroi, 9 Kilometer westlich Kavador, und die Brücke bei dem Defile über die Balastira (?) verbrannt u»kd zerstört.

*

Der Rückzug der Verzweiflung.

Die Gefahr der Abschneidung für die Franzosen'.

Br. Lugano, 30. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Raccoaroli nennt in einem Telegramm: an den Corriere dekla iSera" denRückzug der Serben einen Rückzug der Verzweiflung und steht nicht an, zu erklären, daß auch die Lage der französischen und englischen Truppen äußerst ernst geworden ist. General Sarrail hat dem Berichterstatter selbst erklärt, daß die französischen und englischen Truppen sich bis auf eine Entfernung von 30 Kilometer einander ge­nähert hätten, er fügte jödoch hinzu, daß eine Vereini­gung unmöglich sei, da durch das bulgarische Vor­dringen die Gefahr bestünde, daß die französische Rück- zngslinie ab geschnitten würde.

Br. Kopenhagen, 30. Nov. (Eig. Dvahtbcricht. Zens. Bln.) DerTemps" berichtet ans Saloniki: Gefechts­mäßige Zusammenstöße zwischen den Bulgaren und dem englisch-französischen Landungskorps hätten infolge des außergewöhnlich starken Schneefalls völlig ausgehört. 10 000 albanische Arbeiter seien angestellt, um in größter Eile einen Rückzugsweg für die Serben in der Richtung Ljuma-Dibra durch den Schnee zu bahnen. ' _ -

Der Rückzug über die albanische Grenze.

W. T.-B. London, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Lloyds Agentur meldet aus Athen vom 26. d. M.: Die s c r- bische Regierung und das diplomatische Korps erwarteten, daß _i)te serbische Hauptärmec am Freitag die albanische Grenze überschreiten werde. Infolge des Mangels an Transportmitteln und infolge der schlechten Wege werde sic genötigt sein, die

schwere Artillerie zurückzulassen. An der albanischen Grenze nchmen die serbischen Truppen neue Stellun­gen ein. Sie werben versuchen, die Verbindung mit'' Durazzo herzustellen und von dort her ihre Lebens- mitteworräte zu ergänzen.

Rutzlands Befriedigung."

Ein Rückzug nach russischem Muster.

Br. Wien, 30. Nov. <Mg. Drahtbericht. Zens. Bln.) Tic russische Telegraphcnagentur veröffentlicht in den russischen Blättern einen Bericht über den serbi­schen Rückzug, worin sie ihrer äußersten Befriedigung über die Anwendung der russischen Rückzugs- t a k t l k durch Putnik Ausdruck gibt, da diese zur Folge habe, daß wenn die Verbündeten auch noch so viÄ ser­bisches Gebiet besetzten, sie die serbische Armee nicht vernichtet haben, die bsi der Entscheidung noch einen wichtigen Faktor bilden werde. Die serbische Armee werbe sich in montenegrinisches Gebiet zurückziehcn, wo die italienischen Interessen be­rührt werden. Es sei daher Pflicht Serbiens und Italiens, ihre Rivalität zu vergessen und die Aufgabe Italiens werde sein, den serbischen Widerstand auf dem Balkan ernstlich gu unterstützen.

Ein französischer Balkanbericht.

Unnütze Beschönigungsversuche.

W. T.-B. Saloniki, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Agence Hadas" meldet vom 27. November: Man mel­det keind Veränderung von der Frönt der Alliier­ten, da die Schneemassen in den letzten drei Tagen die Operationen für den Augenblick unterbrochen haben. Gestern fanden einige Scharmützel zwischen französi­schen und bulgarischen Vorposten statt. Über die Be? wegung der serbischen, ö st e r r e i ch i s ch - u n- g a r i s ch e n und deutschen Armee ist keine an- derc Nachricht cingeganaen, als über ihr Eindringen in den alten Sairdschak. Die Serben erlitten auf ihrem Rückzug unbedeutende (!) Verluste. Die Bul- garen greisen die Serben südlich P r i le p an. Sie zwangen sic, sich zurückzu ziehen, ohne sic in- dessen zu verfolgen. Es ist sehr Aveifelhaft, daß die Bulgaren die Serben verfolgen können, wegen des schlechten Zustandes der Straßen und der Bergüber- gänge, die infolge des vorzeitigen Winters unbenutz­bar geworden sind. Der Winter ist auf denr Balkan viel früher als sonst eingetreten. Es wäre nicht zu ver­wundern, wenn der Feldzug während einer langen Zeitspanne unterbrochen würde. 'Lamstag siel Schnee in Saloniki. Dies ist beinahe ein Phänomen, weil dort seit acht Jahren kein Schnee gefallen ist. Englische Truppen und Lebensmittel kommen Ä a u e r n d an.

Bulgarische Ambulanzen von den Franzosen beschossen.

ZV. T.-B. Sofia, 30. Nov. (Nichtamtlich.) In dem Bericht, den das .Journal de l'Armec" über den am 11. November vor K r i w o l a c ausgefochtencn Kampf veröffentlicht, wird insbesondere darauf hingewiesen, daß die Franzosen auf Anlbulanzen geschossen haben, die Verwundeten auflasen. Die genannte Zeit­schrift fügt hinzu: Nun weiß inan, daß dies ein Ver­brechen ist, d dessen hie Franzosen sehr häufig die Deutschen, übrigens stets mit Unrecht, in ihren Zeitun­gen und Propagandaschrrsten beschuldigen.

Eine französische amtliche Mitteilung über die Rntwort Griechenlands.

Ein geeignetes Mittel zur Lösung der schwebenden Fragen."

W. T.-B. Athen, 29. Nov. (Nichtamtlich. Meldung der Agence Havas.) Die Note Griechenlands an den Vicrverband ist in fteundschaftlichen Ausdrücken gehal­ten. Amtliche Kreise betrachten sie als ein geeig­netes Mittel zur Lösung der schwebenden Fragen und fügen hinzu, sic sei in allen Punkten zufrieden­stellend, da sic dem Wunsche des griechischen Volkes, die Neutralität a u fr echt zu er halten, ent- aogenkommt, ohne den Miicrteik Schwierigkeiten zu bereiten. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.

Der Druck durch die Flottenmacht der Entente.

W. T.-B. Bern, 29. Nov. (Nichtamtlich.) DerBund" erhält von zuständiger Seite folgendes Telegramm aus Athen: Eine bedeutende Flotten macht der Entente liegt seit kurzem in den Gewässern von Milos und in der Nähe von Kreta und führt sich dort als absolute Herrsche­rin auf, hat die telegraphischen Verbindungen der Insel mit Athen unterbrochen und setzt sich ohne Erbarmen über alle Gebote der Menschheit hinweg. So wurde das SchiffSalamine", das verschlagen worden

war und sich bei Milos zu bergen versuchte, trotz des Pro­testes des Kapitäns daran gehindert, dort seine Anker auszu­werfen. Es scheint, dah die Mächte der Entente, die fort­während einen starken Druck auf die griechische Re­gierung ausüben, obschon diese alle Forderungen zugestanden hat, bemüht seien, die Lage Griechenlands je länger, desto verwickelter zu gestalten. .

Oie Einmütigkeit des rumänischen Parlaments. Kläglich mißglückter Störungsversnch eines Russophilen.

ZV. T.-B. Bukarest, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Zur Eröffnung des Parlaments wind noch gemeldet: Eine zahlreiche Volksmenge begrüßte den König und den Kronprinzen, als sie durch die Straßen der Stadt zur Metropolice fuhren, von wo sie sich nach dem Hochamt in die Kanrmer begaben. Hier hatten sich inzwischen die Abgeordneten und Senatoren eingefunden. Auf deir Tribünen sah mm: ein gewähltes, nicht sehr zahl­reiches Publikum. Knapp nach 12 Uhr erschien der König, gefolgt von dem Kronprinzen und sämtlichen M i n i st e r n, stürmisch von dem ganzen Hause begrüßt. Nachdem der König die Thronrede mit den WortenMeine Herren Sena­toren und Deputierten" eingeleitet hatte, ertönte aus einer Ecke, in der auch der Abgeordnete Mille, der Herausgeber der russisch gesinnten Zeitun­genDimineatza" undZldverul" stand, ein nicht sehr weit vernehmbarer Ruf:Nieder mit der Re­

gierung!", dem indessen von dem ganzen Hanse mit sturmischen Hochrufen auf den König erwidert wurde. Nach wenigen Minuten fuhr der König °in der Verlesung der Thronrede fort. Noch ein zweites Mal wurde aus derselben Ecke eine Störung durch einen Ruf gegen die Regierung versucht. Er wurde wieder beantworte! von demonstrativem Beifall des ganzen Hauses. Während der Verlesung der Thron­rede wurden die Stellen, die von den Interessen sprechen, deren Währung die Aufgabe des Heeres sei, ferner die Stellen, die _ zur Einigkeit im Innern mahnen, mit starkeni Beifall ausgenommen, an dem 'das ganze Haus mit wenigen Ausnahmen, zu denen Filipescu zählte, sich beteiligte. Nach der Verlesung der Thronrede folgte minutenlanger Beifall, der sich immer wieder erneuerte und deutlich zeigte, daß die anwesenden Parlamentarier jedeDeutung, als ob es sich bei dem Störungsversuch um etwas anderes als um das Auftreten eines einzelnen handelte, beseitigen wollten. Es ist bezeichnend, daß sich an dem Beifall das ganze Haus beteiligte. Die Störung war von Mille verursacht worden, der dasiir von einem neben ihm stehenden Abgeordneten eine Ohrfeige erhielt und nach der Sitzung von mehreren Abgeordneten ver­prügelt wurde.

Präsidentenwahlen im rumänischen Senat und in der Kammer.

ZV. T.-B. Bukarest, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer ist Michael Pherekyde und zum Präsidenten des Senats Basil Misir wiedergewählt worden.

*

2 französische Dampfer im Mittelmeer versenkt.'

ZV. T.-B. London, 30. Nov. (Nichtamtlich. Draht­bericht.)Lloyds" meldet: Der französische Dampfer Algerien" ist versenkt worden; 8 Personen sind gerettet, eine Leiche wurde gefunden, 29 Mann werden noch vermißt. Ferner ist der französische Dampfer Tonis" versenkt worden. Die Besatzung letzteren Schiffes wurde in zwei Rettungsbooten gelandet.

Der amtliche türkische Bericht.

ZV. T.-B. Konstantinopel, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront zersprengte unsere Artillerie bei A u a s o r t a durch wirksames Feuer feindliche Truppen, die ohne Deckung waren. Die feindliche Artillerie antwortete nicht. Bei Ari Burnn Kämpfe mit Artillerie und Bomben. Der Feind machte sehr reichlichen Gebrauch von Bomben, insbesondere am rechten Flügel, wo ein Torpedoboot wirkungslos au der Beschießung teilnahm. Bei S-cdd-ül-Bahr mn rechten Flügel lebhaftere Bamben- kämpsc. Am linken Flügel schleuderte der Feind ungefähr tausend Bomben, Granaten und Minen, richtete aber keinen bedeutenden Schaden an. Sonst ist nichts Neues zu melden. Gegen die englische Herrschaft in RegqpteN;

Eine Verschwörung gegen den neuen Sultan.

ZV. T.-B. Rom, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Nach der Tribuna" wurde in Kairo eine Verschwörung ent­deckt, die bezweckt, den neuen ägyptischen Sultan zu entthronen, die Minister zu stürzen sowie der eng­lischen Herrschaft ei« Ende zu bereiten. Bisher seien 48 Personen perhastct und 25 erschossen wordm»