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sm Morgen.Beilage -er Wiesbadener Tag blatts.

Nr. 278. Sonntag. 28. November.

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1915.

(26. Fortsetzung.)

(DtTQCl * (Nachdruck verboten.»

Roman von Edela Rüst.

Vor der Tür stand Dina still und atmete erst ein paarmal tief, eihe sie weiter ging. Ihr Her§ war sehr betrübt. Trotz der warmen Sonne, die über ihrem Scheitel stand, schien ihr die Welt wenig erfreulich. Es lag so viel Banges in der Lnft, das sich zu Massen ballen wollte und sich entladen, wie die Bäume und Sträucher in Blüte sprangen, weil die Frühlingssäfte in ihnen vmnorten.

Es lvar nicht ihre Absicht gewesen, zu Mütterchen zu gehen, aber in dieser Stimmung mochte sie nicht nach Hause. Herbert würde zu ihr stürzen, wenn er sie kommen hörte, und es würde ihr so schwer fallen, ihm zu sagen: ich habe es nicht übers Herz gebracht! Er würde es gar nicht verstehen, wie man sein reales Wollen von Sentimentalitäten abhängig machen kann; er wiirde rasen.

Die Professorin setzte sich eben an den Kaffeetisch, als Dina zu ihr hineinkam.

Wie traulich-einsam sah es hier aus! Als könnte es nie laut werden in diesen Hellen vier Wänden! Als stünde die Sonne immer vor diesen Fenstern und husche mit ihren segnenden Strahlen still-zärtlich von einein Gegenstand zum anderen, iiber die altmodischen Gobolinmöbel, die Delfter Porzellanuhr auf dem Ofen­sims und den kleiner Meißener Reifrockfiguren da­neben, die immer knixbereit dreinschauton. Wer ihnen Familien-Aquarelle mit den weißen Jabots und den hochtüvmigen Frisuren oder tiofhängenden Schleier- Häubchen. Und sie lächelten alle so friedlich-aufmun- ternd aus ihren feinen und frischen Gesichtern; denn die Ahnen von Frau Malwine waren alles lebensvolle, genußfreudige Frankfurter gewesen.

Dina konnte sich nicht enthalten, iiber die Lauter- schen Angelegeniheiten etwas auszukramen, Mütterchen brachte ihr schon das rechte Verständnis entgegen.

Daß Heribert nun um die Geschäftseinlage kommen sollte, kränkte sie weidlich.

Warum hat er sich nur solch eine Last auf den Hals genommen", jammerte sie.Er verdient doch ein Heidengeld. Ihr könntet herrlich und in Freuden leiben wie kein Mensch hier! Und nun stürzte er sich in solch schwere Sorgen mit der Banerei! Wenn es auch zu­letzt was einbringt! Aber Vater meint, er kann das nicht abwarten, es bricht vorher iwer ihm zusammen.' Trümpe sagt es auch, und Trüinpe ist ein gerissener Geschäftsmann! Sie lassen ihn ruhig hauen, bis er nicht weiter kann, und dann nehnren sie es ihm für ein Butterbrot weg sagt Trümpe. Das wäre doch rein schrecklich!"

Ja, Mütterchen, dahin soll's eben nicht kommen! Es geht ja alles so glatt und gut: das Sanatorium blüht, und eine Frau Deubenreiter aus der Wald­schenke will eine Villa kaufen oder sich extra eine bauen lassen, um eine Haushaltungsschule großen Stils zu gründen sie wird wohl selbst die Baugelder dazu hergoben."

Ach wirklich! Na, sichst du, Dina, da hat man ja gleich wieder Mut! Ich gebe auch nicht viel auf das.

was Vater in dem Punkt meint, der hat keinen Ge­schäftssinn, nur weil Trümpe. . ."

Trümpe und Herbert sind nicht die besten Freund» Trümpe hat doch selbst auf den Orgel-Anger speku­liert. Und nun ihm Herbert zuvorgekommen, sieht er natürlich den Ruhr voraus, um Herbert zu entmutigen und die Leute abznhalten, die sonst vielleicht schon längst Baustellen erworben hätten. Darauf gib also nur erst recht nichts, Mütterchen. Wir wollen doch eben alles dransetzen, daß die Neider sich irren. Es gilt durchhalten! Und wenn einer der Mann dazu ist, so ist es Herbert, davon bist du doch selbst überzeugt."

Frau Malwine strahlte nun doch über ihr gairzeS hübsches Gesicht.

Das meine ich, ja, das meine ich, liebe flute Dina. Es ist ja bloß, dein Vater ist Herbert auch nicht zu grün, und Frau Lucy tut ihr Bestes, ihn nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Und wenn Herbert das Gel- alles von fremden Leuten nehmen soll, da kann so leicht was schief gehen, mit den ewigen Zinsen, und was sie ihm sonst für Schabernack dabei spielen können.'

Das ist es eben!" bekräftigte Dina, die nicht wußte, daß alle Anzapfungen wegen Baukapitalien in Fünf-Hiigelchen bisher vergeblich waren, daß eigentlich nur noch Wucherer in Frage kamen. Jeder Geldmensch sagte sich: wenn das ,,'ne Sache" wäre, würde doch der reiche Schwiegervater nur zu gern das Geschäft mit- machen! Da brauckst Dr. Söhren doch nicht an fremde Leute heranzutreten I

Darum versagte jeder.

.Manbst du denn, daß dein Vater, wenn nun diese Erloff-Affäre erst mal wieder überstanden ist, Herbert ausheften wird?"

Ich werde ihn so lange bitten, bis er es tut. Mir ist ganz klar, daß viel auf dem Spiel steht, wir müssen durch, wenn wir nicht wirklich in die Patsche kommen wollen! Ich wevde Herbert nicht im Stiche lassen, er soll seine Million gewinnen!"

Ja, das soll er! Und ich will ihn auch nicht im Stich lassen ich wevde auch tun, was ich kann ich baue mit!"

Du, Mütterchen?"

Ja, es ist mir schon so im Kopf hernmgegangen weshalb sollte ich mir nicht da draußen eine hübsche, kleine Villa bauen. Vater gibt ja doch langsam die ganze Praxis auf, die Laufpvaxis hier im Hause sicher er ist nicht mehr kräftig genug- es schleicht . so irgendetwas in seinen Eingeweiden herum, das ihn mürbe macht. Seine Klinik niacht ihm gerade genug zu schassen, aber daran hängt er doch mit dem Herzen. Da läßt er sich wohl von Knut Wulfsen gern helfen, aber aus den Händen gibt er die nicht, pensionieren läßt er sich nicht, so lange er noch einen Finger rühren kann.

Mer dies alte Haus ist zu groß für uns ztver ge­worden, und so weitläufig mit all den langen Korrk» doren, und wirklich so veraltet in mancher Beziehung. Und es steht so eingeklemmt zwischen den Häusern, man