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Morgen.veilage -es Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 277. Samstag, 27. November. 1916.

l26. Fortsetzung.) D&V Q)YQQXs Hlt0ߣ. Wachdruck verboten.)

Roman von Edela Rüst.

Das Maifast war verrauscht. Es war bis in die kleinsten Einzelheiten vollendet, aber freilich, es hatte etwas verschlungen. Dina hatte früher nicht geahnt, daß man gesellschaftlich in Fünf-Hügelchen soviel Geld vertun konnte jetzt in ihrer Ehe sammelte sie Er­fahrungen. Allein für fünfhundert Mark Sekt war draufgegangen, abgesehen von all den anderen guten Weinen, dem echten Bier, den Schnäpsen und dem wunderbaren Konfekt, dem Obst und denÜberraschun­gen". Die Uimbostelei im Hause, die Blumenpracht, die zum Teil noch von auswärts bezogen werden mutzte, weil Fünf-Hügelchen auf solche Extravaganzen nicht eingerichtet war. Die Rechnungen, die da nun wieder einlausen wänden im Laufe des Monats!

Gott sei Dank, sie hatte damit nichts zu tun. Herbert nahm sie an sich das war alles seine Sache er zahlte, ohne zu murren. Genossene Freuden bereute er nicht! Uild Dina machte sich längst keine Kopfschmer­zen mehr darüber, sie hatten es dazu ihrem Mann stürmte man das Bureau, als ab es gar keinen Rechts­anwalt sonst in der Stadt gaib. Er spekulierte schon richtig: sein Auftreten tvar teuer, sehr teuer, aber es machte sich dreidoppelt bezahlt das Publikum will geblendet werden, er tat ihm und sich den Gefallen, in Poinp zu loben.

Dina machte sich gleich nach Tisch auf zu ihrem Vater. Der Kommerüenrat sollte sich an dem Bauen in der Kolonie beteiligen. Herbert wollte die 60 000 Mark nicht etwa geborgt oder geschenkt haben. Rein, der Schwiegervater sollte seinen Geschäftsantoil haben, ein paar Häuser mitbauen und den Reingewinn teilen. Rstir datz die Sacke vorwärts kam und nicht ins Stocken geriet. Eine Villa ließ sich nicht verkaufen oder ver­mieten, aber wenn erst zehn ständen, dann brauchte nie­mand zu fürchten, auf dein Jsolierschemel zu sitzen!

Ganz abgeneigt wie zu Anfang schien Lauter der Sache längst nickt mohr gegenüber zu stehen, also wollte Dina, durch Herbert dazu angeregt, ihr Heil heute ver­suchen.

Als sie hineingehen wollte, verließ Dr. Nachod die Villa Lauter. Er sah sehr animiert aus, er hatte dort zu Mittag gespeist zum ersten Male; die Freund­schaft hatte sich auf dem Maifest angebalint. Bisher war der Doktor nur zur steifen Visite im Hause ge- wesen, aber Luch, die schon andauernd mit Dr. Wulfsen unzufrioden Wen. hatte ihm ans dam Fest gestattet, sich sehr an sie zu attackieren. Sie wünschte ihn zum Haus­arzt, und der Kommerzienrat, der schon seit Jahr und Tag keineVorträge" mchr hielt und den Kopf aus die linke Schulter hängen ließ, wiederholte beim Ab­schied die Einladung, die Frau Lucy beim Bankett hatte ergehen lassen man hatte sie selten bei so guter anmutiger Laune gesohen. Es hotte alles au ihr Feuer gesprüht der Gatte hatte sie nur ab und an über die Tafel wog stumm angesehen, wenn ihr lautes, fröhliches Lachen vom anderen Ende herschallte. Sie hatte berückend ausgesehen in ihrer weitzrosa flim­mernden Ehiffoirwolke, zu berückend für die Frau eines

alternden Mannes, und Dr. Idachod hatte ihr vor allen mit Worten und Blicken gchuldigt.

Es ist übrigens Besuch da", sagte Nachod, als er sich nach Austausch einiger höflicher Redensarten zum Weitergehen anfchickte.

Noch mchr Tischbesuch?"

.Logievbesnch! Oberleutnant von Grnmm e? tut mir unendlich leid, datz die Pflicht mich schon ab­ruft ein sehr schneidiger, unterhaltsamer Herr . .

Das traf sich schlecht! Gerade Erloff! Er war lange nicht in Fünf-Hügelchen gewesen weiß Gott, was der im Schilde führen mochte, denn freundschaft­lich, ohne Pläne und Absichten, kam er seilten. Frau Kommerzienrat Lauter empfing die Stieftochter oben in ihrem Schnrollwinkel neben dem Schlafzimmer.

Der kleine Rudi, der um diese Zeit immer ein halbes Stündchen bei der Frau Mama spielen durfte, kletterte Dina sofort ans den Schoß. Sie war ihm. offenbar gernütlicher als die überelegante Dame auf dem Divan, der er immer nur auf eine gewisse Ent­fernung nahekainmen durfte, außer am frühen Morgen, wenn sie ihn gutlaunig in ihrem Bett duldete und sich mit ihm balgte.

Dr. Nachod gefällt euch gut?" fragte Dina.

Mir gefällt er und das genügt! Dein Vater hat natürlich um so mehr an ihm auszusetzen. Ich finde ihn bezaubernd I Endlich mal ein Mensch unter all diesen entsetzlichen gelehrten ZopfträgernI Gott, wenn ich ihn mit Wulfsen, deinem Wulfsen, nresse! WaS für ein langweiliger Peter, kein Temperament, kein Trop­fen Raffe!"

Da irrst du dich doch vielleicht sehr. Wnlffen kehrt nur sein wahres Tonipemment selten heraus. Er ist ein harter Arbeiter und erlaubt sich Stimnnmgen nur in ganz begrenzten Feierstunden, und nur da, wo er weiß, er wird verstanden."

Ach so! No, mir egal! Mir ist er als Mensch wie als Arzt gleich minderwertig, und ich werde fortan Dr. Nachod fiir mich und Rudi in Anspruch nahmen. Dein Vater kann ja den Familien-Wulffen als Leibarzt bei- bMilten."

Ganz wie du denkst das ist jo deine Privat>- sache!"

Unter ihnen iin Eßzimmer wurden Stinrmen laut.

Erloff ist hier?" frogte Tino und horchte hinunter. Es war sonst nicht ihres Vaters Art, die Stimme sehr laut zu echeben, also nmßte eine ganz außerordentliche Veranlassung dazu sein.

Jo, Erloff ist hier und kämpft um ein paar blanke Kröten, die mein Herr Gemahl sich nicht von der Seele reißen kann!"

Bitte, Lucy, sprich doch gefälligst in einem anderen Ton von Papa. Ich denke, für die Familie Grümm hat er mehr als genug geopfert, ihr dürft euch nicht be­klagen!"

Meinst du?"

Ja, >das meine ich! Wir sind sehr genau unter« eichtet. Wir haben kein Wort zu dir darfst» er verloren.

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