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Samstag» 27. November 1915.

Rbeitfe * Ausgabe.

Ur. 554. 63. Jahrgang.

Oer serbische Rückzug.

Die Siegesbeute, die der Heeresgruppe Mackensen bei den Kämpfen um Mitrvwitza und Pristina in dre Hände fiel, läßt erkennen, daß bedeutende Teste des serbischen Heeres in die Kämpfe verwickelt waren und eine schwere N i e >d e rl a g e erlitten haben.

17 400 Serben wurden gefangen genommen und 2o Geschütze erbeutet. In dieser Zahl ist die den Bul­garen zugefollene Siegesbente die Bulgaren selber meldenzahlreiche" (offenbar noch nicht gezählte) Gefangene noch nicht enthalten, so daß dadurch die Gesamtzahl eine weitere beträchtliche Erhöhung erfahren wird. Bei der Beurteilung dieses Erfolges muß stets die an und für sich ge r i n g e Stärke des ser­bischen Heeres berücksichtigt werden, wodurch die an­gegebenen Zahlen eine ganz andere Bedeutung erlan­gen, als wenn es sich dabei um einen Kamps, gegen ein Millionenheer gehandelt hätte. Einige Tage vorher war die Gesamtzahl der serbischen Gefangenen in einer Mitteilung aus dem österreichischen Kriegs­pressequartier auf über 100 000 Köpfe angegeben wor- den, unter Hinzurechnung der neuen Ergebnisse kann man das Gesamtergebnis aus mindestens 120 000 Köpfe veranschlagen. Die Gesamtstärke des serbischen Heeres bei Beginn der Operationen betrug höchstens 300 000 Köpfe, so daß weit über % gefangen genommen worden sind. Die blutigen Verluste kann man auf mindestens 80 000 veranschlagen, so daß nur noch 100 000 serbische Truppen übriggeblieben sind. Aber auch diese Zahl ist wahrscheinlich noch zu hoch, weil sich auf dem Rück­züge und namentlich bei dem Übertritt auf monte­negrinisches Gebiet zahlreiche Truppenverbände auf- g el ö st haben und ihre Angehörigen sich in ihre heimatlichen G i r g sd ö r f e r durchgeschlagen haben. Es können also nur verhältnismäßig schwache Truppenstärken sein, die sich jetzt noch auf Monte- n e g ri n i s ch e m oder albanischem Gebiet be­finden.

Ans den bisherigen Meldungen ist dre Ruckzugs­richtung des serbischen Heeres nicht ganz genau zu erkennen, ebensowenig geht aus der bulgarischen amtlichen Meldung hervor, wie weit die Bulgaren von Süden her über den K a t s ch a n i k p a ß vorgedrungen sind. In auswärtigen Blättern, die ihr Nachrichten zum Teil aus serbischen und montenegrinischen sowie aus französisch-englischen Quellen schöpfen, wird mit­geteilt, daß es die Absicht der serbischen Heeresleitung gewesen sei, mit den bei Mitrowitza und Pristina ge­schlagenen Truppen den Rückzug in der Richtung aus Prizrend anzutreten, dieser Ort liegt 50 Kilometer südwestlich Pristina, in derselben Höhe wie der 30 Kilometer östlich gelegne Katschanikpaß und nur 10 Kilometer von der albanischen Grenze entfernt.,. Es lei weiterhin die Absicht, so heißt's, des serbischen Heeres, von dort nach Süden zu marschieren und über Ochrida, Monastir den Anschluß an den noch in Südmazedonien kämpfenden serbischen Heeresteil und weiterhin an die Hilfstruppen der Entente zu gewinnen. Besteht dieser Plan tatsächlich, so würden damit die heftigen Angriffe der Serben gegen die über den Katschanikpaß vorgeüenden Bulgaren in Perbin düng stehen, denn ein Rückzug auf Prizrend wäre über Haupt nur möglich gewesen, wenn die Bulgaren nicht über die Linie Katschanikpaß-Prizrend nach Novden vovgedrungen wären. Bei dem Mangel genauerer Nachrichten läßt sich nicht erkennen, ob die serbischen Angriffe rechtzeitig zurückgeschlagen und damit der Weg nach Prizrend verlegt worden ist, oder ob es den Serben tatsächlich gelungen ist, diesen Ort mit stärkeren Kräf ten zu erreichen. .

Aber auch wenn dies der Fall gewesen sein sollte, so wird die Ausführung des serbischen Planes und die Forffetzung des Rückzuges auf Ochrida großen Schwie rigkeiten begegnen. Es kommen dabei zunächst die ört lichen Schwierigkeiten in Betracht. Das steile und hohe Gebirgsgelände, durch das der Marsch führt, der Man- gel genügender Straßen und die feindselige Haltung der albanischen Bevölkerung. Rach einer Buda pester Meldung sollen sich die bisher einzeln kämpfen den albanischen Truppen in Südalbanien vereinigt haben und die Verbindung mit den bulgarischen Trup­pen suchen, um den serbischen Vormarsch aufznhalten Die Entfernung Prizrend-Ochridasee beträgt in der Luftlinie gemessen etwa 100 Kilometer. Nach früheren Angaben sollten aber die Bulgaren bereits im Vor­marsch auf Ochrida begriffen sein, die nördlich davon gelegenen Orte Tetowo, Gostivar, Kitschewo und Krusewo sind von ihnen bereits besetzt. Damit ist aber der größte Teil der albanischen Grenze ge­sperrt und init der Erreichung des Ochridasees würde dies mit der ganzen Grenze der Fall sein, so daß die dorthin gelangten Serben sich den weiteren Weg erst von neuem erkämpfen müßten, dazu scheinen die Aus sichten aber sehr gering zu sein. Nach der äugen blicklichLU Laae in Südmazedonien ist auf eine Offen

ive des Salrmikier Expeditionskorps über Monastir nt der Richtung auf Ochrida, um den anmarschrerenben Serben die Hand zu reichen und die Durchbruchsstraßen zu öffnen, keinesfalls zu rechnen. Nach allen Nachrichten ist die Lage der Franzosen am Srdufer des Cernaflusses eine äußerst gefährdete, sie sind dem bulgarischen Angriffe sowohl in der Front wie von ihrer westlichen Flanke ausgesetzt und,, werden froh ein, wenn sie ihre jetzigen Stellungen überhaupt h a l- e n können. Au eine Offensive ist ü b e r h a u P t n i ch t zu denken. Es kommt noch hinzu, daß dle,bu t- g arischen Kräfte sich beinahe täglich verstär­ken, da nach der letzten Niederlage der Serben bei Pristina wiederum starke bulgarische Kräfte zu ander­weitiger Verwendung verfügbar geworden sind.

Die Kämpfe in Nordsevüien haben jedenfalls mit ernam großen Waffenerfolge der Zentral­mächte und Bulgariens ihr Ende erreicht, und man wird sich dem Urteil einer holländischen Zeitung an- schließen können:Damit ist der e i g e n t l i ch e F e l d- z ug gegen Serbien tatsächlich beendet, obwohl es auch hier nicht zu einem Sodan gekommen ist."

v. 8.

*

Ein letzter verzweifelter serbischer Durchbruchsversuch nach Süden?

Br. Lugano, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Magrini telegraphiert aus Monasür: Die Ser­ben scheinen einen letzten verzweifelten Durchbruch ^versuch zu beabsichtigen. , Während nördlich geringe Streitkräfte sich dem deutschen Vor- inarsche entgegenwerfen, soll die Hauptmacht der Ser­ben einen Vo r st o ß gegen U e s k ü b und K u m a- n o w o wagen, uni durchzubrechen und sich mit den Franzosen zu vereinigen. Gestern kamen in Wkonastir 400 Russen an, die in, Belgrad mitgekämpft haben. Albanien sei völlig ruhig.

Rückzug der Franzosen bei Rrivolae.

Nikila siedelt nach Skutari über.

Berlin, 27. Nov. (Jens. Bln.) LautB. T." besagt eine Depesche desPetit Parisien" aus Saloniki, daß die französische Heeresleitung am Mittwoch den allgemeinen Rückzug der französischen Truppen von Krivolac über Kawardar und Demirkapu ungeordnet habe. Bor ihrem Ab­zug. zerstörten die Franzosen alles, was sie nicht mitnchmen konnten.

König Nikita siedle nach Skutari über; seine Familie werde in Cettinje bleiben.

Oberst wasiitsch bittet den Griechenkönig um Durchzug für seine Truppen nach Albanien.

Berlin, 27. Nov. (Jens. Bln.) Oberst W a s f i t s ch, der Befehlshaber der am Babunapatz geschlagenen serbischen Streitkräfte, richtete nach einer Meldung desB. L.-A." an, König Konstantin die Bitte, im Namen der Menschlich seit den geschlagenen und von allem Nötigen entblößten Truppen ungehinderten Durchzug durch Griechen­land nach Albanien gestatten zu wollen.

Auch Uavalla als Basis gegen die bulgarische Grenze?

Br. Saloniki, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht.' Zeus. Bln.) Die Franzosen und Engländer sandten seit vier Tagen 6 Regimenter an die Front und bemühen sich besonders, ihre Artillerie zu ergänzen. Es erfolgen Verstärkungen an Truppen sowie an Kriegsmaterlai. Auch sind starke Sanitätsmissionen eingetroffen. < verlautet, die Engländer beabsichtigten, auch von Kavalla aus Truppen gegen die bulgarische Grenze vorzuschieben.

Die bisherigen Transporte nach Bulgarien.

Wien, 27. Nov. (Zenf. Bln.) Nach den hiesigen Blättern haben bisher insgesamt 38,Schleppschiffe mit 1440 Waggonladungen Munition für Bul garten und die Türkei den Donauhafen Calafat passiert, die in Widdin für Bulgarien uild in Lom Palanka für die Türkei löschen. Auf den zuletzt durch- aekoimnensn 9 Schleppschiffen, die ein Monitor be­gleitete, wurden auch einige Hundert Soldaten und mehrere Kraftwagen befördert. DerTelegraphenverkehrBerlin-ttonstantinopel

Br. Konstantinopel, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Seit heute ist der Tel^grap-henverkehr mit Serbien wieder ausgenommen worden, so daß jetzt zwischen Konstantinopel und Berlin zwei Drahtver­bindungen bestehen. Deutschland und die Türkei sind nun n i ch t m e h r ausschließlich auf die über den rumänischen Hafen Konstanza fiihrende Linie an gewiesen.

paschitsch der Hauptanstifter des Rrieges.

Aus dem Geständnis eines serbischen Politikers.

Berlin, 27. Nov. (Jens. Mn.) Wie verschiedene Morgen­blätter berichten, läßt sichAz Eft" von seinem Kriegsberrcht- erstatter aus dem serbischen Kriegsschauplatz drahten: Bei der Einnahme des Sandschaks in Serbien verblieb

dar dortige Rechtsanwalt Dr. Rädnlowic, ein bekannter, ser- lbischer Politiker, am Orte. Ich machte seine Bekanntschaft und er erklärte mir, daß er als Nationallibevaler gegen den Krieg war. Der Hanp tanstifter des Krieges tvar Paschitsch, der wesentlich auch an der Mordtat in Serajewo beteiligt war.Wenn Sie Beweise da­für haben wollen, sindLn Sie sie jetzt in den Belgrader Staatsarchiven."

Die erpreßten Zugeständnisse Griechenlands

Aus den Fanfaren der Presse des Vierverbandes, die, froh seiner Vergewaltigungspolitik, Griecherrland mit allen wirtschaftlichen und militärischen Zwangsmitteln bedroht hatte, ist eine diplomatische Schamade geworden. Zur Stunde erst durch das Rentersche Bureau und die Agence Havas über die griechische Entscheiduing -unterrichtet, wissen wir doch be­reits, daß die Athener Regierung ihre bewaffnete Neutralität aufrecht erhalten wird. Auf Griechen­lands Abrüstung rnuß der Biervebband ebenso verzichten, wie aus jede griechische Hilfe, die über ein Gewähren- lassen der Ententetvuppsn auf griechischem Boden hinaus- geht. Ohne Zweffel kommt Griechenland damit dem Entente­mächten sehr weit entgegen. Aber Andeutungen des Rsuterschen Bureaus sprechen dafür, daß dieses Entgegen­kommen sowohl betreffs derSicherheit" der Ententetruppen wie in bezng auf die Benützung griechischer Eisenbahnen und Telegraphen mit griechischen Vorbehalten verknüpft ist. In welchem Maße jedoch immer die Entente-truppen aus grie­chischem Boden Aktio-üsfreiheit gem-ehen mögen: so viel ist selbstverständlich, 00% die Truppen Bnlg arte ns -und seiner Verbündeten genau dieselbe Aktions- sreiheit haben müssen. Das dürste dem neuen Vierbunde ebenso genügen, wie der alte Merbund es beklagen wird, daß er gezwungen ist, sich damit zu -begnügen. Hat sich doch die Entente auch zur Anerkennung einer Entschä-- üigungsPflicht für den Schaden verstehen müssen, der durch -den Aufenthalt ihrer Truppen aus griechischem Boden entsteht. /Dieses vierverbändlerische Zugeständnis ist für die Stärke und Festigkeit der Haltung Griechenlands nicht minder kennzeichnend als die Zusage der späteren Rückgabe aller be­setzten Gebietsteile durch die Ententemächte. Aus das ser­bische Heer erstreckt sich das Abkommen Griech-enlands mit dem Vierverband anscheinend nicht. Es sieht demnach so aus, als ob sich die Athener Regierung die Entwaffnung der erben beim Übertritt aus griechffchen Boden Vorbehalten habe. Vermutlich werden die Serben dieser Möglichkeit durch Vermeidung der griechischen Grenze ausweichen wollen.

Die Stimmung in Griechenland.

Köln, 27. Nov. (Zelts. Bln.) Aus Athen mel­det dieKöln. Ztg.": Die Mitteilung -der englischen Gesandtschaft, die Griechenland wegen oer Hal­tung der griechischen Regierung in den Fragen, welche die Sicherheit der vevbündeten Truppen in Maze- donien und -deren Aktionsfreiheit, auf welche die En­tente infolge ihrer .Landung auf griechischem Gebiet Anspruch habe, beträfen, die Einschränkung der ihm bisher gewährten finanziellen und kom­merziellen Erleichterungen ankündigte, hat hier allgemeines Be f r e m d e n und En t r u st u n g hevvorgerufen. Die Drohung, Griechenland die finan­zielle Unterstützung zu entzichen, erstrecke -sich auf das Versprechen einer Anleihe, die für -dre Bedürfnisse der griechischen Mobilmachung dienen sollte. Die Ein- ichränkung der kommerziellen Erleichterungen stelle einen Staatsstreich gegen die zwischen dem neu- tralen Griechenland und den Ententemächten abge­schlossenen Verträge dar. Die angedrohten Zwangs- maßregeln gegen den griechischen Handel würden ein Akt der Willkür sein.

Genugtuung über Griechenlands Antwort in Paris.

W. T.-B. Paris, 27. Nov. (Nichtamtlich.)Petit Parisien" bemerkt, daß di-e Antwort Griechenlands ans die Nöte des Bierv-erbandes äutzarst schnell erfolgt sei und daß Mimstvrpffisident Skujliudis in fast allen Punkte Ge­nug tun ng gewährt habe. Das Blatt führt aus: Es hat sich zunäckst darum gehandelt, einer eventuellen Entwaff­nung der englischen, französischen un!d serbischen Truppen vorznbengen; ferner dämm, den Gebrauch der Eisenbahn des Salonikiier Rehes wieder zu gewinnen, deren DenuHung die versammelten griech-ischen Stteitkräste teilweile ausgeschattet war. Drittens handelt es sich darnnr, daß dre.se Versammlung griechischer Streitkräfte um Salonikr einer vernünftigen Verteilung auf verschicbene Pumtte der Grenze Platz machte. In betreff dieses dritten Punktes hat Skuludis günstige Antwort erteilt. In bezug auf den letzten Purrkt hat Skuludis nrehr als Worte gegeben, zumal die Ausenranderziehung der Truppen bereits begonnen hat. Man braucht das erreichte Ergebnis nicht aufzubauschen, doch scheint es annehmbar.

Take Ivnescus neueste Intrige;

Berlin, 27. Nov. (Zerrs. Bln.) Das Bukarester Blatt Jncmte" bringt eine Enthüllung, die das grüßte Auf­sehen macht. Danach soll Take JoneS cu in einer Kou- f-evenz dem russischen Gesandten den Rat gegeben haben, Rußland solle Rumänien ein Ultimatum stellen, woraus der Gesandte i-n einer Chifferdepesche nach Petersburg tat- i äcklich diesen Vorschlag der russtschen Regievuna enw>