ii Der Roman, i
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(jg===si Morgen-Beilage der Wiesbadener Sagblatts, lurns!
Nr. 276.
vrettag, 26. November.
1915.
(24. Fortsetzung.)
Dev Ovgel S Angev, Nachdruck verboten.!
Roman von Edcla Rüst.
Es waren nur zwei Tische besetzt. An einem saß ein auf Einkäufen Station machender Bauer, Lessen fetter, kurzbeiniger Gaul L rauhen schon unruhig am Wägelck-en zerrte, und am zweiten ein fremder Gendarm, der wohl die Grenz« abritt.
Wo Trümpe gesessen, stand eine leere Flasche Wein und ein Teller mit gerüsteten Semmelresten und Kaviarspuren. Herbert setzte sich an einen kleinen Tisch seitwärts vom Schenktrsch und bestellte sich erst einmal einen heißen Bordeaux. Er wollte etwas Warmes essen, weil er nun doch zuhause sein Abendbrot versäumte. Grob war die Auswahl nicht, aber er verlangte noch allerlei Zutaten, die Zeit in Anspruch nahmen. Es lag ihm offenbar daran, seinen Besuch auszrrdehnen.
Trümpe schlug dies und jenes Thema an, auch von dem Fest übermorgen, von dem schon ganz Füns- Hügelchen spräche, und wie er daraus brenne, Madame I. wiederzusehen, mit der er eine Saison in Karlsbad so vergnügt verlebt hatte. Madame §). sei damals jung verheiratet gewesen und habe nur den Winter vorher ihre ersten großen Triumphe gefeiert. Jetzt sei sie vielleicht gar zu berühmt, sich seiner noch zu erinnern, aber seiden falls, er freue sich auf sie. Herbert gab nicht viel Antwort. Er hatte sein Portefeuille vorgenommen und rechnete und notierte dahinein, und sagte dann immer, die Unterhaltung abbrechend: ,/Sie 'ent- schuldigen, lieber Trümpe, ich bin sehr in Geschäfte verwickelt, die keinen Aufschub dulden _— Sie wissen, auch meine Erholungstouren sind keine eigentliche Trennung von der Arbeit."
Er sagte dies in den verschiedensten Variationen, bis es Trümpe auf bie Nerven fiel und er sich sehr plötzlich verabschiedete, als Herbert eine Schüssel nach der andern in kurzen Pausen serviert wurde. Der Abschied war vonseiten Herberts wärmer als die Begrüßung.
Als zweiter verließ der Gendarm die Schenke, und nur das Bäuerlein hüllte sich noch vor dem Ausbruch in seine Knasterwolken. Nach einer Viertelstunde war auch der fort.
Gleich als Trümpe gegangen, schritt Frau Deuben- reiter langsam durch die Gaststube, schob einen Vorhang zur Seite und öffnete ein Fenster, als wünschte sie, daß das Lokal zu übersehen wäre, in dem sie jetzt bald mit Dr. Söhren allein sein würde.
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Umsatz.
„Es wird hier immer noch geheizt, als ob es Winter wäre, ab es draußen schon blüht vst gleich", sagte sie.
,-Ganz ungcheizt geht es hier draußen wohl auch noch ntK."
„Nein — das Haus ist feucht und ,kalt bis in den Juni hinein, ober -man muß doch einen Unterschied machen! Ach, iibevharrpt das Haus hier . . ."
„Ein frischer Luftzug tut wohl — die Atmosphäre t stickicht genug", sagte Herbert, als die junge Frau ch beim Offnen des Fensters fragend nach ihm
Frau Deubenreiter stellte sich an einen Stuhl vor Herberts Tisch und wartete, bis das bedienende Mädchen lwieder in der Küche verschwunden war. Sie schien etwas auf der Seele zu haben, klappte mit den appetitlichen Händen auf der Stuhllehne herum, als wisse sie nicht recht, wie beginnen.
Herbert half ihr: „Was ist's mit dem Haus, was meinten Sie?" Und während er langsam aß und in seinen Teller sah, vertraute sie ihm an, was sie de, drückte.
,-Mir ist das Haus hier keine Freude mehr! Wenn man erst mal lange in der Stadt gewohnt hot, kann nmn nicht nuchr so einsam leben."
„Das dachte ich mir eigentlich, als ich Sie hier wieders<ch. Aber warum stehen Sie denn, Frau Deuben-, reiter, wollen Sie sich nicht hinsetzen?"
Lene Deubenreiter setzte sich und bog den Kopf etwas über den Tisch zu Herbert hinüber, um leiser sprechen zu können.
„Es ist auch sonst so allerlei, was mir die ganze Wirtschaft arg verleidet. Jeder Gast, und ich meine besonders die feinen Herren, denkt, mit 'ner Witwe, die noch nicht graue Haare hat, könne er sich etwas erlauben, könne ihr freche Anträge machen. Ach, Sie glauben nicht, was man mir alles bieten zu können meint! Mancher läßt sich's Jahre lang nicht verdrießen — wie der HerrTrümpe. Er sieht, er erreicht nichts, aber er läßt nicht locker. Und grob darf man auch nicht werden — sie können einen ja so schwer schädigen. Er kommt fast immer nur beim schlechtesten Wetter heraus, weil er weiß, daß er dann so mehr der eirrzige ist . . ."
„Ja, man spricht sogar schon davon in Fünf- Hügelchen..." . t
„Sehen Sie. . .! Strecker hat nur das ia auch schon gesagt. Ich habe godacht, es ist eifersüchtiges Gerade von ihm, weil. . ."
„Der stellt Ihnen auch nach — das habe ich längst gesehen!"
„Er quält mich mit seinen öwigen Heiratsanträgen.'
„Und warum heiraten Sie ihn denn nicht? Das. wäre doch die beste Lösung . .
Herbert war mit seinen Hühnerknöchelchen zu sehr beschäftigt, um bei der Frage sein Gegenüber anzu- sehen, obwohl er Frau Lenes Blick lange auf sich ruhen fichlte.
„Wir Kvei passen nicht zueinander — er rst noch so ganz Bauer in all seinen Gewohnheiten und seinem Denken, es gibt mir immer 'n Stich, wenn ich ihn so hantieren sehe —< und woraus er so lvenig Wert legt..."
„Da könnten Sie doch -viel ändern, wenn er Sie liebt — er ist ein stattlicher Mann."
,Ha, das ist er, aber das allein macht's doch auch nicht. Und ändern? Mein Diann war ein gutmütiger Mensch, mit den: leicht zu leben war, aber zu ändern war der nicht mal, denn mir war auch so manches wider den Strich! Mer Strecker ist noch jähzornig os-
