V
Wiesbadener Ts
Verlag Lauggasse 81
..Tagdlatl-HauS".
Kchalter-Halle geöffnet von 8 Mir morgen? bi? 7 Uhr abends.
Wöchentlich
Bezugs-Preis für beide AnSgadcn: 70 Pfg monatlich, SK. 2.— vierteljährlich durch den Berla
Beitell
marSring . __
gabestellen und in den benachbarten Landorteu und im Rheingau die betreffenden Tagblatt» Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf r
„Tagblatt-Haus" Nr. 665g-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.
Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viettel Seiten, durchlanfend, nach besonderer Berechnun Bei wiederholter Aufnahme unvcrändetter Anzeigen in kurzen Zwiichenraumen entlprcchender Na>
Berliner Schriftleitung des WiesbadenerTagblatts: Berlin^.. Potsdamer Str.121L. Fernspr.: AmtLntzow 6202 «.6203. ^g-nÄP,ä"n wir^kLn?
Zreilag, 26. November 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 351. - 63. Jahrgang.
Die reiche Siegerbeute von Mitrowitza und Pristina.
vre vergeblichen italienischen Angriffe. — weitere Zuriickwerfung der Montenegriner. — Die Ueberschreitung der montenegrinischen Grenze östlich der Vrina südöstlich Sieniea.
Der österreichisch «ungarische Tagesbericht-
W. T.-B. Wien, 25. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 25. November, mittags:
Russischer Rriegrschauplatz.
Keine besondere» Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die erbitterten Kämpfe im Raume zwischen der Wippach-Mündung und San Martino dauerten Tag und Nacht fort. Nördlich des M o «t e S a n Michele griff der Feind unaufhörlich mit star- k e n Kräften an. Mehrmals gelang es ihm, in unsere Gräben einzudringen. Immer jedoch, zuletzt m vielstündigem Nahkampf, warfen rhu dre braven alpenländischen Jnfanterieregrmeuter Nr. 7 und 27 wieder hinaus. Ein Angrrff der Italiener ans den Monte San Michele scheiterte gleich allen früheren. Auch bei San Mar tour wogte der Kampf hin und her, bis es fchlretzlrch spat abends den bewahrten H o n v e d - Truppen gelang, auch hier unsere Stellung vollständig z u r u ck z u- gewinnen und zu behaupten. Der Brückenkopf von Görz, der Sndteil der Stadt, dann dre Ortschaften Savona und Rupa standen unter heftigem A r- tillerieseuer. Mehrere feindliche Bataillone griffen bei Oslavija an. Sie wurden zuruckgeschlagen, zwei Kompagnien vernichtet. Zwei unserer Flieger warfen Bomben auf Tolmezzo ab.
Südöstlicher Kriegsschauplatz«
Die Montenegriner wurden auch östlich von Focha zurückgeworfen. Südwestlich von Srenica überschritten wir die montenegrinische Grenze. Bei der gestern mitgeteilten Einnahme von Mitrowltza haben die k. und k. Truppen 10 000 Serben gefangen genommen und 6 Mors e r, 1 - tf e t d- geschützt, zahlreiche Fuhrwerke, Munition aller Art, 7 Lokomotiven, 13V Waggons und. weles anderes Kriegsgerät erbeutet. Eine vsterrelchlsch-un- garische Kolonne gewann, über M i t r o w i tz a hinaus- rückend, die Gegend von Vucitrn. Südlich davon sind deutsche und bulgarische Kräfte im Begriff die Sitnica zu überschreiten. In den Kämpfen um Pristina sind 6800 Gefangene eingebracht und 6 serbische Geschütze erbeutet worden.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, FeldMarkchallentnant.
*
Der amtliche bulgari><fte Bericht vom 23. November.
Der Einzug in pristina.
W. T.-B. Sofia, 25. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht vom 23. November: Seit 10 Tage« waren erbitterte Kämpfe um Pristina im Gange. Nachdem unsere Armee heute endgültig die Serben im Norden, O sten und Süden umzingelte, unternahm der Gegner die äußersten Anstrengungen, um sich in Pristina zu halten. Er konnte jedoch unserem Drucke nicht widerstehen und wurde aus seinen letzten Stellungen geworfen, worauf er gezwungen war, den Rückzug nach Westen anzutreteu. Um 2y 2 Uhr nachmittags rückte zuerst ein Reiterregiment in die Stadt ein, dem unsere Truppen von der Nordfront und Abteilungen einer benachbarten deutschen Kolonne folgten. Die Zähl der Gefangenen ist noch nicht ermittelt.
Bald auch der letzte Nest Neuserbiens in unserer Hand.
Bereits mehr als 400 moderne serbische Geschütze erobert.
Br. Berlin, 25. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Dem „B. T." meldet der Kriegsberichterstatter Leonhard Adelt aus dem K. und K. Kriegsprcffeqnar- tter unter dem 25. November: Die Schlacht auf dem historischen Am sei seid hat mit der Einnahme der Städte Mitrowitza und Pristina durch die Verbündeten ein rasches Ende gefunden. Mehr als 400 moderne serbische Geschütze sind beretts in der Hand der Verbündete« mrd die Fliehenden können nur mehr über eiuise Gebirgsartillerie leichtesten
Kalibers verfügen. Bald wird der letzte schmale Streifen Neuserbiens von den Verbündeten besetzt sein, eine Leistung, die bei den ungewöhnlichen Geländeschwierigkeite« und Stratzen- verhältnissen angesichts des tapferen Widerstandes der serbischen Landesverteidiger nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
„Serbien unrettbar verloren"^
Die neue Einkreisung des serbischen Heeres durch die Vulgaren und Deutschen. — Eine
Kapitulation nicht ausgeschlossen!
Die neuen Hiobsbotschaften in einem italienischen Blatte.
Br. Lugano, 25. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der serbische Berichterstatter des „Corriere della Sera" schickt ein neues trostloses Telegramm: Bon dem serbischen
Zentraltzeer in kossowo fehle jede Nachricht, ebenso von der angekündigten serbischen Offensive aus K a st a n i k. Man gebe alle Illusionen auf. Serbien sei unrettbar verloren. Größte Beklemmung erfülle aber die neue Einkreisung des serbischen Heeres durch die Bulgare«! und Deutschen von Nordwesten und der albanischen Grenze her. Der serbische Kriegsminister erklärte dem Berichterstatter geradezu, eine Kapitulation sei nicht ansseschlossen.
2000 österreichisch-ungarische Kriegsgefangene in pristina befreit.
Berlin, 25. Nov. (Zenff. Sk) Die „B. Z. a. M." meldet aus dem Kriegspressequartier: Bei dem beschbeuingteu Rückzug der Serben aus Pristina wurden 2000 österreichisch- ungarische Kriegsgefangene zurückgelaffen, die von den Verbündeten sofort in Obhut genommen worden sind.
Die serbische Regierung verläßt das serbische Gebiet!
von prizrend nach Skutari.
W. T.-B. London, 24. Nov. (Nichtamtlich.) Das „Reutersche Bureau" meldet: Die „Times" berichtet
aus Paris: Einem amtlichen Telegramm aus Prizrend zufolge begibt sich die serbische Regierung nach Skutari.
Line montenegrinische Schandtat.
K. und K. Kriegspressequartier, 20. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin. Verspätet eingetroffen.) Südlich von Visegrcud, wo wir gegen die Montenegriner kämpfen, hat sich ein empörender Fall eveig- iret. Vor 14 Tagen war eine kleine österreichffch-un- garffche AbteiLurrg von ihrem Heereskörper angeschnitten worden. Einen Schiwarm der Abteilung machten die Montenegriner zu Gefangenen, sie nahmen den Leuten Stiefel und Kleider und führten die Halbnackten über das Gebirge weg. Den Rest der !■ teilung fand man jetzt kiach 14 Tagen tot. Einige Leichen -waren bis zum Halse eingeschart, andere noch unibegvaben. Alle waren entkleidet, ohne Ohren und oh ne Nasen.
Der Respekt vor den Vulgaren.
Br. Lugano, 25. Nov. (Erg. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der 'Corriere della Sera" meldet aus Saloniki: In den Kreisen der Entente herrscht trostlose Stimmung. Die Bulgaren werden als wahre Teufel geschildert, gegen deren Feuer die englischen und ftarrzösischen Truppen gar nicht Aufkommen könnten. Me bulgarische Artillerie set überaus zahlreich unid vortrefflich. General Sarrail wiederholt immer Wieder, er könne erst dann Vorgehen, wenn er genügende Streitkräste für die große Offensive habe.
Ein ungarisch-bosnischer Balkanvereiu.
XV. T.-B- Budapest, 25. 3ioö. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Mit Rücksicht aus die Entwicklung am Balkan soll der Wir- Lumgs- und Betätigungskreis der bisherigen Ungarisch-Bosnischen wirtschaftlichen Zentrale erweitert und diese in einen wirtschaftlichen Zentral- und Balkanverein uimgestaltet werden.
Deutsche und Vulgaren vereint gegen die Franzosen und Engländer.
Die Enttäuschung und Verbitterung gegen den Vierverband.
Br. Lugano, 25. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Magrini meldet dam „secolo" in einer Depesche aus Monastir, daß die Bulgaren einen V o r st o tz gegen das von iben Franzosen besetzte Kavad.ar unternommen hatten und zurückgöschlagen wurden, sonne daß die Armee Gallwitz, wie man vermutet, den W a r d a r h i n a b m a r s ch i e r e, um die Franzosen und Engländer über die Grenze zurückzu- werfen. In Monastir treffen fortwährend flüchtige serbische Beamte und Offiziere ein. zu Tode erschöpft und kotbsdeckt. Ein Offizier sagte, wahrscheinlich werde das serbische Heer sich ergeben müssen. Unter der flüchtenden Bevölkerung von K o s s o w o ist die Not so groß, daß für ein Brot 30 Franken geboten werden. Die Enttäuschung und Erbitterung gegen den Vierver- band ist unter den Serben sehr groß.
Französische Besorgnis über den Knsturm an/ die französisch-englischen Stellungen.
Br. Genf, 25. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In der französischen Kammerkommission für auswärt i g e A ng e leg e n heit en gilt nach neuerliche:: Athener Depeschen die Heimsendung jener griechischen Reservisten, die zeitweilig zur Verstärkung der Garnisonen an der serbischen Grenze ausgeboten waren, als wahrscheinlich. Die Fachkritiker erörtern mit ernster Besorgnis die Frage, ob die französisch-englischen Truppen dem Ansturm der von K a v >a d a r anrückenden bulgarischen Divisionen auch ft a n d dann halten könnten, wenn die durch den schmerzlichen Fall von Pristina nnd Mitrowitza sr eigewordenen Deutschen und Österreicher längs der Mardarlinie nachrücken sollten.
General Sarrail über die verzweifelte Lage des Ententeheeres?
Eine Meldung der „Stampa".
Br. Lugano, 25. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „Stampa" veröffentlicht eine Unterredung mit dem General Sarrail. Der General zeigt sich äußerst hoffnungslos. Sein ganzes Heer bestehe aus 80 000 Mann auf 80 Kilometer Front. (?) Wenn auch nur eine einzige bulgarische Division, etwa bei Stvumitza, aus die Linie des Gntmrteheepes vorstoßen würde und die Eisenbahnlinie erreichte, wäre das Ententeheer tarn Nachschub sowie vom Rückzug abgeschnitten und verloren. Di« Katastrophe wäre da, die rettungslos unabwendbare Katastrophe. Das serbische Heer bezeichnet Sarrail als erledigt. Die Haltung Griechenlands sei aber trotz aller diplomatischen Erklärungen im höchsten Grade zweideutig. Die Griechen nehmen heute an der serbischen Grenze so feste Stellungen ein, daß jedes aus Serbien zu-- Uückweichende Truppenkorps Gefahr liefe, von den Griechen abgesangen zu werden. Mese Möglichkeit erfülle das französisch-englische Hauptquartier in Saloniki mit größter Besorgnis.
Die Note des Vierverbandes an Griechenland.
Französische Hoffnungen laut Havas.
W. T.-B. Athen, 25. Nov. (Nichtamtlich Agence HavaS.) Me gemeinsame Note des Bierverandes an Griechenland ist am Dienstag überveicht worden. Sie wurde während des Frühstücks, das der König zu Ehren DeNYs Cochins gab, besprochen. Der König ließ bei Cochin eine günstige Ausnahme dieser Note durchblicken. Die Note, die in freundschaftlichem Geiste ^gefaßt :md ganz allgemein gehalten ist, verlangt von GriecheNlarü» eine Bestätigung der schon früher gegebenen Zusicherungen, betreffend die Lage der Truppen der Wiierten in Griechenland. Die Note enthält keine Frist, bittet aber um möglichst rasche Antwort. Man glaubt hier an eine völlige Zustinrmuny der griechischen Regierung gegenüber der Fotderung der Alliierten.
W. T.-B. London, 25. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Reuterh Die „Times" meldet, daß die Verbündeten von Griechenland nicht verlangt haben, daß es seine Neutralität anfgebe.
Die griechische Antwort auf die Note der Entente.
W«s Reuter meldet.
Br. Rotterdam, 25. Nov. (Gig. Drcchtbericht. Zens. Mn.) Reuter meldet aus Athen, daß die griechische Regierung ans die Note der Entente geantwortet und die Forderungen! der Nichtentwaffming der verbündeten Truppen upd ihre Be- wegungsfteiheit aus griechischem Gebiet angenommen habe. Die Regierung behalte sich für gewisse Punkte, die ihre Sicherung >umd Benutzung der Bahnen und Telegraphen betreffen, eine weitere Untersuchung vor. Me ErWrUmg, daß man die von der Entente besetzten Teile Griechenlands gelegentlich zurückgeben werde und daß Schadensersatz bezahlt werden solle, hat guten Eindruck auf die Regierung gemacht.
\y. T.-B. Athen, 25. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Agence Havas.) Die griechische Regierung hat gestern 5 Uhr nachmittags die Antwort ans die Note der Bierver- bandsmächtc übergeben. Die Antwort ist sehr freundlich gehalten und gewährt die gewünschten Genugtumrsr» sowie alle als notwendig betrachteten Bürz* schäften.
Die Neu-Grientierung auf dem Balkan.
Der Konstantinopeler Korrespondent des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" hat in seinem Blatt einige Bettachtungen ans Bukarest veröffentlicht, die werttolle Ausschlüsse über die Situation am Balkan enthalten. Auch er stellt fest, daß nach der auf dem Balkan herrschenden Meinung die Hiilfe der Entente für Serbien zu spät gekommen ist. Der englische und der französische Befehlshaber in Saloniki geben das auch ganz offen zu, nur die Ententeblätter in Bukarest, mit denen Serbien, so lange die Verbindung mit Rumänien noch bestand, überschwemmt wurde, meldeten, daß 100 000 Franzosen nnd EuMnder in Mazedonien stünden, >daß sie Velos besetzt hätten, ncch 14 Tage, nachdem die Stadt bereits in den Händen der Bulgaren war, daß sie in einer Woche in Nisch sein würden, obwohl die ganze Eisenbahn Nisch-Belos schon bulgarisch war, daß 100 060 Italiener über Albauien schon auf dem Weg nach Mazedonien sei«!. Diese Zeitungen wnr- den zu Tausenden unter die serbische» Truppen vevtcrkt,.
