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Mittwoch, 24. November 1915.

Rbctt 6 Husga&e.

Nr. 543. 63. Jahrgang.

Vom AmselKeld nach Zndmazedomen.

Auf dem Amieffelde, wo vor mehr als fünfhundert Jahren das großsevbische Reich dom siegreichen tück­schen Heere unterlag, scheint sich jetzt auch der letzte Art des sertzischen Dramas abzuspielen. In der Gegend von Pristina befinden sich noch stärkere serbische Truppen, die dorthin sowohl von Norden wie von Osten zusammengedrängt sind, und denen es offenbar nicht mehr möglich gewesen ist, rechtzeitig den Rück­marsch nach Montenegro sortzusetzen. Jenseits des Amselfeldes erhebt sich das hohe und steile wlbanrsch- montenegrinische Grenzgebirge, über das keine brauch- baren Übergänge führen. Der einzige gangbare Patz, der den Serben überhaupt noch zur Verfügung steht, befindet sich bei M i t r o w i tz a und wird durch das Jbartal bezeichnet. Da sich die Truppen der Zentral­mächte aber diesem Orte bereits von Norden her auf nächste Entfernung genähert haben, im. Jbartalc in unmittelbarem Vormarsch auf Mitrowitza. begriffen sind und da weiter östlich andere Kolonnen im Labtale siegreich vorgedrungen und sich die Eingänge in das Amseliseld erobert haben, fft jetzt der Abmarsch, da der Fall Mitrowitza, wenn diese Blatter hinausgohen, schon eingetreten sein dürfte, ä u ß e r st gefährdet. Er kann jedenfalls nur von den Truppenteilen ausgeführt werden, die sich bei Mitrowitza selbst und in der reichsten Umgebung des Ortes befanden.

Alles was weiter südlich noch in der Gegend von Pristina steht, und das scheinen die Hauptkräste zu sein, wird die Gegend von Mitrowitza und den dor­tigen Miß schwerlich noch rechtzeitig erreichen kön­nen. So sind die Serben darauf angewiesen, wenn sie sich nicht freiwillig ergeben wollen, auf dem Amselfelde, an der Grenze ihres Reiches, eine letzte große Waffenentscheidung zu suchen. Ihr Ausgang kann nicht zweifelhaft sein. Die Serben sind -von drei Seiten von oinelm überlegenen, Gegner eingeschlossen und werden von ihm gleichzeitig ange­griffen. In den lebten Tagen >haben sie vergeblich ver­sucht, unter Einsetzung aller ihrer Kräfte über den K a t s ch a n d i k p a tz nach >S ü d e n durchzubrechen. mn die Gegend von Mona st i r zu erreichen, sich mit den noch dort befindlichen, aber ebenfalls schon geschlagenen serbischen Heeresteilen zu vereinigen und mit, ihnen gemeinsam den Anschluß an das Salonikier Expeditionskorps zu suchen. Diese Durch­bruchsversuche sind aber an dem Widerstande der Bulgaren gescheitert, die ihre Stellungen gegen alle feindlichen Angriffe erfolgreich gehalten h-aben.

Sobald auch dieser Teil des serbischen Heeres ge­schlagen und entweder gefangen genommen o.der ver­nichtet ist, bis auf geringe Neste, die sich vielleicht noch nach Montenegro retten können, dann ist der eigen t- liche serbische Feldzug beendet. Denn die serbische Armee als solche ist dann verschwunden und das ganze nordserbische Gebiet bis an die montenegrinische Grenze von den Truppen der Zen- tralmächte und Bulgarien besetzt. Im Hinblick auf diese nahe bevorstchende Entwicklung fragte ein Kriegs­berichterstatter, wie wir mitteilten, den Führer der ersten bulgarischen Armee, den General Bojadjoff: Und wenn die serbische Armee zerquetscht ist, was dann?" Worauf Bofadjeff antwortete:Dann gehen

wir nach Mazedonien, um mit den Kaffern utst> anderen Negern fertig zu werden." Es kommt also, die Abrechnung mit den noch in Südmazedonien, befind­lichen serbischen Truppenteilen und den über die- griechische Grenze vomrarschierten Kräften der En­tente.

Die Lage für die Durchführung dieser Kampfe erscheint außerordentlich günstig. Was, die Stärke­verhältnisse anbelangen, so ist das bitlgarische Heer in seiner Gesamtstärke allein schon dem Salonikier Ex­peditionskorps weit überlegen. Es kann aber im Be­darfsfälle auf weitere Unterstützung aus dem Norden rechnen, denn nach der Niederwerfung des novdserbi- schen Heeres werden dort bedeutende Truppen­stärken verfügbar. Mit der Besetzung des Babnna- gcbirges und der Stadt Prileck und mit ihrem fetzigen erfolgreichen Vormärsche auf Ochrida und Monastir aber bedrohen die Bulgaren die französisch-englische Ausstellung hinter der Cerna und am Wavdarslusse :m' der We-stflairke. Sie stoßen bei weiterer Durch- sührung der jetzigen Angriffsbewegnngen unmittelbar auf die rückwärtigen Verbindungen der Entente- truppen. Schwerlich werden Frankreich und Eng­land in der nächsten Zeit so viel Truppen landen können, daß dadurch das Kräfteverhältnis bedeutend geändert werden kann. Es ist berechnet worden, daß unter günstigsten Verhältnissen, wenn keinerlei Störungen eintretcn, täglich höchstens 5000 Monn tim Hafen von Saloniki gelandet werden können. Es sind also volle drei Wochen notwendig, ehe eine V e r- st ä r k u n g von 100 000 Köpfen eintreffen kann. Die bisherigen Erfahrungen haben außerdem gezeigt, daß

das Eintreffen neuer Truppentransporte _ nie tn un­unterbrochener Folge vor sich gegangen ist, es wurde also wahrscheinlich zur Heoanschafsung , von, 100 000 Mann eine noch größere Zeit erforderlich sein. Aber auch 100000 Mann mrd noch mehr verschaffen den Weltmächten noch lange nicht die numerische Über­legenheit. Me Hoffnung des Generals Bojadjeff, Mit denKaffern und anderen Negern" balb fertig zu werden, erscheint daher vollkommen berechtigt.

Erfolgreicher bulgarischer Kngriff bei Rrivolac.

Vergebliche Bemühungen den Rückzug nach Jpek zu decken.

Budapest, 24. Nov. (Zeus. ©In.) Das geschlagene serbische Heer macht, wie ans Sofia gemeldet wird, An­strengungen, wenigstens Teile der Armee durch die Straße Pristina-Jpck zu bringen. Alle Versuche der Serben, den R ü ck z u g zu decken, endeten mit einer vollkommenen Niederlage. Die Bulgaren sind bereits Herren der strategisch wichtigsten Punkte von Pristina. In der Nabe von Monastir ge­lang ein Angriff auf die befestigte Stellung von K rivolac. Den Franzosen wurden mehrere Stützpunkte entrissen.

Eine neue Schlacht auf dem Kmfelseld.

Pristina vor dem Fall.

Br. Berlin, 34. Nov. (Erg. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der Kriegsberichterstatter der33. Z." im Kriegspreffeguartier meldet: Die Kämpfe der konzentrisch gegen Prjistina vor­dringenden Deutschen und Bulgaren mit den ihre letzte Hauptverbindnngsstelle verteidigenden Serben haben zu einer neuen Schlacht auf dem Amselfeld ge­führt, die mit größter Energie geführt wird und für die Ver­bündeten einen ausgezeichneten Fortgang nimmt. Der Fall von Pristina steht bevor.

Die Auflösung der serbischen klrmee.

Wien, 24. Nov. (Zens. Bin.) Der Kriegsbericht- erstatter borNonen Freien Presse" meldet:Die, Reste der serbischen Armee sind auf der Flucht gegen Mitro- w i tz a und Pristina. Der Gegner versuchte mit letzter Kraft öfters -durch;ustoßen, wurde aber blutig ebgewiosen. Er ist wie in einer großen Falle. Immer wieder setzte er seine ganze Artillerie ein; die übrig gebliebenen guten Truppen konnten die Ar­tillerievorbereitung nicht äbwarten .und stürmten soz-u- iagen kolonnenweise unter blutigen V e r l u st e n. Der Donner ber «deutschen, österr eich isch - un- gar i s ch e n und bulgarischen Geschütze vermischt sich schon. Jri biössm Getöse geht die serbische Armee dem Ende entgegen. Ihre Verbände lösen sich, ganze Gruppen reißen aus, sie wollen weder nach Montenegro, weil dort weiter gekämpft werden müßte, noch an der augenscheinlich, beabsichtigten «Schlacht ans dem Amselfelde teilnehmen. Zu Tausenden kommen sie über die Berge und durch Schluchten, alles wegw>erfend, nur mit einem Stück Brot versehen. Nach ihren Erzählungen wollen _ i>ie R e st e der Armee ruhmvoll auf dem Amsel­feld zugrunde gehen. Die Schlirchten sind voll Muni- tionskisten, zerbrochenen Wagen und Artilleriematerial, ein Beweis der wilden Flucht.

Derselbe Berichterstatter meldet weiter: Von Kur- sumlisa zieht der größte Teil der seckischen Armee auf der Straße nach Pristina gegen Süden. Das Hoch­gebirge hinter sich lassend, ist die Armee immer mehr unserem Feuer ausgesetzt gewesen und immer mehr zu- sammengsschmolzen. Der Berichterstatter berechnet den Rest auf 120- bis 130 000 Mann, deren Wider- standskraft durch den schnellen Rückzug und das ?lt.isbleiben der Hilfe stark erschüttert sei. Me Ver­bände seien stark vermischt. Gefangene einer Division gehörten 12 oder 14 Regimentern an. Sollte der Marsch der vor den Verbündeten abzichendeir Truppen von der Stärke einer Armee über Pristina nach U e s k ü b gelingen, so würden infolge Absplitterung höchstens 50 000 übrig bleiben.

Unstet und flüchtig.

Tie serbische Regierung in Prizrend. Der Kriegsministcr in Saloniki.

W. T.-B. London, 24. Nov. (Nichtamtlich.) Das Rcuter- sche Vurem Meldet aus Atben: Wie von diplomatischer Seite verlautet, hat sich die serbische Regierung von Mitrowitza nach Prizrend begeben. Serbische Abgesandte sind in Saloniki angekommen und haben erklärt, Satz die Regierung bald über Dibra und Monastir eintreffen werde. DemMntin" wird aus dem Haag gemeldet: Der sorbsiche K r i e g s m i n i sie r ist in Saloniki eingetrosfen, um mit den verbündeten Ministern (Kitchcner und Cochin) sich zu beraten.

Oie verfvätete k»i!fe der Landungstruppen.

Die Befehlshaber der feindlichen Armeen.

Budapest, 24. Nov. (Zms. Bln.) Der Bericht- erstatter des BlattesA Sdap" in Sofia hatte emc.

weitere Unterrediunig mit hochgestellten ,S t a bs- ofsizieren, die ihm eckärten, daß die Hrlfe durch die Landungstruppen für SeMen gänzlich ver- spätst sei. Tie Operationen südlich von Strrnmtza lind Krivolac sind im Augenblick zwar defensiv. Die Verbündeten erlitten aber überall große Verluste und mußten sich Zurückziehen, um Verstärkungen abzuwar- ten. Die englisch-französischen Truppen stehm un Nor- den des Doiransees, während die Serben weiter östlich und südlich von Krivolac und Schitka Glava Ausstellung genommen haben. Der,Komman­dant der serbischen Truppen ist Oberst Wasitsch, der der englischen General Mahon, der der srvnzösisckien General Sarrail. In der vorigen Woche versuchte der Feind Kveimal, am K r a s u f I u ß das linke Ufer zu gewinnen und Grads ko zu besetzen. Trotz der erlittenen schweren Verluste gelang es ihm nicht. Vor den Stellungen liegen viele hundert englische und' französische Leichname.

vie Engländer und Franzosen in Mazedonien zur Untätigkeit verdammt.

Rückwanderung der altserbischen Bevölkerung.

Br. Budapest, 24. Nov. (Eig. Twahtbericht. Zens. Bkrr.) Die Hauptkräste der Engländer und Franzosen find dank dem tapferen Vorgehen der Bulgaren lahmgelegt und formen keine Offensive mehr begirmen. Die Bevölke­rung Wserbiens beginnt allmählich, ihre Heimstätte wieder auszusiuchen. Die bulgarischen Behörden sind bemüht» baß Schicksal der Rückwanderer zu erleichtern.

ver offene Donauweg.

Munitivns- und MilitärtranSport in Richtung Bulguriew.

Br. Wien, 24. Nov. (Mg. Dvahtbericht. Jens. Mn.) DaS' Neue Wiener Tagblatt" läßt sich auS Bukarest drahten: Frt dem rumänischen Hafenort K a l a f a t wurde beobach. tet, daß dort vorgestern ein ö st e r r e i ch i s ch e r und ein ungarischer Dampfer mit Schleppern vorüber- kamen. Ans dem österreichischen Dampfer und dem Schlepper befanden sick Munition und Geschütze, auf dem unga­rischen Offiziere und Soldaten. Gestern kam an Kalafat der ungarische DampferTrajan" und der bulgari­sche DampferBelgrad", letzterer unter der Roten» Kreuz-Flagge mit Medikamenten, Sanitätsperso- nal und Roten-Kreuz-Schwestern vorbei.

Griechenland unter dem Druck Englands. Keine Entwaffnung? Die Bedingungen für die Abrüstnag.

Die Angst vor dem Druck der englifchrn Regierung.

W. T.-B. London, 24. Nov. (Nichtamtlich.) Der Athener Mitarbeiter derDaily Mail" hatte etne Unterredung mit dem Justizminister Rhallis, in der der Minister dem! Berichterstatter zufolge sagte, daß, wenn britische, französische und serbische Truppen die griechische Grenze überschreiten! würden, kein Versuch unternommen werden würde, sie zii entwaffnen. Griechenland würde binnen 24 Stunden abrüsten, wenn die Truppen der Entente Saloniki vckietzen. Der Minister klagte über die Hal« tung der britischen Regierung und erklärte, ldas einzige, was Griechenland verlange, sei Frieden, aber Grotzbrrtannren wolle es dazu zwingen, Krieg zu führen und e§ aus- zuhungern. Der Berichtefftatter bemerkt dazu noch, der ganze Zustaird in Griechenland könne seines Dafürhaltens mit dem WortA n g st" auHgedrückt werden.

Line echlenglische Kbleugnung.

Br. Amsterdam, 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Reuter meldet amtlich: Das Ministerium des Äußern gibt bekannt, daß kein griechisches Schiff in den englischen Häfen beschlagnahmt oder zurückbehalten wird und daß keine Blockade über die griechischen Häsen verhängt sei. Hierzu schreibt dieVoss. Ztg.": Es ist eine Spitzfindigkeit, der friedlichen Blockade die Tatsache gegenüberzustellen, daß keine gesetzliche Blockade besteht. Mit dem gleichen Recht kann auch festyestellt werden, daß es keine englische Blockade gegen Deutschland gibt.

Ein neuer gemeinsamer Schritt der vierverbandsmächte.

Die Entwaffnungsfrage Hauptgegenstand.

W. T.-B. Athen, 24. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer amtlichen Mitteilung haben die Gesandten des Bierverbands heute einen geanesnsamen Schritt unternommen, der dir Frage der verbündeten Truppen in Mazedonien zum Gegenstand hatte. Der Schritt trug einen freundschaftlichen Charakter.

Unterredungen des griechischen Gesandten in London.

Nr. Rotterdam, 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der griechische Gesandte in London hatte gestern abend eine Unterredung wieder mit Sir Edward G r e y, wozu auch der italienische und der serbische Gesandte hinzugezogen wurden.

Oie griechische Regierung verlangt Kufklärung wegen der Blockade.

Br. Haag, 24. Nllv. (Eig. Drahtbericht. Zcrrs. Mn.) Ans London wird gemeldet: In parlamentarischen Kreisen ver­lautet, daß die griechische Regierung die Entente um Aufklärung und Angabe der Gründe crnnLt herbe weshalb feie