i Der Roman, j 8
ti==sii Morgen-Beilage der Wiesbadener Cagblatlr. l-—^
Nr. 273.
' Dienstag, 23. November. I9lu.
(21. Fortsetzung.)
©TQßl 5 (Nachdruck verboten.)
Roman von Edela Rüst.
Wulfsen halte sich in seinem Sitz tief nach hinten gelehnt, so daß sein Gesicht rm Schatten war, ans dem heraus er Herbert scharf beobachten konnte.
Herbert merkte es, er stand auf und stellte sich an den Ofen, um sich dem bellen Lichtkreis zu entziehen.
„Starre mich nur nicht auch so an, als ob ich ein Verbrecher bin! Na, oder hattest du dem Alten das Geld bis zu seinem letzten Atemzug gelassen, trotzdem du weißt, wie es anderen mit vollen Händen nachgeworfen wird?! So sage doch etwas . .
„Wenn ich das Geld gebraucht hatte und es meiner Frau recht gewesen ..."
„Gebraucht, gebraucht! Bin ich denn ein Millionär? Die Ansprüche wachsen ins Unendliche und. . ."
„Deine Ansprüche — vergiß das nicht! Ich glaube nicht, daß Dina . . ."
„Gut, denn also meine Ansprüche! Weshalb nicht!? Meine wagenden Ansprüche machen aber, daß mein Haus wächst, und ich versichere dir: Mein Hans stemmt sich nicht dagegen, sondern wächst enorm in seinen Forderungen, - ohne nachzurechnen, woher es kommt. Ich brn also verpflichtet, dalür zn sorgen, einen ganz anderen Fundus zu beschaffen, und daruin habe ich mich entschlossen, meinem reichen Schwiegervater unbequem zu werden. Ich sage dir, ich baue nicht ans Sand!"
„Nielleicht aus dem Orgel-Anger?" t
„Woher hast du das?"
„Es ist bereits davon gesprochen worden."
„Von wein?" ^
„Das ist ja gleich, Herbert! Ich könnte es dir nicht mal genau sagen, wenn ich wollte. Also die Sache bestätigt sich?" .
„Ganz im Vertrauen: ia! Ich werde morgen abschließen. Wie denkst dir darüber?"
„Gar nicht. Ich habe doch keine Geschäftsnase! Was kann ich .da sagen? Man wundert sich nur. daß Petri nicht zugreift — es ist il,m natürlich in erster Hand angüboten morden: er hat es rund ausgeschlagen."
„Weil Petri doch im Grunde ein Kleinkrämer ist, der das Feld nicht übersieht — er traut sich nicht her- an! Er fürchtet sich, ein paar tausend Mark opfern zu müssen, bei denen er nicht IW v. H. einheimst! Aber mit hunderttausend Mark in Händen kann man was machen, sage ich dir."
„Es ist ja möglich, und ich will es dir wünschen. Warum nicht? Als Petri vor dem Tor zu bauen anfing, bat Minf-Hügelchen auch.die Hände gerungen — und jetzt ist der Erfolg da! Also warum nicht?"
Herbert war zu Wulffen auf das Sofa gestürzt und umhalste ihn: „Sichst du. sicher Kerl, das war ein
herziges Wort, darauf habe ich den ganzen Tag schon gewartet! Aber es fiel nicht! Nicht beim Alten und auch nicht bei Dina! Und Mütterchen wollte ich damit noch nicht beunruhigen — sie hätte es wohl auch gestruden: warum nicht?! Nicht wahr, Knut, warum picht?! Ich sage dir, .da siegt 'ne Million wirklich aus
der Straße und niemand sicht es! Trümpe vielleicht —’ der hat's gesehen — — der denkt an einen Rennslall. Zlber er läßt sich Zeit. Er denkt, er kriegt's dann billiger, da ich doch nicht das nötige Kleingeld besitze, wie er denkt. Sichst du, daß ich es dem Trümpe aus den Fingern reihe, che er sicb's vevstcht, das ist noch so mein Nchenpläsier dabei."
„Was hast du eigentlich gegen Trümpe — zwischen euch spitzt sich so etwas zu!"
„Ich habe so allerlei gegen ihn! Ilnd überhaupt, er fällt mir auf die Nerven."
„Dieser indifferente Genußmensch? Der satt und gemächlich sein Geld verzehrt?"
„Ihr nehmt den alle zu gemütlich! Diesen Adonis, der schon ans die Dörfer reitet, weil unsere Damen ihn gar so zuvorkommend behandeln! Er sucht Trauben, die sauer sind — das macht das Jägerherz doch etwas pochen!"
Wulffen lachte. „Ans dem Wege habt ihr euch doch wohl nicht gekreuzt?"
„Ach, verlieren wir über Herrn Trümpe doch keine Zeit! Also gchst du zir Dina?"
„Ich werde ihr heut kein sehr anregender Gesellschafter sein, aber wenn es ihr lieb wäre, gern, lind wo gehst du noch hin?"
„Ich will in den Klub."
Es trat ein tiefes Schweigen ein. Dann hob Wulffen sich aus seinen! Sessel und sagte: „Dann
wollen wir uns aufmachen, in der Nacht kann ich dach nicht in dein Haus einbrechen."
Beim Anziehen in: Korridor sagte Herbert: „Otto Hat heute auch endlich revoltiert."
„Otto? Womit?"
„Er hat heut dem Alten erklärt, daß er Schauspieler wird — wir wußten ja schon lang drum."
Wulffen vergaß, sich den Hut awszulsetzen. „Das wird ja immer hübscher! Und das habt ihr wohl noch unterstützt?"
„Weil es das Einzige ist, wozu er taugen wird! Und gerade weil er Geld hat, soll er doch seiner Neigung leben, die ihn seit der Schulbank beherrscht! Gabriele Barten hat ihn zum Bekennen gebracht. Die beiden.haben sich auch wohl sonst zueinander gefunden, trotzdem ich das ffir ein Unglück halte, für beide Teile. — Davon weiß der Alte natürlich noch nichts. Auch wir vermuten es nmr."
„Armer Lauter!"
„Wieso denn „armer Lauter"? Wenn's Welt«
nichts ist?"
„Na, wie man's nimmt!
Von seinem Standpunkt
aus
„Adieu denn! Grüße Dina!" , .
„Wir werden dich erwarten, also finde in Zelten
y t litt
„Nur keinen Zwang bitte! Bleibe, solange du willst und so lange Dina dich bchält, aber deshalb komme ich nicht früher, als ich eben komme!"
