Wiesbadener TsgblK
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mm^s'«^d," Morgen Äusg ÄRS' Berliner Schriftleitnng desWiesdadenerTagilatts: Berlin^., PotsdamerStr. 121K. Fcrnspr.: AmtLutzow 6202 u.6203. Tagen und Plätzen wird keine Gewahr übernommen.
vienstag, 23. November 1915.
Kbenö-klusgabe.
Nr. 546. - 63. Jahrgang.
Die Zerben bei pristina weiter zurückgeworsen.
Ueber 950« Gefangene. — 5« Geschütze und 22 Maschinengewehre erbeutet.
Kndauernde lebhafte LlrtillerietätigKeit an der französischen Zront. - Lin französistyer Doppeldecker abgeschvsien.
Oer Taoesberiü't vom 23. November.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Nov. (Amtlich.)
westlicher Urietzktchauplatz.
Auf verschiedenen Stellen der Front hielt, durch das klare Wetter begünstigt, die lebhafte Feucrtätigkeit an.
Im P r i e st e r w a l de blieben zwei feindliche Sprengungen erfolglos.
Ein französischer Doppeldecker stürzte bei Aure (in der Champagne) nach Luftkampf ab.
Gestlicher rLifteasfckauplatz.
Keine wesentlichen Ereignisse.
SalkanstrtetzSschauplatz.
Nördlich von M i t r o w i tz a sowie nördlich und nordöstlich von P r i st i n a wurde der Feind in Nachhutkämpfen geworfen, über 1500 Gefangene und 6 Geschütze wurden eingebracht.
Auch die südöstlich von Pristina kämpfenden bulgarischen Kräfte drangen crfolgrrich vorwärts. ES wird von dort die (Gefangennahme von 8 00 0 Serben und eine Beute von 22 Maschinengewehren und 44 Geschützen gemeldet.
Oberste Heeresleitung.
Die Ereignisse «uf dem Balkan.
vor der Entscheidung bei pristina und Mitrowitza. '
Br. Berlin. 23. Nov. (Ctg. Drahtbericht. Jens. Mn.) Bon der Armee Gallwitz meldet der Berichterstatter der „Boss. 3tg.": ES hat den Anschein, als ob der serbische Feldzug, der mit einem überraschend volltönenden Einsatz begonnen hatte, auch mit einem gewaltigen Finale enden werde. Die von allen Gefangenen bestätigte allgemeine Abneigung der serbischen Truppen, nach Verlust des gesamten Landes in fremdes Gebiet zu flüchten und dort weiter zu kämpfen, scheint die serbische Heeresleitung zu veranlassen, sich auf dem Amselfeld bei Pristina zur letzten entscheidenden Schlacht zu stellen. Die Trümmer ihrer Divisionen sind hier zu einer noch aktiv nssähigen Macht vereinigt. Während der letzten Tage unternahmen sie südwärts vereinzelte Durch- h r u ch s v e r s u ch e, die jedoch an dem Widerstand der Bulgaren scheiterten, deren Gegenstöße setzten ihnen so zu, daß sie teilweise in voller Auflösung nach P r i st i n a und Mitrowitza flüchten mußten. Mitrowitza und Pristina sind die l e tz t e n s c r b i s ch e n Stützpunkte. Die Angreifer haben das Hochgebirgsgelände hinter sich. Die weitreichenden Geschütze erreichen in Bälde P r i st i n a. Die Endentscheidung steht nahe bevor.
Oie letzten ttämpfe der Serben und Montenegriner.
Neue Erfolge gegen die Montenegriner. — Die Armee -es Generals v. Gallwitz nur noch 20 Kilometer von Pristina. — Der bedenkliche Zustand der serbischen Armee.
Br. K. und K. Kriegsprcssequartier, 23. Nov. (Eig. Dvahtbericht. Zeus. Bln.) Erfolgreich waren . die Kämpfe am Westabschnitt gegen die Montenegriner. Nach dem Driimubergang bei Mcgjcga wurde der Gegner nun auch westlich davon bei U st i p r a c a an der Pracamündung und Gcrazde z u r ü ck g e d r ä n g t. Die westlich des Lim vordringcndcn Abteilungen säuberten den Nordhang des 1500 Meter hohen Goles und gewannen in der Richtung ans Eajaice gegen den Metalkassattcl Gelände. Zahlreiche Brände kennzeichnen dort den montenegrinischen Rückzug. Die von Nowo Varos nach Süden gerückte Kolonne ^steht im Raume vor Priiepoljc. Sonst ist im Sandschak die Lage unverändert. Die Beute von Novibazar erhöhte sich von den gestern cingebrachten Geschützen auf 64, darunter 50 Mörser. Nördlich von P r i st i n a haben die fortgesetzten deutschen Angriffe den serbischen Widerstand stark geschwächt. Die ihnen folgenden Gruppen der Armee Gallwitz stehen kaum 20 Kilometer von Pristina. Östlich und südöstlich Pristina halten die Serben noch bulgarischen Vorstößen stand. Die große Gesangencnzahl, die auch gestern zu verzeichnen war und die in 12 Tagen gegen 12 000 Mann betrug, läßt den Zustand der serbischen Armee als recht bedenklich erscheine«.
vor dem Eresfen auf dem Kmseifelde.
Berlin, 23. Nov. (Z-ns. Bln.) In einem Kriegsbericht verschiedener Morgenblätter aus Kraljewo über den Sturmschritt nach dem Amselfeld heißt es: Hochgebirge und Schnee haben unsere Truppen nicht hindern können, südlich von Kraljewo in erstaunlicher Schnelligkeit unter Kämpfen weiter vorzudringen. Jeder Widerstand gegenüber- stehender serbischen Divisionen wurde dadurch gebrochen, daß die deutschen Truppen die fast 2800 Meter hohen Gebirgs- kämme erklommen und immer mehr neue serbische Stellungen im Jbartale von der Flanke her Wegnahmen. —DaS Amselfcld ist umstellt. Sollten die Serben auf ihm den Kamps aufnehmen, so wird wiederum, wie im Jahre 1389, ihr Schicksal zu ihren Ungunsten entschieden werden.
Im kjauplquartier des bulgarischen Dberst. krommandierenden.
General Bojadjeffs Überzeugung.
Berlin. 23. Nov. (Zeus. Bln.) Im „23. L.-A." schildert Ku-rt Arcrm eirren Besuch in Nisch bei Gerreval Bojadjeff: Die Stadt macht mst ihren breiten Straßen einen guten Eindruck; sie ist fast unbeschädigt. Der General, ein junger Füirrfziger, sieht aus wie ein echter Soldat, der weiß, was'er will. U. a. erzählte er lächelnd, wie er initcmgösehen habe, daß sich auch Bulgaren. Deutsche und Österreicher durch Gebärdenzeichen verständigtem Die serbische Armee, sagte er, sei in voller Auflösung. AIS Aram die Frage stellte: „Und wenn die serbische Armee zerquetscht ist, was dann, Erzellcnz?", glitt ein sichtlich Helles Leuchten ikber das Gesicht des Generals, der erwiderte: „Dann gehen wir mit vereinten Kräften nach Mazedonien, um mit den Kaffevn und anderen Negern fertig zu werden. Die Frau- zosen landen zwar unausgesetzt Truppen, bis jetzt 100 000 Mann, aber sind wir mit 300 000 Serben fertig geworden, lrerden wir wohl auch bald fertig sein mit diesen Fran- zosen."
Bulgariens Anerkennung für d-e Verbesserung seines Sanitätsdienstes durch die Zentralmächte.
W. T.-B. Sofia, 23. Nov. (Nichtamtlich.) Das offiziöse „Echo de 83ulgarie" zollt in äußerst warmen Worten dem rührenden Wetteifer Anerkennnng, womit man sich in Österreich-Ungarn und Deutschland beeilt, Bulgarien zu Hilfe zu kommen, um die Lücken seines unzureichenden Sanitätsdienstes auszufüllen. Aus Wien, Budapest, 23erlrn, München und zahlreichen anderen Städten kamen und kommen dem. bulgarischen Roten Kreuz reichliche wertvolle Spenden zu. Diese Llusopferung belvegt uns um so tiefer, ails viele von jenen, die gekommen sind, um bei uns unter oft schwierigen Verhältnissen zu arbeiten, Söhne oder ^ Brüder haben, die auf den Schlachtfeldern kämpfen. ^ So. festigt^ sich das an militärischen Er«ebnissen so reiche Bündnis zwischen den Bulgaren und den Völkern Mitteleuropas als eine Quelle moralischer Kraft von großer Fruchtbarkeit.. Wenn alles wieder in ruhige 2)ahnen ziorückgekehrt sesn wird, dcm>n wird man die Bedeutung des großen Creignißes des Zusammen- arbeitens der Bulgaren mit den Österreichern, Ungarn und Deutschen zu ermessen vermögen.
Englische Fliegerbomben auf die Bahnlinie vedeagatsch-Badsna.
Br. Budapest, 23. Nov. (Eig. Trabtbericht. Jens. Bln.) Aus Sofia wird gemeldet: Englische Flugzeuge uvd Htzdroplane bombardieren beständig die Straße und die Bahnlinie Dedeagatsch-Badona, besonders S e r e s, die von den Türken vor Ausbruch des ersten Balkankrieges als wichtige strategische Ver- bindungsstraße ausgebant wurde. Am 19. d. M. wurde diese Straße allein von drei Aeroplanen bombardiert, jedoch erfolglos. Ein Aeroplan erlitt Havarie, konnte jedoch wieder entkommen.
rkuropatbin Oberbefehlshaber der russischen Streitvräfte gegen Bulgarien.
W. T.-B. Paris, 23. Nov. (Nichtamtlich. Drabt- bericht.) „Matin" erfährt, daß General K u r o p a t k i n, bekannt durch den russischen Feldzug gegen Japan, zum Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte gegen Bulgarien ernannt worden ist.
vesichtioung der russischen „Krmee gegen Bulgarien" durch den Zaren.
Br. Bukarest. 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Wie die hiesigen russophilen Blätter melden, wird der Zar und der russische Thronfolger heute mittag mit großem Gefolge in Rvmi die neue von Rußland gegen Bulgarien aufgebotene Armee besichtigen. Der Zar wird 3 Tage in Remi bleiben. Dort sollen 80 000, in Ismail 70 000, in Odessa 200 000 Mann stehen Diese Armee soll mit allem Notwendigen gut ausgerüstet und abmarschbereit sein, so daß
schon in der n ä ch st e n Z e i t n e u e E r e i g u i s s e auf dem Balkan in unmittelbarer Nachbarschaft der rumänischen Grenze zu erwarten seien.
Griechenland und der Vierverband.
Der Abbruch der diplomatischen Berhaudlunge« bevorstehend.
Köln, 23. Nov. (Zeus. Bln.) Die „Köln. Ztz." berichtet von der schlveizerischen Grenze: Einer Meldung der „Stanipa" aus Athen zufolge betrachtet man in Griechenland den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Athen und dem Bierverband als bevorstehend.
Jedenfalls haben wir es hier mit einer stark verfrühten Meldung zu tun, deren Absicht wohl in der Hauptsache Erregung von Sensation ist.
Griechenland bleibt in der §rage der Entwaffnung übertretender Serben fest.
Br. Scheveniugen, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Die Gesandten Griechenlands in Paris und London gaben eine Erklärung ab, die Athener Regierung werde nach wie vor die Ausschiffung der Ententetruppen in Saloniki in keiner Weise belästigen, könne jedoch den Übertritt bewaffneter Serben nach Griechenland nicht zn- lassen. So mit bleibt das Ultimatum der Entente wirkungslos. Man glaubt n i ch t, daß die Entente außer der Blockade andere Gewaltmittel anwenden wird.
Du« Sdsieftfa! oriechischer Schiffe in Gibraltar
Br. Rotterdam, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Times" wird berichtet, daß die griechischen Reeder ihre, Schisse in den mrßereuiropäischen Häfen zwrückhalten. Sie wollen die Weisung ihrer Regierung abwcrrten, um nicht z» riskieren, daß ihre Schiffe auf hoher See seien, wenn es z« Verwicklungen käme. Gerüchtweise verlautet, daß in Gibraltar fiinf griechische Schiffe zurückgehalteu und vier griechische Schiffe von englischen Kreuzern nach Malt« verbracht wurden.
Oie neue 5lthener Protestnote.
Griechenland will nicht den Krieg gegen unseren Bicrbunb.
Br. Genf, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Das Pariser Auswärtige Amt erwartet morgen den vollständigen Text der Athener Protestnote. Über den Inhalt der Protestnote verlautet, Griechenland sehe sich durch die im Namen des Vierverbands ausgesprochene Drohung Kitcheners nicht zur Eröffnung der Feindseligkeiten gegen Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei veranlaßt, es willige aber in die Z u r ü ck - zichung seiner Beobachtungstruppen aus dem Grenzgebiet in der von Kitchener angegebenen Ausdehnung.
Die englische Presse zur Blvckadccrkläruug gegen Griechenland.
W. T.-B. Rotterdam, 23. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Nienwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Fast alle Matter legen die Erklärung der britischen Gesandtschaft in Athen dahin aus, daß sie die Ankündigung der Handelsblockade gegen Griechenland bedeute. Die Blätter legen Nachdruck daraus, daß die Alliierten Griechenland nicht mit in den Krieg hineinziehen, sondern lediglich sich selbst schützen wollen. „Daily Mail" schreibt: „Eine voll- stäichige Mockade würde Schwierigkeiten mit den Neutralen zur Folge hoben. Griechenland könne schon dadurch genügend in die Enge getrieben werden, daß die Alliierten die Handelsbeziehungen mit dem Lande abbrechen und seine Frachtschiftahrt lahmlegen." — Die „Times" bemerkt u. a.: „Die Gerüchte über die Mockade Griechenlands seien stark übertrieben. Die Vevbandsmächte erkennen an, daß sich KönigKonstantin in sehr schwieriger Lage befinde, urck nehmen an, daß er sich hauptsächlich durch die Sorge um die Wohlfahrt des eigenen Landes leiten lasse. Wenn der König und seine Ratgeber einen verständigen Weg einschlügen und die griechischen Truppen demobilisierten, würde dis Lage sofort erleichtert und auch die heikle Derfassungsfrage beseittgt werden."
weitere Einzelheiten zum Besuch rritchener» in kkthen.
Elemenccau für sofortige Aufgabe des SalonikninternehmenL.
Br. Lugano, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Eorriere della Sera" erhielt aus Athen folgende Einzel, heilen über den Besuch Kitcheners. Die Unterredung zwischen S k u l u d i s und K i t ch c n er dauerte 1% Stunden. In Athen herrscht nach dem Bericht des „Corriere" lebhafte und wachsende Aufregung Die Regierung hat stark«: Maßregeln zur Auftecksterbaltung der öffentlichen Ordnung treffen müssen. W: e die Krisis gelöst wird, ist nicht voraus. zusehen. Viele wollen eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem Vierverband und Griechenland nach dem Besuche Kitcheners feststellen können, während
