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Verlag Langgafse 21

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Dienstag, 23. November 1913.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 545. - 65. Jahrgang.

Erfolgloser Fortgang der italienischen Offensive.

weitere Fortschritte und Siegesbeute in Serbien. Oie 3urückdrängung der Montenegriner. - Desterreichisch-ungarrsche Truppen vor prifc- polje.-ImIdartale 20 Um. vor Mitrowitza. Der Vormarsch auf pristina.

D-»r österreichisch-'ungarische Tagesbericht

W. T.-B. Wien, 22. Nov. . (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 22. November, mittags:

Russischer Rrregsschauplatz.

Nichts Neues.

Italienischer Nri-g§lchauplatz.

Die Italiener setzten den Angriff auf den ganzen Görzcr Brückenkopf ebenso hartnäckig wie erfolglos fort. Besonders erbittert war der Kampf im Abschnitt von Oslo- v i j a, wo die bewährte dalmatinische Landwehr, unterstützt durch daS tapfere K r a i n e r Infanterieregiment Nr. 17, den vorgestern noch in Feindcshand gebliebenen Teil unserer Stellung vollständig zurnckcrobertc. Der Südteil der Podgora wurde fünfmal angegriffen. Die verzweifelten Vorstöße der Italiener brachen jedoch teils im Feuer, teils im Hnndgranatenkampf zusammen. Im Ab­schnitt der Hochfläche von D o b e r d o waren die Anstrengun­gen des Feindes hauptsächlich gegen den Raum von San Martina gerichtet. Nach starker Artillerievorbereitung versuchten die Italiener hier in unsere Kampffront einzu- dringcn. Ein nächtlicher Gegenangriff brachte aber das Verlogne bis auf ein kleines vorspringendes Graben­stück wieder in unseren Besitz. Nördlich des Brückenkopfes von Görz überschritten schwächere feindliche Kräfte südlich Zagora den Jsonzo. Abends war aber das linke Flnßufer von diesen Italienern wieder gesäubert.

An der Tiroler Front hat es der Gegner in letzter Zeit auf den Col di Lana besonders abgesehen, wohl um seinen zahlreichen Beröffcntlichungen über Erfolge in diesem Ge­biete gerecht zu werden. Das italienische schwere Geschützfeucr war hier heftiger denn je; drei Angriffe auf die Bergstütz: wurden a b g c w i c s e n.

Südöstlicher Rr-ecis ^ouvlatza

Die im Oiebiet von C a p n i c e kämvfenden k. k. Truppen warfen die Montenegriner aus ihren Stellungen am Nord­hang des G o l e s - B e r g e s. Auch östlich von G o r a z d e sind Gefechte im Gange. .

Eine österreichisch-ungarische Gruppe aus Novovaros nähert sich P r i j e p o l j e. In Novibazar erbeutete die Armee des Generals v. Kocvcß 5V Mörser, 8 Feldgeschütze, 4 Millionen Gewehrpatronen und vieles Kriegsgcrüt, Ter nordöstlich der Stadt verbliebene Feind wurde von deutschen Truppen vertrieben, in deren Hand er 300 Gefangene zurücklicß.

Die im I b a l t a l e vordringende österreichisch-unga­rische Kolonne erstürmte gestern tagsüber 20 Kilometer nördlich von M i t r o w i tz a drei hintereinanderliegende serbische Stellungen. In der Dunkelheit bemächtigte sic sich durch überfall noch einer vierten, wobei 200 Gefangene eingcbracht und 6 Geschütze, 4 Maschinengewehre, eine Muni­tionskolonne und zahlreiche Pferde erbeutet wurden. Die Armee deS Generals v. G a l l w i tz nahm in erfolgreichen Kümpfen südlich des P r e p o l a c - Sattels 1800 Serben ge­fangen. Hstlich und südöstlich von Pristina gewinnt der Angriff der ersten bulgarischen Armee trotz zähesten ser­bischen Widerstandes stetig an Raum.

Der Stellvertreter deS Chefs des GeneralstabcS: v. H ö f e r, Feldmarfchalleutnant.

«

Amtlicher bulgen ^er Bericht. Energisches vorwSrtsgehen der Gffensive. Ver Vormarsch auf pristina. wieder 3000 Serben gefangen.

W. T.-B. Sofia, 22. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht vom 18. November: Tie Operationen ent­wickeln sich günsti g für uns auf der ganzen Front. Wir nahmen noch 1200 Mann gefangen.

Amtlicher Bericht vom 19. November: Die Offensive geht energisch vorwärts. Nach erbitterten Kämvfcn haben sich unsere Armeen Pristina von Norden und Süden ge­nähert. Wir nahmen 180 0 Mann gefangen, dazu eine halbe Schwadron Kavallerie.

Die bevorstehende Entscheidung auf dem Kmselfeld.

Einschließung der serbischen Truppen im Süden bevorstehend?

Br- Sofia, 22. Nov. (Gig. Drahtbcricht. Zeus. Bin.) Durch die letzten großen Waffenerfolge der Bulgaren, nament­lich durch die Einnahme von Goftivar und P r i l e p, er­scheint die südliche serbische Heeresgruppe endgültig von ihrer Hauptkraft abgeschnitten und in den Raum von Monastir-Ochrida-Dibra gedrängt. Da den Bulgaren der Weg nach Monastir offen steht und sie durch den Vorstoß dort­

hin den Serben den Rückzug auf griechisches Gebiet ab- schneiden, andererseits die Serben aus diesen: Raum schwerlich über das albanische Grenzgebiet entweichen können, dürste die südliche serbische Heeresgruppe wahrscheinlich vollständig eingeschlosscn werden. Die nächsten Tage werden wohl auch über das Schicksal der serbischen Hauptkraft im Raum Mitrowitza-Novibazar entscheiden. Schwere Känrpfe wickeln sich auf der L-inte G^lana- Pristina ab, wo die Serben, die sich der Einklammerung voll bewußt waren, stärkeren Widerstand leisteten. An der gleichen Stelle, bei K o s s o w o, wo vor einem halben Jahr­tausend der siegreiche Türkensultan Mura den Serbenstaat vernichtete, wird König Peters Macht brechen.

Ver Rückzug ver montenegrinischen Sandschakarmee.

Montenegrinischer Bericht.

IV. T.-B. Cettinje, 22. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 21. November: Aus der serbisch-montenegrinischen Front mußten wir am 19. November energische Angriffe gegen den Fluß L i m anshalten. Unsere Sandschak- Armee zog sich auf die Hauptverieidigungsstellcin zurück.

Rcidoslaworvs frohs Zuversicht.

Br. Budapest, 22. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) DerPester Lloyd" meldet nach demB. T." auS Sofia: Radoslawow erklärte gestern, die Lage entwickele sich über alles Erwarten günstig.

Eine buigarrsche Warnung für das Expeditions­korps in Mazedonien.

Ein Serbien gibt cs in einigen Tagen nickst mehr.

W. T.-B. Sofia, 22. Nov. (Nichtamtlich. Meldung der Bulgarischen Telegravhen-Agentur.) DaSEcho de Vulgärst" gibt den Auftatz des ehemaligen französischen Antimititaristen Herbe lvieder, der die Entthron n n g von König Konstantin oder die W i e d e r e i n sch i f fu n g von Truppen der Alliierten fordert, und bemerkt dazu: König Konstantin ist nicht zu entthronen. Griechenland ist nicht Tunis oder Marokko, Dahomey oder Madagaskar. König Konstantin ist nicht ein kaunr bekannter Fürst, der von der Gnade von Paris oder Lortdon lebt, sondern im Gegenteil ein Herrscher, der durch den Willen des griechischen Volkes regiert und von dessen Anhänglichkeit umgeben ist. Unter diesen Umständen bleibt den in Mazedonien gelandeten Fran­zosen nichts mederes übrig, als sich wieder einzuschiffen und sich ans Saloniki zu trollen, wie Herde sagt. Die französi­schen Soldaten, die das Feuer der Bulgaren bei Krivolac und an der Ccrna zu fühlen bekamen, haben diese Wahrheit be­griffen und fragen sich verblüfft: Warum schlagen wir uns mit den Bulgaren? Und in der Tat, um welcher Unter­nehmung willen hat denn die Regierung -der dritten Republik General Sarrail nach Mazedonien entsandt? Ein Ser­bien gibt es nicht mehr und in einigen Tagen wird die bulgarische Armee eines hartnäckigen Gegners et: t- l e d i g t sein und, durch die mächtigen Verbürweten verstärkt, von den Eindringlingen Rechenschaft fordern, die ihren Fuß auf den geheiligten Boden Mazedoniens gesetzt haben. Mit der Todesverachtung, die unsere Regimenter beseelt und die Bewuiwenung unserer Gegner erweckt, werden wir die Ein­dringlinge endgültig zerschmettern. Dann werden sich die Überlebeisten dieser schändlichen und unsinnigen Expe­dition an ihre Regierungen wenden und sie fragen können: Warum habt Ihr nnS in einen sicheren und zwecklosen Tod gesandt?

Die Wiederaufnahme desGrrentexprehverkehrs in 14 Tagen zu erwarten?

Hi.-. Sofia, 22. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Jens. Btn.) Hiesige maßgebende Kreise versichern, die Aufnahme des Orient- Expreß Verkehrs werde in etwa 14 Tagen erfolgen.

Die qrrechNck-bnlaari'r« en Beziehungen.

I-. Berlin, 22. Nov. (Eig. Meldung. Zens. Btn.) Bei dem jetzigen Stand der Kriegslage auf dem Balkan, der für die Serben und die Ententetruppen, wie sie selbst nicht mehr leugnen, verzweiflungsvoll geworden ist, bleibt die Frage von höchstem Interesse, wie sich die vulgär:sch - griechischen Beziehungen in dieser kritischen Periode ge­stalten. Nach unseren Ermittlungen siist diese Beziehungen auch weiterhin gut zu nennen. Es besteht offenbar aus beiden Seiten der Wunsch, alle Reibungen zu ver­meiden und vielleicht noch unerledigte Probleme einer späteren Zeit zu überlassen, was von beiden Seiten eure freundliche Gesinnung voraussetzt. Bulgarien hat und das wird man in Athen anerkennen alles vermieden, was als eine Bedrohung der griechischen Neutralität ausge- tegt werden könnte, trotz d:s erschwerenden Umstandes, daß ans dem neutralen griechischen Boden ein feindliches Heer im Aufmarsch ist. Die Drohungen kamen: allein vom Bier- Verband. Übrigens ist man in hiesigen diplomatischen Kreisen der Änsicht, daß es dem Vierverband mit der in Aus- sicht gestellten Blockade der griechischen Küste nicht Ernst war. Es handelt sich um einen in der Überstürzung ver­suchten Muff, der die Athener Staatsmänner wahrlich nicht erschrecken könnte. Schon flaut auch das angedrahte Unge­witter ab und die Vertreter Englands und Frankreichs führen bereits eine bescheidenere Sprache.

Griechenlands weitere Stellungnahme.

W. T.-B. Athen, 22. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: über die Unterredungen KitchenerS mit

dein König und dem M : n i st e r p r ä f id e nt e n wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Es ist aber offenbar keine wichtige Veränderung in der Lage eingetreten. Die Regie­rung erklärt sich nach wie vor bereit, die Folgerungen der Entzerrte im weitesten Sinne zu erfiillen, so weit Griechein- laitds Beziehungen zu den anderen kriegführenden Mächten dadurch nicht ernstlich leiden.

3u Ritcheners Athener Besuch:

Die Frage des Rückzugs auf griechisches Gebiet.

W. T.-B. Amsterdam, 22. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbc­richt.) Einem hiesigen Blatte zufolge meldet der Berichter­statter derTinres": Die Unterredungen Kitcheners mit dem König von Griechenland und dem Ministerpräsidenten haben die Aussichten auf eine gütliche "Lösung der Frage, wie die Truppen der Alliierten zu beharsteln seien, wenn sie auf griechisches Gebiet flüchten würden, günstig er­scheinen lass-en. Der Besuch Kitcheners in Athen kam ga:H unerwartet. Kitchener war vom britischen RegievnngS- komMissar in Ägypten, Sir Henry Mac Mahon, dem Kommandanten der britischen Truppen in Ägypten Max­well, dem General Horne> Oberst Fitzgerald be­gleitet. Die griechische Regierung gab Kitchener zwei hohe Offiziere bei. Der britische Gesandte gab gestern zu Ehren Kitcheners ein Frühstück, bei dem auch der Chef des griechi­schen Generalstabes anwesend war. Nachher fand ein Empfang statt.

Eine gütliche Regelung bevorstehend?

W. T.-B. Athen, 22. Nov. (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Gestern nachmittag hatte Kitchener nach dem Besuche Sku- l u d i s bei Kitchener auf der englischen Gesandtschaft eine zweistündige Besprechung mit dem General Dusmanis und Oberst MetaxeS, dem ersten und zweiten Gcneral- stabschef der griechischen Armee. Politische Kreise legen dev Besprechung, der auch die höheren englischen Offiziere, die zu Kitcheners Gefolge gehören, beiwohnten, große Bedeutung bet. Das RegierungsblattEmbros" versichert, der Könrg und die Regierung haben gestern Kitchener formelle Zusiche­rungen gegeben, daß Griechenland in keinem Falle feind­selige Maßnahmen gegen die Verbündeten des Vierver­bandes ergreifen würde und daß für die gegenivärt^en Meinungsverschiedenheiten eine versöhnliche Lösung ge­funden würde.Embros" fügt hinzu: Diejenigen, die gestern Gelegenheit hatten, sich Kitchener nach seinem Besuche beim König u:rd Skuludis zu nähern, hatten den Eindruck mitge­nommen, daß jetzt die schwebenden Fragen viel von ihrer Schärfe verloren haben. Kitchener und sein Gefolge haben Athen gestern abend spät verlassen.

Die Behinderung der griechischen Schiffahrt durch die Ententcflotte.

W. T.-B. London, 22, Nov. (Nichtamtlich.) DieTimes" meldet aus Athen: Die Schiffe'der alliierten Flotten haben alle griechischen Dampfer im Ägäischcn Meer und im Mittei- meer einer strengen Untersuchung unterzogen.

Italien und Ritcheners Aufenthalt auf dem Balkan.

Br. Amsterdam, 22. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Aus Lonidon erfährt her Berichterstatter der Voss. Ztg.": Asqnith hat von Kitchener einen Bericht empfangen, über seine Verhandlungen mit der italie­nischen Heeresleitung unid den Ministern. DcrMinistcr- rat, dem dieser Bericht gestern abend vorlag, ist mit dem ersten Erfolg Kitcheners zufrieden. Die Mitarbeit der Italiener wird sich aus die Tätigkeit der Flotten und einer kleineren Truppen­abteilung bei den Balkanopcrationen beschränken. Diese Landtrnppen werden dem französischen Kommando angeschlossen. Italien hat dafür neue Zugeständnisse ans finanziellem Gebiete erhalten.

Ein italienischer Feldzug nach Syrien?

Br. Lugano, 22. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) DerSccolo" meldet, :n Rom nehme die Stimmung für einen Feldzug nach Syrien zur Unterstützung der aufftändischen Drusen in Libanon zu. Es scheint sich um einen Versuchs­ballon zu handeln für den Fall, daß die albanische Un­ternehmung nicht zustande kommt.

Der amtliche türkische Bericht,

IV. T.-B. Konstantinopel, 23. Nov. (Nichtamtlich.) Amt­licher Bericht: Aus der Dardancllenfront Artillerie- kampf. Bei Sedd-ül-Bahr heftiger Kamps mit Bomben. Aus den übrigen Fronten, abgesehen von Plänkeleien zwischen Patrouillen, nichts von Bedeutung.

Eine türkische Scnitätsmission auf der Reise nach Berlin.

W. T.-B. Sofia, 22. Nov. (Nichtamtlich. Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Die türkische Scmitäts- mission, mit dem Senator F nah-Pascha an der Spitze, ist aus dem Wege nach Berlin gestern nacht in Sofia etn- getroffen.

Oer englische Vormarsch, auf Bagdad.

Der etwaige vorübergehende Fall Bagdads eine Erscheinung von untergeordneter Bedeutung.

I.. Berlin, 22. Nov. (Eigne Meldung. Zens. Bln.) Ein Bericht behauptete dieser Tage, der englische Vormarsch auf