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Samstag» 20. November 1915.
Morgen. Ausgabe.
Nr. 541. ♦ 63. Jahrgang.
Die Montenegriner bei Sriboj erneut geschlagen.
Görz wird weiter planmätzig beschossen. — Trotze Srände in derStadt. — Oie österreichischen Stellungen am Monte San Michele werden behauptet. — 2m Vormarsch auf pristina. — ver Iantrov Ranen überstiegen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 19. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 19. November, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisic.
Italienischer Rriegrschauplatzi
Die italienischen Angriffe an der Jsonzofront haben wieder begonnen. Wie bei den letzten großen Kämpfen richteten sie sich auch diesmal hauptsächlich gegen den Raum von Görz. Der Brückenkopf steht unausgesetzt unter schwerem Geschützfeuer. Angriffsversuche gegen O s l a v i j o und ein starker Borstoß gegen die Podgorahöhe wurden abgeschlagen. Die planmäßige Beschießung der Stadt dauerte vormittags vier, nachmittags über zwei Stunden an. 3009 Geschosse aller Kaliber wurden diesem Zerstörnngswerk gewidmet. Sie verursachten große Brände. Der militärische Schaden ist gering, dagegen ist die Einwohnerschasfj durch Verluste an Menschenleben und Eigentum schwer getroffen. Im Nordabschnitt der Hochfläche von D o b e r d o griff der Feind abermals heftig an. Am Nordhang dktz Monte San Michele drang er mehrmals in unsere Stellung ein; die erbitterten Nahkämpfe endeten jedoch für unsere Truppen mit der vollständigen Behauptung ihrer ursprünglichen Kampslinie, alle Vorstöße gegen den Abschnitt von San Martina scheiterten unter den schwersten Verlusten für die Italiener. Ebenso mißlangen an der Front nördlich deS Görzer Brückenkopfes zwei starke Angriffe des Feindes bei Z a g o r a, mehrere schwächere im Vrsic-Gebiete und im Raume von Flitsch. Einer unserer Flieger bewarf die Tuchfabrik von Chio mit Bomben.
Südöstlicher Kriegs'«hauplatz.
Die Montenegriner wurden bei G r i b o j erneut geschlagen. Unsere Truppen rückten unter dem Jubel der mohammedanischen Bevölkerung im Sandschak ein. . Die Vorhuten unserer in Westserbien operierenden Streitkräfte stehen vor Nova Varos und in S i e n i c a. Eine Kolonne hat den 1931 Meter hohen Jankov Konen übrrgnrrt. Die deutschen Divisionen des Generals v. Koeveß gewannen die Gegend von Raska; südöstlich von ihnen kämpfen am Fuße der Kopaonik Planina österreichischungarische Truppen. Das Borrücken deutscher und bulgarischer Divisionen gegen das Becken von Pristina macht Fortschritte.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralftabeS: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Die vulgaren bereits auf albanischem Gebiet?
Die Serben am Babunapaß bis auf einige Tausend zusammengeschoffen.
Br. Rotterdam, 19. Nov. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bin.) Nach London wird gemeldet, daß die serbischen Truppen, welche bisher am Babunapaß standhielten, bis auf einige Tausend zusammengeschrumpft sind, die jetzt ohne Lebensmittel und Munition »ach Albanien oder Griechenland sich zurückziehen müssen. Die Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden des Landes sei vollständig unterbrochen. Die Bulgaren erreichten albanisches Gebiet.
Ern Ultimatum an Griechenland?
England und Frankreich wollen den militärischen Anschluß an den Bierverband erzwingen.
Br. Wien, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Wie verlautet, gedenken England und Frankreich in nächster Zeit ein Ultimatum an Griechenland zu richten, in welchem der militärische Anschluß Griechenlands an die Bierverbandsmächte gefordert wird. Es gilt jedoch als ausgeschlossen, daß jetzt die griechische Regierung und der König sich der Forderung eines solchen Ultimatums fügen würden.
Br. Amsterdam, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Reuter meldet: „Star" veröffentlicht einen Drahtbericht fernes rumänischen Mitarbeiters, der aus diplomatischer Quelle erfahren haben will, daß das Ergebnis der von den Vierverbandsdiplomaten in Athen unternommenen Schritte F r e i -
t a g oder Samstag zu erivarten ist. Ein sofortiges Handeln sei jedoch sicher, da die Verbündeten nicht die geringste Verzögerung dulden würden. Die notwendigen Vorbereitungen seien bis ins einzelne beendet und Italien würde eine höchst wichtige Rolle dabei spielen.
Eine griechische Zrieüenspartei.
Br. Konstantinopel, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie aus Athen hierher gemeldet wird, wurde dort zur Unterstützung der Regierung eine neue Partei, die sich Friedenspartei nennt, begründet. Der neuen Partei traten bereits mehrere Abgeordnete bei, die sich bisher bei entscheidenden Abstimmungen in der Gefolgschaft Venizelos befunden haben.
Denys Cochin bei König Konstantin.
W. T.-B. Paris, 19. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Petit Parisien" meldet: Denys Cochin wurde gestern vom König in einstündiger Audienz empfangen.
Massenverhaftungen auf Rreta.
Berlin, 19. Nov. Der „L.-A." meldet aus Lugano: Nach Meldungen aus Athen sind mehrere Parteigänger Venizelos auf Kreta wegen Hochverrats angeklagt worden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Ein Aufruf der Albanier an Effad-Pascha.
Br. Budapest, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Korfu wird nach Athen gemeldet: Die Oberhäupter der albanischen Stämme richteten einen Aufruf an Effad- Pascha, sich mit den Aufständischen zu vereinen und gegen die Serben zu marschieren, damit diese nicht in Albanien ein- dringen können. Sie machten Effad-Pascha darauf aufmerksam, daß er, wenn er dem Aufruf nicht Folge leistete, als Verräter gebrandmarkt wird.
vas militärische Schauspiel für RitchenLr auf Gallipoli mitzglückt.
Br. Genf, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ilm Kiichener bei seiner gestrigen Ankunft auf Gallipoli durch einen möglichst günstigen Tagesbericht zu erfreuen, unternahm die dortige Heeresleitung der Verbündeten gleichzeitig Angriffsversuche bei Anaforta und anderen Hauptpunkten. Doch blieben diese trotz enormer Munitionsverschwendung und Opferung einiger Kompagnien Kolonialtruppen völlig ergebnislos. Über die am Montag, Dienstag und Mittwoch auf der Insel Mudros unter seinem Vorsitz abgehaltenen Beratungen äußerte Kitchener nur allgemein, daß nach allzu langem, nicht durch die Militärs, sondern durch die Politiker verursachten Zaudern jetzt zwischen allen in Betracht kommenden Autoritäten Frankreichs, Englands und Italiens bezüglich der Gemeinsamkeit ihrer Ziele und Mittel Überein st immung hergestellt sei, daß auch Rußland nach Maßgabe seiner Kräfte an den innerhalb und außerhalb Europas geplanten Aktionen sich beteiligen wolle.
Br. Wien, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die „Allg. Ztg." meldet aus Lugano, daß laut „Corriere della Sera" am 23. d. M. die Anhänger G i o l i t t i s in Turin unter dem Vorsitz Giolittis zu einer Beratung zusammentreten. Es scheint sich zu bestätigen, daß Giolitti selbst den Parlamentsverhandlungen fernbleiben wird. Nur Vertreter der Partei werden dort deren Standpunkt darlegen.
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Nikolai Mkolajewitschs Türkenverfolgung im Raustasus
Br. Pera, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der bekannte Führer der russischen Mohammedaner, Achmed Agajew, machte hier heute in einer Unterredung in- tereffante Mitteilungen über die Erregung unter den Mohammedanern im Kaukasusgebiet. Nach der Ankunft des Großfürsten Nikolai in Tiflis begann eine richtige Türkenvcrfolgung, da das Scheitern des Angriffs auf die Dardanellen in Rußland die Furcht vor einem neuen türkischen Vorstoß nach dem Kaukasus geweckt hatte. Alle einflußreichen Persönlichkeiten sind eingekerkert worden. Viele jung» Männer wurden auf Befehl des Großfürsten gehenkt. Die russische Regierung hat den Gebrauch der türkischen Schriftsprache und der Schrift in Briefen streng verboten. Die Erregung unter den Türken im Kaukasus ist daher äußerst groß.
Ein neuer plan Rußlands?
Trotz aller Heimlichkeiten mehrt sich die Zahl der zuverlässigen Nachrichten, daß Rußland in der äußersten Südwestecke seines Reiches starke Truppemnaffen zusammenzieht, um aus ihnen eine neue Armee zu bilden. Diese in B e s s a r a- bien gesammelten Kräfte scheinen die Aufgabe zu haben, nach Rumänien zu marschieren, um den Rücken der siegreichen Zentralmächte und die Flanke Bulgariens zu gefährden. Aus diesem Grunde die zunehmenden Truppentransporte nach Beffaradieu.
Beffarabien ist der südwestliche Teil des europäischen Rußland zwischen dem Pruch und dem Dnjestr. Es grenzt im Westen an Rumänien, im Nordwesten an Galizien und die Bukowina. Die Bewohner sind überwiegend Rumänen, außerdem Russen, Bulgaren, Armenier, Griechen, Zigeuner und Tataren. Der nördliche Teil ist ein frucht- bares Land. Die bedeutendsten Flüsse liegen an den Grenzen des Gouvernements. Das Land treibt hauptsächliche» Landwirtschaft Die Hälfte des Ackerlandes ist mit Wetzen bedeckt Die Gewinnung von Salpeter, Salz, Marmor, Kalk ist für Beffarabien in wirtschaftlicher Hinsicht äußerst wichtig. Der Handel beschränkt sich meist auf die Ausfuhr der Produkte der Viehzucht, des Weinbaus und des Ackerbaus. Hauptstadt Bessarabiens, zugleich Sitz des Zivilgouverneurs, ist K i s ch i n e w. Als Übcrgangsland aus den südrussischen Steppen in die Donauniederungen spielte Beffarabien in der Geschichte der Völker und Kriegszüge aller Zeiten eine wichtige Rolle. Deutlich erkennbare Überreste aus der Zeit der Römerherrschaft sind die noch im Land zu findenden Römer- schanzen. Die nördlichste von ihnen teilt das Land in die beiden Hälften. Eine zweite Römerschanze zieht sich durch das südliche Beffarabien Eine dritte läuft durch die Dobrudscha in drei Linien von der Donau bis zum Hafenort Konstanza arn Schwarzen Meer. Erst im 13. Jahrhundert nahm der Volksstamm Besitz von dem Lande, nach welchem es später den Namen erhielt Nach langen Kämpfen zwischen Türken und Russen siel es schließlich durch den Frieden von Bukarest am 28. Mai 1812 an Rußland. Im Pariser Krisen vom 30. März 1856 wurde das Stadtgouvernement Ismail und der größte Teil des kagulschen Kreises an die Moldau abgetreten. Im Berliner Frieden von 1878 wurde Beffarabien Rumänien entrissen und an Rußland zurückgegeben. Das sind die drei w i ch t i g st e n Denksteine in der jahrtausendealten Geschichte dieses Grenzlandes.
Von größeren Verkehrslinien durchschneidet das nördliche Beffarabien die Eisenbahn Tschernowitz-Jelisawet- grad, das südliche der Schienenstrang Jaffy-Bender-Odeffa und Remi-Bender Diese letztere Eisenbahn wird durch die Festung Bender gesperrt, bestehend aus einer Stadtumwallung mit sechs vorgeschobenen Werken Seit dem Jahre 1887 ist sie nur Depotfestung. Die zweite russische Festung am Dnjestr, Chotin, ist gänzlich verfallen- In den russisch-türkischen Kriegen der früheren Jahrhunderte spielte sie eine große Rolle. Seit 1812 zu Rußland gehörend, wurde Chotin 1856 entfestigt.
Der Verlust von Beffarabien im Jahr 1878 wurde von den Rumänen bitter empfunden. In äußerst gefahrvoller Lage bat im Jahre 1577 der russische Oberbefehlshaber den damaligen Fürsten Karl um Hilfe gegen die Türken-. Fürst Karl eroberte Plewna, erzwang mit rumänischen Truppen die Übergabe der Festungen Bahora und Vidin. Zum Lohn sollte Rumänien entsprechend dem gemeinsamen Abkommen Beffarabien von Rußland zurückerhalten. Das Gegenteil trat ein. An Stelle des fruchtbaren Beffarabien erhielt Rumänien die öden Steppen der Dobrudscha. Dieser beispiellose Treubruch Rußlands ist in Rumänien nie vergessen worden. Erzwingt daher Rußland den Einbruch in rumänisches Gebiet, so stoßen seine Truppen auf die Bajonettspitzeu von etwa einer halben Million Rumänen. Es trifft einen vollwertigen Gegner, welcher seit Jahrzehnten durch keinen Krieg geschwächt worden ist. Die rumänische Sperrfortskette an den Ufern des Pruth und der Donau bilden ein ernstes Hindernis für einen Uferwechsel von Ost nach West. Rußland trifft auf einen vollwertigen Gegner und wird sich daher nicht leichten Herzens in ein so gefahrvolles Abenteuer stürzen. Die militärischen Schwierigkeiten wachsen für den Angreifer, wenn seine Truppen die Dobrudscha betreten. Der Mangel an Wegen, Verpflegung und Undackunft sind einem Vormarsch nach Westen wenig günstig. Ein gleichzeitiger Angriff von der Seeseite bietet wenig Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Die bulgarische Küste bewies bereits zur Genüge die Stärke ihrer Verteidigung. Eine Landung an dieser Küste ist ein Unding. Die Häfen Rumäniens sind wenig für Überseeunternehmungen geeignet. Eine Operationsbasis, ähnlich der von Saloniki, fehlt auch hier. Das bisherige hier erzielte Resultat dürfte wenig ermunternd auf Rußland wirken.
Auf der Südwestecke seines Riesenreiches steht Rußland ohne Zweifel in dem Stadium der Kräftesammlung und Gruppierung. Der günstige Augenblick zu einem schnellen Angriff gegen die Sieger auf dem Balkan ist verronnen. Vielleicht bezwecken die gegenwärtigen Truppenansammlungen in Beffarabien aber auch nur einen _ letzten diplomatischen Druck aus Rumänien und' sollen dazu dienen, starke deutsche Kräfte von der Ost- und Südostftont nach der Bukowina abznziehen Trotz dieser sich dort zusammenziehenden Gewitterwolken entgeht Serbien seinem Schicksal in den Novembertagen ebensowenig wie zurzeit der großen Offensive des Generals Jofsrc. ES ist auch nicht ausgeschlossen, daß Rußland seitens Rumäniens die Begleichung der seit 1878 noch u n-
