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li» ;- - a Morgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts, u._)

Nr. 270. Freitag. 19. November. »15.

(18. Fortsetzung.)

©t0Cl 5 (Nachdruck verboten.1

Roman von Edela Rüst.

Herbert brach dann auch bald mit Dina auf. Dr. Wulfsen schloß sich ihnen an und ging bis vor ihre Tür init. Dina hatte seinen Arm genommen, weil es glatt auf dem Wall war. Sie gingen sehr oft so aus Gesellschaften heim, Herbert gewöhnlich einige Schritte voraus, schweigsam mit seinen Gedanken und Plänen beschäftigt. Wulften ließ sich dann gern von Dina über das neueste Buch, das sie üben gelesen, etwas berichten. Ihm fehlte zum Selbstlesen die Zeit und so blieb er angenehm angeregt auf dem laufenden. Die Wege waren nur leider immer so kurz, daß sie meistens mit­ten in einem daraus entstehenden Gespräch abbrechen mußten, oder Wulfsen sich verführen ließ, noch zu einem Schluimnerpunsch einzukehren, der sich auf seine Bitten gewöhnlich in eine Tasse Kaffee umwandelte.

Wulfsen fand dann immer, daß es doch kein ganz verlorener Abend gewesen war und auch der heutige Weihnachtsabend schloß so ab.

In der zweiten Woche des neuen Jahres war es, um die zwölfte Stunde, als dem Kommerzienrat Lauter in seinem Bureau der Besuch seines Schwiegersohnes gemeldet wurde.

Er ivar sck>on schlechter Laune von Hause fortge­gangen, Das ganze Dienstpersonal war aufständisch, sie wollten unter der Kommerzienrätin nicht länger auslialten. Lucy pflegte sich wochenlang um gar nichts zu kümmern, aber dann eines Tages um die Dollmond- Seit lief sie wie besessen durch Stuben, Kiiche und Keller, immer um die Runde und fiarttb allesverwüstet" und sinruchlosem Zustande". Als es tagsvorher wieder losgegangen" war, hatten die Dienstboten am Abend einstimmig vermitteln wollen, aber der Versuch war mißglückt und hatte nur zu neuen Ausbrüchen Lucys igestihrt; diesnml Hatto es sich auch über ihn selbst er­sessen. So war er zum ersten Male in seinerSonnen- ahe" fortgelaufen, ohne der Gattin Adieu zu sagen, und zum ersten Male konnte er sich an seinem Arbeitstisch Nicht zurechtfinden.

Er hatte geraucht und Rotwein getrunken, hatte eine Stunde lang am Zensier gestanden, ohne hinaus- zusehen, hatte Bleistifte gespitzt und seine Finger sorg­fältig wieder gesäubert, und war gerade so weit ge­diehen, stehend Einsicht in die Papiere zu nehmen, die sein Prokurist ihm vor einer Stunde übergeben hatte.

Da trat Herbert Sehren bei ihm ein, unruhige Heiterkeit im Gesicht, mit umständlich lauter Be­grüßung.

Ja, was in aller Welt verschafft mir um diese Munde..."

Ausgefallene Termine! Ich störe dich doch nicht geradezu, Onkel Lauter?"

Herbert sagte auch als SchwiegersohnOnkel Lau­ter", wie ehedem; er fand es unnatürlich, zu zwei gebenden Wesen zugleichPapa" zu sagen.

.Sitte, bitte, nur du weißt, Gsschaftsstunden sind 5 mm"r^in GeschäflSstun den ; wir haben _ ja außer dem.

Zeit genug für unsere privaten Unterhaltungen. Trinl eins, bitte."

Danke, Onkel. Was mich herführt, ist zwar unsere Privatangelegenheit, aber sie greift doch so weit in§ Geschäftliche über, daß ich es vorzog, dich in deinem Bureau aufzusuchen zu Hause hat man ja doch keine halbe Stunde unter vier Augen."

Da bin ich natürlich ganz zu deiner Verfügung. Also_"

Lieber Onkel, so peinlich es nur ist, aber es ist doch wohl endlich an der Zeit, daß wir du nimmst mir nicht übel, daß ich ganz ohne Umschweife direkt aufs Ziel lossteuere wozu sich erst auf Umwegen heran, schwatzen: es ist auch nicht meine Art . . ."

Es ist also endlich an der Zeit, daß wir ..."

Daß ich dich, auch in Dinas Namen, bitte, dich mik

uns etwas mehr auseinauderznsetzen-ich spreche

von Dinas Mutterteil."

Ach so!" machte der Kommerzienrat, ein flüchtig boshaftes Lächeln zitterte um die Mundwinkel.

Ja, sichst du meine geschäftlichen Angelegen­heiten haben sich in raschem Tempo schr kompliziert ge­steigert, so daß . . ."

Du finanziell kolossal gewachsen bist das merken wir ja alle mit besonderer Genugtuung! Dein Hau? sängt ja an, sich schr nach oben zu entwickeln, wie wir es sonst eigentlich an unseren Anwälten nicht gewohnt

waren-es freut uns alle, daß es dir so schnell

glückt!"

Durch Hohn habe ich mich noch nie Abschrecken lassen, lieber Onkel, also bitte laß das. Wir wollen beide keine Zeit verlieren. Als gewiegter Geschäfts, mann weißt du doch genau, daß bei breiterer Entwicke­lung der Konjunkturen ganz erheblich andere Kapitals- Wirtschaft notwendig wird. Ich bin an tausend Enden gebunden dadurch, daß ich keine flüssigen Gelder zur Verfügung habe."

Das verstehe ich nicht, lieber Herbert. DU bist doch kein Kaufmann, der in seine Unternehmungen Geld hineinzustecken braucht ein Anwalt hat seine Klien­tel und hat nur die Hand aufzuhalten, um die fälligen Honorare einznkassieren, sonst wüßte ich wirklich nicht ..."

Verzeihe, lieber Onkel, da bist du nicht ganz orien­tiert die Dinge liegen doch wesentlich anders! Eben als Notar bieten sich mir so viel Zufälligkeiten, <M Privatmann inein Vermögen alljährlich zu verzehn.

fachen imd . . ."

Also private Spekulationen außerhalb deiner Praris? Na, da sei froh, daß im dazu die Gelder nicht flüssig hast das lasse dir von mir als Kaufmann raten."

Das kann ich doch nicht unterschreiben. Du hast dich gensiß nicht abhalten lassen, dein Vermögen auf deine Art zum Besten deiner Familie zu vervielfachen. Seit ich eine Familie gegründet babe, habe ich die, .selben Pflichten übernommen, und du mußt mir schon