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er Roman, i!

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Morgen.veilage der Wiesbadener Tagbla«

;1$. lt.-.-)

Nr. 268.

Dienstag, 16. November.

1915.

l16. Fortsetzung.) DCV ©tQö! S BUßSf, (Nachdruck verboten.!

Roman von Edela Rüst.

Dina hatte zu essen aufgehört I Sie stützte nur den Kopf in die Hand und sagte nichts. Dafür erregte sich Otto:

Erstens mal, Herbert, vergiß doch nicht, daß du von unserem Vater sprichst, der uns und niemand noch je um einen Pfennig geschmälert hat, der als tadelloser Kaufmann ldas Firmenschild seiner Väter fleckenlos und «sauber erhält, daß wir nur Hochachtung und Verehrung und Dankgefühle für ihn haben können, so sehr wir auck) vielleicht innerlich in mancher Beziehung ausein­ander gehen -nrögen! Es war Großvaters und unserer Mutter Wunsch, Laß dieses Mutterteil, diese z.^eimal- hunderttausend Mark, im Geschäft bleiben und Vater uns das Geld zu fiinf Prozent verzinsen sollte bis zu seinem Tode, oder bis Dina oder ich in eine Situation gerieten, die die Auszahlung unseres Anteils zur Not­wendigkeit mache! Dina und ich haben uns ohne Zögern den Wünschen unserer Familie gebeugt, und fahren unserem Ermessen nach gut dabei wie du weißt, rühre ich meine Zinsen gar nicht an, ich lasse sie zum Kapital schlagen, da Vater mir ja auch außerdem zukommen läßt, was mir als seinem Sohn gebührtI So ich fühle inich verpflichtet, dir das klipp und klar auseinander zu setzen. Dina und ich sind bis jetzt noch nicht in der Situation, die die Auszahlung der beider­seitigen Kapitalien notwendig macht. Solltest dn aber in solch einer Situation sein, dann schimpfe nicht hinter dem Rücken des Vaters, sondern gehe zu ihm und sage ihm, wie die Sachen stehen. Ich bin sicher, er zögert leinen Tag, Dina ihr Recht werden zu lassen wenn auch vielleicht zu ihrem eigenen Schaden!"

Das war ja eine sehr schöne, wohlgesetzte Rüde und erinnerte cm deine schön vorgetragenen Prologe und Galagedichte aus der Schulzeit, «aber imponieren tust du mir, damit nicht, wenn du auch wild mit den Armen schlenkerst und gegen die Möbel rennst! Das geht ja nun alles gegen mich, den Habgierigen, den Durchbringer, und Dina kämpft mit einer -Ohnmacht, weil sie -das 'Opfer meiner Habsucht ist! Aber wißt,

was ich weiß --- dann wird euch die Galle doch am

Ende nach 'ner anderen Richtung steigen. Uns wird die sogenannte Pflicht, uns werden die Prozente fein ausgerechnet, während es dem hergelaufenen Bettel­pack mir so in den Rachen geworfen wird! Das läuft mir über die Leber, und dem werde ich einen Damm setzen! Der Herr Kommerzienrat soll doch zuerst seine eigenen Kinder befragen, was da am Ende fohlt, che er . . .

Wovon sprichst du denn nur?" fragte Otto und

K e sich wieder in seinen Stichl, um einen Schluck n zu trinken. Er steckte die Hände in die Hosen­taschen und beugte sich vornüber.Wovon sprichst du denn nur", fragte er noch einmal heftiger.

Das laste nur meine Sache sein!" rief Herbert und machte sich scheinbar mit vollster Ruhe daran, sein Mahl zu beenden.

Es ist wegen Lucys Mutter sie zieht zu Januar her, Papa mietete ihr eine Wohnung. Das überlebt Herbert nicht! Schließlich kann man es Lucy doch auch nicht so sehr verargen, wenn sie ihrer Mutter, die auch nichts wie Sorgen gchabt hat . . ."

Herbert lachte aus.

Tue paar lumpigen Kröten, die die Alte kriegt, dis sollen mich aufregen?!"

Also ich bitte dich jetzt allen Ernstes herauszusagen, womit du Vater oder ich weiß nicht wen noch verdäch« tigstl" sagte Otto und sprang wieder auf.

Auch Herbert erhob sich und griff wütend nach der Lehne seines Stuhles:

Na gut, warum sollt ihr es denn nicht wissen, was fremde Leute längst wissen, warum soll ich mich allein damit giften! Vielleicht, in eurer engelhaften Güte, sagt ihr Ja und Amen dazu, wenn Junker Erloff von Grünrm zehntausend Mark nach den anderen versucht! Wenn auch schon nichts bleiben sollte für den Fall, daß ihr in jene gewisse Situation kämet, euer Kapital selbst zu benötigen? Ja, wenn Junker Erloff nur hat!"

Erloff Grümm. . . .?"

Ottos Gesicht war etwas länger und weißer ge­worden. #

Ach Gott Papa mag ja wohl etwas Schulden für ihn bezahlt haben als Vrautgabe für Lucy, sie hat mir selbst so etwas von viertausend gebeichtet. Ich weiß gar nicht, wie ihr darüber wütet mein Himmel, wenn ein so junges, schönes Mädchen «wie Lucy einen so viel älteren Mann heiratet, tut sie es natürlich nicht ganz ohne jede Berechnung. Lucy l)at sich uno ihrü Familie aus einen stärkeren Ast gerettet wen kann das wundernehmen? Die paar tausend Mark ver* schmerze ich gern um Papas willen!"

Wenn du nur nicht immer von dir allein reden wolltest! Ich bin ja auch noch da und Susi auch! Und wir sind bis jetzt wenigstens noch nicht so gut gestellt, «daß wir dreißigtausend 'Mark in anderthalb Jahren entbehren, damit nur Bruder Erloff tüchtig was zu versuchen hat! Wie gefällt euch das: Dreißigtausend Mark!"

Die Geschwister waren verstunijmt.

Ada, seht mich an. mich Neidhammel, und verhöhnt mich mit eurer Großmut!"

Dina fragte leise:

Wer hat dir die Lügen erzählt?"

Es ist leider die bitterste Wahrheit ich habe mich «die Bestätigung des Gerüchtes etwas kosten lasten! Sonst hätte ich mir lieber die Lippen «abgcbissen, als euch damit zu kommen. Mer Dina mußte einmal aus ihrer Grohnmts-duselei geweckt wevden. Also wenn das nun so fortgeht, ist euch das so völlig einerlei?"

Doch nicht!" sagte Otto endlich, .wenn t*3 Auch fest überzeugt bin, -daß es mit diesen «dreißigtausenZ nun geschnappt hat! Grümm ist nun rangiert und kann sich wie tausend andere reich verheiraten tz^-^da ist

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