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is — r ~ = » i Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts. i »^= s)

Nr. 266,

Samstag. 13. November.

19t5.

(14. Fortsetzung.) (DlTQCl s (Nachdruck verboten.»

Roman von Edela Rüst.

„Das sagt man so! Mein ganzer Besitz liegt hier ziemlich fest, niein Geschäft geht hier von selbst seinen notwendigen ruhigen Gang und — ich bin hier iemarnö! In Berlin! Tjah — von neuem ansangen? Oder gar aushören und als Rentier leben? Wer wäre . ich in Berlin? Ein Nobody! Ein Herr Soundso mit etwas Geld, ein Mann ohne Palais, vielleicht auch gar ohne Mimosa, ohne Dogoart — nee, nee, wenn ich in Berlin nicht derselbe sein kann, der ich in Fünf-Hügelchen bin, dann bin ich lieber „Derjenige" in Fünf-Hügelchen. Wer die Welt kennt, wird mir recht geben!"

„Ja, ja, gowiß! Nur ist es doch so ein anderer Horizont, meine ich."

„Herr Oberst, ich kenne meine Grenzen. Miern Sinn ist ladiglich auf das Materielle gerichtet, so etwas ist erblich, und da finde ich auch hier meine Rechnung, zuinal ich ja, wenn's mir beliebt, auf Monade hinaus kann! Mein Herr Papa hat mir schon als Junge mrmer mit dem Zeigefinger vor der Nase herumgefuch- talt und mich ermahnt: „Mensch, erkenne deine

Grenzen!"

Ich hatte dann envweoer meine Fähigkeit für Schlagsahne überschätzt oder die fünfzig Pfennig monatliches Taschengeld bereits in der ersten Woche vervosamentiert. Auch studieren wollte ich mal... .! Frühe'- war mir diese väterliche Beschneiduna meiner Flüael höchst fatal, aber seit ick so aus dem Bollen Wirt- schäften kann, bin ich ih>m nachträalich doch dankbar da- ftir! Der Kerl, der seine Grenzen nicht kennt, ist ein Idiot — ob sich's nun um geistige oder materielle Güter handelt! Ein Filou ist so'n Kerl, denn er beschwindelt nicht nur sich, so einer, der seine Grenzen nicht kennt! Geben Sie mir recht, Doktor?"

Es tvar ein harter, mokanter Untertan m dieser

Herbert bekam einen heißen Kopf. Er schob seinen Teller etwas hastig von sich und ballte die Serviette zum Knäuel, ehe er scharf entgegnete: „Ich fürchte,

lieber Trümpe. die weise anerkannte „Grenze" macht eine Unterhaltung über solche Dinge zwischen uns un­fruchtbar — nichts für ungut-1"

Herbert stand vom Tisch auf und lachte fern, als nähme er die Sache scherzhaft. Aber Trümpe ivarf ihm einen Blick nach, der ihm vielleicht doch zu denken gegeben hätte. ...

Er fühlte auch, es Ware unklug, sich nnt Trümpe auf den Kriegspfad zu beneben, er konnte ihm geschäftlich viel nützen, und gesellschaftlich war er gar nicht zu um- gehen, ahne daß Verlegenheiten daraus erwüchsen. Aber sie hatten sich nie lehr glänzend gestanden, und in letzter Zeit hechelten sie sich, wo sie beieinander saßen. Nicht etwa, daß Herbert wegen Lene Daubenreiter —I Ach bewahre! Was ging ihn das an, was Frau Deichen- reiter tricb oder treiben könnte! Das ganze männliche Fünf-Hügelchen ftmd ja da allmählich hin, und dazu konnte er sie doch nur beglückwünschen — sie wollte ja doch leben und mußte dem Vater Zins zahlen! Nur

der Trümpe, der hatte so eine besitzergreifcnde Art!

Und er hatte Glück, ein ganz verteufeltes Glück-

das wußte die ganze Stadt! Und nur darum — er würde Lene Deubenreiter im Umsehen ins Gerede brin­gen -es war ja schon so weit!

Ec selbst war mit den Herren nur noch zweimal zur Jagd draußen gewesen — er hatte selbst beim besten Willen die Sonntage nicht dazu erübrigen können.

Mit dem Schaukelpferd hatte er natürlich Puttis kleines Herz gewonnen, aber sonst war er im Grund« gesonnen, selbst später ein anderes Jagdrevier m suchen, um die Waldschenke ernstlich zu meiden. Nicht etwa, weil er sich selbst nicht recht traute! O nein, sicher nicht deshalb! Aber -wozu alle Geschichten aufvühren? Dos tvor alles abgetan — sein Lebensweg ihatte andere Direktionen genommen, da hieß es vorwärts und nicht rückwärts schauen. — Er ging ins Lesezimmer hinüber und vertiefte sich in auswärtige Zeitungen. Herbert hatte noch nicht lange gelesen, als ihn jenrand auf di« Schulter tippte. Er fuhr herum.

„Ach, lieber Fährden!"

„Auf ein Wort, Doktor", sagte der Amtsrichter leilse und schob seine Hand in Herberts Arm, um ihn aus dem Sessel zu ziehen.

Die beiden Herren gingen Arm in Arm in eines der entlegeneren kleinen Plauderzimmer, wo sie vor­läufig allein waren.

„Also, lieber Sehren, es ist so weit — der ehr- und tugendsauie Bäckermeister Rodstock ist vor einer Stunde sanft entschlafen."

„Welche Fügung! — Da dem avrnen Kerl doch nicht zu heften war!"

„Sie werden sich also bereit finden lassen, Vormund der Kinder und Vermögensverwallter zu werden?" lächelte der Amtsrichter und bot Herbert eine Zigarette an.

„Ich werde mich bereit finden lassen, jawohl! Sie sind em famoser Kerl, Fährden — ich hoffe, ich kann mich gelegentlich revanchieren. Also 300 000 Taler —* tatsächlich?"

„Tatsächlich!"

„Wie lange wird die ganze Regulierung dauern?

„Doch an die drei Monate — es ist da noch mit kleinen Legaten zu rechnen- für die Mamsell im Haufe, für die Biermamsell bei Schmidt und für die kleine lliähmamfell, die die Rodstocksche Garderobe jahrelang instauo gehalten hat."

„Also der gute Meister hatte auch den Hang zum —

„Zu den Mamsellen. die nutzbringend in sein Leben und Witwentum eingriffen, jawohl! Jadenfalls freut es mich, daß ich Ihnen dazu verhelfen kann — die erste Verwaltung ist immer schwer zu kriegan! Zur Wehlen verspitzt sich natürlich Won längst 'davanf, aber durch mich gelangt der Leisetreter m nichts mehr! Wo ich mitzureden habe, das gehört fortan Ihnen — Sie sind mein Rdann, Sie Wohltäter von Fünf-Hügelchen! Ach. ist das nicht wahrhaftig 'ne Wohltat, hier in den hüb-

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